mini|Luftbild von Burgstetten (1983) Burgstetten ist eine Gemeinde im Rems-Murr-Kreis in Baden-Württemberg. Sie gehört zur Region Stuttgart (bis 1992 Region Mittlerer Neckar) und zur Randzone der europäischen Metropolregion Stuttgart. Der Sitz der Gemeindeverwaltung ist in Burgstall.

Geographie Geographische Lage Burgstetten liegt im Nordwesten des Rems-Murr-Kreises zwischen der Großen Kreisstadt Backnang im Osten und Marbach am Neckar im Westen. Naturräumlich gehört das Gemeindegebiet zum Neckarbecken und liegt in dessen nordöstlicher Ausbuchtung, der Backnanger Bucht. Die Gemeinde befindet sich im Murrtal in 212 bis 321 Metern Höhe. Die Landschaft ist durch Höhenunterschiede gekennzeichnet, die vom tief eingeschnittenen Talboden der Murr steil auf die umliegenden Anhöhen ansteigen.

Neben der Murr, die entlang des nördlichen Gemeindegebiets verläuft, wird die Gemeinde durch mehrere kleinere Zuflüsse und Seitentäler gegliedert. Der Ortsteil Erbstetten befindet sich zwischen dem Maubach im Osten und dem Söllbach im Westen. Südwestlich des Hauptortes liegt das Naturschutzgebiet Buchenbachtal. Der dort verlaufende Buchenbach mündet an der westlichen Gemeindegrenze auf einer Höhe von in die Murr und markiert zugleich den tiefsten Punkt des Gemeindegebiets.

Nachbargemeinden Im Nordwesten grenzt Burgstetten an die Gemeinde Kirchberg an der Murr. Im Nordosten und Osten teilt die Gemeinde ihre Grenze mit der Großen Kreisstadt Backnang. Hierbei schließt Burgstetten direkt an verschiedene Backnanger Gemarkungen an, darunter Schöntal (mit Ober-, Mittel- und Neuschöntal), Germannsweiler, den Ortsteil Maubach und den Weiler Stiftsgrundhof. Südlich benachbart liegt die Gemeinde Leutenbach, zu der die direkt angrenzenden Ortsteile Nellmersbach und Weiler zum Stein, sowie der Heidenhof gehören. Im Westen grenzt Burgstetten an die Gemeinde Affalterbach, die bereits zum benachbarten Landkreis Ludwigsburg gehört. Auf Affalterbacher Seite befindet sich in Grenznähe der Ortsteil Wolfsölden.

Gemeindegliederung Die Gemeinde Burgstetten mit den Ortsteilen Burgstall an der Murr und Erbstetten besteht aus folgenden Dörfern, Weilern und Wohnplätzen:

Zu Burgstall gehören das Dorf Burgstall an der Murr und der Wohnplatz Neumühle. Zu Erbstetten gehören das Dorf Erbstetten und der Weiler Kirschenhardthof.Das Land Baden-Württemberg. Amtliche Beschreibung nach Kreisen und Gemeinden. Band III: Regierungsbezirk Stuttgart, Regionalverband Mittlerer Neckar. Kohlhammer, Stuttgart 1978, ISBN 3-17-004758-2. S. 511–512

Auf dem Gebiet von Erbstetten lag der abgegangene Ort Austrenhausen. Auf Burgstaller Gemarkung lag die abgegangene Burgstaller Schleifmühle.

Flächenaufteilung

Nach Daten des Statistischen Landesamtes, Stand 2014.Statistisches Landesamt, Fläche seit 1988 nach tatsächlicher Nutzung für Burgstetten.

Geschichte Gemeindefusion Die Gemeinde Burgstetten entstand am 1. August 1971 im Zuge der Gemeindereform in Baden-Württemberg durch den Zusammenschluss der beiden zuvor selbständigen Gemeinden Burgstall an der Murr und Erbstetten. Die Fusion war nicht unumstritten, da viele Einwohner Erbstettens einen Zusammenschluss mit Backnang anstrebten. Der Ortsteil Kirschenhardthof gehörte bereits seit 1882 zu Erbstetten. Den Namenszusatz an der Murr führte Burgstall seit dem 7. Dezember 1964. 1973 erfolgte die Kreisreform in Baden-Württemberg, bei der die Gemeinde Burgstetten vom aufgelösten Landkreis Backnang zum neuen Rems-Murr-Kreis kam.

Burgstall an der Murr

40px|links Burgstall wurde 1301 erstmals urkundlich erwähnt. Der Name ist vermutlich auf eine befestigte Anlage in der Römerzeit oder auf eine mittelalterliche Burg zurückzuführen. Der Ort war ursprünglich zwischen Württemberg und dem Stift Backnang geteilt, bevor Württemberg 1453 den ganzen Ort durch Tausch in seinen Besitz bekam und in das Amt Marbach eingliederte. Bei der Neugliederung des jungen Königreichs Württemberg am Anfang des 19. Jahrhunderts blieb die Zugehörigkeit von Burgstall zum Oberamt Marbach bestehen. Bei der Kreisreform während der NS-Zeit in Württemberg gelangte Burgstall 1938 zum Landkreis Backnang.

Erbstetten

40px|links Erbstetten wurde im Jahr 794 anlässlich einer Schenkung an das Kloster Lorsch im Lorscher Codex als Stetin erstmals urkundlich erwähnt. Im 13. Jahrhundert hatte das Esslinger Spital und das Stift Backnang Güter und Rechte, die 1453 von Württemberg erworben wurden. Erbstetten gehörte bis 1938 zum Oberamt Marbach, anschließend zum Landkreis Backnang. Das örtliche Wappen zeigt in Blau ein mit goldenen Wimpern versehenes Auge mit blauer Iris.

Eine Kirche wird in Erbstetten bereits 1287 erstmals genannt. Über die Grafen von Löwenstein kam sie an das Kloster Lichtenstern. 1474 wurde die spätgotische Chorturmkirche verändert. Der Chor hat ein Netzrippengewölbe, die Nordkapelle von 1568 ist kreuzrippengewölbt. 1584 wird die jetzt evangelische Kirche Laurentiuskirche genannt. Das Schiff wurde 1607 und 1621 nach Norden und Westen erweitert, eine West- und Nordempore mit Ausrichtung auch des Parterre-Gestühls auf die Kanzel an der Südwand zu einer Querkirche erweitert und die Kirche insgesamt 1864, 1936 durch Architekt Werner Klatte und 1956 ff renoviert.Kurt Schaal: Laurentiuskirche Erbstetten; hg. Evangelische Kirchengemeinde Erbstetten; Burgstetten 1980 Der Taufstein und das Altarkreuz sind spätgotisch. Eine Glocke der Kirche wurde 1503 von Pantlion Sydler aus Esslingen gegossen. Die Kirchengemeinde verfügt auch über ein Gemeindehaus. Bis 1939 gehörte die Kirchengemeinde Erbstetten zum Kirchenbezirk Marbach. Mit Wirkung vom 1. April 1939 wurde sie in den Kirchenbezirk Backnang umgegliedert.

Nachkriegsentwicklung 1945 bis 1952 gehörten Burgstall und Erbstetten zum Nachkriegsland Württemberg-Baden, das 1945 in der Amerikanischen Besatzungszone gegründet worden war. 1952 gelangten die Gemeinden zum nachfolgenden Bundesland Baden-Württemberg.

Einwohnerentwicklung Es handelt sich um Einwohnerzahlen nach dem jeweiligen Gebietsstand. Die Zahlen sind Volkszählungsergebnisse (¹) oder amtliche Fortschreibungen des Statistischen Landesamtes Baden-Württemberg (nur Hauptwohnsitze). Jahr Einwohner 1. Dezember 1871 ¹ 1147 1. Dezember 1880 ¹ 1247 1. Dezember 1890 ¹ 1282 1. Dezember 1900 ¹ 1244 1. Dezember 1910 ¹ 1243 16. Juni 1925 ¹ 1248 16. Juni 1933 ¹ 1327 17. Mai 1939 ¹ 1388 13. September 1950 ¹ 1880 6. Juni 1961 ¹ 2262 Jahr Einwohner 27. Mai 1970 ¹ 2656 31. Dezember 1980 2959 25. Mai 1987 ¹ 2939 31. Dezember 1990 2989 31. Dezember 1995 3234 31. Dezember 2000 3358 31. Dezember 2005 3406 31. Dezember 2010 3390 31. Dezember 2015 3635 31. Dezember 2020 3666

Politik Gemeinderat Der Gemeinderat in Burgstetten hat 12 Mitglieder. Der Gemeinderat besteht aus den gewählten ehrenamtlichen Gemeinderäten und der Bürgermeisterin als Vorsitzende. Die Bürgermeisterin ist im Gemeinderat stimmberechtigt. Die Kommunalwahl am 9. Juni 2024 führte zu folgendem Endergebnis:

Parteien und Wählergemeinschaften %2024 Sitze2024 %2019 Sitze2019FWVFreie Wählervereinigung Burgstetten56,7754,77BVBürgervereinigung Burgstetten43,3545,35gesamt100,012100,012Wahlbeteiligung68,7 %64,5 %

Bürgermeister 1960–1979: Erich Schneider (CDU) 1979–1995: Hans-Ulrich Stäbler seit 1995: Irmtraud Wiedersatz

Wirtschaft und Infrastruktur mini|Burgstetten, Burgstall (Murr) mini|Burgstall 1683/1685 im Kieserschen Forstlagerbuch mini|Erbstetten 1683/1685 im Kieserschen Forstlagerbuch

Öffentliche Einrichtungen Das Rathaus befindet sich im Ortsteil Burgstall in der Rathausstraße. Bis 2020 bestand zudem eine Verwaltungsstelle im Rathaus Erbstetten. Diese wurde jedoch nach vorübergehender Schließung im Jahr 2025 aus Kosten- und Personalgründen endgültig aufgegeben. Anliegen werden nun zentral im barrierefreien Rathaus Burgstall bearbeitet. Trauungen im historischen Gebäude bleiben weiterhin möglich und auch ein Briefkasten am Gebäude bleibt bestehen.

Der Bauhof der Gemeinde wurde im Zuge eines Förderprogramms im Gewerbegebiet "Wasenäcker" angesiedelt.

Die Freiwillige Feuerwehr Burgstetten ist seit dem Jahr 2012 in einem Feuerwehrhaus in der Rilkestraße untergebracht.

Bildung Die Gemeinde verfügt über eine Grundschule, die mit je einem Schulhaus in den beiden Teilorten Burgstall und Erbstetten vertreten ist. Sie gehören organisatorisch zu einer gemeinsamen, zweizügigen Grundschule und werden zentral geleitet.

Für die frühkindliche Bildung gibt es mehrere Kindergärten in den beiden Ortsteilen Burgstall und Erbstetten.

Weiterführende Schulen sind vor Ort nicht vorhanden, weshalb die Schüler zumeist auf Bildungseinrichtungen in den Nachbarstädten wie Backnang oder Marbach ausweichen.

Versorgung Im Ortsteil Burgstall wurde im Jahr 2021 ein Lebensmittelmarkt der Kette Rewe mit integriertem Bäckerei- und Metzgereibetrieb eröffnet. Darüber hinaus bestehen weitere kleinere Nahversorgungsangebote. Ein im Bereich des Bahnhofs Burgstall gelegener kleinerer Lebensmittelmarkt der Kette Bonus-Markt wurde bereits im Jahr 2015 geschlossen.

In Burgstetten bestehen keine dauerhaft personell besetzten Bank-Filialen mehr. Stattdessen gibt es Automatenstandorte. In Burgstall befindet sich ein Standort der Kreissparkasse Waiblingen. Eine Volksbank-Geschäftsstelle besteht dort nicht mehr. Im Ortsteil Erbstetten ist ein Volksbank-Standort als SB-Angebot vorhanden.

Die frühere Postfiliale in einem Schreibwarengeschäft wurde geschlossen. Seit Oktober 2025 steht im Ortsteil Burgstall eine Poststation zur Verfügung, über die grundlegende Postdienstleistungen angeboten werden.

Senioreninfrastruktur und Tagespflege Mit den beiden Standorten des „Haus Elim“ verfügt die Gemeinde über Einrichtungen der Altenpflege und Betreuung.

Im Jahr 2011 wurde im Neubaugebiet Kreuzäcker in Erbstetten das Alten- und Pflegeheim in Betrieb genommen. Diese Einrichtung bietet Plätze für die Dauer- und Kurzzeitpflege und verfügt zudem über einen geschützten Wohnbereich für Menschen mit demenziellen Erkrankungen. An das Pflegeheim angegliedert sind barrierefreie Senioren-Bungalows und betreute Wohnungen.

Um das Angebot der häuslichen Pflege zu ergänzen, wurde die Senioreninfrastruktur 2020 durch einen weiteren Standort im Ortsteil Burgstall erweitert. Gegenüber dem Feuerwehr-Gerätehaus entstand ein neues Gebäude, in dessen Erdgeschoss eine Tagespflegeeinrichtung mit 30 Plätzen eingerichtet wurde. In den oberen Etagen dieses Hauses befinden sich weitere Wohnungen für das Betreute Wohnen.

Wasserversorgung Ehemals wurde die Gemeinde primär über den Zweckverband Wasserversorgung Söllbachgruppe mit Trinkwasser versorgt. Um jedoch eine dauerhaft hohe Wasserqualität, eine Verringerung der Wasserhärte und eine höhere Versorgungssicherheit zu gewährleisten, wurde die Söllbachgruppe im Zuge der "Trinkwasserkonzeption nördlicher Rems-Murr-Kreis" aufgelöst. Burgstetten schloss sich daraufhin dem überregionalen Zweckverband Wasserversorgung Nordostwürttemberg (NOW) an.​

Das Wasserwerk Murrtal entstand auf Erbstettener Markung. Nach dem Spatenstich im September 2017 nahm das Werk im August 2020 den Betrieb auf und wurde im Juli 2022 offiziell eingeweiht. In diesem Wasserwerk wird seither das Rohwasser aus rund 55 Brunnen und Quellen der Region aufbereitet, enthärtet und anschließend an rund 70.000 Menschen im nördlichen Rems-Murr-Kreis verteilt.

Darüber hinaus modernisierte die Gemeinde Burgstetten auch ihre lokale Wasserinfrastruktur. Im Oberdorf von Burgstall wurde ein neuer Hochbehälter als sogenannter Druckunterbrecher errichtet, um einen konstanten Wasserdruck in der unteren Versorgungszone zu gewährleisten. Für die Aussiedlerhöfe wie "Auf den Rüdern" (Burgstall) und "Im Neugreut" (Erbstetten) wurde die Leitungsinfrastruktur erneuert; zudem stellte die Gemeinde durch den Bau neuer Löschwasserbehälter in diesen Außenbereichen den Brandschutz sicher. Finanziell gefördert wurden diese umfangreichen Neuausrichtungen durch Zuschüsse des Landes Baden-Württemberg.