Die nesseler Gruppe ist ein im Jahre 1910 in Stolberg gegründetes Unternehmen der Bau- und Immobilienbranche. Es betreibt den Bau von Großprojekten für Industrie, Gewerbe und Handel sowie den Wohnungsbau auch ganzer Quartiere und Projekte des öffentlichen Baus im gesamten Rheinland, Ruhrgebiet und im Frankfurter Raum. Das Portfolio der nesseler Gruppe umfasst neben Bauleistungen ein breites Spektrum von Dienstleistungen, das von der Projektentwicklung über Planung bis hin zum Betrieb von Immobilien reicht. Der Firmensitz befindet sich seit 2003 in Aachen-Brand. Das Betonfertigteilwerk der Gruppe ist in Aachen-Forst angesiedelt.

Die folgende Darstellung orientiert sich an den Phasen der Unternehmensführung durch die Inhaber bzw. Gesellschafter der Familiengesellschaft. In allen Unternehmergenerationen waren neben den Inhabern angestellte Geschäftsführer und viele weitere loyale, kompetente und engagierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter maßgeblich am Aufbau, an der Bestandssicherung und am Erfolg der Unternehmen beteiligt.

Die Unternehmensgruppe änderte in ihrer mehr als 100-jährigen Geschichte mehrmals ihre Firmennamen und ihre Corporate Identity. Sie wird in diesem Eintrag mit den jeweils in der betreffenden Zeit zutreffenden Namen bezeichnet.

Anfänge Zu Beginn des 20. Jahrhunderts war in Stolberg die Baufirma des Baumeisters und Architekten Carl Peltzer (* 1863) das dominierende Bauunternehmen am Ort, zu dessen bedeutendsten Aufträgen der Wiederaufbau der verfallenen Burg Stolberg sowie der Bau des alten Goethe-Gymnasium und der kaiserlichen Post gehörten. Nachdem im Jahr 1908 Carl Peltzer zusammen mit seinen Brüdern die Anteile der Teilhaber Moritz Kraus und Henry Walchenbach an der Zinkgussfabrik Kraus, Walchenbach & Peltzer nach deren Ausscheiden übernommen hatte und hierdurch diese Firma vollständig in den Besitz der Familie Peltzer gelangt war, übertrug er sein Unternehmen an die auch im Raum Stolberg operierende Leipziger Baufirma Castner & Hennig. Diese zeichnete in den Folgejahren besonders für die Erweiterungsbauten der Fabrikanlagen und eines neuen Verwaltungsgebäudes für die Firma William Prym GmbH & Co KG sowie für den Bau der Villa Waldfriede für die Familie Prym nach den Plänen des Architekten Gabriel von Seidl verantwortlich. Als Bauleiter vor Ort trat dabei erstmals Robert Grünzig in Erscheinung.

Ära Robert Grünzig Robert Grünzig (1880–1954) kam in Schönau bei Leipzig als Sohn eines Bauunternehmers auf die Welt, erlernte ebenfalls den Beruf des Baumeisters und trat 1906 zunächst als Bauführer und später als Prokurist in die Firma Castner & Hennig ein. Bereits 1910 übernahm Grünzig als persönlich haftender Gesellschafter die Anteile des ausgeschiedenen Teilhabers Castner, woraufhin die Firma sich in Henning & Grünzig umbenannte. Das Unternehmen expandierte nun weiter und erhielt auch außerhalb Stolbergs bedeutende Bauaufträge. Nachdem sich der Gesellschafter Hennig im Jahre 1918 ebenfalls zurückgezogen hatte, wurde Grünzig Alleininhaber des Unternehmens und firmierte es auf seinen Namen Robert Grünzig Bauunternehmen um, mit Hauptsitz in der Zweifaller Straße in Stolberg. Noch im gleichen Jahr erwarb Grünzig mit einer großen Ziegelei im Bereich der heutigen Sittarder Straße in Forst ein erstes Standbein außerhalb Stolbergs.

Grünzig profitierte von dem beginnenden Boom der Goldenen Zwanziger, erhielt jetzt auch erstmals Bauaufträge von der Technischen Hochschule in Aachen und stieg ab 1927 verstärkt in den Siedlungswohnungsbau ein. Mit rund 1200 Mitarbeitern im Jahr 1928 war ein erster Höhepunkt der Firmengeschichte erreicht, bevor sich die Auswirkungen der folgenden Weltwirtschaftskrise im Baugewerbe durchsetzten und auch in Grünzigs Firma zunächst zu Entlassungen führten.

Unter der Federführung des Euskirchener Zentrumspolitikers und Reichstagsvizepräsidenten Thomas Esser wurde er dazu berufen, neben der Thyssen AG und der Mannheimer BBC mit seinem Unternehmen als einer von drei Gesellschaftern in die 1929 gegründete Westmark Industrie GmbH Aachen einzutreten, deren ausschließliche Aufgabe es war, das Steinkohlenbergwerk in Faulquemont in Lothringen im Rahmen der Deutschen Reparationen nach dem Ersten Weltkrieg zu errichten. Grünzig zeichnete hierbei verantwortlich für den Bau der Werksanlagen, des Verwaltungsgebäudes, den Bau der dazugehörenden Wohnsiedlungen sowie der Erstellung der gesamten Gleisanlagen. Allein für diese Bauvorhaben beschäftigte Grünzig zeitweise mehr als 900 Mitarbeiter. Allerdings wurde dabei sowohl Thomas Esser als auch den drei Gesellschaftern von der nun in Deutschland an die Macht strebenden NSDAP unterstellt, Schmiergelder für dieses Bauvorhaben erhalten zu haben. Die Vorwürfe erwiesen sich aber als haltlos und die bereits angelaufenen Gerichtsverfahren wurden eingestellt.

Anfang der 1930er Jahre erwarb Grünzig ein Marmorwerk im Bereich der heutigen Eynattener Straße in Aachen sowie im Jahr 1932 eine weitere Ziegelei in der Nordstraße in Brand bei Aachen und eröffnete ein Jahr später in der Schießstraße in Düsseldorf die Niederlassung Bauunternehmung Grünzig GmbH, die ab 1937 von seinem Sohn Hans Grünzig als geschäftsführendem Gesellschafter geleitet wurde. 1934 trat Robert Grünzig in die NSDAP ein. 1938 übernahm er für 641.000 Reichsmark zusammen mit seinem Schwiegersohn Ludwig Charlier die Aachener Tuchfabrik Marx & Auerbach an der Ecke Templergraben-Eilfschornsteinstraße. Der jüdische Vorbesitzer Fritz Marx, der sein Unternehmen bereits in der vierten Generation führte, musste seine Fabrik im Rahmen der nationalsozialistischen Arisierung weit unter Wert verkaufen und emigrierte daraufhin, nachdem er von dem Verkaufserlös noch die Judenabgabe und die Reichsfluchtsteuer zahlen musste, im Dezember 1938 fast mittellos in die USA. Die von Grünzig erworbene Tuchfabrik wurde fortan unter Grünzig & Charlier und später, nach Ausscheiden Charliers, als Grünzig & Co umbenannt. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde 1948 die im Krieg stillgelegte Fabrik von Erna Grünzig (1920–2013), der jüngsten Tochter Robert Grünzigs, und ihrem Ehemann Hans-Hubert Neßeler wieder in Betrieb genommen und Mitte der 1950er Jahre zum Indeweg nach Brand verlagert, wo sie bis 1963 betrieben wurde. Nach dem Zweiten Weltkrieg entschädigte Robert Grünzig den Vorbesitzer der Tuchfabrik Fritz Marx zum Ausgleich des 1938 zu gering bemessenen Firmenwerts.

Das Bauunternehmen selbst erhielt noch vor Kriegsausbruch zahlreiche auch kriegsrelevante Bauaufträge und verfügte zeitweise über mehr als 2700 Mitarbeiter. Während der Kriegsjahre wurde die Firma der Organisation Todt unterstellt und war zusammen mit anderen Bauunternehmen in Form von Arbeitsgemeinschaften an zahlreichen weiteren militärischen Baumaßnahmen beteiligt. In Zusammenhang damit stellte auch die Firma Grünzig ausländische Zivil- und NS-Zwangsarbeiter ein. Ab dem Jahr 2000 beteiligte sich die spätere Nesseler Grünzig Gruppe an der Stiftung „Erinnerung, Verantwortung und Zukunft“, die Entschädigungszahlungen an ehemalige NS-Zwangsarbeiter leistete.

Das Unternehmen übernahm nach dem Krieg den Neu- und Wiederaufbau zahlreicher Wohn- und Geschäftshäuser, Verwaltungsgebäude und Kirchen, besonders in Aachen und Düsseldorf. Unter anderem rekonstruierte Grünzig eines der Wahrzeichen Aachens, den 1943 vollständig zerstörten Elisenbrunnen. Wiederaufgebaut wurde auch das Haus Nuellens, die heutige Elisengalerie, welche seit den 1930er Jahren als Aachener Firmensitz sowie ab 1949 als Wohnsitz von Robert und Christine Grünzig geb. Roskopf diente. Zugleich errichtete Robert Grünzig auf dem Gelände der Ziegelei in Brand, die mittlerweile außer Betrieb war und auf deren Gelände sich der Bauhof befand, ein Logistikcenter mit Schreinerei, Sägerei, Fuhrpark und Tankstelle.

Robert Grünzig verstarb 1954. Er fand seine letzte Ruhestätte auf dem Stolberger Friedhof.

Bauten in der Ära Robert Grünzig (Auswahl) In Verantwortung der Firma Henning & Grünzig, Stolberg:

Zinkhütte Nievenheim, welche zur Gesellschaft für Bergbau, Blei- und Zinkfabrikation Stolberg gehörte, 1910er Jahre Brikettfabrik Zukunft Weisweiler, 1910er Jahre Verwaltungsgebäude der Waggonfabrik Fa. Goossens, Lochner & Co in Aachen-Brand, 1913

In Verantwortung der Firma Robert Grünzig, Stolberg: Verwaltungsgebäude der Waggonfabrik Talbot Aachen, 1920er Jahre Aachener Werksanlagen des belgischen Reifenherstellers Englebert, 1920er Jahre Haus der Studentenschaft der RWTH Aachen, 1923 Siedlungsbauten für den Eschweiler Bergwerksverein, ab 1927 Siedlungsbauten für die Gewerkschaft Grube Carolus Magnus in Übach-Palenberg, ab 1927 Werksgebäude, Gleisanlagen, Verwaltungsgebäude und Wohnsiedlung für die Societé de Carbonnages in Faulquemont, 1930er Jahre Wiederaufbau Haus Nuellens am Elisenbrunnen Aachen 1948/49 Wiederaufbau Elisenbrunnen Aachen nach 1952/53

Im Auftrag der Organisation Todt: Luftschutzanlagen Aachen, Vlissingen und Lorient Kriegsmarinesiedlung Fedderwardergroden, 1938/39 Werksanlagen der Gesellschaft für Elektrometallurgie in Böhlen/Leipzig und der Dynamit AG in Kaufbeuren, 1939/40 Unterirdische Benzinhydrierungsanlagen für das Projekt Schwalbe 1, 1943/4

Ära Hans Grünzig Hans Grünzig (1909–1986), ältester Sohn von Robert Grünzig, studierte an der Technischen Hochschule in Aachen Bauingenieurwesen und übernahm 1937 als geschäftsführender Gesellschafter die Niederlassung in Düsseldorf. Nach dem Tod seines Vaters stieg Hans Grünzig gemeinsam mit seiner Schwester Barbara, verheiratete Laschet, als Komplementär in das Hauptunternehmen ein und strukturierte dieses zukunftsweisend um. Nach der Schließung im Jahr 1963 der von seiner jüngsten Schwester Erna und ihrem Mann Hans-Hubert Neßeler geführten Tuchfabrik am Indeweg in Aachen-Brand, rüstete Grünzig das Gelände und die Anlagen in ein Betonfertigteilwerk um.

Ein größeres und moderneres Betonfertigteilwerk entstand ab 1967 in der mittlerweile stillgelegten Ziegelei an der Sittarder Straße in Aachen-Forst. Dieses erste Werk seiner Art wurde 1970 in die Westdeutsche Fertigteilwerk Grünzig GmbH überführt. Eine strategische Kooperation führte zum Eintritt weiterer Bauunternehmer in die Gesellschaft, die seit 1973 als WFG West-Ferteilteilbau GmbH firmierte. Ein Jahr später stieg es zum zweitgrößten Werk dieser Art in Nordrhein-Westfalen auf. Als die Beteiligungskooperation 1976 endete, wurde die WFG wieder als Betriebsabteilung in die Firma Bauunternehmung Grünzig GmbH eingegliedert.

1970 verlegte Hans Grünzig die Düsseldorfer Bauunternehmung Grünzig GmbH nach Aachen, sie übernahm im Rahmen einer sog. Betriebsaufspaltung die Ausführung aller Bauleistungen, die bis dahin im Aachener Raum von der Robert Grünzig KG ausgeführt worden waren. Die Niederlassung Düsseldorf wurde 1986 geschlossen. Außerhalb Aachens übernahm Hans Grünzig schließlich 1977 noch das Bauunternehmen Hermann Bock KG in Düren, welches auf Tief- und Rohrleitungsbau spezialisiert war.

Ebenfalls im Jahr 1977 schied der Gesellschafterstamm Laschet aus der Unternehmensgruppe aus.

Unter der Leitung von Hans Grünzig konnte die Leistungspalette des Unternehmens deutlich erweitert werden. So wurden neben den wie bisher durchgeführten Hochbauten nun auch Aufträge zum Bau von Brücken und Kläranlagen sowie im Straßen-, Tief- und Rohrleitungsbau übernommen. Vor allem durch die Gründung der WFG wurde ab den 1970er Jahren der Betonfertigteilbau, daneben auch das Schlüsselfertige Bauen zu maßgeblichen Schwerpunkten des Unternehmens. Dazu schloss sich Grünzig oftmals und je nach Größe des zu errichtenden Objektes mit anderen renommierten Bauunternehmen zu Arbeitsgemeinschaften (Argen) zusammen.