Oberkochen ist eine Stadt im Ostalbkreis in Baden-Württemberg in der Region Ostwürttemberg.
Name Der Ortsname leitet sich von dem in nördliche Richtung durch den Ort fließenden Kocher ab, einem Nebenfluss des Neckars. Der Kocherursprung befindet sich südlich der Stadt. Der Name des Flusses (795 Erwähnung als „Cochane“, 1024 als „Chochina“) ist wahrscheinlich keltischen Ursprungs. Die indogermanische Wortwurzel kuk steht für sich biegen, sich krümmen. Der Kocher wäre damit der sich krümmende Fluss.Dieter Berger: Geographische Namen in Deutschland (= Duden-Taschenbücher, Band 25). 2. Auflage. Dudenverlag, Mannheim (u. a.) 1999, ISBN 3-411-06252-5, S. 16.
Das Gebiet um die aus dem 12. Jahrhundert stammende, nach dem Fluss benannte Kochenburg hieß damals Kochen. 1335 wird die Siedlung „oben“ am Kocher erstmals als Oberkochen erwähnt. Der weiter „unten“ liegende Nachbarort Unterkochen ist heute ein Teilort von Aalen.
Geographie Geographische Lage
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Oberkochen liegt zwischen Albuch im Westen und Norden und Härtsfeld im Osten in und über den Tälern des Schwarzen Kochers und des dort in ihn mündenden Gutenbachs. Der höchste Punkt der Markung befindet sich auf dem Gipfel des Volkmarsbergs ().
Wenig südwestlich der Stadt liegt auf der Ursprung des Schwarzen Kochers. Von dieser kräftigen Karstquelle aus durchfließt der Kocher das Stadtgebiet in nordöstlicher Richtung und hat dort folgende Zuflüsse: Der nur 150 Meter lange Rote Kocher, der ab seiner Quelle im Ölweiher, die sich im Leitz-Firmengelände befindet, vollständig verdolt ist. Der 735 Meter lange südwestlich vom Städtischen Friedhof entspringende Katzenbach, dessen Unterlauf ab der Feigengasse verdolt ist. Der 3,1 Kilometer lange Gutenbach, dessen Quellen im Wolfertstal liegen. Der 700 Meter lange Edlenbach, der als Einziger der vier von der rechten Härtsfeldseite kommt und in der Gärtnerei im Langen Teich entspringt.
Die Stadt besteht im Wesentlichen aus zwei separaten Siedlungsteilen, der Innenstadt, mit der die Siedlungsgebiete Spitztal, Lenzhalde und Brunnenhalde verwachsen sind, und dem ca. 150 m höher gelegenen nordöstlichen Stadtteil Heide.
Die Heide war ursprünglich eine gemeindeeigene Schafweide, wurde um 1900 zu einem Fichtenwald aufgeforstet und ab 1970 bebaut.Karl Schurr: Flurnamen in Oberkochen. In: Stadt Oberkochen, Bürgermeister Harald Gentsch (Hrsg.): Oberkochen – Geschichte, Landschaft, Alltag. Oberkochen 1986, S. 242–259, hier: S. 249. Der Heidekopf ist der höchste Punkt der Heide und liegt auf .
Stadtgliederung Zur Stadt Oberkochen gehören der Stadtteil Heide und der Weiler Kreuzmühle sowie die abgegangenen Ortschaften Zwerenberg, Kreutzheim, Echmannsweiler, Tiefentalhäuschen, Schlackenwäsche, Bilz, Schleifmühle und Ziegelhütte.Das Land Baden-Württemberg. Amtliche Beschreibung nach Kreisen und Gemeinden. Band IV: Regierungsbezirk Stuttgart, Regionalverbände Franken und Ostwürttemberg. Kohlhammer, Stuttgart 1980, ISBN 3-17-005708-1, S. 769–770.
Flächenaufteilung
Nach Daten des Statistischen Landesamtes, Stand 2014.Statistisches Landesamt, Fläche seit 1988 nach tatsächlicher Nutzung für Oberkochen.
Geschichte Überblick Das auf den ersten Blick unscheinbare Oberkochen kann – neben dreitausend Jahre alten Funden aus der Spätbronzezeit sowie späteren Siedlungsspuren von Kelten, Römern und Alamannen – auf geschichtliche Ereignisse zurückblicken, die in dieser Ausprägung einzigartig sind. Vom Spätmittelalter bis zur Zeit Napoleons war das Dorf rund 500 Jahre lang herrschaftlich geteilt. Nach der Reformation wurde diese Teilung für rund 250 Jahre durch eine konfessionelle Spaltung verschärft, die sogar vor dem obersten Gericht des Heiligen Römischen Reichs verhandelt wurde und in diesem Zusammenhang auch die Beachtung des damaligen Kaisers fand. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurde Oberkochen ein Zentrum für industrielle Bohrermacherei. Das bedeutendste Erbe aus dieser Zeit ist die Leitz GmbH & Co. KG, die sich zu einem der internationalen Marktführer für Holzbearbeitungswerkzeuge entwickelt hat. Nach dem Zweiten Weltkrieg siedelte sich die Firma Carl Zeiss in Oberkochen an, die heute eines der wichtigsten deutschen High-Tech-Unternehmen und auf verschiedensten Gebieten der Photonik der weltweite Technologieführer ist. Die damit verbundene Vervierfachung der Einwohnerzahl innerhalb von zwanzig Jahren war ein wichtiger Grund für Oberkochens Erhebung zur Stadt im Jahre 1968.
Bronzezeit, Kelten, Römer und Alamannen mini|Römischer Keller (1. oder 2. Jahrhundert n. Chr.) Funde aus der Spätphase der Bronzezeit in der Keltenstraße im Jahre 1956 deuten darauf hin, dass sich hier bereits um 1000 v. Chr. eine Siedlung befand. Funde aus der Latènezeit lassen eine spätere keltische Siedlung in der Zeit um Christi Geburt für möglich erscheinen. 1971 wurde ein römischer Keller aus dem 2. oder 3. Jahrhundert ausgegraben, den man für den Teil einer Raststätte an einer Römerstraße durch das Brenz-Kocher-Tal hält. In einer Baugrube in der Frühlingsstraße wurde 1980 ein alamannisches Gräberfeld aus dem 7. Jahrhundert mit reichhaltigen Grabbeigaben entdeckt.Stadt Oberkochen (Hrsg.): Oberkochen. Oberkochen 2018, S. 18–23.
Entwicklung des mittelalterlichen Dorfes 2017 wurden bei Grabungen zwischen der katholischen Kirche und der Stadtbibliothek beim „Bühl“, der höchsten und somit überschwemmungssicheren Stelle zwischen dem Katzenbach- und dem Gutenbachtal, Grubenhäuser aus dem 10./11. Jahrhundert entdeckt, die damals als Keller gedient haben. Von den zugehörigen Holzhäusern konnten zahlreiche Pfostenlöcher nachgewiesen werden, außerdem eine größere Feuerstelle, die auf ein dort ausgeübtes Handwerk hindeutet. Hierbei dürfte es sich um die Siedlung handeln, die man dort bereits auf Grund des rund dreihundert Meter westlich gelegenen alamannischen Gräberfeldes vermutet hatte.Dietrich Bantel: Sensationelles unterm „Hirsch“. auf oberkochen-heimatverein.de. Abgerufen am 24. Oktober 2025.
Der aus dem Hochmittelalter erhaltene untere Teil des Turms der heutigen katholischen Kirche St. Peter und Paul lässt darauf schließen, dass an dieser Stelle spätestens Anfang des 13. Jahrhunderts bereits ein größeres romanisches Gotteshaus stand.Oberkochen (2018) S. 218. Buckelquader, die in verschiedenen neuzeitlichen Mauern im Bereich der Kirche eingebaut sind und vermutlich aus der Stauferzeit stammen, sind möglicherweise Überreste eines profanen Steinbaus aus dem 12. oder 13. Jahrhundert.Dietrich Bantel: Staufische Buckelquader in Oberkochen. auf oberkochen-heimatverein.de. Abgerufen am 24. Oktober 2025.
Herrschaftliche Teilung des Dorfes 1240 vermachte Graf Hartmann IV. von Dillingen, Herr des Brenzgaus und Grundherr von Kochen, einen Teil des heutigen Oberkochens dem Benediktinerkloster Ellwangen.Oberkochen (2018) S. 24–27.
Den anderen Teil vererbte er seiner Schwester, über deren Sohn Ulrich von Helfenstein er 1303 an König Albrecht I. gelangte. Der König stiftete im gleichen Jahr das Kloster Königsbronn. Bis 1358 hatten sich die Zisterzienser aus Königsbronn auf Basis der früheren Helfensteiner Gebiete und zugekaufter Güter in Ower-Kochen, die u. a. einem Ritter Otte von Kaltenburg gehörten, den nicht ellwangischen Teil Oberkochens einverleibt. Das Dorf hatte somit zwei Obrigkeiten: Rund zwei Drittel im Norden gehörten seit 1240 zum Kloster Ellwangen, das restliche Drittel im Süden zum Kloster Königsbronn.
Die meisten Güter der beiden Grundherrschaften Königsbronn und Ellwangen befanden sich als Lehen in den Händen einiger Ministerialen, von denen nur die Herren von Kochen zum Ritterstand gehörten. Wenn auch selbst Vasallen, waren diese die Herren des Ortes.Rudolf Heitele: Geschichte der katholischen Pfarrgemeinde St. Peter und Paul in Oberkochen. In: Stadt Oberkochen, Bürgermeister Harald Gentsch (Hrsg.): Oberkochen – Geschichte, Landschaft, Alltag. Oberkochen 1986, S. 40–61, hier: S. 43.
Ersterwähnung Oberkochens mini|Die erste der zwei Urkunden vom 17. Januar 1335 im Ellwanger Lagerbuch mit Ersterwähnung Oberkochens in der Mitte der sechsten Zeile. Quelle: Staatsarchiv Ludwigsburg B 389 U 1682. Die älteste nachgewiesene urkundliche Erwähnung von Oberkochen befindet sich eher beiläufig im Ellwanger Lagerbuch, einem handschriftlichen Verzeichnis der Besitzungen und der damit verbundenen Einkünfte des Ellwanger Klosters. In zwei auf den St.-Antonius-Tag (17. Januar) 1335 datierten Urkunden aus Pergament mit noch erhaltenen Wachssiegeln geht es um den Verkauf von Acker- und Waldgrundstücken an den Ellwanger Abt.Dietrich Bantel: Kleine heimatkundliche Sensation: Oberkochen ist 2 Jahre älter. auf oberkochen-heimatverein.de. Abgerufen am 24. Oktober 2025. Mit der ersten Urkunde verkaufte Ulrich von Ahelfingen, genannt von Ybach, mit Fritz, dem Sohn seines verstorbenen Bruders Konrad, verschiedene zur „Kochenburg“ (Kocherburg in Unterkochen) gehörende Wälder und Felder, von denen einige „gen Oberkochen“ lagen, für 26 Pfund Heller an den Ellwanger Fürstabt Kuno von Gundelfingen.Staatsarchiv Ludwigsburg, Urkunde B 389 U 1682 von 17. Januar 1335. Oberkochen wird dort in der Mitte der sechsten Zeile genannt. Mit der zweiten Urkunde verpflichtete sich Ulrich, den Söhnen seines Bruders deren Erbteil so lange nicht herauszugeben, bis sie gelobt hatten, diesen Kaufvertrag über die unter anderem „gen Oberkochen“ liegenden Grundstücke anzuerkennen.Staatsarchiv Ludwigsburg, Urkunde B 389 U 1683 von 17. Januar 1335. Oberkochen wird dort am Ende der fünften Zeile (Ober-) und am Anfang der sechsten Zeile („kochen“) genannt.
Eisenverhüttung und Schlackenwäsche
1551 wurde am Ursprung des Schwarzen Kochers südlich von Oberkochen ein Hochofen zur Eisenverhüttung errichtet.Manfred Thier: Geschichte der Schwäbischen Hüttenwerke. Ein Beitrag zur württembergischen Wirtschaftsgeschichte. 1365–1802. Aalen/Stuttgart 1965, S. 45. Der Hochofen wurde während des Dreißigjährigen Krieges vor allem auf Grund von Holzmangel aufgegeben, 1644 samt Läuterfeuer abgerissen und in Unterkochen neu aufgebaut.Thier S. 188–189. 1646 wurde am Kocherursprung eine Schlackenwäsche eingerichtet, die bis Mitte des 18. Jahrhunderts betrieben wurde.Königliches statistisch-topographisches Bureau (Hrsg.): Beschreibung des Oberamts Aalen. Stuttgart 1854, S. 92.
Zusätzliche konfessionelle Teilung des Dorfes mini|Erste Seite der Forst- und Polizeiordnung für die Gemeinde Oberkochen von 1578 Die Herrschaft Heidenheim, zu der das Kloster Königsbronn gehörte, kam 1448 an die Grafschaft Württemberg, fiel 1450 an Bayern und wurde 1504 von Herzog Ulrich von Württemberg zurückgekauft. 1534 schloss sich Ulrich der Reformation an. Sein Sohn Herzog Christoph von Württemberg setzte 1553 in Königsbronn die Reformation durch und wandelte das Kloster in eine Schule um. Auch der zum ehemaligen Kloster Königsbronn gehörende Teil Oberkochens wurde lutherisch und die Einwohner mussten auf der Grundlage des Augsburger Religionsfriedens von 1555 das Bekenntnis ihres Herrschers annehmen.Oberkochen (2018) S. 28–38.
Das Kloster Ellwangen war 1460 in ein Chorherrenstift, die Fürstpropstei Ellwangen, umgewandelt worden. Diese blieb bei der katholischen Kirche.