Rieste ist eine Gemeinde innerhalb der Samtgemeinde Bersenbrück im Norden des Landkreises Osnabrück in Niedersachsen.
Geografie Geografische Lage mini|Auf der Deichkrone führt ein etwa acht Kilometer langer Rundweg um den Alfsee. (2014)
Rieste ist ein staatlich anerkannter Erholungsort im nördlichen Osnabrücker Land im westlichen Teil von Niedersachsen, ungefähr auf halber Strecke zwischen Cloppenburg und Osnabrück. Im Westen gehören etwa 5 % der Fläche des Alfsees zu Rieste.
Gemeindegliederung Die Gemeinde Rieste besteht aus folgenden Ortsteilen: Rieste (Kernort) Barlager Ort Bellmer Heide Burlager Ort Enkelstrodtort Groß Wittefelder Ort Hülsort Klein Wittefelder Ort Kloster Lage (oft „Kommende Lage“ genannt) Langkamp Maschort Stickteich Stuckenberg Vogelpool Westendorf Der Kernort liegt direkt am Ufer des Alfsees.
Am 1. Juli 1965 wurde die Samtgemeinde Rieste gegründet, da die bis dahin eigenständige Gemeinde Bieste der Kommune beitrat. Diese Samtgemeinde wurde am 1. Juli 1972 im Rahmen der Gebietsreform als Gemeinde Rieste Mitglied in der neuen Samtgemeinde Bersenbrück im ebenfalls neu gegründeten Landkreis Osnabrück. Bis dahin gehörte Rieste dem Landkreis Bersenbrück an.875 Jahre Bieste. 1999, .
Bieste zählte im Jahr 2017 255 Einwohner. Die Ortschaft bildete ursprünglich mit dem Neuenkirchener Ortsteil Bieste eine zusammenhängende Bauerschaft bis zu ihrer Trennung 1817 durch das Königreich Hannover und Großherzogtum Oldenburg.
Nachbargemeinden Rieste grenzt im Norden an Gehrde und Bersenbrück, im Westen an Alfhausen, im Süden an Bramsche (Ortsteile Epe und Sögeln) (alle Landkreis Osnabrück) und im Osten an Neuenkirchen-Vörden (Landkreis Vechta).
Oberflächengewässer, Moore und andere Feuchtgebiete Rieste gehört hydrologisch zum Einzugsgebiet der Hase und damit zum Flusssystem der Ems und liegt in einer hydrologisch geprägten Landschaft.
Die Hase durchfließt das Gemeindegebiet in Süd-Nord-Richtung und mündet später in die Ems. Bei Alfhausen/Rieste wurde das Hochwasserrückhaltebecken Alfhausen-Rieste (Alfsee) angelegt, das Hochwasser der Hase aufnimmt und kontrolliert ableitet. Zudem befindet sich der Dubbelausee (Baggersee) im Gemeindegebiet von Rieste.
Zusammen mit dem Alfsee und zahlreichen Entwässerungsgräben besteht ein dichtes Netz aus stehenden und fließenden Gewässern, das dem Hochwasserschutz, der Wasserwirtschaft sowie der Freizeitnutzung dient. Teile der Gewässerlandschaft sind als Naturschutzgebiet (NSG WE 210) ausgewiesen. Das Rückhaltebecken besteht aus einem ständig wasserführenden Hauptbecken und einem bei Hochwasser genutzten Reservebecken.
In der heutigen Gemeinde Rieste sind Hoch- und Niedermoore nur noch in Resten erhalten. Historisch prägten Niedermoore, Bruchwälder und Sumpfwiesen in den Niederungen der Hase und angrenzenden Senken die Landschaft. Ab dem 18. und 19. Jahrhundert wurden diese Flächen entwässert, landwirtschaftlich genutzt und teilweise torflich abgebaut. Heute bestehen die Moorböden überwiegend als entwässerte, humusreiche Feuchtgrünlandböden mit geringer Tragfähigkeit und hohem Grundwasserstand im Winter.https://www.nlwkn.niedersachsen.de/naturschutzgebiete/verordnung-zum-naturschutzgebiet-hochwasserruckhaltebecken-alfhausen-rieste-43901.html
Das künstlich angelegte Feuchtgebietssystem Alfhausen–Rieste umfasst unter anderem den Alfsee, Rückhaltebecken, Feuchtwiesen, Röhrichte und Verlandungszonen. Es ist Naturschutzgebiet und Teil eines europaweit bedeutenden Vogelrastgebiets.
Die Hase-Auen stellen das wichtigste natürliche Feuchtgebiet dar. Charakteristisch sind hohe Grundwasserstände, regelmäßige Überflutungen sowie Auenlehme und Moorreste im Untergrund. Weitere Feuchtgebiete bestehen aus Entwässerungsgräben, Baggerseen und Abgrabungen wie dem Dubbelausee.
In Rieste prägen hydrologische Herausforderungen vor allem die Kontrolle starker Wasserzuflüsse der Hase durch das Hochwasserrückhaltebecken Alfhausen-Rieste, das große Wassermengen puffert und dosiert wieder abgibt, um Überschwemmungen in der Haseniederung zu verringern, was gleichzeitig Abfluss und Grundwasserverhältnisse beeinflusst. Ökologische Herausforderungen ergeben sich aus der künstlichen Anlage von Dauer und Reservebecken, die als Lebensraum für zahlreiche Wasservogelarten im EU-Vogelschutzgebiet Alfsee fungieren, aber Pflegemaßnahmen und Wasserstandspflege benötigen, um Biodiversität zu erhalten und Eutrophierung zu begrenzen. Konkret werden Hochwasserrückhaltebecken technisch betrieben und naturnahe Strukturen im Rahmen des Wasser und Naturschutzmanagements gepflegt, ergänzt durch regionale Gewässer und Auenrenaturierungsprojekte zur Förderung naturnaher Fließgewässerabschnitte und Ökosystemfunktionen. Dies dient der Balance zwischen Hochwasserrisikomanagement und ökologischem Schutz im niedersächsischen Wasserhaushalt.
Untergrundverhältnisse Rieste liegt mit etwa 40 Metern über dem Meeresspiegel in einer Niederungs-/Tieflandlandschaft mit flachem Gelände und Flussniederungen der Hase. Die Böden sind vor allem Podsol-Gley – sandige, teils feuchte Böden mit eher mäßiger Fruchtbarkeit und guter Grundwasserbeeinflussung. Der geologische Untergrund stammt aus quartären Lockersedimenten – typisch für das Norddeutsche Tiefland. Diese Bedingungen prägen die Landnutzung (weniger intensive Ackerbaugebiete, möglicherweise mehr Grünland, Feuchtwiesen oder Forst), die Vegetation und die hydrogeologischen Situationen (Drainage, Grundwasser, Feuchtigkeit).
Rieste befindet sich in den Hase‑Lockergestein-Bodenklassen rechts. Damit gehört Rieste zum Großraum der „Nord- und mitteldeutschen Lockergesteinsgebiete“. Der Untergrund besteht überwiegend aus quartären Lockergesteinen (Sande, feine bis mittlere Sande mit wechselnden Beimengungen), oft vermengt mit Schluff oder lokal humosen Einschlüssen. Diese Sande wirken als Porengrundwasserleiter.
Der Grundwasserspiegel liegt in Rieste je nach Geländeform, Jahreszeit und Niederschlagsverhältnissen in einer Tiefe von etwa 1–8 m unter Geländeoberkante (GOK). Dieser Aquifer reagiert empfindlich auf klimatische Schwankungen und anthropogene Einflüsse und weist entsprechend starke saisonale Wasserstandsschwankungen auf. Der zweite, regional bedeutendere Grundwasserleiter befindet sich in tiefer gelegenen pleistozänen Sand- und Kieslagen in einer Tiefe von etwa 20–40 m unter GOK. Dieser Aquifer ist durch überlagernde bindige Schichten (Tone, Schluffe, Geschiebemergel) gut geschützt und zeichnet sich durch eine höhere Ergiebigkeit sowie stabilere Wasserqualität aus. Er bildet die wichtigste Grundlage für die öffentliche Trinkwasserversorgung in der Region.
Klima In Rieste herrscht ein durch feuchte Nordwestwinde von der Nordsee beeinflusstes gemäßigtes Seeklima mit milden Wintern, warmen Sommern und ganzjährig gleichmäßig verteilten, mäßigen Niederschlägen. Die Sommer sind häufig trocken und sonnig, während im Winter gelegentlich Schnee fällt. Im Jahre 2023 betrug die durchschnittliche Temperatur 11,2 °C. Sie ist tendenziell steigend. Sie betrug in den letzten zehn Jahren durchschnittlich 10,6 °C und in den letzten 100 Jahren waren es durchschnittlich 9,2 °C.
Zwischen Mai und August kann mit durchschnittlich 20–25 Sommertagen (klimatologische Bezeichnung für Tage, an denen die Maximaltemperatur 25 °C übersteigt) gerechnet werden. Es gibt je nach Messmethode und Definition durchschnittlich etwa 1627–2275 Sonnenstunden pro Jahr. Im Zeitraum 2012–2021 betrug die durchschnittliche jährliche Niederschlagsmenge 738 mm.
Bedeutung des Namens Über die Entstehung des Ortsnamens gibt es verschiedene Deutungen. In einer Deutung wird der Silbe ste die Bedeutung von „Stätte“ zugeschrieben, während die erste Silbe Rie, Ri oder Ry so viel wie Bodensenke heißt und in Flurbezeichnungen wie witten Rie, brunen Rie und gäerlen Rie in der Gemarkung Rieste zu finden ist. Frühere Schreibweisen wie Riste, Ryste oder Ryst sind unter diesem Gesichtspunkt zu sehen. Die Namenserklärung für Rieste wäre eine „Stätte an/in einer Rie“, womit auch die große Bodensenke der Haseniederung, in der Rieste liegt, gemeint sein kann.Gerhard Geers: 750 Jahre Rieste. 1995, .
mini|April 2015: Die KRABAT-Skulptur wird eingeweiht. mini|Dorfplatz in Bieste (2014)
Geschichte Rieste gehörte territorial bis 1802 zum Hochstift Osnabrück. Nach der französischen Besetzung bis 1814 unter Napoleon Bonaparte kam Rieste infolge des Wiener Kongresses an das Königreich Hannover. Mit der Niederlage des Königreichs Hannover von 1866 wurde Rieste ein Teil von Preußen. Mit dem Bau der Eisenbahnstrecke Delmenhorst–Hesepe und den durch die Großherzoglich Oldenburgische Staatseisenbahn geleisteten Entschädigungen setzte im Ort ein Aufschwung ein. So wurde 1904 die am Bahnhof gelegene Milchentrahmungsstation, später zur Molkerei ausgebaut, errichtet. Im Jahre 1912 wurde Rieste an das Stromnetz der Nike angeschlossen und 1914 richtete die Sparkasse eine Zweigstelle in Rieste ein. Ebenfalls wurde 1914 die neue Dorfschule bezogen.
Im Jahre 2022 wurde aufgrund eines Beschlusses des Gemeinderates eine 777-Jahr-Feier des Ortes begangen. Grundlage dafür war die Schenkungsurkunde der Kommende Lage von 1245, in der erstmalig der Ortsname erwähnt wird. Trotz der Einschränkungen in der Planungsphase ab 2020 durch die COVID-19-Pandemie konnte das Jubiläumsfest im September gefeiert werden. Im Rahmen der Jubiläumsfeier erschien eine von der Gemeinde Rieste herausgegebene Chronik über die Geschichte und Entwicklung des Ortes.
Einwohnerentwicklung mini|Bevölkerungsentwicklung seit 1987
Die folgende Übersicht zeigt die Einwohnerzahlen von Rieste im jeweiligen Gebietsstand und jeweils am 31. Dezember.
Bei den Zahlen handelt es sich um Fortschreibungen des Landesbetriebs für Statistik und Kommunikationstechnologie NiedersachsenLandesbetrieb für Statistik und Kommunikationstechnologie Niedersachsen, Bevölkerungsfortschreibung auf Basis der Volkszählung 1987.
Bei den Angaben aus den Jahren 1961 (6. Juni) und 1970 (27. Mai) handelt es sich um die Volkszählungsergebnisse einschließlich der Gebietsteile von Bieste, die am 1. Juli 1972 eingegliedert wurden.
Jahr Einwohner 1961 1900 1970 1998 1987 2125 1990 2184 1995 2591 Jahr Einwohner 2000 3029 2005 3224 2010 3301 2015 3436 2017 3481 Jahr Einwohner 2018 3519 2020 3612 2023 3701
Politik Gemeinderat Der Gemeinderat hat gegenwärtig 15 Mitglieder aus vier Parteien oder Gruppen. Bürgermeister ist Christian Scholüke. Er wurde am 15. November 2021 erstmals vom Rat gewählt und vereidigt. Der Bürgermeister ist stimmberechtigter Vorsitzender des Rates und des Verwaltungsausschusses. Erster stellvertretender Bürgermeister ist seit November 2021 Markus Revermann (UWG) und 2. Stellvertreterin Ingrid Hüdepohl (SPD).
Die CDU verfügt über die Mehrheit von sechs Mandaten. Die SPD verfügt über fünf, die UWG über drei sowie die Grünen über ein Mandat.
Die folgende Tabelle zeigt die Kommunalwahlergebnisse seit 1996.