mini|Augusteum und Alte HunteDas Augusteum ist ein denkmalgeschütztes Museumsgebäude in Oldenburg in Niedersachsen. Als eine der ersten öffentlichen Museumsbauten im norddeutschen Raum wurde es 1867 fertiggestellt. Es gehört als Standort der „Galerie Alte Meister“ zum Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte Oldenburg und befindet sich an der Elisabethstraße 1. Zu den Exponaten gehören unter anderem Meisterwerke niederländischer, italienischer, deutscher und französischer Malerei des 15. bis 18. Jahrhunderts.

Geschichte Die Entstehung des Augusteums geht auf eine Stiftung des Oldenburger Großherzogs Nikolaus Friedrich Peter (1827–1900) zurück. Er widmete es seinem Vater, dem Großherzog Paul Friedrich August (1783–1853), wodurch der Museumsbau seinen Namen erhielt.

An der Planung und Gestaltung des Gebäudes waren der Architekt Ernst Klingenberg (1830–1918), der Bildhauer Diedrich Samuel Kropp (1824–1913) als auch der Maler Christian Griepenkerl (1839–1916) beteiligt. Das Gebäude wurde von 1865 bis 1867 an der Mühlenhunte, genannt Schlossgraben, südlich des Oldenburger Schlosses errichtet.

In dem Gebäude wurden sowohl die großherzogliche Sammlung als auch die Ausstellungsräume des Oldenburger Kunstvereins untergebracht, der sich bereits 1843 gründete. Zu jener Zeit befand sich im Keller eine Dienstwohnung sowie die Arbeitsräume des Konservators Richard tom Dieck.

Den Grundstock der Sammlung legte Herzog Peter Friedrich Ludwig (1755–1829) bereits 1804 mit dem Erwerb der aus 86 Gemälden bestehenden privaten Bildersammlung des Malers Johann Heinrich Wilhelm Tischbein. Unter Großherzog Nikolaus Friedrich Peter (1827–1900) wurde die Sammlung durch weitere Ankäufe erweitert. Er war es, der 1867 den Bau des Augusteums als öffentliche Gemäldegalerie ermöglichte.

Großherzog Friedrich August verkaufte ab 1919 einen Teil des Kunstbesitzes, der ihm nach der Abdankung als privates Eigentum überlassen worden war. Darunter befand sich ein Drittel der ehemaligen Großherzoglichen Gemäldegalerie aus dem Augusteum. Die Gemälde führte er 1919 mit Hilfe des oldenburgischen Industriellen Georg Bölts in die Niederlande aus. Es handelte sich um wertvolle Werke berühmter Meister, unter anderem von Rembrandt van Rijn.

1908 zeigten die Expressionisten Karl Schmidt-Rottluff und Erich Heckel ihre erste gemeinsame Ausstellung im Augusteum.

Gebäude

Architektur mini|Prinzenpalais (links) und Augusteum (rechts) von der Mühlenhunte aus betrachtet (2024) Der zweigeschossige Backsteinbau mit sieben Achsen steht auf einem Kellersockel und wird von einem Walmdach abgeschlossen. In der Mitte der Fassade befindet sich das Portal, das von gekuppelten korinthischen Säulen auf Postamenten eingefasst wird. Darüber liegt ein verkröpftes Gebälk mit der Inschrift „AUGUSTEUM“. Den Abschluss bilden zwei sitzende Figuren, die als Allegorien der Malerei und der Bildhauerei gestaltet und von Dietrich Kropp geschaffen wurden.

Der Sockel ist mit einer Quaderverkleidung versehen. Aus Werkstein bestehen außerdem die Rahmung des Portals, die Balusterbrüstungen sowie die Mittelsäulchen und das Couronnement der gekuppelten Fenster des Obergeschosses. Auch der Fries des Kranzgesimses ist aus Werkstein gefertigt und mit festontragenden Putten geschmückt. Die übrige Fassadengliederung besteht aus Backstein. Dazu gehören schmale Profile um die Bögen der rundbogigen Fenster, horizontale Bänder im Erdgeschoss, ein geschossteilender Fries mit Zahnschnitt sowie ein hohes Kranzgesims mit auskragendem Konsolfries. Bis 1875 befand sich darüber eine Balustrade mit 19 festontragenden Putten.

Treppenhaus Christian Griepenkerls Ausmalung des Treppenhauses im Oldenburger Augusteum wurde zum Hauptwerk monumentaler Wand- und Deckenmalerei im Lande. Die Anbringung der durch Großherzog Nikolaus Friedrich Peter gestifteten künstlerischen Ausschmückung konnte wegen Geldmangels allerdings erst 1877/1878 erfolgen, als Griepenkerl bereits Professor an der Akademie der bildenden Künste Wien geworden war und dort mehrere große Dekorationsaufträge ausgeführt hatte. Der Ausmalung des Augusteums war ein Wettbewerb vorausgegangen, an dem sich auch der Delmenhorster Arthur Fitger beteiligt hatte.

Das Deckengemälde zeigt insgesamt neun Szenen allegorischen und mythologischen Inhalts, die in das Thema Kunst einführen. Auf den Wandgemälden stellte Griepenkerl Künstler von der Antike bis zum 19. Jahrhundert dar. Griepenkerl sah für die Dekoration des verhältnismäßig großen und durch beide Geschosse hindurchgehenden Treppenhauses ein in Bilderfelder aufgeteiltes Deckengemälde sowie an drei Wandseiten Figurendarstellungen in anderem Maßstab vor. Als Thema war die Entwicklung der bildenden Kunst auf historischer Grundlage vorgegeben.

Griepenkerl ging bei der Decke von einer zentral-symmetrischen Aufteilung aus, in deren rundem Mittelfeld Venus Urania als Allegorie der bildenden Kunst ihren Platz erhielt, während in den umgebenden rechteckigen Feldern vier Themen aus der Prometheussage, in den kleinen Rundfeldern der Ecken Putten mit Attributen bildender Künste Aufnahme fanden. An die Wandflächen gelangten Kunstheroen aller Epochen von homerischer Zeit bis zur Gegenwart, wobei neben dem Architekten des Gebäudes auch die mit Oldenburg verbundenen Künstler Ernst Willers, Carl Rahl, Theophil von Hansen und Griepenkerl selbst verewigt worden sind. Die Treppenhausmalereien wurden so auch zu einem Dokument des Beharrens an künstlerischen Traditionen, an deren Gültigkeit weder bei den Auftraggebern noch beim ausführenden Künstler Zweifel bestanden.

„Galerie Alte Meister“ Die großherzogliche Gemäldesammlung hatte bis 1918 ihren festen Platz im Augusteum. Nach der Abdankung des letzten Großherzogs Friedrich August gelangte sie 1919 außer Landes und wurde zum Verkauf angeboten. Zu den veräußerten Gemälden gehörte das Gemälde Der gefesselte Prometheus von Peter Paul Rubens.NWZ.de: Prometheus ist wieder da, 8. November 2019 Zwei Drittel konnten vom Oldenburgischen Staat im Jahr 1920 zurück erworben werden. Zudem gelang es vereinzelt, Verlorengegangenes wieder zurückzuholen. Einige hochrangige Bilder, die heute unter anderem das Amsterdamer Rijksmuseum schmücken, hat das Augusteum als bleibende Verluste zu beklagen.

Seit 1981 wird das Augusteum nach Jahren der Zweckentfremdung wieder als Ausstellungshaus genutzt. Von 2013 bis 2015 wurde das Gebäude umfassend saniert. Seit Dezember 2015 ist es wieder als „Galerie Alte Meister“ des Landesmuseums geöffnet.Museum Augusteum in Oldenburg: Unerhörte Geheimnisse der Augenschule. In: FAZ vom 25. Dezember 2015, abgerufen am 25. Dezember 2015.

Literatur Sebastian Dohe, Malve Anna Falk, Rainer Stamm: Die Gemäldegalerie Oldenburg. Eine europäische Altmeistersammlung. Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte Oldenburg, Michael Imhof Verlag, Petersberg 2017. Sebastian Dohe, Malve Anna Falk: Out of sight, out of mind: The (almost) forgotten fate of the grand-ducal gallery of Oldenburg. In: Journal of the History of Collections 32 (2020), S. 491–502 Regina Dielmann: Die Treppenhausgemälde von Christian Griepenkerl im Augusteum zu Oldenburg. Prüfungsarbeit Universität Oldenburg 1986. Oliver Gradel: Das Augusteum in Oldenburg. Großherzogliches Kunstmuseum und Ausstellungshalle des Oldenburger Kunstvereins (1867–1918). Isensee, Oldenburg 1998, ISBN 3-89598561-9. Das Augusteum. Isensee, Oldenburg 2003, ISBN 3-89995027-5.

Weblinks

Augusteum auf der Website des Landesmuseums für Kunst und Kulturgeschichte Oldenburg

Einzelnachweise

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