mini|hochkant=1.3|Stoffparka mit geschorenem Rotfuchs(Stephanie Metz, 2022) Rotfüchse kommen auf allen Kontinenten vor, mit Ausnahme der Antarktis. Entsprechend groß ist die Vielfalt der Rassen und die Unterschiedlichkeit der Felle.

Der Artikel behandelt das Rotfuchsfell als Handelsware und die daraus hergestellten Produkte, neben dem Fell des europäischen Rotfuchses die in der Pelzbranche den Rotfüchsen zugeordneten Arten und Sorten.

Hier nicht behandelt werden die Farbvarietäten Kreuzfuchsfell, Platinfuchsfell, Silberfuchsfell und Golden Island.

Geschichte Durch die Jahrtausende kann man das Nebeneinander von kultischer Pelzkleidung und jägerischer Felltarnung nachvollziehen, es bestimmt auch den Charakter der Felltrachten des Altertums. In der Antike berühmt war die Alopekis, eine Fuchsfellmütze der Thraker aus der Gegend des heutigen Rumäniens und Bulgariens. Sie ist auf verschiedenen Vasenmalereien abgebildet, hinten hing ein Schwanz, zwei besetzte Ohrenklappen befanden sich an den Seiten und auf der Kappe befand sich eine hohe Schleife.B. Brentjes: Pelz und Felltrachten des Altertums. In: Das Pelzgewerbe, Jg. XIX Neue Folge, Nr. 2, Hermelin-Verlag Dr. Paul Schöps, Berlin u. a. 1968, S. 31–34.

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Die wirtschaftliche Nutzung und kulturelle Rezeption des Wüstenfuchses oder Fenneks reichen weit in die Menschheitsgeschichte zurück. In der jungsteinzeitlichen Fundstätte Regenfeldde.wikivoyage.org: Regenfeld. Zuletzt abgerufen am 15. Januar 2018. nahe Dachla wurden rund 7000 Jahre alte Fennekknochen gefunden, die eine Nutzung als Nahrungsmittel belegen.Michael Bollig, Olaf Bubenzer: African Landscapes: Interdisciplinary Approaches. Springer, New York 2008, S. 132–133. ISBN 0-387-78681-3. Bereits in vordynastischer Zeit findet sich der Fennek auf einer Elfenbeintafel aus dem Grab Skorpions I., der in der Naqada-III-Periode (ca. 3200 v. Chr.) das Alte Ägypten regierte.Nicolas Manlius: Un animal représenté sur une étiquette de Nagada III. Oryctérope ou fennec? In: 3, 2010. S. 191. (Online; PDF; 512 kB). Schon in altägyptischer Zeit wurde wahrscheinlich versucht, den Fennek zu domestizieren, um ihn als Fleisch- und Felllieferanten zu nutzen; die dort abgebildete Hieroglyphe zeigt drei zusammengebundene Fennekfelle. Später wurde er von arabischen Jägern an die Bevölkerung von Oasen verkauft, die ihn in ähnlicher Weise gebrauchten.

Im frühen Mittelalter nutzte man die in der Pelzbranche auch Landfüchse genannten Rotfuchsfelle.Friedrich Lorenz: Kleine Pelzgeographie. Alexander Duncker Verlagsbuchhandlung, Leipzig 1939, S. 10. Sie galten jedoch nicht als besonders wertvoll und wurden von der einfachen Bevölkerung vor allem für Mützen, Muffen, Decken und Fußsäcke gebraucht, aber auch zu warmen Pelzinnenfuttern für Mäntel und Jacken, dann oft in Rücken und Wamme getrennt, wobei die Bauchseite mit ihrem langen weichen Haar und der hübschen Zeichnung beliebter und teurer war als das Rückenfell.

Rotfuchsfelle gehörten nicht zu den edlen Fellen. So gab es unter den Kölner Kürschnern die „Buntwerk- oder Grauwerkleute“, die die wertvollen Zobelfelle, Marderfelle, Fehfelle und Hermelinfelle verarbeiten durften und die „Lämmerwörter“, denen die geringeren Fellarten wie Fuchsfelle, Kaninfelle und Lammfelle vorbehalten blieben.Reinhold Stephan: Zur Geschichte des Rauchwaren-Handels im Altertum und Mittelalter und die Erschließung des russisch-asiatischen Raumes vom 16.-18. Jahrhundert. Inaugural-Dissertation Universität Köln 1940, S. 38–39. Inhaltsverzeichnis. Sekundärquelle: H. Loesch: Die Kölner Zunfturkunden bis zum Jahre 1500. 2 Bde., Bonn 1907, Bd. I, S. 307 ff. Die im Mittelalter am höchsten geschätzten Felle lieferten Hermelin und Zobel, es folgten Marder-, Biber-, Luchs, Weiß-, Schwarzfuchsfell, Blaufuchsfell und das Fell des importierten Edelrotfuchses. Die niederen Stände trugen Felle des rotbraunen Eichhörnchens, des gewöhnlichen Landfuchses sowie Hirsch-, Reh, Hasen- und Schaffell. Die Reststücke der verschiedenen Fellarten wurden auch gemeinsam verarbeitet, der damalige Name „Allerleirauh“ für dieses für Pelzfutter und zur äußeren Verbrämung genutzte Produkt ist uns heute nur noch von dem Grimm’schen Märchen her geläufig.Reinhold Stephan (s. dort), S. 68: Primärquellen Konrad Bahr: Handel und Verkehr der Deutschen Hanse in Flandern während des 14. Jahrhunderts. Leipzig 1911, S. 139–143. J. Kulischer: Allgemeine Wirtschafts-Geschichte des Mittelalters und der Neuzeit. München, Berlin 1928/1929, 2 Bände. Russische Wirtschaftsgeschichte, Bd. I, S. 276.

Als Erste handelte die Hanse, Blütezeit im 14. Jahrhundert, mit Rotfuchsfellen. Die Anlieferungen erfolgten hauptsächlich aus Russland.

1776 begann die Bedeutung des Rotfuchsfells im Fellhandel, als die Hudson’s Bay Company anfing, Felle aus Alaska und Kanada auf die Londoner Auktionen zu schicken. Sie waren im Tauschwert bei den amerikanischen Ureinwohnern den Biberfellen gleich. Waren es anfangs nur wenige Felle, wurde es im Laufe der Jahre einer der bedeutendsten Handels- und Fabrikationsartikel der internationalen Pelzwirtschaft.

1762 wurde für die Verwendung der verschiedenen Fellpartien der Rotfüchse, von denen die meisten aus Polen kamen, angegeben: „Die bleichen Kehlen werden für unsre Husarenofficiers herausgeschnitten zum Aufschlage. Die Rükken und die Seiten dienen zum Futter, der Schwanz zum Halskrausen für die Landleute im Winter“.Der Kirschner. In: J. S. Halle: Werkstätten der heutigen Künste, Berlin 1762, siehe S. 310.

In Leipzig wurden vor 1900 die Rotfuchsfelle, in Wammen und Rücken getrennt, zu sogenannten „Futtern“ vorkonfektioniert, bevor sie zur Weiterverarbeitung an die Kürschner verkauft wurden. An den Wammen verblieb dabei jeweils noch etwa 2/3 des Rückenfells. Auch gingen viele Felle damals vom Pelzhandelszentrum Leipziger Brühl in den Orient. Vorher schnitt man die Schweife und Pfoten ab und verkaufte sie extra, die Schweife für Boas, die Pfoten zur Herstellung von Fuchsklauenfuttern bis nach China, wo sie zu Felltafeln in Jackengröße zusammengesetzt wurden.Jury Fränkel: Rauchwaren-Handbuch. Selbstverlag, 1960, S. 25–27. Die Türkei war auch Abnehmer für die besonders roten amerikanischen Füchse, die zu der Zeit anderswo nicht so gefragt waren.Richard Davey: Furs and Fur Garments. The International Fur Store, London and The Roxburghe Press, Westminster 1895?, S. 81. Die schmalen Rückenstreifen gingen meist nach Griechenland, die Wammen nach Russland. In Russland, wohin um 1900 die meisten europäischen Landfüchse gehandelt wurden, war es ohnehin üblich, die Fuchsteile einzeln zu verarbeiten, zum Beispiel getrennt in Nacken, Kehlen, Wammen und Klauen. Das hatte den Vorteil, dass harmonisch immer Stücke mit der gleichen Haarlänge zusammenkamen.

Bis etwa in die 1940er Jahre – ganz besonders aber vom 19. Jahrhundert bis in die Goldenen 1920er Jahre – spielten Kleinteile aus Pelz, wie Muffe, Schals, Pelzstolen, Kragen usw., vor allem aber auch Pelzkolliers, das sind Schals in Fellform mit Köpfen, Pfoten und Schweifen, eine bedeutende Rolle in der Mode. Hier war „der Landfuchs im gefärbten Zustand für Garnituren ein gesuchter Artikel, da er wegen seiner Weichheit sich gut anschmiegt“Paul Cubaeus, „praktischer Kürschner in Frankfurt am Main“: Das Ganze der Kürschnerei. Gründliches Lehrbuch alles Wissenswerthen über Waarenkunde, Zurichterei, Färberei und Verarbeitung der Pelzfelle. A. Hartleben’s Verlag, Wien, Pest, Leipzig 1911, S. 32. (Für die Anfertigung eines Rotfuchskolliers siehe → Pelzkollier#Das Arbeiten eines Rotfuchskolliers).

Kurz vor Ende des Zweiten Weltkriegs kam in Deutschland die aus Skandinavien stammende Schauspielerin Kristina Söderbaum mit dem Film „Opfergang“ in die deutschen Kinos. Den Traum von ihrem offenbar beeindruckenden Rotfuchsmantel konnte sich zu der Zeit kaum eine Frau erfüllen, jedoch zwischen Kriegsende und der Währungsreform 1945/1948 wurde er, zusammen mit amerikanischen Nylonstrümpfen, der große Modeschlager.Marie Louise Steinbauer, Rudolf Kinzel: Marie Louise Pelze. Steinbock Verlag, Hannover 1973, S. 153.

1864 kamen laut dem Pelzhändler Lomer jährlich 100 Tausend deutsche Landfüchse auf den Markt, um 1911 waren es nach Angaben seines Kollegen Brass eine viertel Million.Emil Brass: Aus dem Reiche der Pelze. Verlag der „Neuen Pelzwaren-Zeitung und Kürschner-Zeitung“, Berlin 1911 Um 1923/24 errechnete Brass die Weltproduktion an Rotfuchsfellen auf etwa 2,7 Millionen Stück. Etwa gleich viel, 2,5 Millionen nennt 1930 die „IPA“, die in der Pelzbranche legendäre Internationale Pelzausstellung in Leipzig. 1950 wird der Gesamtanfall mit 1,15 Millionen angegeben. Um 1968 ging man von einer geringeren Menge aus, << „bestimmt um 30 %“ – da namentlich die europäischen und australischen, dann aber auch die amerikanischen Ausbeuten an Rotfuchsfellen seitdem stark abgenommen haben. Die Sowjetunion exportierte 1938 … 396.000 Rotfüchse, 1960 … 110.000 und 1965 aber nur noch 70.000. >>Fritz Schmidt: Das Buch von den Pelztieren und Pelzen. F. C. Mayer Verlag, München 1970, S. 186. Primärquelle A. Franke. In: Die Pelzwirtschaft, 1968. Spätere Angaben sind, soweit sie bekannt sind, bei den einzelnen Sorten angegeben.

mini|hochkant=0.8|Video des International German Red Fox Award 2016 Der Rotfuchs war in Deutschland so häufig, „dass seine jährliche Zehntung durch Jagd und Fang – die von 1939 bis 1945 nach Müller-Using rund gerechnet, zum Beispiel 350.000 Stück umfasste – in den heutigen Beständen kaum merkliche Spuren hinterließ“. Nachdem die amtlich verordnete, hauptsächlich in den 1970er bis 1980er Jahren ausgeübte Nachstellung wegen der durch Füchse übertragenen Tollwut eingeschränkt wurde, haben die zwischenzeitlich erheblich zurückgegangenen Fuchsbestände wieder zugenommen. Die Fellnutzung der erlegten Rotfüchse findet in Deutschland jedoch nur noch in recht geringem Umfang statt. Um die Verwendung der Rotfuchsfelle zu fördern, wurde im Rahmen des Internationalen Design-Wettbewerbs des Deutschen Kürschnerhandwerks mit der Unterstützung einer Jägerzeitung 2011 erstmals der International German Red Fox Award vergeben,In Pelzmarkt, Deutscher Pelzverband (Hsgbr.): Internationaler Design-Wettbewerb des Deutschen Kürschnerhandwerks. S. 11 (Sponsor von jeweils drei Rotfuchsfellen pro Teilnehmer war die Fachzeitschrift Wild und Hund). der seitdem jährlich wiederholt wird.Stand 2019 In Österreich findet ein ähnlicher Wettbewerb statt.

Fuchsschweife mini|Links der Fuchsmajor der Düsseldorfer Studentenverbindung Burgundia mit seinem Erkennungszeichen, dem Rotfuchsschweif (2016) Der von den Jägern Lunte, in der Pelzbranche Fuchsschweif genannte Schwanz wird in der Regel extra genutzt. Im englischen Mittelalter trugen modische Damen zeitweilig Fuchsschwänze unter ihren Kleidern, um ihre Figur zu verbergen und ihre schmalen Röcke gerade auf den Boden fallen zu lassen.Elspeth M. Veale: The English Fur Trade in the Later Middle Ages. Clarendon Press, Oxford 1966, S. 17 (englisch).