mini|Luftbild von Sulzbach an der Murr (1985) Sulzbach an der Murr ist eine Gemeinde im Rems-Murr-Kreis in Baden-Württemberg. Sie gehört zur Region Stuttgart (bis 1992 Region Mittlerer Neckar) und zur europäischen Metropolregion Stuttgart. Sulzbach an der Murr ist ein staatlich anerkannter Erholungsort und ein Kleinzentrum für die umliegenden Gemeinden.Strukturkarte. Regionalplan – Satzungsbeschluss des Verbands Region Stuttgart vom 22. Juli 2009, zuletzt geändert am 30. März 2022.

Geographie Geographische Lage Sulzbach an der Murr liegt im Naturraum Schwäbisch-Fränkische WaldbergeNaturräume Baden-Württembergs. Landesanstalt für Umwelt, Messungen und Naturschutz Baden-Württemberg, Stuttgart 2009 am Nordbogen der Murr inmitten des Naturparks Schwäbisch-Fränkischer Wald zwischen den Löwensteiner Bergen und dem Murrhardter Wald, in Luftlinie etwa 34 km nordnordöstlich von Stuttgart. Das Gemeindegebiet liegt zwischen 260 m (Murr an der Kläranlage) und Höhe (wenige Meter südlich unterhalb des Gipfels der Hohen Brach).

Die Oberamtsbeschreibung der Gemeinde Sulzbach an der Murr aus dem Jahr 1871 beginnt mit diesen Worten:

Die längste Ausdehnung hat das Gemeindegebiet mit etwa 9 km von Nordnordwest (Waldgewann „Streitjagen“ bei Großerlach-Mittelfischbach) nach Südsüdost (Erhebung „Springstein“ bei Auenwald-Trailhof). Senkrecht dazu sind es nicht ganz 8 km (vom Mörderbächle bei Siebersbach im Westsüdwesten bis zum Ortsrand von Großerlach-Hohenbrach im Ostnordosten).

An Sulzbach grenzt im Norden und Nordosten die Gemeinde Großerlach, im Osten und Südosten die Stadt Murrhardt, im Süden die Gemeinde Auenwald und ganz kurz die Stadt Backnang, im Südwesten die Gemeinde Oppenweiler und im Nordwesten die Gemeinde Spiegelberg. Sie alle liegen ebenfalls im Rems-Murr-Kreis.

Die Gemeindereform von 1970 führte zur Bildung des Gemeindeverwaltungsverbandes Sulzbach, dem auch die Gemeinden Spiegelberg und Großerlach angehören. Sulzbach ist außerdem Mitgliedsgemeinde des Wasserverbands Murrtal. Dessen Aufgabe ist der Hochwasserschutz.Stadt Murrhardt: . Abgerufen am 13. Januar 2026.

Gemeindegliederung Neben dem von Wiesen und weiten Wäldern umgebenen Hauptort Sulzbach liegen auf der großen Gemarkung der Gemeinde noch 17 zum Teil weit verstreute Weiler und Häuser: die Weiler Bartenbach, Berwinkel, Bushof, Eschelhof, Eschenstruet, Hager, Harrenberg, Ittenberg, Kleinhöchberg, Lautern, Liemannsklinge, Schleißweiler, Siebersbach und Zwerenberg und die Wohnplätze Gronbachmühle, Hammer und die Haselbachmühle.

Auf dem Gemeindegebiet liegen weiterhin die abgegangenen Ortschaften Einsiedel, Horben, Ittenberger Sägmühle, Wüstenmühle,Lage vermutlich im Fischbachtal in einer heute siedlungslosen Tallichtung nahe der Einmündung des von Berwinkel im Osten her zulaufenden Spatzenbachs, oder in dessen engerem Tal selbst, dessen nördlicher Waldhang nach der Topographischen Karte den Gewannnamen Wüstenmühle trägt. Alte Sägmühle,Landesarchivdirektion Baden-Württemberg (Hrsg.): Das Land Baden-Württemberg. Amtliche Beschreibung nach Kreisen und Gemeinden. Band III: Regierungsbezirk Stuttgart, Regionalverband Mittlerer Neckar. W. Kohlhammer, Stuttgart 1978, ISBN 3-17-004758-2. S. 552–554. Löfflinsweiler, der Schollen- und der Häuseräcker HofAnfang des 18. Jahrhunderts entstand zwischen Siebersbach und Kleinhöchberg eine „Häuseräcker“ genannte Siedlung, an die heute nur noch der Flurname erinnert. Als erster Bewohner ist 1713 der zuvor in Kleinhöchberg ansässige Hans Jacob Klingler in den Kirchenbüchern eingetragen. In den 1730er-Jahren sind zwei Familien Schieber als Bauern, Michael Otterbacher als Schneider sowie David Heyd als Beisitzer, 1741 außerdem noch Johann Franz August Ochs als Tagelöhner eingetragen. Wenig später wurde der Ort – wohl auch seiner ungünstigen Lage wegen – wieder aufgegeben. sowie die ehemaligen Burgen am Utschberg und auf dem Berg Roßstall. Der Flurname Bad südöstlich des Dorfs weist auf ein abgegangenes Bad hin, von dem sich ansonsten keine Reste erhalten haben.

Die Gronbachmühle liegt im Murrtal knapp oberhalb der Dorfgrenze von Sulzbach, weiter aufwärts folgen Bartenbach und Schleißweiler. Lautern, Siebersbach und zuoberst Hammer liegen im zulaufenden Lautertal. Alle anderen Ortsteile liegen fern der drei großen Verkehrsachsen von oberem und unterem Murr- bzw. Lautertal, deren Sohlen in offener Flur liegen. Abgesehen von der in einem Seitental liegenden Haselbachmühle handelt es sich um von Rodungsinseln umgebene Siedlungen auf den Höhen zwischen den tief eingeschnittenen und ebenfalls bewaldeten Bachtälern zu den beiden Flüssen.

Kleinhöchberg liegt auf dem Bergrücken zwischen dem Lauter-Zufluss Siebersbach und dem Fischbach, Berwinkel auf dem zwischen Fischbachtal und dem bei Bartenbach mündenden Haselbachtal, das dicht von Wald umgeben die Haselbachmühle birgt. Noch weiter östlich zwischen Haselbach und Harbach reihen sich in einer großen, nach Norden langgezogenen Flurinsel Harrenberg, Zwerenberg, Hager und – auf etwa gleicher Breite – westlich Bushof und östlich Eschenstruet. Noch wenig weiter nördlich liegt Liemannsklinge isoliert, durch ein bewaldetes Quertal von den anderen fünf getrennt.

Auf der Höhe südlich des Murrbogens liegt in einer größeren Rodungsinsel Ittenberg, noch weiter südlich in einer kleineren der Eschelhof.Topographische Karte 1:25.000 Baden-Württemberg Nord, als Einzelblatt Nr. 6922, 6923, 7022 und 7023.

Flächenaufteilung

Nach Daten des Statistischen Landesamtes, Stand 2018.Fläche seit 1988 nach tatsächlicher Nutzung für Sulzbach an der Murr. Statistisches Landesamt.

Geschichte mini|Gebietsstand des löwensteinischen Stabsamtes Sulzbach um 1800, in den Grenzen des württembergischen Oberamts Backnang Farblegende Das 1295 erstmals erwähnte Sulzbach liegt an teilweise schon in der Römerzeit genutzten wichtigen Straßenverbindungen. In seinem Ursprung ist Sulzbach deshalb wohl wesentlich älter. Ursprünglich in löwensteinischem Besitz, teilte sich die Grafschaft ihre Rechte seit dem 9. Jahrhundert mit dem Kloster Murrhardt. Der Ortsname ist aus „Sülze“ oder „Sulz“ abzuleiten, was so viel wie „morastige Stelle“ oder „sumpfiges Wasser“ bedeutet. Im Ortswappen erinnert noch heute der Löwe an die Grafen von Löwenstein als einstige Grundherren der Gemeinde, der Fisch an den namengebenden Fischbach. Auf einer kleinen Geländeschwelle westlich über diesem Bach liegen hochwassersicher die ältesten Teile des Ortskerns mit den Resten der einstigen Wehrkirchenanlage rund um die markante Ulrichskirche.

Mit einiger Sicherheit lässt sich sagen, dass Sulzbach im fränkischen Murrgau lag. Aus einer Urkunde aus dem Jahre 1027 geht hervor, dass die Gegend um Sulzbach Königsgut war. In dieser Urkunde bestätigt Kaiser Konrad II. die Schenkung dieses „Bannforst“ genannten Königsguts an den Bischof von Würzburg. In ihr finden sich außerdem die ersten schriftlichen Erwähnungen von Lauter („Lutihara“) und Siebersbach („Siurenesbach“).Landesarchiv Baden-Württemberg: Württembergisches Urkundenbuch Online. Band I., Nr. 219, S. 259–260; Stand 28. Dezember 2025. https://www.wubonline.de/?wub=337

1464 wurde die Grafschaft Löwenstein kurpfälzisch. 1488 belehnte Kurfürst Philipp der Aufrichtige seinen Vetter Ludwig mit der Grafschaft. im Zuge des Landshuter Erbfolgekriegs 1504 wurde die Grafschaft (und damit auch das Dorf Sulzbach) von Württemberg besetzt und kam 1510 endgültig unter württembergische Oberhoheit, blieb jedoch weiterhin Sitz des Amtes Sulzbach-Fornsbach. 1611 gelangte Sulzbach an die Linie Löwenstein-Wertheim-Freudenberg. Mit dem Reichsdeputationshauptschluss wurde Sulzbach 1805 endgültig württembergisch.

1844 erfolgte die Abtrennung Fornsbachs. Mit dem Verkauf des Schlosses Lautereck im Jahr 1867 gaben die Grafen von Löwenstein ihren standesherrlichen Besitz auf. Im Königreich Württemberg und im Volksstaat gehörte Sulzbach zum Oberamt Backnang. Bei der Kreisreform während der NS-Zeit in Württemberg gelangte Sulzbach 1938 dann zum Landkreis Backnang. Ab 1945 gehörte die Gemeinde zum Land Württemberg-Baden in der Amerikanischen Besatzungszone und seit 1952 zum neu gegründeten Bundesland Baden-Württemberg. Nach der Auflösung des Landkreises Backnang kam die Gemeinde im Zuge der Kreisreform zum neu gebildeten Rems-Murr-Kreis.

Einige Zeit soll Sulzbach Stadtrecht besessen haben. 1573 erhielt die Gemeinde das Marktrecht, welches bis zum heutigen Tage in Form von drei Jahrmärkten und einem Wochenmarkt ausgeübt wird.

Wie alt ist Sulzbach an der Murr? Lange ging man davon aus, dass eine Urkunde Ludwigs des Frommen aus dem Jahr 817, die die Schenkung des Reichswaldes zwischen Rot- und Lautertal mit der Pfarrei Sulzbach an das Kloster Murrhardt belegen sollte, die älteste Erwähnung des Ortes sei. Diese Urkunde existiert aber nur noch in Form einer Abschrift aus dem späten 12. Jahrhundert, deren Glaubwürdigkeit zunehmend angezweifelt wurde. In der Oberamtsbeschreibung von 1871 heißt es hierzu:

Während die Existenz Sulzbachs also seither nur für die Entstehungszeit der Fälschung um 1160 als gesichert angenommen werden konnte – immerhin scheint das Bestehen der Pfarrei 817 für deren Verfasser selbstverständlich gewesen zu sein –, so hat die neuere Forschung ergeben, dass die Abschrift „nach aller Wahrscheinlichkeit als Vorlage ein – oder zwei? – echtes Ludivicianum“ besessen hat. Zwar findet sich der Name Sulzbach auf einer Inhaltsangabe der Originalurkunde in den Murrhardter Summarien zunächst nicht. Eine Urkunde des Klosters aus dem Jahre 873Landesarchiv Baden-Württemberg: Württembergisches Urkundenbuch Online. Band I., Nr. 147; Stand 24. Oktober 2016. https://www.wubonline.de/?wub=234 bestätigt jedoch weitgehend die Angaben von 817. In der Privilegiensammlung des Klosters haben sich für die Abschrift außerdem zahlreiche Bestätigungsurkunden gefunden. Man kann also davon ausgehen, dass die Stiftung des Reichswaldes mit Sulzbach an das Kloster Murrhardt 817 tatsächlich so stattgefunden hat.

Das Sulzbacher Patrozinium, Ulrich, kann 817 noch nicht bestanden haben und lässt keine Rückschlüsse auf das Alter des Ortes zu. 1277 wird Sulzbach abermals in einer Urkunde erwähnt, wobei es sich allerdings um einen Flurnamen bei Markgröningen handeln soll.Landesarchiv Baden-Württemberg: Württembergisches Urkundenbuch Online. Band VIII., Nr. 2689; Stand 17. Januar 2016. https://www.wubonline.de/?wub=3522 Damit stammt die erste einwandfreie Erwähnung Sulzbachs aus dem Jahr 1295.

Städtebauliche Geschichte Auf einer kleinen Geländeschwelle westlich über diesem Bach liegen hochwassersicher die ältesten Teile des Ortskerns mit den Resten der einstigen Wehrkirchenanlage rund um die markante St.-Ulrichs-Kirche.

Am 29. Mai 1753 vernichtete ein großer Brand zwei Drittel des damaligen Gebäudebestandes nebst Kirche und Rathaus. Lediglich 62 Gebäude blieben vom Brand verschont. Nach dem Brand wurde mit Hilfe einer Kollekte die Kirche 1754 wieder aufgebaut und 1756 eingeweiht. Sie erhielt damals im Wesentlichen ihre heutige Gestalt mit Ausnahme des Turmes, den 1856 ein Blitzschlag traf und der infolgedessen ausbrannte. Vor dem Brand von 1856 war der Turmhelm zwiebelförmig. Wann mit dem Wiederaufbau des Rathauses begonnen wurde, ist unbekannt, es muss aber 1779 fertiggestellt gewesen sein.

Rathaus Das alte Rathaus – wohl ein zweigeschossiger Fachwerkbau über gemauertem Sockelgeschoss – stand auf Höhe der Iltisgasse quer über der Backnanger Straße, die unter einem Torbogen darunter hindurchführte. Erklären lässt sich diese merkwürdige Lage mit einem noch im 18. Jahrhundert dort erwähnten Zollstock, sodass „das Rathausgebäude selbst als Abschrankung zum Einnehmen der Zölle Durchreisender“ gedient haben könnte.