Der Schwarzsegler (Cypseloides niger) ist eine Vogelart aus der Familie der Segler (Apodidae). Mit einer Körperlänge von etwa 18 Zentimetern gehört der Schwarzsegler zu den mittelgroßen Seglern. Das Gefieder ist vorwiegend dunkel schwarzbraun – außer im Bereich des Kopfes, wo die Färbung insbesondere an der Stirn grau und deutlich blasser ist.
Die Art ist Mittel- bis Langstreckenzieher. Das Brutgebiet erstreckt sich über den Westen Nordamerikas, Mittelamerika und die Westindischen Inseln, die Winterquartiere liegen im Norden und Westen Südamerikas. Nur in sehr wenigen, eng begrenzten Teilen des Verbreitungsgebiets ist der Schwarzsegler regelmäßig anzutreffen, die Häufigkeit variiert regional deutlich. Die Nistplätze liegen an Absätzen steiler Felswände oder in Höhlen, typischerweise in der unmittelbaren Nähe von Wasserfällen. Im gesamten Brutgebiet gibt es lediglich eine Jahresbrut, das Gelege besteht aus nur einem Ei.
Es werden drei Unterarten unterschieden, wobei die in Nordamerika brütende Form deutlich größer ist als die beiden mittelamerikanischen Unterarten. Der weltweite Bestand wird grob auf 150.000 Altvögel geschätzt, das Brutgebiet auf knapp 1,3 Millionen Quadratkilometer.
Merkmale Die Körperlänge beträgt ungefähr 18 Zentimeter. Die nordamerikanische Unterart (C. n. borealis) ist deutlich größer als die in Mittelamerika brütenden Vertreter der Art. Bei Untersuchungen nordamerikanischer Schwarzsegler lagen die gemessenen Flügellängen im Mittel bei etwa 169 Millimetern, das Gewicht betrug durchschnittlich 46 Gramm. Bei Messungen in Costa Rica ergaben sich dagegen durchschnittlich 160 Millimeter für die Flügellänge und etwa 35 Gramm für das Gewicht.Manuel Marín: Growth rates in the Black Swift: temperate versus tropical comparisons. In: Ornitologia Neotropical. 10, 1999, S. 179–192. (online) (PDF; 208 kB)
Aussehen Die Befiederung des Oberkopfs ist dunkelgrau und zeigt deutliche blasse, hellgraue Federsäume. Kehle und Ohrdecken weisen eine rußige, graubraune Färbung auf, das Kinn ist heller. Die helle Färbung des Kopfes kontrastiert mit einem dunklen Augenfleck. Die Oberseite hinter dem Nacken ist schwarzbraun, Bürzel und Oberschwanzdecken erscheinen etwas heller. Die Färbung der rußig-graubraunen Kehle erstreckt sich bis in den mittleren Brustbereich, unterhalb davon ist das Gefieder schwarzbraun. Insbesondere bei frisch vermausertem Gefieder sind auf der Unterseite undeutliche, graubraune Federsäume zu erkennen. Die Schwungfedern sind auf der Unterseite heller als auf der Oberseite. Die großen Armdecken der Flügelunterseite sind ähnlich gefärbt wie die Schwungfedern, die mittleren und kleinen Armdecken sind dagegen dunkler und entsprechen der Färbung des Rumpfes. Die Schwanzfärbung und die Färbung der Schwungfedern entsprechen sich auf Ober- und Unterseite. Der Schwanz ist leicht gegabelt, er zeigt zudem eine undeutliche Tendenz zu Schwanzdornen (über die Fahnen der Steuerfedern hinausragende Federkiele); das Ende der Federschäfte ist aber nur wenig steif und ragt kaum über das Schwanzende hinaus.Chantler, Driessens: A Guide to the Swifts and Tree Swifts of the World. 2000, S. 104ff.Marín, Stiles: On the biology of five species of swifts (Apodidae, Cypseloidinae) in Costa Rica. 1992, S. 297ff.
Beide Geschlechter sehen gleich aus. Jungvögel unterscheiden sich von adulten Vögeln dadurch, dass das Kopfgefieder, die Schwungfedern und insbesondere das Gefieder der Unterseite deutliche weiße Federsäume zeigen. Unterhalb des helleren Bereichs der Kehle ergibt sich dadurch ein auffälliges, gesprenkeltes Muster.
Lautäußerungen Die Lautäußerungen des Schwarzseglers wurden bislang nicht gezielt untersucht. Die Art gilt im Allgemeinen als vergleichsweise wenig ruffreudig. Im Flug sind tiefe, gleich hohe Zwitscherlaute zu hören, oft in einer schnellen Folge, die sich gegen Ende verlangsamt. Die Tonhöhe ist dabei niedriger als beim Schornsteinsegler.Lowther, Collins: Black Swift (Cypseloides niger). Sounds. Ebenfalls berichtet wird von einem sanft klingenden tschiep tschiepTonaufnahme des Schwarzseglers (MP3; 421 kB) von Todd Mark, Parque Nacional Basaseachi, Chihuahua, Mexiko, 20. Juli 2006. oder von Klicklauten während Flugspielen.
Verbreitung und Wanderungen mini|hochkant=1.2|Verbreitung des Schwarzseglers: hellgrün = Brutgebiet, rot = Standvogel Das Verbreitungsgebiet erstreckt sich über die Nearktis und die Neotropis. Das Brutgebiet in Nordamerika reicht im Norden bis an den Stikine River im Südosten Alaskas. Von dort erstreckt es sich südlich über den Westen Kanadas, wo die Art im Nordwesten und in der Mitte von British Columbia und im Südwesten von Alberta brütet. An der kanadischen Pazifikküste kommt der Schwarzsegler auf Vancouver Island vor, allerdings nicht auf Haida Gwaii.Lowther, Collins: Black Swift (Cypseloides niger). Distribution. In den Vereinigten Staaten gibt es Vorkommen in den Bundesstaaten Washington, Idaho, Montana, Kalifornien, Utah, Colorado, Arizona und New Mexico. In Mexiko kommt die Art an der pazifischen Abdachung vom Westen Chihuahuas bis Oaxaca vor, zudem auch weiter östlich von Hidalgo bis in den Norden von Oaxaca.
Noch fragmentierter als in Nordamerika sind die Vorkommen in Mittelamerika. Das Verbreitungsgebiet erstreckt sich dabei von Chiapas im südlichen mexikanischen Landesinneren über Guatemala, Honduras und Nicaragua bis Costa Rica, in El Salvador gibt es keine Nachweise während des Sommers. Weiterhin umfasst das Brutgebiet die Westindischen Inseln, dort kommt die Art auf Kuba, Jamaika, Hispaniola, Puerto Rico, St. Kitts, Guadeloupe, Dominica, Martinique, St. Lucia, Montserrat und St. Vincent vor. Auf Saint Croix, Grenada und Barbados gilt die Art als Irrgast. Es gibt nur recht wenige Brutnachweise innerhalb des Verbreitungsgebiets. Da die Brutplätze jedoch recht versteckt liegen, ist davon auszugehen, dass die Art überall dort brütet, wo sie im Sommer der Nordhalbkugel anzutreffen ist.
Der Schwarzsegler gilt vorwiegend als Mittel- bis Langstreckenzieher. Auf den Großen Antillen ist die Art höchstwahrscheinlich auch Standvogel. Die Winterquartiere der ziehenden Vögel liegen im Norden und Westen Südamerikas. In Cauca im Süden Kolumbiens wurden ziehende Schwarzsegler der nordamerikanischen Unterart C. n. borealis gesichtet; es wird vermutet, dass die Art auch noch weiter südlich übersommert. Verlässliche Sichtungen legen nahe, dass die Schwarzsegler vom Süden Mexikos bis nach Kolumbien zumindest teilweise den kürzeren, direkten Weg über den Pazifik nehmen und nicht entlang der mittelamerikanischen Küste ziehen. Im Süden Kaliforniens beginnt der Wegzug Ende August, die meisten Vögel verlassen das Brutgebiet im September. Im Frühling datiert der erste Nachweis eines heimkehrenden Schwarzseglers in Kalifornien auf den 20. April, der Großteil der Vögel trifft im Mai wieder im Brutgebiet ein. In anderen Teilen des nordamerikanischen Verbreitungsgebiets sind die Zugzeiten ähnlich.
Lebensraum mini|Typisches Bruthabitat an den Burney Falls im McArthur-Burney Falls Memorial State Park in Kalifornien. Die Vögel nisten in Hohlräumen und Klüften hinter dem Wasserfall.Lowther, Collins: Black Swift (Cypseloides niger). Breeding. Im Westen Nordamerikas gibt es zwei charakteristische Lebensräume, die Nistmöglichkeiten für den Schwarzsegler bieten: Zum einen sind dies Brandungshöhlen und Steilküsten entlang der Pazifikküste, zum anderen enge, felsige Gebirgsschluchten mit Wasserfällen oder herabtropfendem Wasser.David A. Wiggins: Black Swift (Cypseloides niger): A Technical Conservation Assessment. 2004, S. 16f. Es wurden folgende Kriterien ermittelt, nach denen Forscher bei der Suche nach Nistplätzen im Landesinneren die Eignung potentieller Lebensräume beurteilen können:Levad et al.: Distribution, Abundance, And Nest-Site Characteristics Of Black Swifts In The Southern Rocky Mountains Of Colorado And New Mexico. In: The Wilson Journal of Ornithology. 120, 2008, S. 331–338. (online) (PDF; 740 kB) auch in den Sommermonaten nicht versiegendes fließendes Oberflächenwasser, die Exponiertheit des Geländes, die Möglichkeit des freien Anflugs, die Abschattung, das Vorhandensein geeigneter Nischen und Hohlräume, die Verfügbarkeit von Moos als Nistmaterial. Ein wesentlicher Aspekt dieser Nistplatzpräferenz ist sicherlich die Unzugänglichkeit für bodengebundene Prädatoren. Die Vorliebe für Wasserfälle könnte zudem durch die dadurch bedingte konstante Temperatur motiviert sein, auch erleichtert die Feuchtigkeit die Befestigung des Nests am Untergrund. Im mittelamerikanischen Brutgebiet sind noch weit weniger Nistplätze bekannt als in Nordamerika. Die südlichsten bekannten Nistplätze befinden sich in Costa Rica am Oberlauf des Río Tiribí in einer Höhe knapp über 2000 Metern.Manuel Marín, Julio E. Sánchez: Breeding of the Black Swift (Cypseloides niger) in Costa Rica. In: Ornitologia Neotropical. 9, The Neotropical Ornithological Society 1998, S. 219–221. (PDF; 228 kB) Der Höhenbereich des Brutgebiets ist abhängig vom Breitengrad, in British Columbia reicht er von Meereshöhe bis 2600 Meter, in den südlichen Rocky Mountains von 2000 bis 3550 Meter, in Oaxaca in Mexiko von 2100 bis 3700 Meter.Lowther, Collins: Black Swift (Cypseloides niger). Habitat. 2002.
Zu geeigneten Nahrungshabitaten sind keine fundierten Aussagen möglich, da der Nahrungserwerb des Schwarzseglers noch nicht gezielt untersucht wurde. Man nimmt an, dass die Art bei warmem, klarem Wetter in großen Höhen über dem Boden auf Nahrungssuche geht, wo sich große Insektenschwärme aufhalten. Häufig sind die Vögel über Gipfeln und Gebirgskämmen anzutreffen. Bei Schlechtwetter und während des Zuges scheinen die Segler in niedrigeren Höhen zu jagen, oft über Seen oder anderen Wasserflächen. Im Gebirge nistende Schwarzsegler legen in einigen Teilen des Verbreitungsgebiets weite Entfernungen zurück, um über dem Tiefland auf Nahrungssuche zu gehen.
Verhalten und Nahrungserwerb Die Schwarzsegler sind gesellig, in Kalifornien und British Columbia wurden während der Brutzeit und des Zuges Schwärme von tausend oder mehr Individuen beobachtet. Insbesondere bei Verfügbarkeit großer Insektenschwärme geht der Schwarzsegler gemeinschaftlich mit Halsband-, Rothals-, Brustfleck-, Weißkinn- und Diademsegler auf Nahrungssuche.
Außerhalb der Brutzeit verbringen Schwarzsegler mehr als 99 % der Zeit in der Luft. Die Flughöhe bei Nacht variiert in Abhängigkeit vom Mond. In Vollmondnächten fliegen die Vögel höher als bei Neumond.
Nahrung Während der Brutzeit machen schwärmende Ameisen einen Großteil der Beute aus, verschiedene Untersuchungen ergaben einen Anteil zwischen 72 und 98 Prozent, die durchschnittliche Größe der Beutetiere lag in einem Fall bei 7,2, im anderen bei 8,6 Millimetern. Auch Termiten zählen zur bevorzugten Nahrung, insbesondere bei ungünstigen Wetterbedingungen und mangelnder Verfügbarkeit der bevorzugten Beutetiere steigt der Anteil anderer Fluginsekten. Der hohe Fettanteil schwärmender Ameisen steht höchstwahrscheinlich in direktem Zusammenhang mit dem vergleichsweise großen Gewicht der Nestlinge zum Zeitpunkt des Ausfliegens. Die hohe Abhängigkeit des Schwarzseglers von kurzfristig verfügbaren großen Schwärmen erklärt vermutlich einige ungewöhnliche Aspekte der Brutbiologie der Art – beispielsweise die oft großen Fütterungsintervalle und die relativ lange Nestlingszeit.
Fortpflanzung