Im Pelzhandel steht das Silberfuchsfell an der Spitze der so genannten Edelfuchsfelle, wie da sind Polarfuchsfelle, Blaufuchsfelle und Kreuzfuchsfelle.

Der Silberfuchs, zoologisch auch Schwarzsilberfuchs, ist eigentlich eine Farbvariante des Rotfuchses (Schwärzling), er galt um 1900 als „König der Pelztiere“. Diese außerordentliche Wertschätzung genoss das Fell bereits seit über 1000 Jahren. Als die wertvollsten wurden ursprünglich rein schwarze Felle angesehen. Für ein besonders schönes Fell wurden 1910 auf einer Londoner Auktion 10.000 Goldmark bezahlt. Mit dem Silberfuchs begann in den 1890er Jahren die planmäßige Zucht von Pelztieren.

Allgemein, Geschichte mini|Boris Nikolajewitsch Jussupow mit Schwarzsilberfuchs-Kragen (1850) Eine Übersicht der Preisentwicklung für Schwarz-Silberfüchse befindet sich am Ende des Artikels.

Das geringe Vorkommen von Schwarzsilberfüchsen in freier Wildbahn dürfte im Wesentlichen auf die schon seit über tausend Jahren betriebene Jagd zurückzuführen sein. Noch seltener gebraucht, aber richtiger als die Bezeichnung Schwarzsilberfuchs, wäre es, ihn Silberschwarzfuchs zu nennen. Das maßgebliche Kennzeichen ist die schwarze Farbe und nicht die Silberung. Vor allem im Mittelmeerraum schätzte man ganz besonders die seltenen, ganz schwarzen Exemplare.

Bereits im Jahr 627 erhielt der Kaiser von China vom König Wen-t'ai von Turfan (Ostturkestan, Xinjiang) einen Schwarzfuchs geschenkt, gleichzeitig mit einem Kerzenhalter, der zwei sechs Zoll hohe großen Hunde darstellte, die ein Pferd am Zügel führen.

Mit dem beginnenden arabisch-normannischen Handel waren auch die schwarzen Füchse in der arabischen Welt sehr gefragt, hatte doch der Kalif Mahdî durch ein Experiment in höchsteigener Person die Schwarzfuchsfelle als die wärmsten erkannt. In einer frostklaren Winternacht füllte er mehrere Flaschen mit Wasser und umwickelte sie mit verschiedenen Fellen; der Versuch ergab, dass nur die Flasche mit dem Schwarzfuchsfelle nicht zufror. Nach den Berichten al-Mas'udis aus dem 10. Jahrhundert bezogen die Araber ihre Schwarzfuchsfelle allerdings aus dem Lande der Burtâ (größtenteils am linken Wolgaufer, Nachkommen sind die Tschuwaschen).Bruno Schier: Wege und Formen des ältesten Pelzhandels in Europa. Verlag Dr. Paul Schöps, Frankfurt am Main 1951, S. 23, 37–38. Primärquelle: Adam von Bremen: Gesta Hammaburgensis ecclesiae pontificum. IV, 31.

Das oben genannte Geschenk an den chinesischen Kaiser lässt bereits den besonderen Wert eines Schwarzfuchsfells erkennen. Der Reisebericht des ebenfalls bereits erwähnten al-Mas'udi (gest. 957) ist die erste Überlieferung mit einer Preisangabe, dort heißt es über die Burtâ:

Schwarz war die Farbe der Abbassiden, daher waren am Hofe der Herrscher nur schwarze Pelze zu tragen.

Weiter schrieb al-Mas'udi:

Vom arabischen Geographen und Postmeister Ibn Chordadhbeh (* um 820; † um 912) erfahren wir, dass warägische Kaufleute die Schwarzfuchspelze von den äußersten Ländern der Slawen bis an das Mittelländische Meer gelangen lassen; nach Ibn Hauqals Bericht aus dem 10. Jahrhundert kommen diese nach dem Süden verhandelten Felle zum größten Teil aus dem Land der Ersa, ein Teilstamm der ostfinnischen Mordwinen, ihre Heimat war das Quellgebiet der Oka, über die Wolga bis gegen den südlichen Ural.Michael Jan de Goeje: Bibliotheca geographorum Arabicorum, II. Band, Leiden 1873, S. 286; Christian Martin Joachim Frähn: Ibn Foßlâns (Fadlâns) und anderer Araber Berichte über die Russen älterer Zeit. Petersburg 1823, S. 163 ff, 255. Sekundärquelle: B. Schier, Wege und Formen des ältesten Pelzhandels in Europa. S. 25 (s. dort)

Teile sibirischer Völker waren lange Zeit verpflichtet, der russischen Krone einen Tribut, den „Yassak“ abzuliefern. Er wurde hauptsächlich in edlem Fellwerk bezahlt. 1237, nach Eroberung des alten „Rus“, wurde jeder Einwohner gleich welchen Alters verpflichtet, je ein Fell vom Braun- oder Eisbär, Biber, Zobel, Iltis und Schwarzfuchs abzuliefern. Daraus könnte man schließen, dass die Schwarzfüchse zu der Zeit dort noch häufig vorkamen. Unklar scheint oftmals, inwieweit sich die jeweiligen Aussagen in der Zeit nur auf vollschwarze Silberfüchse beziehen.

Fünf Jahrhunderte später, 1709, heißt es in einem Jagdbuch: „In der Moskau und anderen mitternächtigen Orten hat es auch weisse und schwarze Füchse, aber die weissen acht man nicht groß, sind auch nicht theuer, die schwarzen werden aber so theuer und hoch bezahlt, dass man vor manchen schwarzen Balg 20 oder 30 Gulden zahlen muß.“ Und 1791 über schwarze Füchse, eine besonders kostbare Rauchware aus Lappland: „...daher es denn auch in Russland, wo diese Bälge angeblich bloß zum Gebrauche des Hofes aufgehoben werden, bey hoher Strafe verboten seyn soll, damit zu handeln oder solche ins Ausland zu bringen.“Fritz Schmidt (s. dort). Primärquelle: I. A. E. Göze: Europäische Fauna. 1791.

Ein Kürschnerfachbuch aus dem Jahr 1911 sagt über den Fellpreis: „Der russische Schwarzfuchs gehört zu den größten Füchsen und kommt im Handel fast nicht nach Europa, weil die ganze Ernte gewöhnlich von den Russen behalten wird und die Felle doch im ganzen so selten sind, daß ausgesucht schöne Exemplare oft mit ganz fabelhaften Preisen bis zu 20.000 Mark bezahlt werden.“Paul Cubaeus, „praktischer Kürschner in Frankfurt am Main“: Das Ganze der Kürschnerei. Gründliches Lehrbuch alles Wissenswerthen über Waarenkunde, Zurichterei, Färberei und Verarbeitung der Pelzfelle. A. Hartleben’s Verlag, Wien, Pest, Leipzig 1911. S. 33–34. Eine Besonderheit der Verarbeitung noch um 1910 lässt der Hinweis erkennen, dass ein Pelz aus Silberfuchs-Kehl- und Nackenstücken damals 25 Tausend Mark kosten konnte.E. Unger: Materialienkunde für Leder- und Pelzarbeiter. Reihe Unterrichtspraxis der Fortbildungsschule Max Mehner, 10. Band, Alfred Hahn’s Verlag, Leipzig 1910, S. 23. Ein ganz aus den schwarzen Hälsen der Silberfüchse verfertigter Pelzrock des Zaren war auf der Welt-Industrieausstellung von 1851 ausgestellt, sein wirklicher Geldwerth betrug 23.300 Taler.Aus der Natur. 43. Band oder Neue Folge 31. Band, Verlag Gebhardt und Reisland, Leipzig 1868, S. 267. Die Genickstücke der Silberfüchse sind häufig auch bei sonst silbrigen Fellen völlig schwarz. Vermutlich erklärt sich entsprechend der damaligen extremen Wertschätzung der seltenen reinschwarzen Füchse die Verwendung von ausschließlich dieser Fellteile für einen Mantel sowie auch der damit erzielte hohe Preis.

Die heutigen Farmfüchse stammen von nordamerikanischen Silberfüchsen ab. Ein Fell war den Eingeborenen dort mehr als fünfzig Biberfelle wert. Nahm ein Häuptling ein solches Fell als Geschenk an, so galt das als ein Akt der Versöhnung.

Noch zu Beginn des 20. Jahrhunderts erzielten die reinschwarzen Felle auf den Londoner Auktionen mit damals zwischen 5000 und 7000 Mark die höchsten Preise. Ein englischer Kürschner schrieb 1913, dass in manchen Jahren nur zwei bis drei Felle in den Handel kamen, silbrige Felle erzielten nur wenige Pfund Sterling.George R. Cripps: About Furs. Daily Post Printers, Liverpool 1913, S. 60 (engl.) (Inhaltsverzeichnis). Ende der 1930er und Beginn der 1940er Jahre bevorzugte man dann vollsilbrige, also ganz helle Silberfuchsfelle.Dr. Fritz Schmidt: Das Buch von den Pelztieren und Pelzen. F. C. Mayer Verlag, München 1970, S. 190–199. mini|Silberfuchskollier, Stummfilmstar Mabel Normand, USA (1892–1930) Die Neuzeit der Silberfuchsmode begann mit dem einfelligen Silberfuchskollier, rundum Fell mit naturalisiertem Kopf. Anfangs war der Silberfuchs noch kein Artikel des täglichen Bedarfs, er wurde nie auf der Straße getragen.Philipp Manes: Die deutsche Pelzindustrie und ihre Verbände 1900-1940, Versuch einer Geschichte, Berlin 1941 Band 1. Durchschrift des Originalmanuskripts, S. 172 (Kollektion G. & C. Franke). Bald waren es zwei Felle, in der Saison 1935/36 kamen Capes und Pelerinen hinzu, dann aber auch Jacken und schließlich Mäntel.Alexander Tuma: Pelzlexikon. Band XXI, Verlag Alexander Tuma, Wien 1951, Suchworte Silberfuchs, Silberfuchsfarmen sowie Dalton (Band XVII).Fritz Hempe: Handbuch für Kürschner. Verlag Kürschner-Zeitung Alexander Duncker, Leipzig 1932, S. 217. Jahrzehntelang stand dann das Silberfuchsfell an der Spitze der für Pelzbekleidung genutzten Fellarten. Den Silberfuchs umgab der Nimbus von großer Seltenheit und höchster Bewertung. Mit der Ausweitung der Zucht verlor sich dieses Ansehen nicht, bald bestimmte er allein das modische Bild aller festlichen Begebenheiten und auf der Tribüne eleganter und sportlicher Öffentlichkeit. Mit der Bewunderung der scheinbar zeitlosen Schönheit war es jedoch vorbei, als der Silberfuchs alltäglich geworden war. Fast völlig verschwand er vom Markt und von der Straße, als die Mode sich um 1950 von den langhaarigen Fellen abwandte und stattdessen Fellarten wie Persianer und Nerz bevorzugte.

Der Londoner Rauchwarenhändler Francis Weiss schrieb in seinem Bericht über das Auf und Ab von Pelzpreisen (der Silberfuchspreis war zwischenzeitlich von £ 500,- auf 50 bis 60 Schilling gesunken): „Kurz vor dem Zweiten Weltkrieg kamen Silberfuchs-Stolen in den USA als ‚Straßenmädchen-Uniform‘ in Mode. Demzufolge wagte es für die nächsten Jahrzehnte keine anständige Frau, einen Silberfuchs in der Öffentlichkeit zu tragen.“Francis Weiss: Auf und ab. In Winckelmann Pelzmarkt, Winckelmann Verlag KG, Frankfurt/Main, Ausgabe 317, 2. Januar 1976, S. 1.

Für Deutschland traf das nur bedingt zu. Der Krieg verhinderte mangels Devisen die Einfuhr wertvoller Pelzarten, eine deutsche Frau trug ohnehin deutschen Pelz, das war hauptsächlich das preisgünstige, aber nicht sonderlich renommierte Kaninchen, aber es gab auch noch den gezüchteten Silberfuchs. Immer mehr Silberfuchsfarmen entstanden, Silberfuchsfell wurde zum Lieblingspelz der Hitlerzeit. Filmstars waren privat und auf der Leinwand mit voluminösen, schulterbetonten Capes zu bewundern und regten zur Nachahmung an. Als die deutschen Truppen Dänemark und Norwegen besetzten, brachten die Soldaten ihren Bräuten und Ehefrauen ein oder zwei dort gezüchtete Silberfuchsfelle mit, die der heimische Kürschner dann meist zu einem Kollier mit Kopf, Schweif und Pfoten oder zu einem Wellenkragen mit Pfoten oder aber einem einfachen Schalkragen oder einer Pelzstola arbeitete. Mit der Währungsreform 1948 endete dann auch in Deutschland die Zeit der Langhaarmode.Marie Louise Steinbauer, Rudolf Kinzel: Marie Louise Pelze. Steinbock Verlag, Hannover 1973, S. 118, 152-153.E. Unger: Materialienkunde für Leder- und Pelzarbeiter. Reihe Unterrichtspraxis der Fortbildungsschule Max Mehner, 10. Band, Alfred Hahn’s Verlag, Leipzig 1910, S. 23.

Wildlebender Silberfuchs mini|Silberfuchs-Cape (mit weißem Fuchs) und -Kurzmantel (Deutschland, 1978) mini|Von links: Silberfuchs-Kurzmantel, Bluefrost Fuchsmantel, zwei Fawnlight Fuchsmäntel, Golden Island Fuchsmantel (Deutschland, 1988) In freier Wildbahn ist der Silberfuchs nur noch in geringer Zahl im nördlichen Nordamerika (Labrador, British Columbia, Alaska, Kanada) und in Nordost-Sibirien anzutreffen. Der Fang des amerikanischen Silberfuchses war einmal fast ausschließlich ein Privileg der Peguis Chippewa-Indianer, in deren Gebiet er hauptsächlich zu finden war.gez. P.: Als Winnetou mit Silberfüchsen handelte... In: Der deutsche Pelztierzüchter, 13. Jahrgang, Heft 11, München 1. Juni 1938, S. 277. Der wildlebende Silberfuchs ist ein Schwärzling der verschiedenen Rotfuchsarten, in deren Verbreitungsgebiet er lebt, entsprechend unterschiedlich sind die Felle aus den entsprechenden Herkommen (Labrador, Neubraunschweig, Insel Sitka usw.).