Die Kieler Sportvereinigung Holstein von 1900 e. V. (kurz die KSV Holstein oder die Kieler SV Holstein), allgemein bekannt als Holstein Kiel, ist ein eingetragener Sportverein aus Kiel, der Landeshauptstadt von Schleswig-Holstein. Der am 7. Oktober 1900 gegründete Verein zählt mit rund 12.000 Mitgliedern (Stand: 31. März 2026) zu den mitgliederstärksten Sportvereinen in Deutschland und ist Schleswig-Holsteins mitgliedstärkster Sportverein.

Bundesweit bekannt ist der Verein vor allem durch seine Fußballabteilung, deren erste Mannschaft von Anbeginn bis zur Einführung der landesweiten Bundesliga 1963 durchgehend der jeweils höchsten deutschen Spielklasse angehörte und in der Saison 2024/25 als erste Mannschaft aus Schleswig-Holstein in die Bundesliga aufstieg. Die größten Erfolge in der Vereinsgeschichte sind der Gewinn der deutschen Meisterschaft 1912, das Erreichen zweier deutscher Vizemeisterschaften 1910 und 1930 sowie der Einzug in das Halbfinale des DFB-Pokals 1941 und 2021. Die Vereinsfarben des im Volksmund Die Störche genannten Klubs sind Blau, Weiß und Rot. Die erste Fußballmannschaft der Herren spielt in der Saison 2025/26 in der 2. Bundesliga und trägt ihre Heimspiele im derzeit 15.034 Zuschauer fassenden Holstein-Stadion aus.

Neben Herrenfußball bietet der Verein auch Handball, Frauenfußball, Tennis und Cheerleading an. Die Handballdamen der KSV wurden 1971 Deutscher Meister sowie 1964 und 1970 Vizemeister. Die Frauenfußballmannschaft besteht seit 2004 und spielt nach einigen Jahren in der 2. Bundesliga seit 2016 in der Regionalliga Nord.

Gründungsgeschichte Wie aus dem Vereinsnamen Kieler Sportvereinigung Holstein von 1900 herzuleiten ist, geht der Verein aus der Vereinigung zweier Vereine hervor, des 1. Kieler Fußball-Vereins von 1900 und des SV Kieler Fußball-Clubs Holstein von 1902, welche am 7. Juni 1917 fusionierten. Vorgängerverein Kieler Fußball-Club Holstein von 1902 (FC Holstein Kiel) mini|

Der Kieler Fußball-Club Holstein von 1902 (kurz FC Holstein Kiel) wurde am 4. Mai 1902 von den Schülern Friedrich Brügmann, Walter Duden und Hans Gosch der Oberrealschule 1 (heute Hebbelschule) gegründet.100 Jahre Holstein Kiel. S. 12 und 13. Gründungsort war eine Gartenlaube am Knooper Weg.Festschrift zum 25jährigen Bestehen des Norddeutschen Sport-Verbandes e. V. 1905–1930 Zitat: Noch heute gehören die Gründer Friedrich Brügmann und Walter Duden als Ehrenmitglieder den Reihen des Vereins an, während der Dritte, Hans Gosch, durch seinen Beruf gezwungen wurde, sich von seiner Heimatstadt und damit seinem Verein zu trennen. Kurze Zeit später schlossen sich weitere Schüler und Freunde der übrigen Schulen Kiels dem Verein an und sieben Monate nach Gründung fand die erste Begegnung der Vereinsgeschichte gegen die Zweite Mannschaft vom späteren Fusionspartner 1. Kieler Fußballvereins von 1900 statt (4:0). Von Beginn an war die ehemalige Schülergruppe der dominierende Verein in Kiel und entwickelte sich binnen weniger Jahre zu einem der stärksten Fußballvereine in Deutschland. Aufgrund des sehr jungen Alters der Spieler und der damit inbegriffenen Erfahrungslosigkeit auf verwaltungstechnischem Gebiet sind schriftliche Aufzeichnungen über die ersten Jahre des Vereinslebens kaum vorhanden. Da in den Anfangsjahren alle Spieler ausnahmslos Schüler waren und durch Berufstätigkeit nicht zeitlich gebunden wurden, konnten sie sich zum Missfallen ihrer Eltern, in ihrer Freizeit der damals verspotteten Fußball-Lümmelei widmen. Ohne Störung blieb lange Jahre hindurch die I. Mannschaft wenigstens in ihrem größten Teile fest zusammen. Die Stützen der aktiven Spieler waren von Anfang an bis hin in die 1920er Jahre hinein die Gebrüder Werner (Friedrich Werner, Adolf Werner und August Werner), Gebrüder Fick (Willi Fick, Hans Fick und Hugo Fick), Georg Krogmann, Karl Rempka, Carl Lafferenz, zu denen später Hans Reese, Ernst Möller, Alfred Plambeck, Wilhelm Tim und Hans Dehning aus der Jugendmannschaft hinzukamen.Festschrift zum 25jährigen Bestehen des Norddeutschen Sport-Verbandes e. V. 1905–1930

Im weiteren Verlauf der Vereinsgeschichte erfolgte 1908 die erste Umbenennung zum Fußball-Verein Holstein von 1902 (kurz: FV Holstein Kiel) und 1914 die zweite durch die Eingliederung der Sparten Leichtathletik und Hockey zum Sportverein Holstein von 1902 (kurz: SV Holstein Kiel).

Fusionspartner Kieler Fußball-Verein von 1900 (KFV von 1900) mini|

Der Ursprung des Kieler Fußball-Vereins von 1900 (kurz: KFV von 1900) steht neben der stetig steigenden Fußballbegeisterung in Deutschland zu Beginn des 20. Jahrhunderts (siehe Anfänge im deutschen Fußball) in Verbindung mit zwei aus Süddeutschland stammenden Studenten (Namen unbekannt), die im Februar 1899 dem Kieler Männer-Turnverein von 1844 (kurz: KMTV) beigetreten waren und den Fußballsport in Kiel einführten. Anfang 1900 zog es Arthur Beier, einen weiteren fußballbegeisterten Süddeutschen, der beim FC Phönix, einem Vorläufer des Karlsruher SC, gespielt hatte, an die Kieler Förde.100 Jahre Holstein Kiel. S. 11. Unter seiner Führung entstand die Fußballabteilung des KMTV von 1844. Am 7. Oktober 1900 fuhren Arthur Beier und acht weitere Mitglieder (Andrae, Beiler, Blaschke, Hudemann, Leuenhagen, Niederehe, Roland und Stange) der Spielabteilung des Kieler Männer-Turnvereins nach Lübeck, um dort, ohne Einwilligung des Kieler Turnrats, ein Fußballspiel gegen eine Mannschaft der Lübecker Turnerschaft auszutragen. Dieses Ereignis bedeutet die eigentliche Gründung des KFV von 1900 und damit die Geburtsstunde des Kieler Fußballsports. Das Spiel auf dem Lübecker Burgfeld endete 1:0 für die Kieler. Torschütze war Georg P. Blaschke, der sich zu einer der führenden Person und Fußballfunktionäre in der Pionierzeit des deutschen Fußballs hocharbeitete und aufgrund dessen zum Ehrenmitglied des Deutschen Fußball-Bundes erkoren wurde. Die erste offizielle Begegnung des Vereins und somit die erste auf Kieler Boden fand am 2. Dezember 1900 statt und endete mit einer 0:4-Niederlage gegen Altona 93.

Die Gründung des späteren Fusionspartners Kieler Fußball-Club Holstein von 1902 veranlasste den Verein Ende August 1902 dazu, sich in 1. KFV von 1900 umzubenennen. Mit der Umbenennung wollte man deutlich machen, dass man der erste Fußballverein in Kiel war. Einen Monat zuvor hatten einige junge Spieler den 1. KFV von 1900 verlassen und am 23. Juli 1902 den FC Kilia Kiel gegründet. Durch die Abtrennung einer großen Zahl an Spielern zum FC Kilia Kiel verlor der Verein an sportlicher Leistungsstärke. Der Fußballsport in Kiel profitierte jedoch durch die Absplitterung dahingehend, dass dadurch spielstarke Ortsgegner entstanden und man nicht mehr Vereine aus Hamburg und anderen fernen Teilen Deutschlands zu Spielen einladen musste. Ein anderer Grund für die sinkende Spielstärke und Bedeutung des Vereins war, dass der fußballbegeisterte Arthur Beier 1902 wieder in seine süddeutsche Heimat zurückkehrte.

In der Absplitterung und Wegzügen von Spielern liegt die Begründung, weshalb der Verein im Fußballsport trotz seiner Pionierstellung nicht den Ton in Kiel angab und in der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg zunehmend ins Hintertreffen geriet. Später konzentrierte sich der Verein mehr auf die Leichtathletik und galt ab 1909 als einer der führenden Leichtathletikvereine Norddeutschlands.

Fusion mini|Stammbaum der Kieler Sportvereinigung Holstein von 1900 e. V.

Am 7. Juni 1917 tagten im Zentral-Hotel, dem Vereinslokal des 1. KFV von 1900, in gemeinsamer Sitzung die Mitglieder des SV Holstein von 1902 und des 1. KFV von 1900 und fassten bei einer Stimmenthaltung einstimmig folgenden Beschluss: „Die Beschlüsse der beiden Vereine über ihren Zusammenschluss unter dem Namen Kieler Sportvereinigung Holstein von 1900 e. V. (kurz: Holstein Kiel oder KSV Holstein) werden gutgeheißen.“

Hauptinitiator der Fusion war neben dem späteren Präsidenten Ernst Föge,Holstein Kiel Präsident von 1921–1930 und 1948–1949 (* 1891; † Oktober 1949). der stets engagierte Kieler Fußballpionier und 1. KFV-Mitbegründer Georg P. Blaschke,100 Jahre Holstein Kiel. S. 27, Georg P. Blaschke (* 20. Januar 1876 in Schlesien; † 5. Mai 1929 in Kiel), Ehrenmitglied des Deutschen Fußball-Bundes, von 1914 bis 1929 geschäftsführender Vorsitzender des DFB und Präsident des Norddeutschen Fußball-Verbandes 1928–1929. der schon seit 1909 die Vision verfolgte, einen dauerhaft wettbewerbsfähigen Verein in Kiel zu etablieren. Ein weiterer, nicht unerheblicher Grund für die Fusion war die immense Schwächung der Vereine aufgrund der zunehmenden Strapazen im dritten Kriegsjahr des Ersten Weltkriegs.

Der deutlich mitgliederschwächere 1. KFV von 1900 schloss sich also dem erfolgreichen SV Holstein Kiel von 1902 an und ging völlig in ihm auf, was nicht nur im heutigen Namen Holstein Kiel zu erkennen ist. Der von Holstein 1911 erbaute Holstein-Platz (heute Holstein-Stadion) wurde als Spielstätte erkoren und die Spieltracht der KSV Holstein entsprach ebenfalls dem Blau-Weiß-Rot von Holstein. Der 1. KFV verzichtete auf seine 1914 errichtete Spielstätte sowie auf die Vereinsfarben Schwarz-Grün und sein Vereinswappen. Ein Überbleibsel des 1. KFV war die Berufung auf dessen Gründungsdatum in der Vereinssatzung, was im Fußball nach Vereinsfusionen gängige Praxis ist (siehe beispielsweise Hamburger SV oder VfB Stuttgart).

Das offizielle Gründungsdatum der KSV Holstein ist der 7. Oktober 1900. Seinen heutigen Namen trägt der Verein seit dem 7. Juni 1917. Der Vereinsname leitet sich vom südlichen Landesteil Holstein der damaligen preußischen Provinz Schleswig-Holstein ab.

Vereinsfarben und Vereinswappen mini|Blau-Weiß-Rote Spieltracht mit Vereinswappen 1957

Von Beginn an waren die Vereinsfarben Holsteins Blau, Weiß und Rot, welche den schleswig-holsteinischen Landesfarben entsprechen. Holstein spielte die ersten Jahre in quergestreiften blau-weiß-roten Hemden und ab 1906 in weißen Hemden mit blau-weiß-roter Schärpe. 1910 trug man blaue Jerseys mit weißem H auf der linken Brustseite, schwarzen Kniehosen und schwarzen Strümpfen. Spätestens seit 1911 trägt man die bis heute gültige Spieltracht: blaue Hemden, weiße Hosen und rote Stutzen.

Das Wappen von Holstein Kiel, welches im März 1919 entworfen wurde, stellt eine Verschmelzung aus beiden Wappen der Vorgängervereine dar und wurde am 9. April 1919 von den Vereinsmitgliedern angenommen.30 Jahre Holstein Kiel. S. 100. Es befindet sich auf den Trikots seit 1921100 Jahre Holstein Kiel. S. 30. und veränderte sich von der Grundstruktur (Kieler Wappen, Farbe, Form und Schriftzug) seither nicht wesentlich.zwei alte Beispiele des Holstein Kiel Wappens: und Von 1910 bis 1917 wurde ein schlichtes weißes H (für Holstein) auf dem Trikot getragen. Dieses H wurde von 1917 bis 1921 in einem weiß umrandeten Kreis mit dunklem Hintergrund auf dem Trikot verwendet. Holstein hatte ein rundes Wappen mit dem Schriftzug in blauer Schrift: F.V. Holstein v. 1902 e. V. Kiel. In der Mitte des Logos befand sich ein weißes H, rotes F und V und der Hintergrund war blau.

Das Logo des Fusionspartners 1. KFV von 1900 war zu Anfang ein schildartig geformtes schwarz-grünes Wappen mit den Initialen KFV und später das Kieler Stadtwappen mit Festung obendrauf. Die Vereinsfarben der 1. KFV waren schwarz-grün und die Spieltracht: schwarze Hose, weißes Hemd und Kieler Stadtwappen auf der Brust.Festschrift zum 10 jährigen Stiftungsfest des 1. KFV von 1900. S. 10–11.

Geschichte/sportlicher Werdegang Erstklassigkeit – Norddeutsche Fußballmeisterschaft (1900–1933)