mini|300px|Ötisheim mit der evangelischen Michaelskirche (St. Michael)
Ötisheim (umgangssprachlich auch „Aize“ genannt) ist eine Gemeinde im Enzkreis in Baden-Württemberg mit über 4700 Einwohnern und wurde zum ersten Mal 783 erwähnt. Mit seinen Kulturdenkmalen im Ortskern zählt Ötisheim zu den wertvollsten historischen Ortskernen der insgesamt 89 ausgewählten Dörfer in Baden-Württemberg, die eine besonders historische Qualität aufweisen. Der Ort stand bis zur Reformation unter dem Einfluss des Klosters Maulbronn. Im Pfälzischen Erbfolgekrieg bezog Herzog Friedrich Carl von Württemberg-Winnental ein Standquartier, um französische Truppen abzuwehren, bekannt auch als die Schlacht bei Ötisheim. Um 1700 kam Henri Arnaud in die Gegend und gründete die Siedlung Schönenberg, welche später ein Teilort von Ötisheim wurde. Nachdem die Gemeinde ihre Unabhängigkeit bei der Kreisreform 1973 bewahrte, ging sie mit der Stadt Mühlacker eine Vereinbarte Verwaltungsgemeinschaft ein. Ötisheim zählt zu den wenigen Orten in Baden-Württemberg, welche ohne Schulden sind.
Geografie Topografie mini|300px|Geologische Schichtung des Strombergs
Ötisheim liegt im nördlichen Teil des Enzkreises etwa zwölf Kilometer von Pforzheim und vier Kilometer von Mühlacker entfernt. Zwei Naturräume stoßen auf der Gemarkung zusammen, vom Südwesten die Bauschlotter Platte und von Nordosten das Strombergvorland, wobei die Bauschlotter Platte nur einen kleinen Teil der Gemarkung ausmacht.Gemarkung Ötisheim in ötisheim.de Der Untergrund ist aus Gipskeuper, welcher die größte Einheit bildet und südlich zum Teil löss- und lösslehmüberlagert ist. Nördlich und nordöstlich der Gemarkung, am Rande des Wannenwaldes, ist eine deutliche Schichtstufe zu erkennen, gebildet durch den Schilfsandstein. Das Hauptgewässer ist der Erlenbach, ein Zufluss der Enz, dem der Mettenbach zufließt. Der tiefste Punkt grenzt am Gebiet von Mühlacker mit 226 m ü. NHN und der höchste Punkt der Gemarkung ist der Sauberg mit 322 m ü. NHN.Ötisheim Geologie in leo-bw.de
Nachbargemeinden und Städte sind, von Norden beginnend, im Uhrzeigersinn Maulbronn, Mühlacker und Ölbronn-Dürrn.
Gemeindegliederung Zur Gemeinde Ötisheim gehören das Dorf Ötisheim (), die Weiler Erlenbach (), Corres () und Schönenberg () und die Höfe Haldenhof () und Reithof ().Das Land Baden-Württemberg. Amtliche Beschreibung nach Kreisen und Gemeinden. Band V: Regierungsbezirk Karlsruhe Kohlhammer, Stuttgart 1976, ISBN 3-17-002542-2. S. 565
Erlenbach Erlenbach wurde 1245 zum ersten Mal urkundlich erwähnt. Dort fand man auch Reihengräber, die zwischen dem 5. und 7. Jahrhundert datiert wurden. Erlenbach war schon als Flurname bekannt und seine Entstehung fällt in den merowingerzeitlichen Ausbau. Die ehemals dort stehende Kapelle St. Jakobus wird 1356 erstmals erwähnt.Erlenbach in leo-bw.de
Corres mini|300px|Gemarkung Ötisheim, mit Gewannnamen, Teilorten und Grenzsteinen
Corres wurde um 1701 von den Waldensern auf der Gemarkung Ötisheim gegründet und war von Beginn ein Teilort Ötisheims. Der Name Corres entstand aus dem schon vorher bestehenden schwäbisch-fränkischen Flurnamen Korra. Die Gründer von Corres kamen aus Pragelato und Perosa Argentina. Die dortige Laschar-Kapelle wurde 1911 errichtet und eingeweiht.Corres auf Waldenser.de
Schönenberg Schönenberg wurde 1701 von den Waldensern unter der Führung des Waldenserführers und Pfarrers Henri Arnaud gegründet und hieß zuvor Des Mûriers (Maulbeerbaum). Dort befinden sich das Waldensermuseum und der Sitz der deutschen Waldenservereinigung.
Wüstung Auf der Gemarkung Ötisheim liegen die Wüstungen Kolbenhausen (), Brinklingen und Hägnach (). Die Flurnamen Kolbenhausen und Brinklingen werden in den Ötisheimer Lagerbüchern von 1552 und 1565 relativ häufig erwähnt.Rüdiger Stenzel: Abgegangene Siedlungen zwischen Rhein und Enz, Murg und Angelbach. In: Oberrheinische Studien. Band III. Fs. für G. Haselier. Bretten 1975, S. 128 und 133 Ebenso werden Käpelesäcker, Kalkofen und Winterstall als ehemalige Orte oder Burgen in der Beschreibung des Oberamts Maulbronn erwähnt. Kolbenhausen wird als Zelge, des Teilortes von Ötisheim, Erlenbach zugewiesen und Bringhausen als Zelge von Dürrn und Erlenbach. Zusätzliche Hinweise für eine Wüstung Kolbenhausen liefert der Familienname Kolb aus älteren Ötisheimer Schriften. Hegnach besteht bis heute als Flurname nördlich des Teilortes Erlenbach. Der Name Hegnach kommt von Hag, das auf eine Hecke eines eingefriedeten Gebietes hinweist. Hag weist meist auf eine frühere Siedlung hin. Der Lokalhistoriker Konrad Dussel ist aber der Meinung, dass es bei den drei Flurnamen nicht unbedingt um Wüstungen handeln muss.Konrad Dussel: Ötisheim – durch die Geschichte zur Gegenwart regionalkultur, 2007, ISBN 978-3-89735-503-3, S. 35
Gewannnamen Eine Gewannbezeichnung lässt Rückschlüsse auf eine frühere Nutzung, Lage oder Beschaffenheit eines bestimmten Gebietes zu. So hat auch Ötisheim mehrere Gewannnamen.
Ziegelhüttenäcker () weist auf Lehm und Quellwasser hin, die man für Ziegel oder Backsteine benötigte, welche dort auch hergestellt wurden. Am Kalkofen () baute man Kalk ab, um Mörtel herzustellen für das Mauern und Verputzen. Kohlplatte () war ein Hinweis auf die Köhlerei, für die Gewinnung von Kohle. Am Erzgräberloch () ist noch ein langer Gang zu sehen und früher gab es dort einen Schacht, den man später auffüllte. Es wird vermutet, dass er für die Gewinnung von Bleiglanz gedacht war. Der Gewannname Brechlöcher () bezeichnete einen Platz für die Verarbeitung von Flachs und Hanf. Hanf wurde in der Seilerbahn () zu Seilen verarbeitet. Nicht weit davon war die Bleiche direkt am Erlenbach, dort wurde das Leinengewebe gebleicht, darüber hinaus gab es noch den Steinbruch () am Sauberg, die Kiesgrube in der Nähe des ehemaligen Bahnhofes und die Lehmgrube () an der alten Dürrner Straße.
Flächenaufteilung Der größte Teil der Gemarkung macht die landwirtschaftliche Nutzfläche mit 50,7 % (722 ha) aus. Die Waldfläche hat 30,9 % (440 ha) Anteil an der Gemeindefläche. 9 % (129 ha) werden von der Gebäude- und Freifläche beansprucht und 7,1 % (102 ha) sind Verkehrsfläche. Erholungsflächen machen 1,1 % (15 ha) aus. 0,5 % sind Wasserflächen und sonstige Flächen 0,7 % (10 ha). Ötisheim hat eine Rebfläche von 7 ha, davon werden 2 ha für weiße Rebsorten und 5 ha für rote Rebsorten verwendet.Rebflächen Ötisheim (PDF; 797 kB) in statistik-bw.de
Nach Daten des Statistischen Landesamtes, Stand 2017.Fläche seit 1988 nach tatsächlicher Nutzung für Ötisheim. Statistisches Landesamt.
Klimatabelle In Ötisheim ist das Klima gemäßigt warm, mit einer erheblichen Menge an Niederschlägen. Die Jahresdurchschnittstemperatur liegt bei 9,8 °C. Im Durchschnitt fallen 725 mm Niederschlag innerhalb eines Jahres.
Der März ist der Monat mit der geringsten Niederschlagsmenge mit durchschnittlich 45 mm und der Monat Juni mit der größten Niederschlagsmenge mit durchschnittlich 88 mm. Zwischen dem trockensten Monat März und dem niederschlagsreichsten Monat Juni variiert der Niederschlag um 43 mm. Der Juli ist der wärmste Monat mit einer durchschnittlichen Temperatur von 18,7 °C und der Januar gilt als der kälteste Monat, mit einem Durchschnitt von 0,5 °C, d. h. im Schnitt 18,2 °C weniger als im wärmsten Monat Juli.
Geschichte Herkunft und Namensentwicklung Laut Karl Weller ist Ötisheim ein alemannisches Urdorf, da Dörfer, welche auf -heim enden, allgemein zu den ältesten Orten zählen. Der Sippennamen, der dem alemannischen Urdorf zu eigen war, ist verloren gegangen. Doch wird vermutet, dass ein Mann mit dem Namen Autines den früheren Sippennamen verdrängte, da Ötisheim als Autinesheim urkundlich erwähnt wurde. Demnach kann die Entstehung von Ötisheim zwischen dem 2. Jahrhundert und dem 4. Jahrhundert datiert werden.Geschichte in ötisheim.de Anderen Quellen hingegen, weisen auf ein fränkisches Dorf hin, da viele alemannische Dörfer mit -ingen endeten, was bei Ötisheim nicht der Fall ist. Nach dem Sieg der Franken gegen die Alemannen, um 496, gab es eine fränkische Nachbesiedelung. In dieser Zeit entstand ein Fronhof, welches das erste Gebäude von Ötisheim war und zu einem Dorf heranwuchs. Die Flurnamen, wie Großer Brühl, Hofäcker oder Hofwiesen waren Bestandteile des Fronhofes und sind typisch für Dörfer, welche aus einem Fronhof entstandenen sind. Im Laufe der Zeit durften sich Bauern dort niederlassen, mussten aber Frondienste leisten und Abgaben errichten.Konrad Dussel (2007): Ötisheim – durch die Geschichte zur Gegenwart regionalkultur, 2007, ISBN 978-3-89735-503-3, S. 26–30
Ötisheim (lokalen Dialekt: Aize) wurde erstmals 783 als Autinesheim im Lorscher Codex urkundlich erwähnt.
mini|300px|Die evangelische Michaelskirche (St. Michael), das ev. Gemeindehaus (ehemals altes Rathaus) und der Pfleghof links im Bild
Ötisheim hatte mehrere Ortsnamen hinter sich, nach Autinesheim war der Ort 1236 als Autesheim bekannt, dann 1246 Outenesheim, 1295 Outensheim, 1312 und 1316 Othensheim, 1356 Oetinsheim und 1370 Oettisheim.
Aize 1774 schrieb der dort tätige Pfarrer Christian Gottfried Nicolai, dass Ötisheim vermutlich früher Eidexheim hieß, da sich damals viele Eidechsen in der Gegend aufhielten, von daher soll der Name Aize, mundartlich von Eidechse, abstammen.Lage und Markung in ötisheim.de Die Bezeichnung Aize lässt sich jedoch aus den frühesten schriftlichen Überlieferungen des Ortsnamens ableiten. Das „-heim“ von Autinesheim wurde mundartlich schon früh zu einer Reduktionssilbe „e“ geändert. Der voralthochdeutsche Diphthong „au“ wurde im Laufe der Jahrhunderte hochsprachlich zu „ö“ weiterentwickelt, während es im Schwäbischen zu „ai“ kam. So wird neben Öttisheim oder Ötteßhaim auch von Aittes(s)haim geredet. Es wird vermutet, dass das Heim des Autines in Vergessenheit geraten ist und daraus ein Heim der Eidechsen wurde. in ötisheim.de
Ortsneckname Ein Ortsneckname (auch Ortsneckerei, Uzname oder niederdeutsch Terneidsname) ist eine scherzhafte Bezeichnung der Ortseinwohner durch die Bevölkerung benachbarter Orte. Ötisheim hat den Necknamen d' Bachel.Stadtwiki Necknamen-Ötisheim Bachel wird von den umliegenden Dörfern, als auch im Ort selbst, meist abwertend verwendet, ähnlich wie Trottel oder Idiot. Die Herkunft des Necknamens könnte aber auch mit dem englischen Wort Bachelor verwandt sein, welches auch Junggeselle oder Hagestolz bedeutet.So ein Bachel in ntz.de
Jungsteinzeit bis Spätantike Die frühesten Funde, Steinwerkzeuge, sind aus der Jungsteinzeit. Es gibt mehrere Hügelgräber aus der Bronzezeit.Dürrn Die wechselvolle Geschichte eines Dorfes zwischen Kraichgau und Stromberg S. 39 (PDF; 6,9 MB) Urtümlich wurden die Gräber als „altgermanische“ Altertümer bezeichnet, tatsächlich sind die Grabhügel in der keltischen Zeit angelegt worden. 1906 untersuchte man in der Nähe des Ortsteils Corres einen der Grabhügel, welcher verschiedene Schmuckbeigaben und Bronzereste beinhaltete, außerdem einen Unterschenkelknochen und Zähne des Bestatteten. mini|300px|Ötisheim im Forstlagerbuch 1682 von Andreas KieserVerschiedene Bodenfunde zeigten auch auf, dass die Römer den Siedlungsboden in Besitz nahmen. Im ehemaligen Amtsbezirk Maulbronn wurde 1870 niedergeschrieben, dass man auf der Gemarkung Ötisheim auf Pflaster, Grundmauern, Scherben und Fundamente gestoßen sei, die angeblich römisch waren. Ebenso wurde eine Römerstraße in der Zeit des Augustus, zwischen Ötisheim über Kieselbronn, nach Pforzheim gebaut, welche als „hohle Straße“ bekannt ist.
Frühmittelalter bis zum Dreißigjährigen Krieg