Astatotilapia ist eine Gattung aus der Familie der Buntbarsche (Cichlidae), die für eine Art (Astatotilapia desfontainii) aus Oasen Nordafrikas aufgestellt wurde. Ihre Gültigkeit und die einzubeziehenden Arten sind in der Literatur umstritten.
Validität Pellegrin hatte beim Aufstellen der Gattung übersehen, dass einige Jahre zuvor bereits Hilgendorf eine taxonomische Einheit für Fische geschaffen hatte (nämlich Haplochromis), denen auch Astatotilapia entsprach. Regan zog daraufhin Astatotilapia ein. Greenwood revalidierte die Gattung, definierte sie neu und dehnte sie auf viele weitere Arten aus, obwohl er bereits hier zugeben musste, dass Astatotilapia keine monophyletische Einheit bildet. Van Oijen fasste die Kritik an dieser und anderen von Greenwood aufgestellten Gattungen zusammen, die hauptsächlich aus Überlappungen mit neu gefundenen Arten und der Unmöglichkeit, bereits existente Arten in die eine oder andere Greenwood’sche Gattung einzugruppieren, besteht.
mini|Astatotilapia calliptera mini|Astatotilapia desfontainii mini|Unbestimmte Astatotilapia-Art, gefangen im Malawisee in der Nähe von Chizumulu-Island mini|Astatotilapia stappersi
Merkmale Nach gängiger Vorstellung werden „Astatotilapia“-Arten 9 bis 15 cm lang, Weibchen bleiben etwas kleiner. Daneben sind sie meist schlicht gefärbt, während die Männchen auffallend farbig sind. Der Körper ist von typischer Buntbarschgestalt und seitlich etwas abgeflacht. Der Kopf ist groß und bullig. Von der nah verwandten Gattung Haplochromis unterscheidet sich Astatotilapia durch die Zähne in den äußeren Zahnreihen, die bei Astatotilapia einspitzig oder zweispitzig sind und seitlich nicht zusammengedrückt oder schräg abgestumpft. Die Zähne der inneren Zahnreihen sind klein und dreispitzig. Auf der Pharyngealia sind die mittleren Zahnreihen mit vergrößerten, manchmal mahlzahnartigen Zähnen besetzt. Die Schwanzflosse ist abgerundet. Alle Astatotilapia-Arten sind Allesfresser und Maulbrüter. Auf der Afterflosse tragen sie 3 bis 9 Eiflecke.
Schuppenformel: mLR 28-30
Etymologie Pellegrin, der die Gattung definiert, bildet den Namen aus den Worten Gr.: „astatos“ = unstabil + Tilapia (afrikanische Buntbarschgattung). Der erste Namensteil bezieht sich auf die Zähne der Männchen in den äußeren Kieferzahnreihen, die wie die Weibchen zunächst zweispitzig sind, aber im Laufe der Aduleszens durch einspitzige ersetzt werden.
Arten und Verbreitung Astatotilapia bloyeti (Sauvage, 1883), Wami, Malagarasi, Pangani, sowie Manyara-See und Eyasisee und die Seen der Umgebung. Burtons Maulbrüter (Astatotilapia burtoni Günther, 1894), Tanganjikasee und mit ihm verbundene Flüsse (Lukuga u. a.) Astatotilapia calliptera (Günther, 1894), Malawisee, Rovuma, Chiuta-See, Chilwa-See, Shire, unterer Sambesi, Buzi, Pungwe und Save. Astatotilapia gigliolii (Pfeffer, 1896), Chilwa-See, Chiuta-See, Rovuma, Ruvu, Rufiji, Ruhuhu Astatotilapia desfontainii (Lacepède, 1802), Quellen in Oasen in Algerien und Tunesien. (Typusart) Astatotilapia flaviijosephi (Lortet, 1883), Jordan, See Genezareth. Astatotilapia fuelleborni (Hilgendorf & Pappenheim, 1903), Rukwasee Astatotilapia stappersii (Poll, 1943), Tanganjikasee und mit ihm verbundene Flüsse. Astatotilapia swynnertoni (Boulenger, 1907), Buzi und unterer Pungwe, südwärts bis zum Save in Mosambik. Astatotilapia tchadensis Trape, 2016, Seen von Ounianga in der Sahara. Astatotilapia tweddlei Jackson, 1985, Chiuta-See, Chilwa-See und zuströmende Flüsse.
Bisher unbeschriebene Astatotilapia-Arten sind: Astatotilapia sp. ‘pseudopaludinosus’, nördlicher Abschnitt des Rukwasees Astatotilapia sp. ‘lupa’, Lupa River, östlicher Zufluss des Rukwasees Astatotilapia sp. ‘Chipwa’, Tanganjikasee, Flussmündungen Astatotilapia sp. ‘ruaha blue’, Ruaha Astatotilapia sp. ‘ruaha red cheek’, Ruaha Astatotilapia sp. ‘longfin‘, Ruaha, Kilombero, Sulungalisee, Igombesee Astatotilapia sp. ‘rufiji blue’, Rufiji, Mansisee
Außerdem kommen im malischen Débo-See und im Tschadbecken zwei weitere, bisher unbeschriebene Astatotilapia-Arten vor.
Das folgende Kladogramm nach Matschiner et al. zeigt die Stellung verschiedener Astatotilapia-Arten im System der Haplochromini:
Literatur Erwin Schraml: Astatotilapia. In: Claus Schaefer, Torsten Schröer (Hrsg.): Das große Lexikon der Aquaristik. Eugen Ulmer, Stuttgart 2004, ISBN 3-8001-7497-9, S. 100–102. Günther Sterba: Süsswasserfische der Welt. 2. Auflage. Urania, Leipzig/Jena/Berlin 1990, ISBN 3-332-00109-4.
Einzelnachweise Greenwood, P. H. (1979): Towards a phyletic classification of the `genus' Haplochromis (Pisces, Cichlidae) and related taxa. Part 1. Bulletin of the British Museum (Natural History) Zoology, 35 (4): 265-322. Hilgendorf, F. M. (1888): Fische aus dem Victoria-Nyanza (Ukerewe-See), gesammelt von dem verstorbenen Dr. G. A. Fischer. Sitzungsberichte der Gesellschaft Naturforschender Freunde zu Berlin, 1888: 75-79. Matschiner, M., Musilová, Z., Barth, J.M.I., Starostová, Z., Salzburger, W., Steel, M. & Bouckaert, R. (2017): Bayesian Phylogenetic Estimation of Clade Ages Supports Trans-Atlantic Dispersal of Cichlid Fishes. Systematic Biology, 66 (1): 3-22. doi:10.1093/sysbio/syw076, Seite 176–177 im Supplement. Pellegrin, J. (1904): Contribution à l'étude anatomique, biologique et taxinomique des poissons de la famille des Cichlidés. Memoires Societe Zoologique de France, 16 (2-4): 41-400. Regan, C. T. (1922): The classification of the fishes of the family Cichlidae. II. On African and Syrian genera not restricted to the great lakes. Annals and Magazine of Natural History, (9) 10 (57): 249-264. Sébastien Trape: A new cichlid fish in the Sahara: The Ounianga Serir lakes (Chad), a biodiversity hotspot in the desert. Comptes Rendus Biologies, Oktober 2016, doi:10.1016/j.crvi.2016.08.003 George F. Turner, Benjamin P. Ngatunga & Martin J. Genner: Astatotilapia species (Teleostei, Cichlidae) from Malawi, Mozambique and Tanzania, excluding the basin of Lake Victoria. EcoEvoRxiv, version 1. van Oijen, M. J. P. (1996): The generic classification of the haplochromine cichlids of Lake Victoria, East Africa. Zoologische Verhandelingen, Nationaal Natuurhistorisch Museum, Leiden, 302: 57-110.
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