Niederstotzingen ist eine kleine Stadt im Landkreis Heidenheim in Baden-Württemberg. Sie gehört zur Region Ostwürttemberg.
Geographie Niederstotzingen liegt am südöstlichen Rand der Schwäbischen Alb zwischen dem Donautal und dem Lonetal, in einer Höhe von 450 bis . Im Süden liegt das Schwäbische Donaumoos.
Nachbargemeinden Niederstotzingen grenzt im Norden an die Stadt Giengen an der Brenz, im Osten an Sontheim an der Brenz, im Süden an die bayerische Stadt Günzburg, im Westen an Asselfingen im Alb-Donau-Kreis und an die Stadt Herbrechtingen.
Stadtgliederung Die Stadt Niederstotzingen besteht aus den Stadtteilen (Wohnbezirken im Sinne der baden-württembergischen Gemeindeordnung) Niederstotzingen (Wohnbezirk I), Oberstotzingen (Wohnbezirk II), Stetten ob Lontal (Wohnbezirk III), Lontal (Wohnbezirk IV mit dem Weiler Reuendorf). Die offizielle Benennung der Stadtteile erfolgt durch den vorangestellten Namen der Stadt und, durch Bindestrich getrennt, nachgestellt der Name der Stadtteile. Im Stadtteil Stetten ob Lontal liegt die abgegangene Ortschaft Kaltenburg.Hauptsatzung der Stadt Niederstotzingen vom 1. Oktober 2004Das Land Baden-Württemberg. Amtliche Beschreibung nach Kreisen und Gemeinden. Band IV: Regierungsbezirk Stuttgart, Regionalverbände Franken und Ostwürttemberg. Kohlhammer, Stuttgart 1980, ISBN 3-17-005708-1. S. 625–629
Flächenaufteilung
Nach Daten des Statistischen Landesamtes, Stand 2014.Statistisches Landesamt, Fläche seit 1988 nach tatsächlicher Nutzung für Niederstotzingen.
Schutzgebiete
In Niederstotzingen liegen vier Landschaftsschutzgebiete: das Lone- und Hürbetal, das Fahrtal, das Landschaftsschutzgebiet Berg, Magerrasenflächen südwestlich von Niederstotzingen entlang Bahnlinie und der Donaumoosrand mit Hart, Espenbühl, Plon, Lache, Moos.
Niederstotzingen hat darüber hinaus im äußersten Norden einen minimalen Anteil am FFH-Gebiet Giengener Alb und Eselsburger Tal. Der Südliche Teil der Stadtfläche gehört zum Vogelschutzgebiet Donauried.Daten- und Kartendienst der LUBW
Geschichte Bis zum 19. Jahrhundert Die Gemarkung von Niederstotzingen ist bereits seit dem Jungpaläolithikum besiedelt, wie Funde aus der nahegelegenen Vogelherdhöhle zeigen.
Aus keltischer Zeit stammen die Reste einer Viereckschanze und aus römischer Zeit die Reste einer Villa Rustica zwischen Niederstotzingen und Sontheim oberhalb der alten Donaunordstraße, die von Urspring nach Regensburg führte.
Bei Bauarbeiten im Süden der Stadt wurde 1962 ein kleines Gräberfeld aus der zweiten Hälfte des 7. Jahrhunderts entdeckt, auf dem 13 alemannische Adlige mit ihren Tieren und äußerst wertvollen Beigaben bestattet wurden.Niall O’Sullivan et al.: Ancient genome-wide analyses infer kinship structure in an Early Medieval Alemannic graveyard. In: Science Advances. Band 4, Nr. 9, 2018, eaao1262, doi:10.1126/sciadv.aao1262 Nadja Podbregar: DNA gibt Einblicke in Alemannen-Familie. Auf: wissenschaft.de vom 6. September 2018. Es gilt als das bedeutendste Alemannengrab in Deutschland. Bei den Männern handelt es sich um ranghohe Krieger und ihr Gefolge. Die Grabbeigaben sind fränkischen, langobardischen und byzantinischen Ursprungs, dies deutet auf eine „kulturelle Offenheit“ hin und belegt, dass „Mitglieder derselben Familie womöglich unterschiedlichen Kulturen zugewandt waren“.DNA frühmittelalterlicher Alemannen-Krieger und ihres Gefolges entschlüsselt, Pressemitteilung von Eurac Research, 5. September 2018. Genetische Untersuchungen und solche der Knochen auf Herkunftsräume zeigen, dass die hochrangigen Krieger aus verschiedenen europäischen Regionen stammen und offenbar nicht verwandt sind.Michael Price: 1400-year-old warrior burial ground reveals German fighters came from near and far, in: Science Sep. 5, 2018 (Website) sowie Untersuchungsbericht von Niall O’Sullivan et al.: Ancient genome-wide analyses infer kinship structure in an Early Medieval Alemannic graveyard. In: Science Advances. Band 4, Nr. 9, 2018, eaao1262, doi:10.1126/sciadv.aao1262
Der Name „Stotzingin“ tauchte 1143 erstmals urkundlich auf; seine Bedeutung ist unsicher. Nach dem Ort benannte sich im Hochmittelalter das niedere Adelsgeschlecht Stotzingen, das noch besteht und in Niederstotzingen bis um 1330 seinen Sitz hatte. Die Herrschaft ging dann an die Herren von Riedheim über. Kaiser Karl IV. gestattete Wilhelm von Riedheim 1366, Niederstotzingen zur Stadt auszubauen und zu befestigen. Kaiser Sigismund bestätigte 1430 das Stadtrecht, ebenso Kaiser Matthias 1617. Das Stadtrecht hat der Ort mit kurzer Unterbrechung im 19. Jahrhundert behalten.
Um 1400 erwarben die Herren von Leimberg die Herrschaftsrechte, von denen sie 50 Jahre später als Erbe an die Ritter von Westernach übergingen. Diese tauschten Niederstotzingen 1457 mit den Herren vom Stain gegen deren Herrschaft Konzenberg ein. Die Stain bauten die Herrschaft in den folgenden Jahrhunderten aus, erwarben u. a. wichtige Privilegien wie die Befreiung von fremden Gerichten und führten zielstrebig eine Entwicklung zur freien Reichsritterschaft herbei.
Während des Schmalkaldischen Kriegs befand sich 1546 das Hauptquartier Kaiser Karls V. zeitweilig in Niederstotzingen.
1550 teilten die Erben des Bernhard vom Stain die Herrschaft in zwei Teile: die „burgschlossische“ (nach dem älteren Sitz der Ortsherrschaft, dem Burgschloss, benannt) und die „steinhausische“ Hälfte, benannt nach dem Steinhaus, einem jüngeren Herrschaftssitz. 1565 führte Heinrich vom Stain, ein bedeutender Kriegsmann, in seinem Stadtteil die Reformation ein, während sein Bruder mit der steinhausischen Hälfte der alten Religion treu blieb. So war die Untertanenschaft über Jahrhunderte hinweg religiös gespalten; die Niederstotzinger Kirche wurde bis 1960 simultan benutzt.
Nach dem Tod des kinderlosen Heinrich vom Stain 1605 fiel sein Niederstotzinger Teil an seinen Cousin Leopold Karl, der auf dem benachbarten Bächingen saß. Dieser teilte 1624 seine Niederstotzinger Hälfte unter seinen Söhnen noch einmal auf, sodass nun in Niederstotzingen drei näher oder entfernter verwandte Herren regierten. Es gab nebeneinander die katholische steinhausische, die burgschlossische und die neue freihausische Herrschaft (benannt nach einem weiteren Herrenhaus in der Stadt).
Während der steinhausische Teil 1661 an das Kloster Kaisheim verkauft wurde, wurde der jüngste Teil, der freihausische, nach dem Ableben des kinderlosen letzten Besitzers 1799 wieder mit dem burgschlossischen in der Hand des inzwischen zum Grafen aufgestiegenen Karl Leopold vom Stain vereint. Als auch der 1809 ohne Nachkommen starb, erbte sein Neffe Joseph Alexander Graf von Maldeghem die Territorien (neben Niederstotzingen auch Riedhausen) und sein neu erbautes Schloss. Das Schloss Niederstotzingen ist noch in Händen dieser Familie, die im Laufe der Zeit ihre Besitzungen durch den Ankauf der benachbarten Güter Oberstotzingen und Stetten beträchtlich erweiterte.
Größere Brandkatastrophen mit bis zu einhundert zerstörten Gebäuden sind aus den Jahren 1579, 1622, 1725 und 1773 überliefert.
Nach der Mediatisierung mini|Niederstotzingen um 1900 Von 1803 bis 1806 fielen die Orte auf der heutigen Gemarkung Niederstotzingen an das 1806 errichtete Königreich Bayern. Gemäß dem Grenzvertrag zwischen Bayern und Württemberg gelangte Niederstotzingen zum Königreich Württemberg und gehörte bis 1819 zum Oberamt Albeck, welches danach ins Oberamt Ulm eingegliedert wurde. Im Jahre 1824 ereignete sich abermals eine größere Brandkatastrophe. 1848 wurde das verlorene Stadtrecht von der württembergischen Regierung wiederhergestellt. 1875 erfolgte mit dem Weiterbau der Brenzbahn von Heidenheim der Anschluss an das Streckennetz der Württembergischen Eisenbahn. 1876 war auch der Streckenabschnitt bis Ulm fertiggestellt.
1914 wurde in Niederstotzingen ein großes Pumpwerk der Landeswasserversorgung und für dessen Stromversorgung die erste 110-kV-Hochspannungsleitung in Württemberg errichtet.
Bei der Verwaltungsreform vom 25. April 1938 während der NS-Zeit in Württemberg gelangte Niederstotzingen zum Landkreis Heidenheim. Nach dem Zweiten Weltkrieg geriet die Stadt in die Amerikanische Besatzungszone und gehörte somit zum neu gegründeten Land Württemberg-Baden, das 1952 im jetzigen Bundesland Baden-Württemberg aufging. Eine nennenswerte Industrialisierung in Niederstotzingen erfolgte erst in der Nachkriegszeit.
Religionen Der überwiegende Teil der Gemeinde ist katholischer Konfession (die Hälfte von Niederstotzingen, Oberstotzingen, Stetten, Lontal). Die evangelische Gemeinde entstand 1565. Es existiert auch eine neuapostolische Gemeinde.
Einwohnerentwicklung Die Einwohnerzahlen nach dem jeweiligen Gebietsstand sind Schätzungen, Volkszählungsergebnisse (¹) oder amtliche Fortschreibungen des Statistischen Landesamtes Baden-Württemberg (nur Hauptwohnsitze).
Jahr Einwohner 1. Dezember 1871 1983 1. Dezember 1880 2142 1. Dezember 1890 1958 1. Dezember 1900 1905 1. Dezember 1910 1957 16. Juni 1925 2027 16. Juni 1933 2050 17. Mai 1939 2120 13. September 1950 3105 6. Juni 1961 3407 Jahr Einwohner 27. Mai 1970 3662 31. Dezember 1980 3870 25. Mai 1987 4012 31. Dezember 1990 4326 31. Dezember 1995 4812 31. Dezember 2000 4913 31. Dezember 2005 4905 31. Dezember 2010 4645 31. Dezember 2015 4611 31. Dezember 2020 4721
Eingemeindungen Am 1. März 1972 wurden Oberstotzingen und Stetten ob Lontal nach Niederstotzingen eingemeindet.
Politik
Gemeinderat In Niederstotzingen wurde der Gemeinderat bis 2019 nach dem Verfahren der unechten Teilortswahl gewählt. Dabei konnte sich die Zahl der Gemeinderäte durch Überhangmandate verändern. 2023 wurde die unechte Teilortswahl abgeschafft. Der Gemeinderat besteht jetzt aus den 14 gewählten ehrenamtlichen Gemeinderäten und dem Bürgermeister als Vorsitzendem. Der Bürgermeister ist im Gemeinderat stimmberechtigt.
Die Kommunalwahl am 9. Juni 2024 führte zu folgendem Ergebnis:Wahlinformationen des Kommunalen Rechenzentrums Stuttgart
Parteien und Wählergemeinschaften %2024 Sitze2024 %2019 Sitze2019CDUChristlich Demokratische Union Deutschlands-Wählerblock35,63538,37BWIBürger- und Wählerinitiative32,94536,57SPDSozialdemokratische Partei Deutschlands29,59425,25FDPFreie Demokratische Partei1,840––Gesamt1001410019Wahlbeteiligung63,04 %61,0 %
Bürgermeister Am 19. Juni 2016 wurde Marcus Bremer mit 72,2 Prozent der Stimmen zum Bürgermeister gewählt. Er trat das Amt am 1. September 2016 an. Am 7. Juli 2024 wurde er bei einer Wahlbeteiligung von 42,26 Prozent mit 99,3 Prozent der Stimmen für eine zweite Amtszeit wiedergewählt. Zuvor war von 1988 bis 2016 Gerhard Kieninger Bürgermeister.
Wappen
Wappen der ehemals eigenständigen Gemeinden und heutigen Stadtteile
Partnerschaften Niederstotzingen unterhält partnerschaftliche Beziehungen zu Stotzing im Burgenland in Österreich seit 1983 und zu Bages in der Nähe von Perpignan in Frankreich seit 1992.
Wirtschaft und Infrastruktur Verkehr Die Stadt ist über die sieben Kilometer entfernte Auffahrt Niederstotzingen der Bundesautobahn 7 (Flensburg–Füssen) an das überregionale Straßennetz angebunden. Landes- und Kreisstraßen schaffen die Verbindung zu den Nachbarorten.
Niederstotzingen liegt an der Bahnstrecke Aalen–Ulm und gehört dem Heidenheimer Tarifverbund an. Zwei Buslinien besorgen den öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) mit den Nachbargemeinden und Städten.
Durch eine Alltagsroute aus dem Radnetz Baden-WürttembergDas RadNETZ Baden-Württemberg auf www.radroutenplaner-bw.de ist Niederstotzingen über Bahnhof Rammingen und Langenau mit Ulm verbunden sowie in der anderen Richtung über Sontheim an der Brenz, Hermaringen und Giengen mit Heidenheim. In Sontheim besteht ein Abzweig Richtung Bächingen und Gundelfingen an der Donau.
Durch die Gemeinde verläuft als Radfernweg der Württemberger Tälerradweg. Er führt von Crailsheim über Aalen, Heidenheim, Giengen und Niederstotzingen nach Ulm und weiter über Göppingen nach Schwäbisch Gmünd.
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