mini|hochkant=1.2|Polarfuchsgarnitur (Hut, Kollier und Muff, vor 1911)

Ein Pelzkollier, auch Pelzcollier, ist ein in angenäherter Tierform gearbeiteter Schal aus Pelz, der bis in die 1960er Jahre sehr in weiblicher Mode war, in der Regel mit Kopf, Pfoten und Schweif. Für einfellige Kolliers aus Fellen der Familie der Marderartigen (Nerzfell, Zobelfell und Iltisfell) war auch die Bezeichnung Würger gebräuchlich.Alexander Tuma: Pelz-Lexikon. Pelz- und Rauhwarenkunde. XXI. Band. Verlag Alexander Tuma, Wien 1951. Suchwort WürgerWerbebrief der Firma Heinz Pape, Pelzwürger-Fabrikation, Leipzig 1935. Kolliers aus kleineren Fellen bestehen meist aus zwei oder vier einzelnen Fellen.

Kleine, einfellige Pelztierschals wurden 1928 in einem österreichischen Fachbuch als Kollets bezeichnet. Im Gegensatz zu Deutschland verstand man in Österreich unter Kollier oder auch Kolier allgemein einen „Halspelz, der jedoch im Unterschied zum fest aufgenähten Kragen, separat getragen werden kann“. → Inhaltsverzeichnis. Inzwischen ist in Österreich wohl auch die Bezeichnung Kollier für die Tierform üblich.Auskunft des Wiener Kürschnermeisters Johann Jouja v. 2. Mai 2018.

Pelzkolliers wurden in den letzten Jahren in Europa nur noch wenig angeboten. Sie waren zu keiner Zeit Bestandteil der Herrenmode.Jonathan Faiers: Fur - A Sensitive History. Yale University Press, New Haven und London, 2020, S. 106, ISBN 978-0-300-22720-8.

Kollierarten In der Regel waren die Kolliers, Pelzschals in Tierform, aus Fuchsfellen, Nerzfellen, Stein- und Baummarderfellen oder Hermelinfellen gearbeitet. Wurden andere Fellarten verwendet, ahmten sie häufig durch eine entsprechende Fellveredlung und Verarbeitung eine dieser hochwertigen Pelzarten nach. Insbesondere das Silberfuchsfell wurde oft imitiert. So wird beispielsweise in 1942 in einem Fachbuch die aufwändige Herstellung eines Skunksfuchses beschrieben, also eines Kolliers in Größe und Aussehen eines Fuchses, aber aus zwei oder drei ineinander geschnittenen Fellen von Stinktieren gearbeitet.

Einfellige Kolliers werden mit einer im Fellkopf befindlichen Kollierklammer an den Schwanz oder in das Fell geklemmt, oder aber mit einer mit Posamenten bezogenen Kollierkette zusammengehalten. Kleinere Kolliers aus Marder- oder ähnlichen Fellen werden meist aus zwei Fellen hergestellt, die mit den Köpfen nach oben, mit einem kurzen Steg nebeneinander befestigt sind. Um das Kollier zu verlängern und attraktiver zu gestalten, werden oft zwei weitere, ebenfalls komplett ausgearbeitete Felle, unten aufgesetzt. Geschlossen wird dies ebenfalls mit Kollierkette und Haken, mit Haken und Öse oder einem posamentierten Druckknopf. Insbesondere beim Fuchskollier wurden die beim Tragen etwas störenden Vorderpfoten gelegentlich weggelassen.

Das einfellige Kollier wird in der Regel um den Hals gelegt getragen, den Fellkopf auf der Brustseite. Öfter, vor allem in der wärmeren Jahreszeit, legte man es einfach nur über den Unterarm, in der etwas extravaganten Variante mit einem über eine Schulter gelegten Fuchs, oder von einer Schulter herabhängend. Bei Kolliers aus mehreren, paarweise angeordneten Fellen ist es gedacht, dass die Fellköpfe auf dem Rücken der Trägerin liegen, rechts und links vom Hals, der Hauptteil hängt vorn über der Brust längs herunter. Eine weitere Möglichkeit ist es, die beiden Kollierenden vorn umeinander zu schlingen, anstelle sie nebeneinander zu schließen.

Geschichte mini|Marchioness von Worcester (Anthony van Dyck, 1635) mini|hochkant=1.2|Dame mit „Würger“. „Ein Morgen im April, Place de la Concorde, Paris“ (Louise Abbéma, 1894)

Eine frühe Erwähnung von vielleicht auf Pelzkolliers hindeutendes Kleidungsstücke findet sich beim Geografen und Autor Richard Hakluyt im Jahr 1533: „Die nördlichen Teile Russlands enthalten eine sehr große Ausbeute an seltenen und kostbaren Pelzen: und unter den anderen, die wir hauptsächlich Zobel nennen, getragen um die Hälse unserer Adelsfrauen und Damen: gibt es auch Marderfelle, weiße, schwarze und rote Fuchsfelle, Felle der Hasen und Hermeline und andere, wie Biber, Nerze und Feh.“Richard Harkluyt: The Discovery of the Kingdom of Muscovy. 1533, S. 46. - Sekundärquelle: Elizabeth Ewing: Fur in Dress. B. T. Batsford Ltd, London 1981, S. 50 (englisch).

Der Vorgänger des Pelzkolliers war der sogenannte „Flohpelz“ (Hauptartikel → Flohpelz). Ein Flohpelz oder Flohpelzchen, aus dem Italienischen kommend, auch Zibellino („Zobelchen“) genannt, war ein kleines Kollier aus Hermelin-, Zobel-, Iltis- oder Marderfell mit ausgearbeitetem Kopf, Schwanz und Pfoten, häufig mit edlen Steinen verziert, das im Spätmittelalter und insbesondere in der Renaissance in europäischen Adelskreisen und beim sehr wohlhabenden Bürgertum in Mode kam. Er wurde über die Schulter gehängt getragen oder gelegentlich auch an einem Kettchen am Gürtel. Dorothee Backhaus nennt als weitere Bezeichnung für den Flohpelz die „Contenance“.Dorothee Backhaus: Brevier der Pelze. Keysersche Verlagsbuchhandlung, Heidelberg/München 1958, S. 28 (→ Inhaltsverzeichnis). Angeblich sollte es die Funktion des Flohpelzes sein, lästige Insekten wie zum Beispiel Flöhe anzuziehen und vom Körper des Trägers abzulenken. Da die Flöhe auf Körperwärme und nicht auf Haare reagieren, spricht einiges dafür, dass dem vornehmlich in der Hand zu tragenden Pelz die Wirkung als Flohfalle erst nachträglich zugesprochen wurde.Tawny Sherrill: Fleas, Fur, and Fashion: „Zibellini“ as Luxury Accessories of the Renaissance. In: Robin Netherton, Gale R. Owen-Crocker (Hrsg.): Medieval clothing and textiles. Band 2. Boydell Press, Woodbridge u. a. 2006, ISBN 1-84383-203-8, S. 121–150 (englisch).

Im Jahr 1635 entstanden, in der Epoche der oft wertvoll ausgeschmückten Zibellini, zeigt ein Porträt der Marchioness vor Powys Castle einen über die Schulter drapierten langen Zobelschal, der bis über die Taille reicht, einschließlich Kopf, Pfoten und Schwanz. Er scheint sich in seiner Ungeschmücktheit nicht von den mehrfelligen Marder- und Zobelkolliers des späten 18. bis 20. Jahrhunderts zu unterscheiden (s. Abb.). Eine Lady Sussex schrieb im 17. Jahrhundert an Lord Verney wegen eines Porträts, das Anthonis van Dyck von ihr malte. „Erinnern Sie Sir Vandyke daran, mein Bild gut zu machen“, schrieb sie, „ich habe Zobel gesehen, bei denen der Verschluss mit Diamanten besetzt ist - wenn die, in denen ich abgebildet bin, so gemacht würden, denke ich würde es auf dem Bild sehr gut aussehen. Wenn Sir Vandyke glaubt, es würde sich gut machen, bitte ich ihn, alle Krallen so zu machen.“ So ist es keinesfalls sicher, dass die auf den Gemälden abgebildeten Damen wirklich immer ein so kostbar aufgewertetes Teil besaßen. Die Modehistorikerin Elizabeth Ewing stellte dazu fest: „Die Idee einer künstlerischen Freiheit, die sich auf die Hinzufügung nicht existierender Juwelen erstreckt, war den Porträtmalern und ihren modebewussten Porträtmodellen auf keinen Fall unbekannt.“Elizabeth Ewing: Fur in Dress. B. T. Batsford Ltd, London 1981, S. 50 (englisch).

Bis in die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts gab es keine Pelzmode im eigentlichen Sinn. Pelze waren vor allem Innenfutter oder Verbrämung von Textilien, ganz besonders von Herrenoberkleidung. In den 1890er Jahren erschienen in den Modezeitschriften erstmals Modebilder, die sich ganz der Pelzkleidung widmeten.Eva Nienholdt: Pelzmoden des 20. Jahrhunderts. Kapitel VIII der Beitragsfolge: Pelz in der europäischen Kleidung. Vorgeschichtliche Zeit bis Gegenwart. In: Das Pelzgewerbe. Nr. 5, 1957, S. 213. Um diese Zeit entstanden zwar auch die ersten mit dem Haar nach außen zu tragenden Pelze, im alltäglichen Modebild spielten sie jedoch noch keine Rolle. Ein ganz großes Thema war jedoch die Pelzgarnitur, bestehend aus Pelzmütze, Pelzschal, Pelzhandschuhe und unbedingt einem Pelzmuff. Der Pelz war Ende des 19. Jahrhunderts nicht mehr nur ein dem Luxus vorbehaltener Besatzartikel. Das Charakteristische der damaligen Pelzmode lag, besonders markant beginnend, zwischen 1906 und 1907,Anna Municchi: Ladies in Furs 1900–1940. Zanfi Editori, Modena 1992, S. 59 (englisch), ISBN 88-85168-86-8. „in der gesamten Verwendung des Pelztieres mit Kopf, Klauen und Schwanz als Pelzschmuck. Die Mode begnügte sich bald nicht mit einem Pelztier, sondern verlangte gleich mehrere und zwar mit möglichst großen Köpfen und möglichst vielen Schwänzen und Klauen an einer Pelzhülle neben dem Muff.“

„Den Gipfelpunkt dieser Modeübertreibung bedeuteten die Pelztierköpfe, die auch »Töne« von sich geben und deren Schnäuzchen mit einem Maulkörbchen das Beißen verwehrt wurde“,Konrad Haumann: Kostümgeschichtlicher Streifzug durch die Jahrhunderte. In: Der Rauchwarenmarkt. 12. März 1943, S. 7. Letzteres eine Idee, die ein künstlerischer Juwelier in diamantenbesetzter Ausführung bereits zu Zeiten des Flohpelzes hatte. In großer Mannigfaltigkeit wurde die Pelzgarnitur auch aus Kaninfell als Mädchenkleidung angeboten. Häufig waren diese Accessoires mit „Aufputzköpfchen und Schweifchen“ versehen, insbesondere die vielen aus Hermelinfell gearbeiteten Teile. Ein beliebtes Motiv war ein Hermelin- oder Weißfuchsmuff, aus dem das Hermelin oder der Fuchs herausguckten und die Vorderpfötchen herausstreckten. Eine Besonderheit waren auch Fuchskolliers, bei denen die Halteklammer so in das Fell eingearbeitet waren, dass beim Öffnen der Klammer der Fuchs das Schnäuzchen aufmachte. Der Kürschner und spätere Filmpionier Adolph Zukor schrieb in seinen Memoiren, dass er diese Idee in seiner damaligen Novelty Fur Company in Chicago entwickelt hatte. Er verkaufte diese Schals mit gutem Gewinn und bereits im Alter von 19 Jahren „schwamm er im Geld“.Jonathan Faiers: Fur - A Sensitive History. Yale University Press, New Haven und London, 2020, S. 132, ISBN 978-0-300-22720-8. Primärquelle: Adolph Zukor: The Public is Never Wrong. G. P. Putnam’s Sons, New York, 1953, S. 33–34 (englisch).

Dank der Seltenheit und Begehrtheit war ein Silberfuchsfell Anfang des 20. Jahrhunderts noch ganz außergewöhnlich wertvoll. Das änderte sich anfangs kaum, als es den Kanadiern Charles Dalton und Robert Oulton gelang, Silberfüchse in größerem Ausmaß zu züchten, da die Nachfrage gleichzeitig anstieg. Silberfuchsschals und Capes, aber vor allem Silberfuchskolliers waren groß in Mode und bei jeder Festlichkeit zu sehen. Sie wurden keineswegs nur im Freien getragen, sondern auch auf Festivitäten wie Bällen, Opernbesuchen usw. Da der Preis hoch war, schufen die Pelzveredler und Kürschner aus verschiedenen preiswerteren Fellarten Nachahmungen. Das ging so weit, dass man die silbergrauen Grannenhaare des Silberfuchses imitierte, indem man mit dem sogenannten Spitzen helle Haare in schwarz gefärbte Rotfüchse, in Amerikanisches Opossum, Skunks, langhaariges Kaninfell und Hasenfell einklebte. Neben anderen wurden auch Vielfraßfelle, Waschbärfelle, sogenannte Fliegende-Hunde-Felle und auch die Felle von Haushunden gespitzt.„Le.“: C. L. Motz über das Spitzen von Pelzfellen. In: Der Rauchwarenmarkt. Nr. 7, Leipzig, 14. Februar 1936, S. 5.

Nicht jede Dame kleidete ein solch opulentes Modezubehör. Gleichzeitig waren auch die sehr viel kleineren Marderkolliers, Iltiskolliers und Hermelinkolliers beliebt, mit Zunahme der Nerzzucht besonders Nerzkolliers. Vor allem die Felle männlicher Nerze waren vereinzelt so groß, dass sich daraus ein einfelliger „Würger“ herstellen ließ, kleinere Felle werden deshalb auch zu einem größeren Fell zusammengeschnitten („Einschneiden“). Der damals tatsächlich übliche Begriff Würger lässt erahnen, wie eng das Teil am Hals anlag. – Für ein Nerzkollier zum Beispiel nahm man meist zwei große, nebeneinander zu tragende Nerzfelle. Häufig wurde das Kollier durch zwei weitere, ebenfalls mit Köpfen, Pfoten und Schwänzen versehenen Felle verlängert, die auf die beiden oberen aufgesetzt wurden.

Philipp Manes, der in Auschwitz ermordete Pelzkommissionär und Biograph der Pelzbranche, schrieb im Jahr 1928: