mini|hochkant=0.7|Ansichtskarte um 1900 mit dem Hinweis auf die Sommerfrische Kindberg mini|hochkant=0.7|Ansicht von Kindberg vom Kalvarienberg aus 2010 im Vergleich Kindberg ist eine Stadt mit Einwohnern (Stand ) im österreichischen Bundesland Steiermark (Gerichtsbezirk Mürzzuschlag im politischen Bezirk Bruck-Mürzzuschlag).
Geografie Geografische Lage Kindberg liegt im Mürztal etwa 17 km nordöstlich der Bezirkshauptstadt Bruck an der Mur und etwa 20 km südwestlich von Mürzzuschlag. Im Süden befinden sich die Fischbacher Alpen und im Norden die Mürztaler Alpen, ein bewaldetes Mittelgebirge am Südfuß des nordalpinen Hochgebirges mit den Aflenzer Staritzen und der Veitschalpe.
Gemeindegliederung Das Gemeindegebiet umfasst acht Ortschaften (Einwohner Stand ):
Die Gemeinde besteht aus zehn Katastralgemeinden (Fläche Stand ):
Eingemeindungen Im Rahmen der Gemeindestrukturreform in der Steiermark wurde Kindberg 2015 mit den Gemeinden Allerheiligen im Mürztal und Mürzhofen vereinigt.Steiermärkische Gemeindestrukturreform.
Nachbargemeinden Alle Nachbargemeinden liegen im Bezirk Bruck-Mürzzuschlag.
Geschichte Das Gebiet um Kindberg war unter den Kelten, Römern und Slawen nur dünn besiedelt. Im 8. Jahrhundert ließen sich die ersten bayrischen Siedler im Mürztal nieder. Eine intensivere Besiedlung und Rodung erfolgte im 12. Jahrhundert. Die erste urkundliche Erwähnung von Kindberg um 1172 „Chindeberch“; seit dem 14. Jahrhundert Eisengewerbe, ab dem 18. Jahrhundert Sensenerzeugung.
Am 8. Mai 1267 ereignete sich bei Kindberg eines der schwersten Erdbeben der Geschichte Österreichs. Das Beben wird auf eine Stärke von 5,4 laut Richterskala geschätzt.Sonja Burger, Martin Kugler: Verborgene Anzeichen für Erdbeben. In: Universum Magazin. Krems-Wien 2016. Heft 11/2016. , S. 59.
Durch den Verkehr auf der „Venedigerstraße“ über den Semmering nach Wien begünstigt, erfolgte 1281 die Markterhebung durch Rudolf von Habsburg. Seit 1982 besitzt Kindberg das Stadtrecht.
Großes Aufsehen erregte 1921 die Jagd auf ein Raubtier im Burgerwald bei Kindberg, wo sich am 23. April 1921 eine 40-köpfige-Treibjagd-Gesellschaft einfand, ein großer Wolf wurde kurz darauf erlegt. Das Aufsehen war nicht zuletzt darauf zurückzuführen, dass die Erinnerung an einen anderen räuberischen Wolf, den Bauernschreck von der Koralm, noch wach war.Robert Preis: Die große Wolfshatz. Eine Jagd als touristisches Großereignis. In: 111 schaurige Orte in der Steiermark die man gesehen haben muss. Verlag emons:, Graz 2018, ISBN 978-3-7408-0445-9, S. 26.
Kindberger Meteorit
Das Fallen einer Feuerkugel am 19. November 2020 um 04.46 Uhr MEZ (03.46 UTC) wurde mittels Netzwerken darauf spezialisierter Kameras detektiert und von Personen berichtet.Events in 2020 > 6819-2020 fireballs.imo.net, International Meteor Organisation (IMO), abgerufen am 15. September 2020. Auswertungen, geleitet von Pavel Spurný, Department Interstellare Masse des Astronomischen Instituts der Akademie der Wissenschaften der Tschechischen Republik ergaben ein Gebiet von 50 × 3 km Größe zwischen Kindberg und Lunz am See, in dem Fragmente niedergegangen sein sollten. Der Streifen beginnt etwas schmäler etwa 3 km nordwestlich des Ortszentrums von Kindberg, läuft Richtung Nordwesten fast bis Lunz und verbreitert sich dabei auf etwa 5 km. Rund 100 Hobbyastronomen und Meteoritenliebhaber, nach den Autokennzeichen aus Deutschland, Italien, Ungarn und Tschechien Menschen grasten laut Ludovic Ferrière das Gebiet zeitnah ab. Ferrière (* 1982 (oder 1981) in Frankreich), Kurator der (weltgrößten) Meteoritensammlung im Naturhistorischen Museum Wien (NHM) fuhr am 20. November 2020 ins Gebiet und verteilte in Kindberg hunderte Flugzettel an die Bevölkerung in der Hoffnung auf Mithilfe. In den Wochen danach erhielt er E-Mails mit Fotos von Brocken, die häufig als Schlacke zu identifizieren waren.
Erst am 4. Juli 2021 fand eine Kindbergerin auf ihrem Grundstück ein Stück mit 233 g Masse, das schon am übermittelten Bild von Ferrière als Meteorit erkannt wurde. Er hält und bearbeitet das Fundstück. Wenn es von der Wissenschaftsgemeinde klassifiziert ist, soll es nach dem Fundort Kindberg-Meteorit genannt werden.Erster "Austro"-Meteorit seit 1977 geborgen, auf orf.at vom 14. September 2012, 15. September 2021, abgerufen am 4. Oktober 2021."Sensationsfund": Meteorite found in Austria for the first time since 1977, auf: california18.com vom 14. September 2021 ()Kindberg Meteorite, 3D-Modell auf sketchfab.com, nhm
Der Eindringling kommt aus dem Asteroidengürtel zwischen Mars und Jupiter, ist demnach 4,5 Mrd. Jahre alt und soll sich aus dem Meteor von Tscheljabinsk herausgelöst haben, der 2013 in Russland niederging. Der Meteorit von Kindberg ist der erste in der Steiermark gefundene. Seit Beginn der Aufzeichnungen im Jahr 1778 sind erst 7 Meteoritenfälle in Österreich dokumentiert, darunter 1978 einer auf Ischgl. Während archäologisch interessante Funde in Österreich in das Eigentum des Staates übergehen, darf ein Finder eines Meteoriten, der auf öffentlichen Grund gefallen war, diesen behalten. Das NHM hofft jedoch auf leihweise Überlassung.Michael Jungwirth: Auf der Suche nach dem Außerirdischen. Kleine Zeitung, Print, 6. Oktober 2021, S. 12 f.
Bevölkerungsentwicklung
Kultur und Sehenswürdigkeiten
Bauten Katholische Pfarrkirche Kindberg Hll. Peter und Paul: Die gotische Kirche wurde 1773/1774 barockisiert und ist von Resten einer mittelalterlichen Wehrmauer umgeben. Kalvarienberg mit Kirche (1674–1686); gotisch-barocke Kirche zum heiligen Georg Barockschloss Oberkindberg (vor 1680, Umbau 1773/74, ab 1980 zeitweise Montan- und Heimatmuseum), Stuckdecken Schloss Hart (1523) Gewerkenschloss Kindtal (18. Jhdt.)
Ortsbildgestaltung mini|hochkant|Kindberger Zunftbaum Das Wahrzeichen von Kindberg ist der Kindberger Zunftbaum, ein rund 30 m hoher Ständebaum auf dem Hauptplatz. Er geht auf einen Maibaum zurück, der unter dem langjährigen Fremdenverkehrsobmann Franz Gruber schon in den Kriegsjahren saisonal errichtet wurde. Nach dem Vorbild des kunstvoll verzierten Ständebaums in Schliersee (Bayern) ließ Gruber einen Zunftbaum von Anton Babion gestalten. Zuerst waren an den seitlichen Leisten die Innungszeichen angebracht, dann wurden die wichtigsten Berufe figural dargestellt. Die zehn Zünfte wurden mit einem Mürztaler Tanzpaar und Musikanten, einer Postkutsche und einem Hochzeitspaar sowie den Wappen der neun Bundesländer und zuletzt dem Kindberger Kindl ergänzt. Der Zunftbaum wird alle fünf bis zehn Jahre erneuert. Es gibt drei Garnituren an Figuren.
Im Rahmen des europäischen Wettbewerbes „Entente Florale Europe“ wurde Kindberg 2003 mit einer Goldmedaille und 1997 mit einer Silbermedaille in der Kategorie Stadt ausgezeichnet.BLUMENBÜRO ÖSTERREICH
Beim Landesblumenschmuckbewerb Flora|19 erhielt Kindberg als einer der 7 steirischen Städte eine Gesamtzahl von 5 Floras und zählt damit zu den Gewinnern des Bundeslandes.Blumenschmuckwettbewerb "Die Flora"
Fußgängerbrücke mini|Bahnhofsbrücke (2021) Als einer der sehenswerten Holzbauten in der Steiermark gilt die 2013 fertiggestellte, von den Architekten Pirker & Visotschnig entworfene Fußgängerbrücke über die Mürz, die den Fußweg zum Bahnhof deutlich verkürzt.Fußgängerbrücke Kindberg, abgerufen am 14. November 2021. Sie hat eine Spannweite von rund 60 Metern, verfügt über Geländer aus Metall und ist überdacht. Auch Radfahrer dürfen sie nutzen.
Sie ersetzte eine in die Jahre gekommene und ebenfalls überdachte Holzbrücke, die an derselben Stelle die Mürz überquerte.
Stolpersteine Am 8. November 2021 wurden vor dem Haus Hauptstraße 65 zwei Stolpersteine verlegt. Sie erinnern an das Kaufleute-Ehepaar Katharina und Samuel Sensel, deren Liegenschaften „arisiert“ wurden, die nach Wien ziehen mussten und schließlich im Vernichtungslager Maly Trostinez ermordet wurden. Ebenfalls Opfer der Shoah wurde die 1907 in Kindberg geborene Tochter Paula und deren Ehemann. Die beiden Söhne konnten rechtzeitig flüchten und überlebten das NS-Regime in Venezuela bzw. in Palästina.MeinBezirk.at: Zwei Stolpersteine für Kindberg, 9. November 2021.
Wirtschaft und Infrastruktur Ende des 19. Jahrhunderts gewann der Fremdenverkehr große Bedeutung für die Region. Kindberg wurde zum bekannten Ort für die Sommerfrische.
Die Eisenindustrie, die lange Zeit das Ortsbild von Kindberg und der Region prägte, entwickelte sich aus einem Hammerwerk in Aumühl, das heute zur voestalpine AG gehört. Um die wirtschaftlichen Probleme in der Eisenindustrie Ende des 20. Jahrhunderts zu kompensieren, war man bestrebt vermehrt Betriebe der elektronischen Industrie anzusiedeln.
Verkehr Kindberg liegt an der Semmering Schnellstraße S 6 und an der Südbahn, welche die Verkehrsanbindung an den Wirtschaftsraum in Niederösterreich und Wien im Nordosten und an Italien und Slowenien im Süden bilden.
An der Südbahn liegt der Bahnhof Kindberg. Es halten zahlreiche Regionalzüge die grundsätzlich in Richtung Bruck an der Mur bzw. Mürzzuschlag fahren. Doch oft werden die Züge nach Leoben, Friesach, Neumarkt, Unzmarkt, Graz und Spielfeld-Straß geführt.
Ansässige Unternehmen voestalpine Tubulars, ein Unternehmen der voestalpine AG, das nach einem Probebetrieb ab April 1981 seit der offiziellen Eröffnung am 28. September 1981 Nahtlosstahlrohre erzeugt.
Bildung In der ursprünglichen Stadt Kindberg befanden sich im Laufe der Jahre verschiedene Schulen, wobei diese im Laufe der Zeit an neuen Standorten angesiedelt wurden bzw. aufgeteilt oder auch zusammengeschlossen wurden.
Volksschulen So gab es noch in den 1990er Jahren zwei im selben Gebäude befindliche Volksschulen, die im Laufe der 2000er Jahre zu einer Volksschule zusammengelegt wurden. Die Namen der damaligen zwei Volksschulen lauteten Volksschule I und Volksschule II. Das heutige Schulgebäude wurde in den 1970er Jahren erbaut, wobei bei der Eröffnung am 20. November 1976 unter anderem der damalige Bundespräsident Rudolf Kirchschläger vertreten war. (pdf), abgerufen am 20. Oktober 2016. Im Laufe der Jahre kam es zu diversen Sanierungen und einem Ausbau der Grünflächen.
Mit der Steiermärkischen Gemeindestrukturreform im Jahre 2015, bei der Kindberg mit den Gemeinden Allerheiligen im Mürztal und Mürzhofen vereinigt wurde, kam auch noch die in Allerheiligen ansässige Volksschule zum Bildungssystem der neuen Stadt Kindberg hinzu.
Hauptschulen bzw. Neue Mittelschulen