Königssee ist ein Gemeindeteil und eine Gemarkung in der Gemeinde Schönau am Königssee im oberbayerischen Landkreis Berchtesgadener Land. Bis 1978 bestand die Gemeinde Königssee, deren Hauptort das namensgleiche Königssee war, das wiederum einem kleineren Bezirk innerhalb der Urgnotschaft Schönau entsprach.
Geografie Lage Königssee liegt am nördlichen Ende des gleichnamigen Königssees und östlich des Abflusses in die Königsseer Ache.
Gliederung der ehemaligen Gemeinde Königssee Die Gemeinde Königssee gliederte sich von 1817 bis 1978 in die vier Ortsteile bzw. Gnotschaften: Faselsberg Königssee Schwöb St. Bartholomä
Geschichte mini|Teilansicht von Königssee (Gnotschaftsbezirk), dem namensgebenden Hauptort der ehemaligen Gemeinde Königssee Teil einer Urgnotschaft des Berchtesgadener Landes Im Zuge des 1377 ausgestellten „Landbriefs“ von Propst Ulrich WulpJoseph Ernst von Koch-Sternfeld: Geschichte des Fürstenthums Berchtesgaden und seiner Salzwerke. Band 2, ab S. 27 f. wurde Schönau vermutlich schon ab Ende des 14. Jahrhunderts zu einer der acht „Urgnotschaften“ des Berchtesgadener Landes, dessen Gebietsfläche ab 1155 dem Kernland des Klosterstifts Berchtesgaden entsprach, das 1380 zur Reichsprälatur Berchtesgaden und 1559 zur reichsunmittelbaren Fürstpropstei Berchtesgaden erhoben worden war. Die Urgnotschaft Schönau samt ihren namenlosen bzw. lediglich durchnummerierten acht Gnotschaftsbezirken findet eine erste schriftliche Erwähnung im ersten Steuerbuch des Berchtesgadener Landes von 1456.Zu „Urgnotschaften“ und Steuerbuch siehe Manfred Feulner: im Auftrag der Blaskapelle Maria Gern. Literatur und Quellen: berchtesgadeninfo.de, Marktarchiv Berchtesgaden, Abt. Maria Gern.Dieter Albrecht: Fürstpropstei Berchtesgaden - Statistische Übersicht nach dem Stand von 1698. I. Land- und Pfleggericht Berchtesgaden. Kapitel: Gnotschaft Schönau. In: Historischer Atlas von Bayern. Teil Altbayern, Heft 7, München 1954, S. 28 und 29. Aus dreien dieser Gnotschaftsbezirke wurde 1817 die Gemeinde Königssee gebildet. → Siehe zu diesem Absatz auch den Abschnitt: Geschichte in Fürstpropstei Berchtesgaden
Aufteilung der Urgnotschaft in die Gemeinden Schönau und Königssee Nach der Säkularisation von 1803 verlor das Berchtesgadener Land seine politische Eigenständigkeit als Fürstpropstei, darauf folgten kurz hintereinander drei Herrschaftswechsel. 1810 wurde das Berchtesgadener Land schließlich dem Königreich Bayern angegliedertJoseph Ernst von Koch-Sternfeld: Geschichte des Fürstenthums Berchtesgaden und seiner Salzwerke. Band 3, ab S. 121 f. und 1817 die ehemalige Urgnotschaft Schönau in die Gemeinden Schönau mit fünf ehemaligen Gnotschaftsbezirken und Königssee mit den Gnotschaftsbezirken Königssee (vormals 1. Gnotschaftsbezirk), Schwöb (vormals 4. Gnotschaftsbezirk) und Faselsberg (vormals 8. Gnotschaftsbezirk) geteilt. Die bisherigen Gnotschaftsbezirke der „Urgnotschaft“ werden seither bis zum heutigen Tag als „Gnotschaften“ bezeichnet. → Siehe zu diesem Absatz auch den Abschnitt: Nach der Säkularisation in Fürstpropstei Berchtesgaden
Zeit des Nationalsozialismus Das für die Gemeinde Königssee zuständige Bezirksamt Berchtesgaden wurde 1939 in Landkreis Berchtesgaden mit gleichem Zuständigkeitsbereich umbenannt.
Nachkriegszeit Am 1. Juli 1972 ist die Gemeinde Königssee dem neuen und, im Vergleich zum darin aufgegangenen Landkreis Berchtesgaden, erweiterten Landkreis Bad Reichenhall angegliedert worden, der wiederum am 1. Mai 1973 in Landkreis Berchtesgadener Land umbenannt wurde.
Nachdem bereits der Gemeinderat von Schönau (westlich der Königsseer Ache) am 18. Dezember 1975 und der Gemeinderat von Königssee (östlich der Königsseer Ache einschließlich der separaten Gemarkung Forst St. Bartholomä) am 22. Dezember 1975 einem freiwilligen Zusammenschluss zugestimmt haben, wurde Ende März 1977 in beiden Gemeinden ein Anhörverfahren durchgeführt, bei dem sich 53 Prozent für den neuen Gemeindenamen „Schönau am Königssee“ aussprachen.Hellmut Schöner (Hrsg.): Berchtesgaden im Wandel der Zeit – Ergänzungsband I. S. 227. Am 1. Mai 1978 erfolgte dann schließlich die Zusammenlegung der beiden Gemeinden zur Gemeinde Schönau am Königssee. Seither ist die ehemalige Gemeinde Königssee ein Ortsteil bzw. eine Gemarkung der Gemeinde Schönau am Königssee, deren Gebietsfläche samt ihren Gemeindeteilen bzw. Gnotschaftsbezirken wieder in etwa denen der Urgnotschaft Schönau entsprechen.
Verkehr mini|Ehemaliger Bahnhof Königssee (Oberbay) In Königssee, in unmittelbarer Nähe des gleichnamigen Sees, beginnt die B 20, die durch die Gemeinde Schönau am Königssee ins benachbarte Mittelzentrum Berchtesgaden führt. Sie ist die hochrangigste Straße im Gemeindegebiet und stellt weiter über Bad Reichenhall u a. zur Anschlussstelle in Piding die Anbindung an die Autobahn A 8 her.
Von 1909 bis 1965 war die Gemeinde Königssee durch die Königsseebahn an das Eisenbahnnetz angeschlossen.
Kultur und Sehenswürdigkeiten Bauwerke Hierunter werden soweit bekannt und relevant lediglich alle in der Gemarkung Königssee stehenden Bauwerke gelistet.
Profangebäude Das Empfangsgebäude des ehemaligen Bahnhof Königssee (Oberbay) an der einstigen Bahnstrecke Berchtesgaden–Königssee wurde 1908/09 im HeimatstilGemeinde Schönau a.Königssee, Denkmalliste des Bayerischen Landesamts für Denkmalpflege, PDF, online unter geodaten.bayern.de, abgerufen am 23. Juli 2021 erbaut. Es wird jetzt als Gaststätte sowie seit 2015 zusätzlich für eine Romy-Schneider-Ausstellung genutzt.
Sakralgebäude Die römisch-katholische Bergopfer-Gedenkkapelle St. Bernhard wurde am 11. September 1999 auf Kühroint eingeweiht. Zur Geschichte der Bergopfer-Gedenkkapelle St. Bernhard
Weitere Kapellen der römisch-katholischen Pfarrei Unterstein / Schönau am Königssee in der Gemarkung sind: Zu den Kapellen der römisch-katholischen Pfarrei Unterstein / Schönau am Königssee Brandner Kapelle (Jennerbahnstraße in Königssee) Widlbrand-Kapelle (Richard-Voß-Straße in Königssee, erbaut 1928 von Georg Lenz, renoviert 1992 von Josef Lenz) Grutschen-Kapelle (Holzlobstraße in Königssee, Grutschen-Kapelle, mit Walmdach, 18. Jh.; mit Ausstattung, aufgenommen als Baudenkmal in die Bayerische Denkmalliste) Spinnerlehen-Kapelle (Spinnerwinklweg 8, Hofkapelle eines landwirtschaftlichen Anwesens, Walmdach, wohl 18. Jh.; mit Ausstattung; alte Klaubstein-Feldmauern, aufgenommen als Baudenkmal in die Bayerische Denkmalliste)
Sport und Sportvereine Der WSV Königssee, gegründet im Dezember 1951, ist ein Wintersportverein mit Abteilungen für Rennrodeln, Skeleton, Bobsport, Eisstockschießen, Snowboard und Ski Alpin. Aktuell (Stand November 2007) hat der Verein mehr als 950 Mitglieder, darunter mehr als 320 Kinder und Jugendliche. Der WSV ist einer der erfolgreichsten Wintersportvereine der Welt. Aus seinen Reihen gingen Olympiasieger, Weltmeister, Europameister, Weltcupsieger und deutsche Meister hervor. Der Verein hat bereits mehrere Großveranstaltungen (10 Welt-, 8 Europa- und bald 50 andere Veranstaltungen wie Deutsche Meisterschaften und Weltcuprennen) organisiert.
Politik Bürgermeister Die folgenden Personen waren von der Gemeindegründung 1819 bis zur Auflösung 1978 Gemeindevorsteher (bis 1869) bzw. Bürgermeister der ehemaligen Gemeinde Königssee.Adam Maltan: Chronik der Gemeinde Schönau am Königssee. Hrsg.: Gemeinde Schönau am Königssee. Schönau am Königssee 1985, , S. 48–50. Zeitraum Bürgermeister Anmerkung 1819–1822 Josef Stangassinger 1822–1830 Michael Moderegger 1830–1833 Michael Hasenknopf 1833–1836 Anton Stocker 1836–1848 Jacob Hinterseer 1848–1854 Nikolaus Kurz 1854–1866 Georg Eder 1866–1869 Franz Wein 1869–1876 Simon Stocker 1876–1882 Andreas Hallinger 1882–1888 Sebastian Moderegger 1888–1894 Andreas Hallinger 2. Amtszeit 1894–1906 Georg Eder Ehrenbürger 1906–1912 Josef Aschauer 1912–1920 Nikolaus Kurz 1920–1925 Josef Stocker 1925–1933 Josef Moderegger 1933–1944 Josef Größwang 1944–1945 Michael Brandner 1945 Georg Lenz 1945 Sebastian Brandner 1945–1948 Josef Aschauer 1948–1951 Johann Eder 1951–1957 Michael Brandner 2. Amtszeit 1957–1966 Nepomuk Beer 1966–1978 Georg Eder
Wappen 100px|links Blasonierung: In Blau aus einem gewellten, blauen Schildfuß wachsend die Kapelle St. Bartholomä, die aus drei silbernen Rundbauten mit roten Kuppeldächern besteht, darauf je eine goldene Kugel, und von einem silbernen Türmchen mit rotem Kuppeldach und goldenem Kreuz überhöht ist.Adam Maltan: Chronik der Gemeinde Schönau am Königssee. 1985, S. 53.
Begründung: Das Wahrzeichen der ehemaligen Gemeinde Königssee, die seit dem 12. Jahrhundert bekannte Kirche St. Bartholomä, dient als Symbol für Vergangenheit und Gegenwart der Gemeinde. Die hauptsächlichen Wappenfarben spiegeln die bayerischen Landesfarben wider. Der Schildfuß bezeichnet den Königssee und den Gemeindenamen. Das Wappen wurde der damaligen Gemeinde Königssee 1964 verliehen.
Ehrenbürger Den folgenden Personen wurde bis zur Auflösung der Gemeinde Königssee die Ehrenbürgerwürde zuteil.Adam Maltan: Chronik der Gemeinde Schönau am Königssee. 1985, S. 51 f. Beschluss Name Lebensdaten Beruf / Wirken 22. Mai 1910 Hans Hohenadel 1851–1933 königlicher Förster 22. Mai 1910 Max Sollacher 1861–1924 königlicher Förster 23. August 1914 Richard Voß 1851–1918 Schriftsteller 30. Juni 1918 Karl Florian 1865–1933 Hauptlehrer 26. Juni 1920 Emma Haldy 1855–1945 Gutsbesitzerin 10. Juli 1926 Georg Eder 1846–1926 Bürgermeister 14. November 1936 Wolfgang Rasp 1847–1939 Austragsbauer, Spielzeugmacher
Literatur Hellmut Schöner (Hrsg.): Das Berchtesgadener Land im Wandel der Zeit. Ergänzungsband I, Verein für Heimatkunde d. Berchtesgadener Landes, Verlag Berchtesgadener Anzeiger sowie Karl M. Lipp Verlag, München 1982, ISBN 3-87490-528-4, S. 227, 235–243.
Einzelnachweise
Kategorie:Ort im Landkreis Berchtesgadener Land Kategorie:Geographie (Schönau am Königssee) Kategorie:Ehemalige Gemeinde (Landkreis Berchtesgadener Land) Kategorie:Gemeindeauflösung 1978 Kategorie:Gemarkung in Schönau am Königssee