mini|150px|Zirkel der Hannovera Heidelberg Das Corps Hannovera Heidelberg entstand 1810 im Zuge des Auszugs der Göttinger Studentenschaft infolge der Gendarmen-Affäre des Jahres 1809Hanna Feesche, Robert Mueller-Stahl: Ein Ritt mit Folgen. Die Göttinger Gendarmen-Affäre (1809). In: Franz Walter/Teresa Nentwig (Hrsg.): Das gekränkte Gänseliesel - 250 Jahre Skandalgeschichten in Göttingen. V&R Academic, Göttingen 2016, S. 40–47. als Filialcorps des Corps Hannovera Göttingen. Die Farben dieses Corps waren mit „roth-blau“ ebenso mit denen des Göttinger Muttercorps identisch wie der Wahlspruch „Nunquam retrorsum“.
Geschichte mini|hochkant|Der Heidelberger SC-Comment von 1810 verwendete erstmals den Begriff Corps mini|hochkant|Porzellanpfeifenkopf des Corps Hannovera Heidelberg (1811) mit dem Schlägerwappen des Corps und dem Wahlspruch „Nunquam retrorsum“ Die aus Göttingen nach Heidelberg gewechselten Angehörigen der Hannovera Göttingen bildeten an der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg im Oktober 1809 zunächst eine Tischgesellschaft, die sich im Frühjahr 1810 als Corps konstituierte. Dieses bestand nur kurz während der Franzosenzeit von 1810 bis 1812 im Heidelberger Senioren-Convent und erlosch im Dezember 1812 mit dem Studienende der meisten seiner Mitglieder beziehungsweise deren Rückkehr an die Universität Göttingen. Das genaue Stiftungsdatum der Hannovera Heidelberg steht nicht fest, sicher ist jedoch aus Stammbucheinträgen zu ersehen, dass die Hannoveraner bereits am 22. März 1810 beim Sturm auf das Kommershaus der Westphalen beteiligt waren und in den Auseinandersetzungen dieser Tage eine Rolle spielten.Dazu aus Sicht der an den Tumulten in Heidelberg maßgeblich beteiligten Corpslandsmannschaft der Kurländer: Wilhelm Schack-Steffenhagen: Die Convente der Curonia an den Universitäten Deutschlands 1801–1831. In: Festschrift der Curonia. Bonn 1958, S. 146 ff. So heißt es in einem Eintrag des Heidelberger Hannoveraners Theodor Werlhof im Stammbuch Reinicke „Wir ziehen mit Stangen und Stelzen gegen die Westphalen und Rheinländer“,Stadtmüller, Geschichte des Corps Hannovera, S. 44. es galt also der Knüppelcomment. Hannovera gehörte zu den fünf Corps, die den Heidelberger SC-Comment vom 1. Juni 1810Vgl. Das Corpsleben in Heidelberg während des neunzehnten Jahrhunderts. Festschrift zum Fünfhundertjährigen Jubiläum der Universität. Heidelberg 1886, S. 22. Abschrift des Comments von F. A. Pietzsch nach Original im Archiv des Corps Suevia Heidelberg in KösA S 2 Nr. 261 unterzeichneten, in dem erstmals der Begriff „Corps“ verwandt wurde,Rudolf Haas, Hansjörg Probst: Die Pfalz am Rhein: 2000 Jahre Landes-, Kultur- und Wirtschaftsgeschichte. 4. Auflage, Südwestdeutsche Verlagsanstalt, Mannheim 1984, S. 170 f ISBN 3-87804-159-4 und hatte nach dem Stand der heutigen (2014) studentengeschichtlichen Forschung in der Zeit ihres kurzen Bestehens 50 namentlich bekannte Mitglieder, die zum überwiegenden Teil vorher oder hinterher auch Mitglied des Göttinger Corps Hannovera waren. Die Hannoveraner verstärkten sich in Heidelberg, aus der Liste deutlich erkennbar, um weitere norddeutsche Studenten aus dem Herzogtum Oldenburg und aus der damals Freien Hansestadt Lübeck, gewannen aber auch Mitglieder aus dem Großherzogtum Baden.
Die vom Heidelberger Prorektor Jacob Fidelis Ackermann verfügten Verfolgungen der Heidelberger Corps im Juni 1810 überstanden die Hannoveraner im Gegensatz zu den anderen Heidelberger Corps zunächst relativ unbeschadet, weil sie es verstanden, sich mit dem mit den Untersuchungen beauftragten Regierungsdirektor Manger aus Karlsruhe zu arrangieren.Richard August Keller: Geschichte der Universität Heidelberg (Lit.) Sie zogen sich zu einer Pfingstreise in den Odenwald zurück.Stadtmüller (1963), S. 45 f. In der folge kam es jedoch erneut zu Unruhen und Zusammenstößen mit den Vandalen, die im September 1810 auch zur Relegation einiger Hannoveraner führte. Unter dem liberalen Göttinger Prorektor Thomas Christian Tychsen lebte im Wintersemester 1810/11 das Leben der Landsmannschaften in Göttingen langsam wieder aufStadtmüller (1963), S. 51 f. und etliche Hannoveraner kehrten daraufhin nach Göttingen zurück, während andere als Juristen ihre Pflichtsemester an der Universität DijonDie 1722 gegründete Universität Dijon war 1796 revolutionsbedingt aufgelöst worden und wurde durch Dekret Napoleons 1806 schwerpunktmäßig als Rechtsschule wieder eröffnet. ableisten mussten, um Kenntnisse des in der Franzosenzeit bedeutsam gewordenen Code civil mit in ihre norddeutschen Heimatstädte nehmen zu können.Die Überlegungen hierzu ergeben sich treffend bei Wilhelm Hayen: Ein oldenburgischer Student der Rechte vor 100 Jahren, in: Jahrbuch für die Geschichte des Herzogtums Oldenburg, Band 21, Stalling, Oldenburg 1913, im dort wiedergegebenen Briefwechsel. Dies bewirkte einen Einbruch im Mitgliederbestand und die nach dem Heidelberger SC-Comment erforderliche Mindestzahl von zwölf Mitgliedern konnte nicht dauerhaft gehalten werden, so dass das Corps vermutlich kurz vor Weihnachten 1812 suspendierte. Nach dem Ende der Befreiungskriege schlossen sich Studenten aus dem Königreich Hannover bevorzugt dem norddeutsch geprägten Corps Guestphalia Heidelberg an.
In Tagebüchern und Biographien nachgewiesen sind in Heidelberg (und auch der gemeinsamen Zeit an der Universität Dijon) entstandene lebenslange Freundschaften der Mitglieder dieses Corps und ihrer Familien.Wolfgang Martens: Heinrich Wilhelm Hayen zu den gesellschaftlichen Kontakten der Oldenburger Corpsmitglieder und zu den Kontakten Hayens mit Eilers in Berlin und Roeck in Lübeck, letztere S. 353 ff.Gerd Eilers: Meine Wanderung durchs Leben, Band 1, S. 85 ff.: Heidelberg und Göttingen in den Jahren 1810–1813, insbes. S. 127 ff. (Digitalisat) Alexander von Dusch und Karl Ludwig Roeck wurden überdies Mitglieder des Harmonischen Vereins, eines Kreises um den Komponisten Carl Maria von Weber, zu dem auch andere Heidelberger Hannoveraner ausweislich Webers Tagebuch Beziehungen pflegten.z. B. Heinrich von Lowtzow als Nachweis der Carl-Maria-von-Weber-Gesamtausgabe Carl Maria von Webers Tagebuchnotizen bestätigen erstmals am 24. März 1810 die oben geschilderten Vorfälle in Heidelberg.Tagebucheintrag v. Weber vom 24. März 1810 in der Weber-Gesamtausgabe; am Folgetag: „bey Dusch habe ich erfahren daß es mit meinem Concert wahrscheinlich nichts sey. die Studenten haben Streit miteinander weil die Courländer den Comment aufheben wollten, worauf sie sämtlich von denen Rheinländern in Verschiß gethan wurden. daher kam gestern weil man Sie nicht aussöhnen konnte Militär hieher...“ Am 9. Oktober 1810 notiert von Weber in einem Brief an Johann Gänsbacher
und dokumentiert damit Relegation und Abgang eines großen Teils der ihm zugeneigten Mitglieder des Corps aus Heidelberg nach den Vorfällen des Septembers 1810 als Verlust.Brief vom 9. Oktober 1810 in der Weber-Gesamtausgabe.
Mitgliederliste Eine vollständige Mitgliederliste des Corps Hannovera Heidelberg ist nicht schriftlich überliefert, sondern eine Rekonstruktion von Studentenhistorikern des 20. Jahrhunderts. Erste Hinweise auf Mitglieder einer Hannovera in Heidelberg geben bereits die Kösener Korps-Listen, die 1910 für die Zeit vom 14. Mai 1810 bis zum Jahr 1811 acht Mitglieder benennen.Kösener Korps-Listen 1910, 112a, Nrn. 1 – 8 Während die ersten Namen aus Eintragungen in studentischen Stammbüchern und dem Heidelberger SC-Comment gewonnen wurden, fand sich auf der Ausstellung „Pressa“ 1928 in Köln der Porzellanpfeifenkopf einer Tabakpfeife mit dem Schlägerwappen der Hannovera Heidelberg und eine Mitgliederliste mit 31 Namen der Jahre 1810/11 auf der Rückseite.Heute im Archiv des Corps Hannovera GöttingenAbbildung bei corpsarchive.de Diese Namensliste belegt die Mitglieder dieses Zeitraums und bot die erforderlichen Forschungsansätze, um im Wege der Auswertung von Stammbüchern, Universitätsakten und sonstigen Dokumenten die Mitgliederliste weiter zu ergänzen.
Wintersemester 1809/10 mini|Karl Ludwig Roeck malte als Dilettant 1810 auf einem studentischen Ausflug die Ersheimer Kapelle in Hirschhorn am Neckar im Stile der Heidelberger Romantik mini|Friedrich Wilhelm Anton Roemer Georg Eduard Julius Friedrich Otto († 1821), Stifter; Advokat in Osterode am Harz Adolph von Voß (1788–1858), hannoverscher Landrat und Politiker Friedrich Wilhelm Anton Roemer (1788–1865), Präsident des Oberappellationsgerichts Oldenburg Ernst Friedrich Georg Hüpeden (1789–1845), hannoverscher Geheimer Finanzrat und Mitglied des Staatsrates des Königreichs Hannover Friedrich Wilhelm Heineken (1787–1848), Syndikus der Freien Hansestadt Bremen Alexander von Dusch (1789–1876), Außenminister des Großherzogtums Baden Heinrich von Lowtzow (1790–1813), Befreiungskämpfer, gefallen in der Schlacht bei GroßgörschenBiographische Daten in der Carl-Maria-von-Weber-Gesamtausgabe Friedrich Detlev Georg Starklof (1788–nach 1841), Amtmann im Amt Kaltenhof Ludwig Starklof (1789–1850), Geheimer Hofrat und Gründer des Oldenburgischen Staatstheaters Ernst Reinecke (1790–1857), hannoverscher Generalauditor und Mitglied der Ständeversammlung des Königreichs Hannover Wilhelm Wehner († 1863), hannoverscher Amtmann Anton Gottlieb Georg Widersprecher (1787–1842), oldenburgischer Geheimer Hofrat und Mitglied des Konsistoriums Johann Heinrich Jakob Schloifer (1790–1867), oldenburgischer Ministerpräsident August von der Decken (1789–1857), hannoverscher Oberstleutnant Friedrich von der Decken (1791–1861), hannoverscher Regierungsrat Moritz Andreas Philipp († 1832), Legationsrat an der Gesandtschaft des Königreichs Hannover in Paris, verstorben an der Cholera 1832 Staats Johann Heinrich Nanne (ca. 1790–nach 1864), Befreiungskämpfer in der King’s German Legion, Rittmeister der Hannoverschen Kavallerie Adolph Eduard Eberhard Ludwig von Duve (1790–1857), Rechtsanwalt, Notar und Historiker Anton Friedrich Heinrich Ludwig Cleve (1789–1848), Stifter und erster Consenior des Corps Hannovera Heidelberg, relegiert wegen seiner Verwickelung in die Tumulte mit dem Corps Vandalia Heidelberg; hannoverscher Amtmann in Coppenbrügge August Julius Gabriel Carl Cleve (1790–1860), hannoverscher Amtmann in Grauhof bei Goslar Friedrich Wilhelm Heise (1791–1862), hannoverscher Landdrost und Geheimer Rat Theodor Heinrich Werlhof (1791–1854), hannoverscher RegierungsratGND=11729621X Georg Hilmar Flügge (1792–1859), Königlich Hannoverscher HofratB. Huelsemann: Geschichte des Königlich-Hannoverschen vierten Infanterie-Regiments, 1863, S. 142 Karl Ludwig Roeck (1790–1869), Lübecker BürgermeisterSein Brief aus Heidelberg an seinen Jugendfreund Friedrich Overbeck in Rom vermittelt den Einblick in die damalige Gedankenwelt eines Studenten der Rechte in Heidelberg, siehe komm. Volltext im Wikisource-Projekt: s:Karl Ludwig Roeck an Friedrich Overbeck, 1810. Ernst von der Wense (1791–1875), hannoverscher Drost Johann Heinrich Silberschlag (1790–1820 in Rom), preußischer Justizrat in MagdeburgGND=11738433X; begraben auf dem Protestantischen Friedhof in Rom; Grabmal erhalten. August Carl Heinrich von Kaufmann (1791–1846), hannoverscher Oberamtmann in Medingen Friedrich August Theodor von dem Bussche (1791–1855), Kammerherr und Intendant des Staatstheaters Hannover Conrad Friedrich Hadrian von Voss (1790–1826), hannoverscher Forstmeister, gestorben im Duell Georg Oehlrich (1792–1870), hannoverscher Landrat Clemens von Althaus (1791–1836), Befreiungskämpfer, Kapitän der Hannoverschen Armee, nach Auswanderung 1819 General der peruanischen Armee Johann Philipp Wilhelm Pfeiffer († nach 1862), Pastor in Bonames bei Frankfurt am Main
Sommersemester 1810 mini|hochkant|Schattenriss des stud. iur. Heinr. Wilh. Hayen, Sekretär der Hannoveraner, Heidelberg 1810 Carl Jacobi (1790–1875), General und Kriegsminister des Königreichs Hannover