Neubeuern ist ein Markt im oberbayerischen Landkreis Rosenheim. Der Ferienort im bayerischen Inntal südlich von Rosenheim wurde 1981 zum schönsten Dorf Deutschlands gewählt. Der malerische Marktplatz mit Torturm und historischen alpenländischen Fassaden bildet den Dorfkern. König Maximilian I. meinte zum Ausblick von Neubeuern: „Das ist die schönste Aussicht im bayrischen Gebirg!“

Geografie Lage Neubeuern liegt am rechten Ufer des Inns etwa zwölf Kilometer südlich von Rosenheim und 26 Kilometer nördlich von Kufstein. Die Grenze zu Österreich (Tirol) ist knapp acht Kilometer von Neubeuern entfernt. Der Markt befindet sich am Fuß des Samerbergs, der nordwestlichsten Erhebung der Chiemgauer Alpen, am Rande des Rosenheimer Beckens, und liegt relativ verkehrsgünstig.

Gemeindegliederung

Es gibt 31 Gemeindeteile (in Klammern ist der Siedlungstyp angegeben):

Nachbargemeinden

Klima Die Marktgemeinde Neubeuern befindet sich in der gemäßigten Zone. Das Klima ist kontinental mit heißen Sommern und kalten Wintern. Verglichen mit dem maritimen Klima (Seeklima) sind die Niederschläge zwar gering, doch im Vergleich des Landkreises Rosenheim mit dem deutschlandweiten Durchschnitt ist der Niederschlag (wegen der Staulage am Fuße der Alpen) sehr hoch. Die Durchschnittstemperatur liegt bei etwa 8 °C (s. Diagramm). Einen besonderen Einfluss auf das Klima im Inntal hat der „Erler Wind“, ein kalter Fallwind am Morgen, der aus der Talenge bei Erl (Tirol) an sonnigen Tagen nach Norden ausströmt. Dabei können Böen bis 50 km/h auftreten. Mit der Tageserwärmung legt sich der Wind in der Regel. Eine alte Wetterregel im Inntal besagt: „Hört der Erler Wind vor dem Mittagläuten auf, so bleibt's schön.“„Innschifffahrt“ - Schiffleut-Bruderschaft mini|280px|Kirche Mariä Empfängnis auf dem Marktplatz 280px|mini|Neubeuern Schloss und Pfarrkirche

Natur Folgende Schutzgebiete berühren das Gemeindegebiet: Landschaftsschutzgebiet Inntal Süd (LSG-00595.01) Fauna-Flora-Habitat-Gebiet Innauwald bei Neubeuern und Pionierübungsplatz Nussdorf (8238-371) Geotop und Naturdenkmal Mühlsteinbruch Hinterhör (187G001) Geotop Wolfsschlucht Neubeuern (187G003)

Geschichte Bis zum 19. Jahrhundert mini|Ansicht des Markts Neubeuern von Michael Wening, um 1700

alternativtext=Das Schloss Neubeuern aus der Nähe.|mini|Schloss Neubeuern, heute ein Internat Im Jahre 788 wurde Neubeuern erstmals urkundlich erwähnt. Zu dieser Zeit waren Neu- und Altenbeuern bereits im Salzburger Hochstift für ihre Güter bekannt. Altenbeuern wurde damals als „ad burones“ erwähnt. Die Römerstraße, die von „ad burones“ zum Dorfkern führt, ist heute noch zu sehen. Während sich das Hochstift Salzburg aus den Gebieten östlich des Inns zurückzog, breitete sich das Hochstift Regensburg in dieser Gegend im 11. Jahrhundert aus. Ende des 12. Jahrhunderts wurde die Burg Neubeuern errichtet und um 1235 unter Konrad von Wasserburg, der die Burghut innehatte, zur größten Festung im Inntal ausgebaut. Im Schutz der Festung entwickelte sich der Markt in Neubeuern, begünstigt durch seine Verkehrslage an der Achse München – Salzburg und an der Abzweigung zum Inntal in Richtung Brenner und Italien. Neubeuern besaß seit 1393 das Marktrecht mit weitgehenden Eigenrechten.Josef Dürnegger: Neubeuern am Inn in alter und neuer Zeit. Rosenheim 1922.

Neubeuern war ab 1668 Sitz einer geschlossenen Hofmark der Grafen von Preysing. Den Dreißigjährigen Krieg hatten die Burg und der Markt relativ unbeschadet überstanden, doch im Österreichischen Erbfolgekrieg zerstörten ungarische Truppen Neubeuern. Ignaz Anton Gunetzrhainer, zusammen mit seinem Bruder Johann Baptist Gunetzrhainer, erbauten 1747 bis 1752 im Auftrag von Graf Max IV. Emanuel von Preysing-Hohenaschau Schloss Neubeuern neu.

Im Jahre 1813 entstand ein Gräfl. Preysing’sches Herrschaftsgericht in Neubeuern. Durch das bayerische Gemeindeedikt von 1818 wurde die Gemeinde Neubeuern mit den Orten Altenmarkt am Inn, Gasteig, Neuwöhr, Noppenthal und Wasserleite gegründet. Das Herrschaftsgericht wurde 1827 zum Patrimonialgericht herabgestuft, die letzten Reste der Adelsherrschaft wurden mit der Revolution 1848 aufgehoben. Im Jahre 1882 erwarb Jan von Wendelstadt das Schloss von den Preysing. Nach einem Brand des Ostteils des Schlosses ließ der Baron den Mittelbau des Schlosses zwischen 1904 und 1908 durch Gabriel von Seidl neu errichten.

Nationalsozialismus Am 5. Mai 1923 war von Julie von Wendelstadt ein Internat im Schloss Neubeuern eröffnet worden. Die NSDAP betrachtete diese Schule als „politisch unzuverlässig“ und ließ sie am 13. Februar 1941 schließen. Um einer Enteignung zuvorzukommen, wurde im Frühjahr 1942 der gesamte Schlosskomplex an das Deutsche Reich verkauft und war von 1942 bis 1945 eine Nationalpolitische Erziehungsanstalt.

Gemeindefusion Am 1. Januar 1970 wurde Neubeuern mit der Gemeinde Altenbeuern zusammengelegt. Neubeuern war kurzzeitig Sitz der Verwaltungsgemeinschaft Neubeuern (gegründet am 1. Mai 1978, aufgelöst am 1. Januar 1980) mit den Mitgliedsgemeinden Neubeuern und Nußdorf am Inn.

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Bevölkerungsentwicklung Zwischen 1988 und 2018 wuchs der Markt von 3532 auf 4315 um 783 Einwohner bzw. um 22,2 %. 01.12.1840: 1067 Einwohner 01.12.1871: 1085 Einwohner 01.12.1900: 1106 Einwohner 16.06.1925: 1379 Einwohner 17.05.1939: 1608 Einwohner 13.09.1950: 2333 Einwohner 06.06.1961: 2409 Einwohner 27.05.1970: 2182 Einwohner 25.05.1987: 3358 Einwohner 31.12.1991: 3745 Einwohner 31.12.1995: 3842 Einwohner 31.12.2002: 4137 Einwohner 30.06.2005: 4213 Einwohner 31.12.2010: 4249 Einwohner 31.12.2015: 4380 Einwohner 31.12.2022: 4327 Einwohner

Religion Die größten Konfessionsgemeinschaften sind: die römisch-katholische Kirche (68,1 % der Bewohner) und die evangelisch-lutherische Kirche (12,0 % der Bewohner). Rund 19,9 % der Bevölkerung bekennen sich zu keiner dieser beiden Religionsgemeinschaften. (Stand: 9. Mai 2011)

Römisch-katholische Kirche 2011 bekannten sich 2882 Personen zur römisch-katholischen Kirche. Im Vergleich zum Jahr 1987 war das ein Rückgang um 11,9 %. Neubeuern bildet gemeinsam mit der Nachbargemeinde Nußdorf am Inn einen Pfarrverband im Erzbistum München und Freising. Pfarrer ist seit 2015 Christoph Rudolph.

Evangelisch-lutherische Kirche 2011 bekannten sich 507 Personen zur evangelisch-lutherischen Kirche. Im Vergleich zum Jahr 1987 ist das ein Rückgang um 1,5 %. Die Protestanten der Marktgemeinde Neubeuern gehören wie jene der Gemeinden Flintsbach a.Inn, Nußdorf a.Inn und Raubling zur Kirchengemeinde Brannenburg.

Politik

Gemeinderat Die Gemeinderatswahlen seit 2014 ergaben folgende Stimmenanteile und Sitzverteilungen: Partei/Liste CSU Grüne/SPD SPD Grüne FWG Beurer Bürgernähe Sitze 2014 5 – 2 3 3 5 Sitze 202044––44 Bürgermeister Bei der Kommunalwahl 2008 wurde Josef Trost (CSU) mit 55,26 % der gültigen Stimmen zum Ersten Bürgermeister gewählt. Mit Johann Schmid, dem damaligen zweiten Bürgermeister, brachte er nach dem Hochwasser 2013 den Hochwasserschutz im Gemeindegebiet voran. Wegen geplanter Veränderungen am historischen Marktplatz verlor er aber an Rückhalt in der Bevölkerung. Bei der Kommunalwahl von 2014 wurde dann Johann Nowak von der Beurer Bürgernähe im ersten Wahlgang an die Spitze gewählt. Er erhielt 52,83 % der gültigen Stimmen, während Josef Trost nur 35,66 % erreichte und der dritte Bewerber, Johann Schmid, auf 11,51 % kam. Aufgrund einer Erkrankung endete die Wahlzeit von Bürgermeister Johann Nowak bereits zum 30. November 2019. In einer außerordentlichen Bürgermeisterwahl setzte sich der 28-jährige Christoph Schneider (Unabhängige Neubeurer) mit 62,9 % gegen zwei Mitbewerber durch und ist seit dem 1. Dezember 2019 Erster Bürgermeister. Er ist der erste Bürgermeister Neubeuerns, der nicht in der Gemeinde wohnt oder aus dieser entstammt. Im Mai 2025 erklärte er, dass er 2026 erneut für das Amt kandidieren wolle, woraufhin Freie Wähler, CSU und SPD/Grüne ihre Unterstützung zusagten. Am 8. März 2026 gewann er die Wahl schließlich mit 95,2 % ohne Gegenkandidat und erzielte im Landkreis Rosenheim den besten Wert unter allen Bürgermeistern. 1970–1987 Michael Schmidl (CSU) 1987–2008 Hans Jürgen Tremmel (CSU) 2008–2014 Josef Trost (CSU) 2014–2019 Johann Nowak (Beurer Bürgernähe) seit 2019 Christoph Schneider (Unabhängige Neubeurer)

Wappen

Sehenswürdigkeiten

Historischer Marktplatz Der historische Marktplatz bildet mit der Kirche Mariä Empfängnis, dem Brunnen mit dem heiligen Florian im Zentrum und der großteils original erhaltenen Burgmauer mit Wachtürmen ein denkmalgeschütztes Ensemble. Die Seitenaltäre der Kirche, das Deckengemälde und die Prozessionsstangen der Schiffleut-Bruderschaft dokumentieren die Bedeutung der Innschifffahrt für Neubeuern. Zum Passieren wurde im Südosten das Salzburger Tor und im Nordwesten das Münchner Tor errichtet. Heute finden auf dem Marktplatz Filmaufnahmen und Veranstaltungen statt, wie zum Beispiel 2013 der „Red Bull Fensterlkönig“.Fensterlkönig 2013 in Neubeuern gesucht. Artikel bei Rosenheim24.de, abgerufen am 10. März 2015. oder die jährliche Marktbeleuchtung, die jedes Jahr rund 3500 Besucher nach Neubeuern zieht.

Schloss Neubeuern mini|Der Mühlsteinbruch in Hinterhör Das Schloss Neubeuern liegt über dem historischen Marktplatz. Es beherbergt ein staatlich anerkanntes, naturwissenschaftlich-technisches und neusprachliches Gymnasium der Stiftung Landerziehungsheim mit Internat und Tagesschule für Mädchen und Jungen. 2011 besuchten rund 200 Schüler die Schule, davon wohnten etwa 120 im Internat. Das 1925 gegründete Internat ist eines der bekanntesten in Deutschland. Stiftungsvorstand ist seit April 2006 Jörg Müller; Schulleiter seit August 2019 Carlo Ribeca; seine Vorgänger waren Jürgen Gude (seit September 2002) und Armin Stadler (seit März 2009).

Wolfsschlucht In den Burgberg schneidet sich auf rund 300 Metern Länge die etwa 20 Meter breite und circa 30 Meter tiefe „Wolfsschlucht“ ein – ein Steinbruch aus der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts, in dem Mühlsteine und Schleifsteine aus feinkörnigem Quarzit abgebaut wurden. Ein Teil der Südwand stürzte später ein. Dieses sehenswerte Geotop kann wegen loser Bäume oberhalb der Schlucht nur auf eigene Gefahr betreten werden.

Mühlsteinbruch Hinterhör Rund 1,5 km vom Dorfkern in Neubeuern entfernt liegt nahe der Einöde Hinterhör der Mühlsteinbruch Hinterhör. Auch dort wurden von 1572 bis 1860 Mühlsteine aus Quarzsandstein, einem Grobsandstein mit kalkiger Kittmasse, abgebaut. Diese Steine wurden dann auf dem Inn verschifft. Der Mühlsteinbruch gehört zu den schönsten Geotopen in Bayern, ist jedoch eines der wenigen, die von Menschenhand überformt wurden. Steinhacker meißelten eine runde Rinne in der Größe, die der Mühlstein erhalten sollte, in den Fels. Dies dauerte etwa zehn bis 14 Tage. Danach wurden in diese Rinnen getrocknete Buchenholzkeile gesteckt. Diese wurden dann stetig mit Wasser übergossen, sodass das Holz aufquoll und den Mühlstein vom Fels absprengte. Von Altenbeuern stammen auch die 66 Säulen in St. Bonifaz und die Portale der staatlichen Bibliotheken in München.

Innschifffahrt + Berufe im Markt Neubeuern Anzahl um 1860 Beruf Anzahl nach 1900 4 Steinhauer 0 7 Schiffleut 0 2 Schiffmeister 0 1 Nagelschmied 0 1 Weißgerber 0 0 Wasserarbeiter 12 0 Maler 2 0 Schreiner 3 0 Bauer 3 0 Glaser 2 1 Krämer 3