Die Palästinafront bzw. Sinaifront war ein Nebenkriegsschauplatz während des Ersten Weltkriegs. Von 1915 bis 1918 standen sich die Truppen des Britischen Empire und der Mittelmächte, die aus der osmanischen Armee, dem deutschen Asien-Korps und österreichisch-ungarischen Verbänden zusammengesetzt waren, in wechselvollen Kämpfen gegenüber.

Hintergrund Am 2. August 1914 hatten das Deutsche Reich und das Osmanische Reich einen Bündnisvertrag geschlossen. Von diesem Moment an forderten die Deutschen die Osmanen auf, sich aktiv auf deutscher Seite zu beteiligen und den Mächten der Triple Entente den Krieg zu erklären. Ein mögliches Ziel der Türkei wäre es gewesen, eine neue Front gegen Russland zu eröffnen, um die russischen Kriegsanstrengungen gegen die Mittelmächte zu untergraben. Dies würde es der deutschen Armee ermöglichen, mehr Kräfte an die Westfront zu verlegen, um Großbritannien und Frankreich entgegenzutreten. Doch die Osmanen zögerten. Seit 1774 hatte das Osmanische Reich die meisten Kriege gegen Russland verloren und hatte unmittelbar nach den Kriegen gegen Italien und auf dem Balkan keine Aussicht auf einen Sieg gegen seinen gefährlichsten Nachbarn. Sollte das Osmanische Reich 1914 Russland angreifen und verlieren, so drohte ihm die sichere Zerschlagung. Ein anderer Einsatz wäre ein Angriff auf die britischen Stellungen in Ägypten. Wenn es den Osmanen gelänge, den Suezkanal zu erobern, würden sie die britische Kommunikation mit Indien unterbrechen und die Versorgung mit Männern und Material nicht nur aus Indien, sondern auch aus den Dominions Australien und Neuseeland unterbinden. Darüber hinaus versuchten die Deutschen den religiösen Enthusiasmus von muslimischen Kriegsteilnehmern auszunutzen, indem im Halbmondlager bei Zossen eine Holzmoschee für Zehntausende von muslimischen Kriegsgefangenen errichtet wurde und die deutsche Nachrichtenstelle für den Orient die Propagandazeitung „El Dschihad“ verteilte. Ein Angriff auf Ägypten, verbunden mit der Ausrufung des Dschihad, des heiligen Krieges des Islams, hätte einen Aufstand der unruhigen ägyptischen Bevölkerung provozieren sollen, der die britische Position in diesem Land unhaltbar machen würde. Für die Osmanen stand die Rückeroberung von verlorenem Territorium im Vordergrund, für die Briten die Sicherung des Suezkanals.

Geschichte Sinaifront 1915/16 links|mini|Palästina, während des Ersten Weltkriegs |234x234px Die Sinaifront wurde im Januar 1915 durch einen Vorstoß des Osmanischen Reiches zum Sueskanal eröffnet, der aber durch den britischen Oberbefehlshaber in Ägypten, General Sir John Grenfell Maxwell, erfolgreich abgewehrt werden konnte. Der logistisch aufwändige Nachschub verhinderte einen osmanischen Erfolg. Daher errichteten Kräfte der Mittelmächte 1915 die Militärbahn Masʿūdiyya–Sinai bis Birüssebi (heute Beʾer Scheva), die bis Frühsommer 1916 in den Sinai vorgetrieben werden konnte. Den ersten Sieg konnten die Osmanen am 23. April 1916 bei Katia erringen. Ein zweiter Vorstoß auf den Sueskanal im Juni 1916, der mit Unterstützung des deutschen Asien-Korps unter General Friedrich Kreß von Kressenstein geführt wurde, scheiterte jedoch erneut. Unmittelbar danach begannen die Briten unter ihrem neuen Oberbefehlshaber General Archibald Murray mit der schrittweisen Rückeroberung der Sinai-Halbinsel. Im August konnten die Briten die Schlacht von Romani für sich entscheiden, konnten aber einen geordneten Rückzug der Osmanen nicht verhindern. Erst mit dem Sieg bei Magdhaba am 23. Dezember 1916 und Rafah am 9. Januar konnten die Osmanen von der Sinai-Halbinsel vertrieben werden.

Arabische Revolte

Der Einmarsch der Briten in den Sinai im Sommer 1916 fiel mit dem Beginn der arabischen Revolte im Hijaz zusammen. In den ersten zwei Monaten hatte Hussein ibn Ali (Hedschas) die Osmanen in Mekka, Taif, Jeddah, Rabigh und Yanbu besiegt. Das Londoner Kriegs-Komitee erkannte die Möglichkeit, die arabische Revolte und den Sinai-Feldzug zu koordinieren, um die osmanische Position in Südsyrien und Palästina unhaltbar zu machen. Während der Chef des Imperial General Staff im Februar 1916 nur begrenzte Operationen bis nach Qatiya zur Verteidigung des Suezkanals genehmigt hatte, erhielt Murray im Juli 1916 Befehl den Sinai von al-Arish bis zum Hafen von Aqaba am Roten Meer zu besetzen, „da eine an diesen Orten aufgestellte Truppe die osmanischen Verbindungen zwischen Syrien und dem Hedschas direkt bedrohen und die syrischen Araber ermutigen würde“, sich gegen die Osmanen aufzulehnen.

1917 Vertrieben aus dem Sinai, errichteten die Osmanen eine Verteidigungslinie, die landeinwärts von Gaza an der Küste bis nach Beʾer Scheva verlief. Zwischen Januar und März 1917 wurden osmanische Verstärkungen an der 32 km langen Front eingesetzt, um Palästina vor einem künftigen britischen Angriff zu schützen. Beflügelt durch seinen Erfolg bei Rafah begann Murray im Frühjahr seine Offensive, um die osmanischen Linien zu durchbrechen. Die Erste Schlacht um Gaza (26.–28. März 1917) wurde aufgrund schlechter Planung, mangelnder Kommunikation zwischen den Infanterie- und Kavallerieeinheiten, akutem Wassermangel und dem Widerstand der Osmanen zu einem Fehlschlag. Auch die Zweite Schlacht um Gaza (17.–19. April) war ein Misserfolg. Der Frontalangriff von General Dobell gegen die gut ausgebauten osmanischen Verteidigungsanlagen endete mit hohen Verlusten, keinerlei Geländegewinnen und der Ablösung von General Dobell durch General Chetwode. Beide Seiten hatten in den zwei Schlachten schwere Verluste erlitten und waren daher nicht in Lage weitere Offensiven zu starten.Britische Verluste lagen bei etwa 10.000, die der Osmanen bei 4.500 Dies führte zu einer Pattsituation die bis zum Oktober anhielt. Während dieser Zeit kam es auf beiden Seiten zu einer Umstrukturierung des Kommandos: Murray wurde durch General Edmund Allenby ersetzt und Erich von Falkenhayn übernahm die Führung der Heeresgruppe F, deren Kräfte im Irak und bei Aleppo neu gebildet wurden. Nach langen Auseinandersetzungen mit der osmanischen Führung wurde Falkenhayn am 30. September auch zum Oberbefehlshaber der osmanischen 7. und 8. Armee in Palästina ernannt. links|mini|224x224px|Britischer Einmarsch in Jerusalem am 11. Dezember 1917 Das ägyptische Expeditionskorps verfügte nun über eine klare Überlegenheit gegenüber den osmanischen Verteidigern um Gaza. Aufgeteilt in zwei Kavallerie- und ein Infanteriekorps hatten die Briten eine Stärke von 95.000 Soldaten. Weiterhin wurden sie zusätzlich durch Angriffe der aufständischen Araber hinter der Front gegen die osmanischen Nachschublinien unterstützt.Auf dem Papier betrug die Stärke der Infanteriedivisionen und der Kamelbrigade 80.000 und die der Kavallerie 15.000. In diesen Zahlen ist jedoch eine große Anzahl von Soldaten enthalten, die für besondere Aufgaben eingesetzt wurden und nicht als Bataillone oder Regimenter zur Verfügung standen. Die tatsächliche Stärke dürfte bei etwa 60.000 bzw. 12.000 gelegen haben. Im Gegensatz dazu konnten die Osmanen nur eine Stärke von 34.000 bis 40.000 Mann aufbringen. Am 31. Oktober konnten die Briten die osmanischen Truppen in der Schlacht von Beerscheba bis nach Tel es Sheria und Tel el Khuweilfeh zurückzudrängen. Sowohl bei Tel es-Sheria als auch bei Tel el Khuweilfeh kam es erneut zu Kämpfen, die sich bis zum 6. November hinzogen. In der sich anschließenden Schlacht am 7. November konnte Allenby Gaza einnehmen. Besondere Bedeutung für die Eroberung von Beerscheba und Jerusalem waren die Daten, die der jüdische NILI Spionagering lieferte. Die Informationen trugen auch zur erfolgreichen britischen Offensive bei Beerscheba (Oktober 1917) bei, einer Schlüsseloperation, die den Weg für die spätere Eroberung Jerusalems öffnete. Detaillierte Karten und Berichte über die osmanischen Verteidigungsstellungen ermöglichten den Briten, gezielte Angriffe durchzuführen.

Nachdem sie ihre Stellungen in Gaza verloren hatten, bemühten sich die Osmanen, eine Verteidigungslinie zu bilden, um die Briten aufzuhalten, bevor sie Jerusalem erreichten. Die Anzac Mounted Division verfolgte die Osmanen entlang der Mittelmeerküste, während es den britischen Truppen am 14. November gelang, einen wichtigen Eisenbahnknotenpunkt südlich von Jerusalem einzunehmen. Am folgenden Tag besetzte die Anzac Mounted Division Ramla und Lidda und die Australian Mounted Division nahm Latrun ein; am 16. November besetzte die New Zealand Brigade den Hafen von Jaffa. Von Süden und Westen isoliert, konnte Jerusalem nicht verteidigt werden. Zwischen dem 19. und 21. November 1917 schwenkten die Briten erneut um und griffen östlich in Richtung Jerusalem an. Am 25. November führte von Kressenstein eine Gegenoffensive durch, die die Briten zurückdrängte und die taktische Situation an der Küste wiederherstellte. Dennoch wurde General von Kressenstein am 1. Dezember von Cemal Pascha ersetzt. In der folgenden Woche verlagern die Briten ihre Hauptanstrengungen auf die Einnahme Jerusalems. Die 7. osmanische Armee konnte den Vorstoss der Briten bis zum 8. Januar aufhalten. Danach zogen sich die Osmanen auf neue Verteidigungspositionen vier Kilometer östlich von Jerusalem zurück. Am 8. Dezember zog Allenby schließlich in die Stadt ein.Es gibt verschiedene Angaben wann genau Allenby in die Stadt eingezogen ist. Edward J. Erickson gibt den 8. Dezember an. Cyril Falls und Anthony Bruce geben den 11. Dezember an. Zwischen dem 13. und dem 17. Dezember setzten die Briten ihre Angriffe fort und erzielten kleine Erfolge entlang der Küste, wo sie auf die Geschütze der Royal Navy zurückgreifen konnten. Am 22. Dezember hatten sie Jaffa eingenommen und vier Tage später die Küste fünfzehn Kilometer nördlich von Jaffa erreicht.

1918 Nach den erfolgreichen Operationen nördlich von Jerusalem und Jaffa im letzten Jahr rückte Allenby im Februar in Richtung Jericho vor, um seine Ausgangsposition für seine spätere Transjordanien-Operation zu verbessern. Bereits am 21. Februar konnten die Briten die Stadt einnehmen. Am 1. März wurde Falkenhayn durch General Liman von Sanders ersetzt, der ein besseres Verhältnis zu den Osmanen hatte. Die Einnahme von Jericho beendete zwar die Gefahr eines osmanischen Angriffs auf Jerusalem von Osten her, bot aber keine sichere Basis, von der aus neue Operationen gegen die Hedschasbahn und darüber hinaus durchgeführt werden konnten. Allenbys Vorstoß an den Rand des Steilhangs über dem Jordangraben hatte zwar die rechte Flanke der Briten gesichert, doch war die Front nicht breit genug, um Operationen östlich des Jordans durchführen zu können. Bevor eine solche Operation durchgeführt werden konnte, musste er zunächst das Wadi el Auja überqueren und das Bergland von Benjamin am Nordufer des Flusses sichern. Außerdem mussten die Zufahrten zum Jordantal über die Straße Beisan-Jericho gesichert werden. Von dort sollten sie weiter nach Norden auf beiden Seiten der Straße von Jerusalem nach Nablus vorrücken, um den Feind daran zu hindern, die zum unteren Jordangraben führenden Wege und Straßen zu benutzen. Sobald dies geschehen wäre, müssten die Truppen, die die Osmanen vom westlichen auf das östliche Ufer des Jordans verlegen wollten, einen beträchtlichen Umweg nach Norden machen.