mini|Der Kreis Jauer in den Grenzen bis 1932 Der Kreis Jauer war ein preußischer Landkreis in Schlesien, der bis auf eine kurze Unterbrechung in den 1930er Jahren von 1742 bis 1945 bestand. Sein früheres Territorium liegt heute in der Wojewodschaft Niederschlesien in Polen.
Geschichte Nach der Eroberung des größten Teils von Schlesien durch Preußen im Jahre 1741 wurden durch die königliche Kabinettsorder vom 25. November 1741 in Niederschlesien die preußischen Verwaltungsstrukturen eingeführt. Dazu gehörte die Einrichtung der Kriegs- und Domänenkammern in Breslau und Glogau sowie deren Gliederung in Kreise sowie die Einsetzung von Landräten zum 1. Januar 1742.
Im Fürstentum Jauer, einem der schlesischen Teilfürstentümer, wurden aus alten schlesischen Weichbildern die preußischen Kreise Hirschberg, Jauer und Löwenberg-Bunzlau gebildet. Als erster Landrat des Kreises Jauer wurde George Wilhelm von Reibnitz eingesetzt.
Der Kreis Jauer unterstand zunächst der Kriegs- und Domänenkammer Glogau. Bei der Einrichtung von vier schlesischen Regierungsbezirken im Zuge der Stein-Hardenbergischen Reformen wurde der Kreis 1815 dem Regierungsbezirk Reichenbach der Provinz Schlesien zugeordnet. Im Rahmen von Grenzregulierungen zwischen den Regierungsbezirken Liegnitz und Reichenbach wurden die Dörfer Peiswitz und Riemberg am 1. Januar 1817 aus dem Kreis Jauer in den Kreis Goldberg-Haynau umgegliedert.Roman Kamionka: Die Reorganisation der Kreiseinteilung Schlesiens in der Stein-Hardenbergschen Reformperiode, Breslau 1934 Nachdem der Regierungsbezirk Reichenbach bereits 1820 wieder aufgelöst worden war, wurde der Kreis Jauer dem Regierungsbezirk Liegnitz zugeordnet.
Norddeutscher Bund/Deutsches Reich mini|Schloss Malitsch um 1860, Sammlung Alexander Duncker Seit dem 1. Juli 1867 gehörte der Kreis zum Norddeutschen Bund und ab dem 1. Januar 1871 zum Deutschen Reich. Zum 8. November 1919 wurde die Provinz Schlesien aufgelöst. Aus den Regierungsbezirken Breslau und Liegnitz wurde die neue Provinz Niederschlesien gebildet. Zum 30. September 1928 fand im Kreis Jauer entsprechend der Entwicklung im übrigen Preußen eine Gebietsreform statt, bei der alle Gutsbezirke aufgelöst und benachbarten Landgemeinden zugeteilt wurden.Amtsblatt der Regierung in Liegnitz 1928, Nr. 39, S. 206 ff.
Zum 1. Oktober 1932 wurde der Kreis Jauer aufgelöst. Die vier Gemeinden Haasel, Hänchen, Laasnig und Prausnitz wechselten in den Kreis Goldberg, während alle übrigen Gemeinden zum Landkreis Liegnitz kamen.Walther Hubatsch (Hrsg.): Grundriß zur deutschen Verwaltungsgeschichte 1815–1945. Reihe A: Preußen. Band 4: Dieter Stüttgen: Schlesien. Johann-Gottfried-Harder-Institut, Marburg/Lahn 1976, ISBN 3-87969-116-9.
Am 1. Oktober 1933 wurde aus den folgenden Bestandteilen ein neuer, deutlich größerer Kreis Jauer gebildet: Alle Gemeinden des alten Kreises Jauer bis auf Haasel, Hänchen, Laasnig und Prausnitz Alle Gemeinden des 1932 aufgelösten Kreises Bolkenhain Die Gemeinden Ketschdorf und Seitendorf des 1932 aufgelösten Kreises Schönau
Mit Einführung des preußischen Gemeindeverfassungsgesetzes vom 15. Dezember 1933 sowie der Deutschen Gemeindeordnung vom 30. Januar 1935 wurde zum 1. April 1935 das Führerprinzip auf Gemeindeebene durchgesetzt. Am 1. April 1934 wechselten die Landgemeinden Alt Reichenau und Quolsdorf aus dem Kreis Jauer in den Landkreis Waldenburg. Am 1. April 1936 wurden die Gemeinden Merzdorf, Rudelstadt und Ruhbank aus dem Kreis Jauer in den Kreis Landeshut umgegliedert.
Am 1. April 1938 wurden die preußischen Provinzen Niederschlesien und Oberschlesien zur neuen Provinz Schlesien zusammengeschlossen. Zum 18. Januar 1941 wurde die Provinz Schlesien aufgelöst. Aus den Regierungsbezirken Breslau und Liegnitz wurde die neue Provinz Niederschlesien gebildet.
Im Frühjahr 1945 wurde das Kreisgebiet von der Roten Armee besetzt. Im Sommer 1945 wurde das Kreisgebiet von der sowjetischen Besatzungsmacht gemäß dem Potsdamer Abkommen unter polnische Verwaltung gestellt. Im Kreisgebiet begann daraufhin der Zuzug polnischer Zivilisten. In der Folgezeit wurde die deutsche Bevölkerung größtenteils aus dem Kreisgebiet vertrieben.
Einwohnerentwicklung Jahr Einwohner Quelle 1795 23.884 1819 23.874 1846 31.045 1871 33.601 Die Gemeinden und Gutsbezirke des Preussischen Staates und ihre Bevölkerung 1871 1885 35.118 Gemeindelexikon für die Provinz Schlesien 1885 1900 35.398 1910 36.143 1925 34.487 1939 58.717
Landräte 1742–1765George Wilhelm von Reibnitz 1765–1780Wilhelm Diprand von Richthofen 1780–1791Carl Friedrich Wilhelm von Reibnitz 1791–1802Johann Christian von Normann 1809–1813Joseph Bernhard August Gebel –1821von Engelmann 1821–1831Carl von Hugo 1831–1839Karl von Richthofen (1787–1841) 1839–1851Karl von Czettritz 1851–1888Guido von Skal 1888–1896Carl von Richthofen 1896–1923Constantin von Geyso 1923–1927Hans Heinz von Wangenheim 1927–1932Heinrich Lorenz 1933–1934Claus von Bismarck 1934–1942Karl Christian zur Lippe-Weißenfeld 1943Hermann Zwicker 1943–1944Ernst Langer 1944–Otto Ernst Bartel
Kommunalverfassung Der Kreis Jauer gliederte sich seit dem 19. Jahrhundert in Städte, Landgemeinden und Gutsbezirke. Mit Einführung des preußischen Gemeindeverfassungsgesetzes vom 15. Dezember 1933 gab es ab dem 1. Januar 1934 eine einheitliche Kommunalverfassung für alle preußischen Gemeinden. Mit Einführung der Deutschen Gemeindeordnung vom 30. Januar 1935 trat zum 1. April 1935 im Deutschen Reich eine einheitliche Kommunalverfassung in Kraft, wonach die bisherigen Landgemeinden nun als Gemeinden bezeichnet wurden. Eine neue Kreisverfassung wurde nicht mehr geschaffen; es galt weiterhin die Kreisordnung für die Provinzen Ost- und Westpreußen, Brandenburg, Pommern, Schlesien und Sachsen vom 19. März 1881.
Gemeinden Der Kreis umfasste zuletzt drei Städte und 71 Landgemeinden:Territoriale Veränderungen in Deutschland Alt Jauer Alt Röhrsdorf Arnoldshof Baritsch Bersdorf Blumenau Bohrauseifersdorf Bolkenhain, Stadt Börnchen Bremberg Dätzdorf Dittersdorf Dornberg Einsiedel Falkenberg Giesmannsdorf Girlachsdorf Gräbel Groß Neudorf Halbendorf Hausdorf Hennersdorf Herrmannsdorf Hertwigswaldau Herzogswaldau Hohenfriedeberg, Stadt Hohenhelmsdorf Hohenpetersdorf Jägendorf Jakobsdorf b. Jauer Jauer, Stadt Kalthaus Kauder Ketschdorf Klonitz Kolbnitz Kunzendorf am Großhau Langhelwigsdorf Leipe Lobris Malitsch Merzdorf b. Jauer Mochau Möhnersdorf Moisdorf Neu Reichenau Nieder Baumgarten Nimmersath Ober Baumgarten Ober Hohendorf Ober Rohnstock Oberlauterbach Peterwitz Poischwitz Polkau Pombsen Profen Reppersdorf Rohnstock Schlaup Schweinhaus Seckerwitz Seichau Seitendorf Semmelwitz Simsdorf Streckenbach Thomasdorf Triebelwitz Wederau Weidenwerder Willmannsdorf Wolmsdorf Würgsdorf Bis 1938 verloren die folgenden Gemeinden ihre Eigenständigkeit: Nieder Kunzendorf, am 1. Oktober 1936 zu Kunzendorf am Großhau Nieder Poischwitz, 1922 zu Poischwitz Ober Kunzendorf, am 1. Oktober 1936 zu Kunzendorf am Großhau Schollwitz, am 1. April 1937 zu Simsdorf Schweinz, am 1. April 1939 Hohenfriedberg Siebenhuben, am 30. September 1928 zu Jakobsdorf Wiesau, am 1. November 1935 zu Alt Röhrsdorf
Ortsnamen in den Jahren 1936/1937 wurden die Namen von zwei Gemeinden geändert: Skohl → Weidenwerder Tschirnitz → Dornberg
Persönlichkeiten Bruno Bräuer (1893–1947), aus Willmannsdorf, General der Fallschirmtruppe im Zweiten Weltkrieg
Literatur Gustav Neumann: Geographie des Preußischen Staats. 2. Auflage, Band 2, Berlin 1874, S. 214, Ziffer 2. Königliches Statistisches Bureau: Die Gemeinden und Gutsbezirke der Provinz Schlesien und ihre Bevölkerung. Nach den Urmaterialien der allgemeinen Volkszählung vom 1. Dezember 1871. Berlin 1874, S. 234–237(). Schlesisches Güter-Adreßbuch. Verzeichniß sämmtlicher Rittergüter und selbständigen Guts- und Forstbezirke, sowie solcher größeren Güter, welche innerhalb des Gemeindeverbandes mit einem Reinertrag von etwa 1500 Mark und mehr zur Grundsteuer veranlagt sind. Fünfte Ausgabe, Wilhelm Gottlob Korn, Breslau 1894, S. 265–273 (Online).
Weblinks
Beschreibung des Kreises Jauer aus dem Jahre 1792
Einzelnachweise
Jauer Kategorie:Powiat Jaworski Jauer Kategorie:Aufgelöst 1932 Jauer Kategorie:Aufgelöst 1945