mini|hochkant|Stadtkirche Neuhaus am Rennweg Neuhaus am Rennweg ist eine Kleinstadt in Thüringen im Landkreis Sonneberg und staatlich anerkannter Erholungsort.
Geographie Die Stadt liegt im Thüringer Schiefergebirge, unmittelbar am Rennsteig. Neuhaus ist einer der höchstgelegenen Orte Thüringens. Als Neuhaus Kreisstadt war, galt es als höchstgelegene Kreisstadt der DDR. Der Teil südlich des Rennsteiges wird zur Steinach und damit zum Rhein entwässert, während der nördliche Teil im Einzugsgebiet der Schwarza bzw. der Elbe liegt.
Nachbargemeinden Im Uhrzeigersinn, beginnend im Norden: Meura, Saalfeld/Saale, Gräfenthal, Sonneberg, Lauscha, Steinach, Frankenblick, Schalkau, Eisfeld, Goldisthal, Katzhütte, Cursdorf, Deesbach.
Stadtgliederung Gemäß Hauptsatzung der Stadt Neuhaus am Rennweg vom 14. März 2019 besteht die Stadt Neuhaus am Rennweg aus den acht Ortsteilen Neuhaus am Rennweg, Steinheid, Limbach, Neumannsgrund, Scheibe-Alsbach, Siegmundsburg, Lichte und Piesau. Dabei besteht der Ortsteil Neuhaus am Rennweg aus den Gemarkungen Neuhaus, Igelshieb und Schmalenbuche, Scheibe-Alsbach aus den Gemarkungen Scheibe und Alsbach, sowie Lichte aus den Gemarkungen Lichte, Bock und Teich, Wallendorf und Geiersthal. Alle anderen Ortsteile bilden jeweils eine Gemarkung.
Klima Das Klima in Neuhaus ist sehr rau mit sehr schneereichen Wintern und kalten, feuchten Sommern. Der Ort hält seit Mai 1996 mit 242 Stunden (zehn Tagen) den deutschen Rekord der längsten durchgängigen Nebelperiode.
Geschichte Schmalenbuche, Igelshieb und das Herrenhaus „Neuhaus“ Das Gebiet von Neuhaus trat 1366 durch Nennung eines Grenzbaumes „Schmalenbuche“ und eines benachbarten Jagdhauses „Vogelherd“ in einem schwarzburgischen Amtsbuch erstmals in Erscheinung. Bereits zu dieser Zeit verlief über den Rennsteig der alte Kammweg zwischen den noch ursprünglichen Wäldern.
Der Bau eines Wildenstalls im Jahre 1571 begründete die Aufzucht von Pferden. Die benötigten Waldwiesen und Brachen bildeten sich als Folge der Köhlerei und der ersten Glashüttengründungen aus. Diese Flächen waren für den Ackerbau ungeeignet, da die Feldfrüchte nicht ausreifen konnten. 1668 bis 1673 ließ Graf Albrecht Anton von Schwarzburg-Rudolstadt das Jagdhaus „Neues Haus“ nebst einer kleinen Barockkirche erbauen. Auerwild und Rotwild waren zu dieser Zeit noch häufig zu jagen. Die Pferdezucht wurde ausgeweitet und zum gräflichen Gestüt erhoben. Neben dem Herrenhaus wurde eine Reitbahn zum Trainieren der Pferde und Vorführen von Reitübungen angelegt.
Im Jahr 1607 wurde durch die Erteilung einer Konzession zur Errichtung einer Glashütte unweit der gräflichen Anlage die Glasmachersiedlung Schmalenbuche gegründet. Der Lauschaer Glasmeister Christoph Müller, den der regierende Graf in Schwarzburg-Rudolstadt Albrecht VII. ca. 15 Jahre zuvor noch unter heute unbekannten Umständen ins Gefängnis bringen ließ, erwarb mit seinen Söhnen Stephan und Hans am 15. Juni 1607 von dessen Sohn, Graf Karl Günther von Schwarzburg-Rudolstadt, 115 Acker Wald. Sie errichteten die Glashütte, drei Wohnhäuser, einen Schuppen und ein Pochwerk und begründeten damit den Ort Schmalenbuche.Gerhard Greiner: Glas war ihr Leben – Glas war ihr Schicksal. Familiengeschichte und Lebenswerk bedeutender Glasmachergeschlechter in Thüringen. D. Gräbner, Altendorf bei Bamberg 1996, S. 37. 1607 ist für die Gemeinde das offizielle Gründungsjahr.
1732 ging der Ort Igelshieb aus einer der verstreut liegenden Köhlersiedlungen hervor, die nach einem Waldbrand im Jahr 1624 entstanden sein sollen. Der Ort gehörte zur Zeit seiner Entstehung dem Herzogtum Sachsen-Coburg an und kam 1735 zu Sachsen-Meiningen. Auf einem abgelegenen sachsen-meiningischen Flurstück, südlich des Rennsteigs näher der Siedlung am schwarzburgischen Neuen Haus an der Nordseite des Rennsteigs gelegen, errichteten die Glasmeister Stephan und Johann Greiner aus Lauscha 1736 die Glashütte Glücksthal. Igelshieb und Glücksthal waren nach Lauscha eingepfarrt. 1740 wurde Igelshieb nach Neuhaus gepfarrt, 1841 wieder nach Lauscha. 1840 erhielt Igelshieb eine Schule. Vorher waren die Kinder nach Schmalenbuche geschult. 1850 hatte Igelshieb 2 Hauptgebäude, 50 Häuser und 376 Einwohner. Die klimatisch ungünstige Lage bot auch hier keine Möglichkeit zur Landwirtschaft, die Bewohner waren neben Holzbauern, Waldarbeitern und Köhlern Spielzeugmacher und Glasbläser, die besonders von der Glasperlenherstellung (Fischperlen) für den Fabrikanten Friedemann Greiner lebten.G. Brückner: Landeskunde des Herzogthums Meiningen, Band 2: Die Topographie des Landes. Verlag Brückner und Renner, Meiningen 1853, S. 475 f.
mini|Denkmalgeschütztes, ehemaliges Schulhaus Der um das Herrenhaus oberhalb von Schmalenbuche entstehende Ort erhielt 1729 das Recht, einen Jahrmarkt abzuhalten. Der Marktflecken am Neuen Haus – später kurz Neuhaus – zog weitere Waldarbeiter an, 1775 hatte Neuhaus bereits 53 Häuser, meist als Blockhaus errichtet. Die Bewohner nutzten alle damals gebräuchlichen Möglichkeiten der Waldbewirtschaftung: Neben Köhlern, Pottaschbrennern und Glasmachern gab es auch Kienrußbrenner, Harzscharrer, Kustelölmacher (Terpentingewinnung aus Fichtenzapfen), Zimmerleute und Holzfäller. Ihre Versorgung übernahmen Fuhrleute, ein Schankwirt, Bäcker und ein Metzger.
Die Glasindustrie versprach die höchsten Erträge, daher entstand nach der 1838 aufgegebenen Greinerschen Tochtergründung Glücksthal 1829 noch die Bernhardsthaler Tafelglashütte. Bis 1853 ist der Betrieb in Bernhardsthal noch belegt, die Bewohner verließen dann beide abgelegenen Orte und die Gebäude wurden abgerissen.
In Neuhaus hatte man bereits 1809 mit dem Betrieb einer Steingutfabrikation begonnen, daraus entwickelte sich die Porzellanindustrie von Neuhaus. Die im Ort arbeitenden Glasbläser hatten sich auf die Fertigung von Glasflaschen für Essenzen und Parfüm (Flakons) spezialisiert, die mit Farbglasfäden verzierten Fläschchen waren gefragt. Die im 19. Jahrhundert entstehende „Glasindustrie“ fand überwiegend in kleinen Werkstätten in den Wohnhäusern der Neuhäuser statt. Verleger übernahmen den Verkauf der Ware in den Großstädten. 1862 wurde in Neuhaus eine Poststation der Thurn und Taxischen Postgesellschaft eröffnet, sie lag an der Postroute Saalfeld–Sonneberg. Die ersten gewerkschaftlichen Gruppen und Arbeitersportvereine sind erst um 1900 entstanden, 1913 schloss sich der Turnverein dem Arbeiter-Turn- und Sportbund an. Jährlich stattfindende Turnfeste boten den Neuhäusern Gelegenheit zu sportlicher Betätigung.
Bis 1920 gehörten Neuhaus und Schmalenbuche zum Amtsgerichtsbezirk Oberweißbach, ab 1832 Amt Oberweißbach, im fürstlich-schwarzburgischen Landratsamt Königsee (Schwarzburg-Rudolstädter Oberherrschaft). Igelshieb war wie das verlassene Anwesen Bernhardsthal Teil des Kreises Sonneberg im Herzogtum Sachsen-Meiningen. Am 1. April 1923 folgte der Zusammenschluss von Schmalenbuche, Igelshieb und Neuhaus zur Gemeinde Neuhaus am Rennweg-Igelshieb und die Eingliederung in den Landkreis Sonneberg. 1933 erhielt der Ort, nun offiziell Neuhaus am Rennweg bezeichnet, das Stadtrecht.
Die Stadt Neuhaus am Rennweg Von 1929 an war Otto Engert, Mitglied der KPO, Bürgermeister des Ortes, bis er 1931 aufgrund von Verordnungen des nationalsozialistischen Innenministers Thüringens Wilhelm Frick sein Amt verlor. Seit den 1970er Jahren erinnert ein Straßenname an ihn. Nachfolger von Engert wurde Willy Schreier, der bis 1945 als Bürgermeister amtierte.Idsteiner Zeitung. Jahrgang 75, Nr. 285. Idstein, 7. Dezember 1973, S. 9.
Seit 1932 wirkte im Ort der evangelische Pfarrer Paul Friederich, der der Bekennenden Kirche (BK) angehörte. Nach diffamierenden Angriffen durch die NSDAP wurde er 1935 von der Deutsch-Christlichen Kirchenleitung nach Leislau zwangsversetzt, später verhaftet und aus der Landeskirche entlassen. Sein Nachfolger Hans Brunotte setzte die Arbeit der BK fort, indem er in der Gaststätte Waldhaus christliche Unterweisung und Gottesdienst durchführte. Auch Brunotte wurde verfolgt und 1937 von der Gestapo des Landes verwiesen. Nach Schließung des Waldhauses fanden Gottesdienste in einem Fabrikschuppen statt. mini|Ehemaliges Verwaltungsgebäude des Telefunken-Röhrenwerkes Im Rahmen der Aufrüstung der Wehrmacht entstand von 1935 bis 1937 ein Telefunken-Elektronenröhrenwerk. Der Konzern, damals das führende deutsche Rüstungsunternehmen auf dem Gebiet der elektronischen Kriegsführung, machte sich die technologischen Erfahrungen der Glasbläser der Region für die aufkommende Radartechnik nutzbar. Während des Zweiten Weltkrieges mussten mehr als 600 Frauen und Männer aus Russland, der Ukraine, Polen, Frankreich, den Niederlanden, Belgien und Tschechien im Elektronenröhrenwerk der Telefunken GmbH, in der Glasfabrik Müller & Co., der Stadtverwaltung und bei der Firma Rudolf Heinz & Co. Zwangsarbeit verrichten.Thüringer Verband der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschisten und Studienkreis deutscher Widerstand 1933-1945 (Hg.): Heimatgeschichtlicher Wegweiser zu Stätten des Widerstandes und der Verfolgung 1933–1945 (Reihe: Heimatgeschichtliche Wegweiser, Band 8, Thüringen). Erfurt 2003, ISBN 3-88864-343-0, S. 285f.
Kurz vor Kriegsende wurde am 11. April 1945 der alte Ortskern im Artilleriefeuer der vorrückenden Truppen der 11. Panzerdivision der 3. US-Armee vollständig zerstört. Mit dem Rathaus gingen weitere 33 Häuser in Flammen auf, 10 Menschen starben. mini|Ehemaliges Verwaltungsgebäude des Rates des Kreises Neuhaus am Rennweg Von 1952 bis 1994 war Neuhaus Kreisstadt des Kreises Neuhaus, bis 1990 im Bezirk Suhl. Es war die höchstgelegene und kleinste Kreisstadt der DDR. An der Stelle des zerstörten Ortszentrums wurden die Gebäude der Kreisverwaltung und das der SED-Kreisleitung sowie ein Kulturhaus errichtet. Im Jahr 1980 folgte die Einweihung der Schwimmhalle „Am Rennsteig“, im Jahr 1988 die Fertigstellung des Kreiskrankenhauses.
Aus dem Telefunken-Elektronenröhrenwerk ging der VEB Röhrenwerk „Anna Seghers“, später VEB Mikroelektronik Neuhaus, hervor. Er beschäftigte Arbeiter und Angestellte aus dem ganzen Kreisgebiet, zeitweise bis zu 3000 Mitarbeiter, und zog Spezialisten aus anderen Teilen der DDR und Vertragsarbeiter aus dem, so im zeitspezifischen Sprachgebrauch bezeichneten, befreundeten sozialistischen Ausland, aus Ungarn, Kuba und Vietnam an. Mit der Öffnung der Märkte im Zuge der Wiedervereinigung waren die Produkte der Mikroelektronik der DDR der internationalen Konkurrenz ausgesetzt und nicht mehr absetzbar, das Werk wurde geschlossen. Als Erbe der ehemaligen Kreisstadt gibt es in Neuhaus ein Gymnasium, ein Hallenbad und ein medizinisches Versorgungszentrum sowie mehrere Erholungsheime.
Eingemeindungen mit kommunalrechtlichem Status Ortsteil der Stadt Neuhaus am Rennweg Zum 1. Dezember 2011 wurde die Gemeinde Steinheid mit ihren Ortsteilen Limbach und Neumannsgrund eingegliedert. Am 1. Januar 2013 folgte die Eingliederung der Gemeinden Scheibe-Alsbach und Siegmundsburg. Und am 1. Januar 2019 folgten die Eingemeindung der bisher zum Landkreis Saalfeld-Rudolstadt gehörenden Gemeinden Lichte und Piesau. Beide Gemeinden gehörten vorher zur aufgelösten Verwaltungsgemeinschaft Lichtetal am Rennsteig. Die Interessen der nunmehr zur Stadt Neuhaus am Rennweg gehörenden Orte nimmt ein gewählter Ortsteilbürgermeister auf dem Wege des Ehrenamtes wahr.
Politik
Die Stadt Neuhaus am Rennweg ist erfüllende Gemeinde für die Gemeinde Goldisthal. Im Landesentwicklungsplan 2004 ist Neuhaus als teilfunktionales Mittelzentrum Neuhaus am Rennweg/Lauscha ausgewiesen.Ministerium für Bau und Verkehr Thüringen (Hrsg.): (PDF; 2,8 MB) Im Zuge der Gebietsreform in Thüringen begannen die Städte Lauscha und Neuhaus, die Bedingungen zur Bildung einer Einheitsgemeinde zu prüfen. Eine Fusion wurde allerdings Anfang 2017 angesichts der hohen Verschuldung beider Städte für gescheitert erklärt, obwohl das Land fast 2 Millionen Euro an Beihilfen in Aussicht gestellt hatte.
Stadtrat