mini|Gottfried Gruner 2008 in seinem Haus in Horb-Rexingen
Gottfried Gruner (* 29. Mai 1923 in Stollberg; † 12. Juli 2011 in Rexingen) war ein deutscher Künstler. Gruner wirkte als Bildhauer und Wasserkinetiker. Er gilt als Pionier der Solarkunst.„Einmaliges Konzentrat“ zweier Künstler im: Schwarzwälder Bote vom 14. April 2011 In über 60 Städten in Deutschland stehen seine Werke an Plätzen und in Grünanlagen.
Leben Gruner wuchs in Stollberg auf und besuchte von 1934 bis 1940 die dortige Oberschule. Sein damaliger Zeichenlehrer war der Künstler und Kunsterzieher Walter Schurig.
Gruner wurde danach zur Wehrmacht eingezogen und nahm ab 1941 in der Sowjetunion am Zweiten Weltkrieg teil. In der Nähe von Nowgorod entstanden Aquarelle, die noch heute in der Städtepartnerschaft zwischen Bielefeld und Nowgorod eine besondere Nachwirkung entfalten. 1945 geriet er in der Tschechoslowakei in Kriegsgefangenschaft. Eine Tuberkuloseerkrankung überstand er im Krankenhaus in Münster.
Ab 1946 studierte an der Hochschule für Bildende Künste Dresden. 1947 war er in Stollberg auf der Ausstellung Bildende Kunst im Kreise Stollberg vertreten. 1947 war er an der Kunstschule Bremen ein Schüler von Herbert Kubica.
1951 heiratete er die Stollberger Künstlerin Traute Gruner geb. Schäfer, im Jahr darauf siedelte das Paar in die Bundesrepublik über. Hier setzte er sein Studium an der Kunstakademie Münster (bei Kurt Schwippert) und später an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Stuttgart (bei Hermann Brachert und Otto Baum) fort.
Gruner wirkte seit 1953 als freischaffender Künstler in den Bereichen Baudekoration und Kunst im öffentlichen Raum sowie der Kirchen-Ausstattung. In den 1960ern wandte er sich kinetischen Brunnenobjekten zu – seit 1974 unter der Bezeichnung „Aquamobile“ – die er im niederrheinisch-westfälischen Industriegebiet und um Stuttgart realisierte.
In den 1990er Jahren entwarf Gruner beweglich Kunstobjekte mit Solarantrieb und installierte seine Solarplastiken im öffentlichen RaumBildhauer Gottfried Gruner gestorben im: Schwarzwälder Bote vom 15. Juli 2011.
Die Gruners lebten in Stuttgart-Vaihingen und zuletzt bis 1988 in Musberg. Hiernach erfolgte der Umzug nach Rexingen (Horb am Neckar).
Werk Die Aquarelle von Nowgorod Grunes erste Werke entstanden während des Krieges in Russland. Seine Witwe Traute Gruner erinnert sich:“Die zwölf Aquarelle aus den Jahren 1942 – 43 sind die frühesten Werke meines Mannes, der damals ein 19-20-jähriger Wehrmachtssoldat war. Soldat, Krieg und Kunst – wie geht das zusammen? (…) Am Nordabschnitt stockte die Front für ein ganzes Jahr, und der junge Künstler im Waffenrock hatte Zeit und Gelegenheit zum Malen. Er war fasziniert von der Landschaft am Ilmensee und ihren Menschen, von denen er Porträts malte. Auch Architektur, wie die Sophienkathedrale, beeindruckten ihn sehr. Es war eine Zeit ohne Kriegshandlungen in einem doch so mörderischen Krieg.“ Die Aquarelle sind heute ein wichtiges Bindeglied in der Städtepartnerschaft zwischen den Städten Bielefeld und Nowgorod. Das Kuratorium Städtepartnerschaft Bielefeld Welikij Nowgorod e. V. pflegt dieses Erbe und führte die Aquarelle Gruners und seines russischen Kollegen Semjon Pustovojtov, der etwa zur gleichen Zeit und auch später in Nowgorod wirkte, in Ausstellungen und in dem Buch „Kriegsgegner und Brüder in der Kunst“ zusammen. Brunhild Hilf, Vorsitzende des Kuratoriums, erklärt: „Dieses Buch dokumentiert das fiktive Gespräch zweier Maler über die Gräben des Zweiten Weltkrieges: der deutsche Künstler beklagt in seinen Bildern die Zerstörung, die der deutsche Überfall auf die UdSSR in Nowgorod anrichtete, der russische Künstler feiert die Wiederauferstehung der alten Stadt nach dem Friedensschluss im Mai 1945. Ihre Malweise ist ähnlich, es ist das Bekenntnis zur Aufgabe des Chronisten, der wirklichkeitsgetreu wiedergibt, was er sieht und erlebt.“
Bildhauerei mini|Skulptur Jüngling, Gymnasiumstr. Heilbronn, entstanden 1958
Nach dem Studium betätigt sich Gruner als Bildhauer und freischaffender Künstler, am Anfang ab 1953 hauptsächlich als Bauplastiker, und in der Kirchenausstattung. Von seinen Arbeiten der Baudekoration ist wenig überliefert. Seine Plastiken sind heute noch an vielen Orten zu finden:
Kinetische Kunst mini|Der Brunnen „Aquamobil“ von Gottfried Gruner aus dem Jahr 1977 in der Königstraße in Stuttgart
Ab etwa 1966 beschäftigt sich Gruner mit kinetischen Objekten und dem Brunnenbau. Er prägt den Begriff der „Wasserkinetik“, später bezeichnet er seine Werke als „Aquamobile“. Er leistet intensive gestalterische und technische Entwicklungsarbeit. Er erfindet das Wasserkippkastensystem mit zwei Kammern. Seine Werkstoffe sind Acrylglas, Stahl und Wasser. Seine „Aquamobile“ stehen in über 60 Städten in Deutschland und sind prägend für die Kunst im öffentlichen Raum der Bundesrepublik in den 1970er Jahren.
Solarplastiken mini|Solarplastik (Uhr), 1997, Oldenburg, Stadthafen
In den 1990er Jahren experimentiert er mit dem Solarantrieb seiner beweglichen Kunstobjekte. Diese Solarplastiken entstehen u. a. Neckarsulm und Oldenburg.
Gottfried Gruner als Texter und Dichter Im Nachlass Gruners sind zahlreiche Gedichte und Texte erhalten. Ein Auszug aus einem Büchlein im Eigenverlag:
Werkauswahl (Auszug) Plastiken Skulptur Läufer beim Mönchsee-Gymnasium Heilbronn Stahl- und Plexiglas-Skulptur mit Wasserspiel Satelliten (1986), beim ehemaligen Fernmeldeamt auf dem Sonnenberg in Heilbronn Bronzefigur Jüngling (1958), vor dem Theodor-Heuss-Gymnasium in HeilbronnAndreas Pfeiffer (Hrsg.): Heilbronn und die Kunst der 50er Jahre. Das Kunstgeschehen der 50er Jahre in Heilbronn. Situationen aus Alltag, Verkehr und Architektur im Heilbronn der 50er Jahre. Harwalik, Reutlingen 1993, ISBN 3-921638-43-7 (= Heilbronner Museumskatalog, 43. Reihe Städtische Galerie). Seite 67 und Seite 99, Abb. 131 Holzaltar in der Christuskirche Möhringen Steintafeln über dem Hauptportal (Die Speisung der Fünftausend) der St.-Antonius-Kirche Stuttgart-Hohenheim (1962) Skulptur Handel – Heilbronn und die Welt, für die Eingangshalle der Heilbronner HandelsschuleAndreas Pfeiffer (Hrsg.): Heilbronn und die Kunst der 50er Jahre. Das Kunstgeschehen der 50er Jahre in Heilbronn. Situationen aus Alltag, Verkehr und Architektur im Heilbronn der 50er Jahre. Harwalik, Reutlingen 1993, ISBN 3-921638-43-7 (= Heilbronner Museumskatalog, 43. Reihe Städtische Galerie). Abb. 120, Abb. 121, S. 91 und S. 92 Innenausstattung der Kirche St. Maria Königin des Heiligen Rosenkranzes in Ditzingen Taufstein und der Taufaltar für die Kilianskirche (Heilbronn) Berlin, Schillerkopf in der Landesvertretung von Baden-Württemberg, 2002 Budapest, Kleinplastik bei der Biennale 1975 Heilbronn, Läufergruppe vor der Turnhalle des Mönchseegymnsiums, 1958 Heilbronn, Spielplatz der Gehörlosenschule, 1962–1966 Leinfelden-Echterdingen, Sportsymbole vor der Sport- und Festhalle. 1986 Stuttgart-Vaihingen, Fanny-Leicht-Gymnasium
Aquamobile und Solarplastiken Aquamobil (Brunnen vor der Hauptpost), (1986) in Reutlingen Solarplastik (Uhr), 1997, in Oldenburg (Oldenburg), Stautorkreisel (Hafenseite) Berlin, Großbrunnen am Postscheckamt, 1972 Bietigheim, „Enzblume“, 1989 Bonn, Innenministerium (Wettbewerbserfolg), 1978 Frankfurt a. M., Fernsehturm, 1978 Hamburg, Planten on Blomen, 4 Großbrunnen zur IGA 1973 Kamp-Lintfort, Aquamobile vor dem Rathaus Leverkusen, Großaquamobil auf dem Rathausplatz, 1976 Mülheim an der Ruhr, Dieter-aus-dem-Siepen-Platz Oldenburg, Stadthafen, 1997 Plochingen, Otto-Löffler-Brunnen vor der Stadthalle, 1991 Stuttgart, Robert-Bosch-Krankenhaus, 1976 Stuttgart, Großaquamobile vor dem Bahnhof, 1977 Stuttgart, Großaquamobile in der Fußgängerzone, 1977
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Literatur
Einzelnachweise
Kategorie:Bildhauer (Deutschland) Kategorie:Deutscher Kategorie:Geboren 1923 Kategorie:Gestorben 2011 Kategorie:Mann