Ris-Orangis ist eine französische Gemeinde mit Einwohnern (Stand ) im Département Essonne in der Region Île-de-France. Sie befindet sich 23 Kilometer südöstlich von Paris und ist Hauptort des Kantons Ris-Orangis. Sie ist zudem Sitz des Dekanats Ris-Orangis-Grigny.
Der Ort war bereits in prähistorischer Zeit besiedelt. Im Mittelalter wurde Ris-Orangis zu einer Kommende der Tempelritter und lebte anschließend vom Weinbau. 1790 fanden in der Gemeinde die ersten Bürgermeisterwahlen des Landes statt. In den 1960ern führte der Anschluss an die Autobahn und ans Pariser Schnellbahnnetz zu einer starken Urbanisierung. Nachdem man sich entschlossen hatte, aus dem Ville-nouvelle-Projekt des Nachbarortes Évry auszusteigen, trat Ris-Orangis in den Gemeindeverbund Évry Centre Essonne ein. 2016 ging dieser in der Communauté d’agglomération Grand Paris Sud Seine-Essonne-Sénart auf.
Geographie Lage links|mini|hochkant=0.9|Lage von Ris-Orangis im Département Essonne +Bauliche Nutzung 2003 Bauliche Nutzung Prozent Fläche (in Hektar)Überbaute Flächen53,08 %440,88Nichtüberbaute Flächen22,79 %189,31Naturflächen24,13 %200,38Quelle: Iaurif, abgerufen am 21. September 2011. Ris-Orangis befindet sich in der Region Île-de-France, im Nordosten des Départements Essonne, eingegliedert in die Pariser Agglomeration, an der Nordostgrenze des Naturraums Hurepoix. Das Gemeindegebiet ist trapezförmig mit einer Fläche von ungefähr , von denen circa überbaut, nicht überbaut und Naturfläche oder landwirtschaftlich genutzt sind. Die längste Flächendiagonale misst fünf Kilometer in Nordost-Südwest-Richtung, die geringste von Nordwest nach Südost beträgt einen Kilometer. Die Gemeinde wird im Nordosten von der Seine und im Süden vom Bach Écoute-s’il-Pleut eingegrenzt.
Das Rathaus der Gemeinde liegt genau südöstlich vom Pariser Point Zéro an der Kathedrale Notre-Dame entfernt. Drei Kilometer südlich befindet sich Évry, sieben Kilometer südöstlich Corbeil-Essonnes, elf Kilometer westlich Montlhéry, 14 Kilometer nordwestlich Palaiseau, 14 Kilometer südwestlich Arpajon, 20 Kilometer südwestlich La Ferté-Alais, 28 Kilometer südlich Milly-la-Forêt, 31 Kilometer südlich Étampes und 33 Kilometer südwestlich Dourdan. In südöstlicher Richtung sind es außerdem 306 Kilometer nach Ris im Département Puy-de-Dôme und in südwestlicher Richtung 659 Kilometer nach Ris im Département Hautes-Pyrénées.
Hydrographie An der nordöstlichen Gemeindegrenze verläuft die Seine, die drei Kilometer auf dem Gemeindegebiet zurücklegt. In unmittelbarer Umgebung liegen mehrere Überschwemmungsseen, von denen einer flussabwärts zum Lac de Viry-Châtillon gehört. Mehrere größere Zierteiche findet man beim Krankenhaus der Dranem-Stiftung, in der Domäne von Aunette, im Fromont-Park und im Gewerbepark von Orme Pomponne. Im äußersten Süden des Gemeindeareals fließt der in die Seine mündende Bach Écoute-s’il-pleut (zu deutsch Hör mal, ob es regnet). Im südwestlichen Teil der Gemeinde verläuft von Süden nach Norden ein unterirdisches Aquädukt, das Trinkwasser von der Vanne und der Loing ins Montsouris-Reservat nach Paris transportiert.
Topografie und Geologie Die Gemeinde von Ris-Orangis ist am östlichen Rand des Hurepoix-Plateau, auf dem Westhang des Seinetals, angesiedelt. Die Gemeindefläche fällt stufenförmig von Höhe bei der ehemaligen Pferderennbahn im Süden bis auf Höhe am Fluss an der Grenze zu Draveil ab. Im Westen ist das Gefälle bis zur Route nationale 7 und zum hoch gelegenen Plateau-Viertel relativ schwach. Weiter nördlich fällt das Gelände auf Höhe bei der entfernten Gendarmerie und bis auf nur an der Nordgrenze zu Grigny ab.Datenblätter der einzelnen Höhenmarken auf geodesie.ign.fr, abgerufen am 21. September 2011.
Der Unterboden setzt sich aus aufeinander folgenden Sand-, Sediment-, Mergel- und Gipsschichten zusammen. Die tiefste Schicht wird aus dem für das Pariser Becken typischen Kalkstein gebildet.
Stadtgliederung Ris-Orangis ist in mehrere Stadtviertel aufgegliedert. Nördlich der befinden sich die Viertel Parc de Fromont, Hameaux de la Roche und Ris-Select. Südlich findet man die Quartiere Theuillerie, Bel-Air, Domaine de l’Aunette, Plateau, Ferme du Temple, die Großwohnsiedlung Moulin à Vent, Terres Saint-Lazare und Orme Pomponne. Südlich der Autobahn liegt das Gewerbegebiet Bois de l’Épine. Mehrere Örtlichkeiten tragen noch ihre alte Flurnamen, wie beispielsweise Bois du Kiosque, Bois du Temple („Tempelwald“), Aunette, Trousseau, Pré aux vaches („Kuhweiden“) und Parc d’Orangis.
Das Institut Insee teilt die Gemeinde in zwölf statistische Zonen auf: Trousseau-Hameau Roche, Maire-Gare, Artistes lyriques-la Theuillerie, Centre 1 und 2, Aunette, Ferme du Temple, Ferme d’Orangis, Moulin à vent 1 und 2 sowie Saint-Lazare-Bois de l’Épine-Hippodrome.Zonenkarte von Ris-Orangis auf der Seite des Insee (PDF; 353 kB), abgerufen am 22. September 2011. Die Großwohnsiedlung von Plateau ist als problematische Zone urbaine sensible (ZUS) klassifiziert.Datenblatt der ZUS zur Großwohnsiedlung von Plateau, abgerufen am 22. September 2011. Die Wohngebiete „Rénovation“, „Oiseaux“ nördlich der N 7 und „Gare“ am Bahnhof erhalten in Zukunft ein Sanierungsprogramm.Datenblätter zu den Wohngebieten Rénovation, Oiseaux und Gare, abgerufen am 22. September 2011.
Nachbargemeinden Die Seine bildet eine natürliche Grenze zur Gemeinde Draveil im Norden und Nordosten und zur Gemeinde Soisy-sur-Seine im Osten. Im Südosten markiert die rue de l’Écorne-Bœuf, die route départementale 92 und der Bach Écoute-s’il-Pleut die Grenze zu Évry. Der Bach trennt auch die Gemeinde von Courcouronnes im Süden. Im Südwesten befindet sich ein kurzer Grenzabschnitt zu Bondoufle, im Westen dient die route de la Chasse sowie der Waldweg des Hôtel-Dieu als Grenzlinie zu Fleury-Mérogis und im Nordwesten trennt die avenue de la Première Armée française Rhin et Danube sowie der chemin des Glaises Ris-Orangis von Grigny.
Bevölkerung Einwohnerentwicklung Bei der ersten 1793 eingeführten Volkszählung hatte Ris 553 Einwohner und verlor nach dem Niedergang einzelner aristokratischer Landgüter ein Zehntel seiner Bevölkerung. Danach setzte ein langsames Wachstum bis auf 864 Einwohner im Jahr 1851 ein, bevor zehn Jahre später die Tausender-Grenze überschritten wurde. Der Deutsch-Französische Krieg sorgte 1870 für einen Rückgang auf 990 Einwohner, bevor bis zur Jahrhundertwende wiederum ein Wachstum bis auf 1495 Einwohner einsetzte. Ab der Zwischenkriegszeit beschleunigte sich die Bevölkerungszunahme mit der Entwicklung von Wohnsiedlungen auf 3.783 Einwohner im Jahr 1936. Während der Trente Glorieuses sorgte der Bau von Großwohnsiedlungen für eine Bevölkerungsexplosion auf 9.027 Einwohner im Jahr 1962 und auf 23.511 Einwohner sechs Jahre darauf. 1975 erreichte die Bevölkerungszahl ihren Höchststand, bevor bis zur Jahrtausendwende ein leichter Rückgang und schließlich eine Stabilisierung einsetzte. Bei einem Ausländeranteil von (1999) hatte die Einwanderung auf den Einwohnerzuwachs nur geringe Auswirkungen.Bevölkerungsstatistik der Gemeinde, abgerufen am 23. September 2011. Davon waren Portugiesen, Türken, Algerier und Marokkaner, Italiener, Tunesier und Spanier., abgerufen am 23. September 2011.
Jahr 1793 1800 1821 1831 1851 1861 1872 1901 19361962Einwohner 553 494 623 590 864 1.101 990 1.495 3.7839.027 Jahr 1968 1975 1982 1990 1999 2006 2008 2012 20142020Einwohner 23.511 27.249 24.925 24.677 24.437 26.620 27.006 26.800 27.30429.643
Lebens- und Einkommensstandards 2008 gingen über 11.800 Personen einer Beschäftigung nach, obwohl nur rund 6.800 Arbeitsplätze in Ris-Orangis zur Verfügung standen. D.h. ein Großteil der Einwohner war in einer anderen Gemeinde tätig. Die Arbeitslosenquote betrug im selben Jahr und lag damit deutlich über dem nationalen Durchschnitt (Insee – Taux de chômage depuis 1975). der Beschäftigten arbeiteten im öffentlichen Dienst oder in einem unbefristeten Arbeitsverhältnis. Daraus resultierte ein Ungleichgewicht beim Einkommen. Das durchschnittliche steuerpflichtige Nettoeinkommen lag 2008 bei , jedoch waren nur der Bevölkerung einkommensteuerpflichtig. Mit demnach durchschnittlichen Steuereinnahmen pro Haushalt lag Ris-Orangis im nationalen Vergleich nur auf Platz 8.010 unter den Gemeinden mit mehr als fünftausend Einwohnern und auf Rang 177 im Département., abgerufen am 1. Oktober 2011. der Einwohner waren Wohneigentümer, lebten in sozialen Wohnbauten.
Geschichte Namensherkunft Der Name des Ortes leitet sich vom lateinischen Wort rico („Ackerfurche“) ab.Toponymie der Orte in der Île-de-France auf der Webseite crehangec.free.fr, abgerufen am 22. September 2011. Zur Zeit der Französischen Revolution hieß die Gemeinde Brutus, bevor sie sich 1793 in Ris umbenannte. Der heutige Name wurde durch das Bulletin des lois im Jahr 1801 eingeführt.Eintrag in der Cassini-Datenbank, abgerufen am 22. September 2011.
Entstehung Ausgegrabene Mammutzähne, Steinäxte, Bronzestücke und ein Sarkophag deuten auf menschliches Leben während der Stein- und Bronzezeit hin. Das Gebiet befand sich in gallo-römischer Zeit wahrscheinlich an der alten Straße von Lutetia nach Lugdunum.
Am Flurort „Les soixante arpents“ fand man 1919 Grabstätten der Merowinger. 922 schenkte König Robert I. die Blasius von Sebaste geweihte Pfarrei von Ris an die Abtei Saint-Magloire. Bereits aus dem 12. Jahrhundert sind zwei getrennte Dörfer mit den Namen Regis und Orengiacum bekannt., abgerufen am 22. September 2011. Aus dieser Zeit datiert auch die ehemalige Kirche Saint-Blaise.
Im 13. Jahrhundert besaß der Templerorden eine Kommende und einen Gutshof in Ris, von denen die erstere auf Befehl von Ludwig XIV. abgerissen wurde.
Adelsgüter mini|Karte der Region um Ris und Orangis von Cassini (17. Jahrhundert) Auf dem Grundstück der Dranem-Stiftung konnte ein erstes Schloss aus dem Jahr 1159 nachgewiesen werden. Ab dem 16. Jahrhundert gehörte die Seigneurie von Ris der Familie Faucon de Ris. Ris besaß zahlreiche Schlösser, von denen eines oft durch Heinrich IV. besucht wurde.Dictionnaire historique des environs de Paris du docteur Ermete Pierotti Im 17. Jahrhundert ließ der Ritter Philippe de Lorraine anstelle der ehemaligen Templerkommende das Château de Ris bauen. Kurz darauf richtete Étienne Soulange-Bodin, in Anlehnung an die britische Royal Horticultural Society, ein königliches Garteninstitut in Fromont ein.
Gegen 1700 kehrte die Seigneurie von Ris zur Familie des lyonaisischen Druckers Anisson-Dupéron zurück, wo sie bis zur Hinrichtung des letzten Herrn Étienne-Alexandre-Jacques Anisson-Dupéron 1794 verblieb. Während der Französischen Revolution beschlossen die Einwohner von Ris, ihre neue Gemeinde nach Brutus, dem Gründer der Römischen Republik, zu benennen. Im 18. Jahrhundert errichtete der Offizier Charles-René de Bombelles das Château d’Orangis. 1802 erwarb General Michel Ordener das Schloss von Trousseau. Am 11. Januar 1790 fanden in Ris die ersten Bürgermeisterwahlen Frankreichs statt., abgerufen am 22. September 2011.
Landwirtschaft und Industrialisierung Bis zum 19. Jahrhundert waren die meisten Einwohner von Ris Winzer, die an den Hängen der Seine Weißwein herstellten. 1843 kam es zur Einweihung des Bahnhofs. 1874 verlegte man im Westen des Gemeindegebietes ein Aquädukt, das Wasser von der Vanne und der Loing nach Paris führte. 1907 wurde die erste öffentliche Schule der Stadt gebaut. 1918 kaufte das Eisenbahnwerk die Mission der Maristenpatres zurück, um dort ein Sanatorium zu errichten. 1927 erwarb die Gemeinde das Château de Ris, um dieses als Rathaus zu nutzen. Während des Zweiten Weltkrieges wurde die Stadt von den Deutschen besetzt, die die Schule École Jules Boulesteix als Depot nutzten und diese vor dem Verlassen der Stadt in Brand setzten. 1946 kaufte das Unternehmen Blédine-Jacquemaire die ehemalige Progil-Fabrik zurück.
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