Walter Fischer (* 3. April 1911 in Weißbach; † 7. Juni 1982 in Karl-Marx-Stadt) war ein deutscher Maler und Grafiker.
Leben Nach Abschluss der Volksschule absolvierte Walter Fischer von 1925 bis 1929 eine Lehre als Lithograf. Ab 1929 war er Mitglied der SPD. Nach 1933 half er als Mitglied in illegalen Zirkeln, von den Nazis verfolgte Personen über die damals noch „grüne Grenze“ in die Tschechoslowakei zu schleusen.
1939 wurde er in die Wehrmacht eingezogen und nahm am Zweiten Weltkrieg teil. 1944 desertierte er in Italien, lief zu den Partisanen über und nahm aktiv an den Partisanenkämpfen in Norditalien teil. Danach studierte er 1946 für ein Semester an der Kunsthochschule in Modena und erhielt zum Abschluss das Diplom für Malerei und Plastik. Als Abschlussarbeit schuf er ein Selbstporträt. Während dieser Zeit lebte er in Modena, Rolo und Fabbrico. Zahlreiche Arbeiten, besonders Portraits von Angehörigen der Familien, bei denen er lebte, sind noch heute erhalten, obwohl viele Bilder damals auf Maluntergründen entstanden, die vorher als Verpackungspapier oder zur Herstellung von Säcken gedient haben. Durch seine Porträts von Familienmitgliedern in Rolo erwarb er sich dort einen hohen Grad von Anerkennung, der noch heute, drei Generationen später, spürbar ist. 1989 und 2005 wurden seine Arbeiten und sein Leben in Personalausstellungen in Rolo gewürdigt.
Im Herbst 1946 ging er zu Fuß über die Alpen zurück nach Deutschland in die Sowjetische Besatzungszone. Er wurde Mitglied des Kulturbundes und Mitglied der SED. Von 1952 bis 1956 war er künstlerischer Leiter der DEWAG Dresden und Karl-Marx-Stadt. In seiner Dresdener Zeit schloss er Bekanntschaft mit Lea Grundig, Gerhard Richter, Eva Schulze-Knabe und Rudolf Bergander. Ab 1956 war er freischaffend als Grafiker tätig und außerdem bis 1967 Vorsitzender des Verbandes Bildender Künstler in Karl-Marx-Stadt.
Zum 80. Jahrestag der Befreiung wurde im Auftrag von ARTE.tv ein Dokumentarfilm produziert, der die Thematik desertierter Wehrmachtsoldaten, die sich den italienischen Partisanen angeschlossen haben, behandelt. Anhand von drei Einzelbeispielen begibt sich der Film auf Spurensuche. Eine der drei Personen ist Walter Fischer.
Der Film wurde erstmalig am 10. Juni 2025 auf Arte.tv gesendet und ist bis auf weiteres auch in der Arte-Mediathek verfügbar. Es gibt aus unerklärlichen Gründen auch eine Kurzversion dieses Films in der W. Fischer durch den Maler W. Sitte ersetzt ist. Fischer hat W. Sitte wegen seiner "geschönten" Biografie über seine Zeit in Italien immer als Lügner bezeichnet.
Werkbeispiele
Tafelbilder
Die Steinsetzer (Öl; 1948 auf der Mittelsächsischen Kunstausstellung) Am Sandkasten (Öl; 1948 auf der Mittelsächsischen Kunstausstellung)
Aktiver Widerstand (Öl; 1950 auf der Mittelsächsischen Kunstausstellung) Waffen in den Händen der Arbeiterklasse (Öl; 1958 auf der Mittelsächsischen Kunstausstellung)
1959 Kleine Zuschauer (Öl, 41 × 51 cm)Bildende Kunst, Berlin, 2/1960, S. 69 (Abbildung)
1962 Wir schützen unsere Republik (Öl; auf der Fünften Deutschen Kunstausstellung) 1970 Lehrerin aus Samarkand (Öl) 1975 Lesender Nubier (Öl) 1978 Ägyptischer Arbeiter vom Nil (Mischtechnik)
Druckgrafik
Verbrüderung 1917 (farbiger Holzschnitt)Abbildung im Katalog der Mittelsächsische Kunstausstellung 1958
1944/45 Kämpfende Partisanen (Lithografie) Begegnung zwischen Garibaldinis (Lithografie)
Zeichenkunst
Vietnamesen bei unseren FDJlern (Tuschzeichnung; 1953 auf der Mittelsächsischen Kunstausstellung) Gegen die Schergen Adenauers (Tuschzeichnung; 1953 auf der Mittelsächsischen Kunstausstellung)
Schmollensee – Usedom (Pastell, 1957 auf der Mittelsächsischen Kunstausstellung)
1958 Kindergarten im Park (1958; Pastell, 49 × 41 cm, auf der Vierten Deutschen Kunstausstellung)
Ehrungen 1960 und 1962 Kunstpreis des Rates des Bezirkes Karl-Marx-Stadt 1967 Medaille für Kämpfer gegen den Faschismus 1971 Kulturpreis des Bezirkes Karl-Marx-Stadt
Ausstellungen (unvollständig) Einzelausstellung 1981 Karl-Marx-Stadt
Ausstellungsbeteiligung
1948 3. Ausstellung Erzgebirgischer Künstler, Freiberg, Stadt- und Bergbaumuseumhttps://digital.slub-dresden.de/werkansicht/dlf/362364/8
1948, 1950, 1953, 1957 und 1958 Mittelsächsische Kunstausstellung, Chemnitz bzw. Karl-Marx-Stadt 1958/1959 und 1962/1963 Vierte und Fünfte Deutsche Kunstausstellung in Dresden 1959 bis 1985 sechs Bezirkskunstausstellung Karl-Marx-Stadt 1959 Mit unserem neuen Leben verbunden. Zehn Jahre bildende Kunst in der DDR, Deutsche Akademie der Künste, Berlin 1963 10 Jahre Architektur, bildende Kunst und bildnerisches Volksschaffen in Karl-Marx-Stadt, Karl-Marx-Stadt, Museum am Theaterplatz 1951 Künstler schaffen für den Frieden, Berlin 1971 Das Antlitz der Arbeiterklasse in der bildenden Kunst der DDR, Berlin, Altes Museum
Postum 1984/1985 Retrospektive 1945 – 1984. Bildende Kunst im Bezirk Karl-Marx-Stadt, Karl-Marx-Stadt, Städtisches Museum am Theaterplatz 1986/1987 Das sicher sei, was uns lieb ist. Ausstellung zum 40. Jahrestag der Gründung der Grenztruppen der DDR, Suhl
Literatur
Weblinks
Einzelnachweise
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