mini|Bergbaumuseum Oelsnitz/Erzgebirge

Oelsnitz/Erzgeb. [] ist eine Stadt im Erzgebirgskreis in Sachsen.

Der Zusatz „im Erzgebirge“ wurde 1883 erstmals von der Post genutzt, um Verwechslungen mit der Stadt Oelsnitz im Vogtland zu vermeiden, wenngleich Oelsnitz nicht exakt im Erzgebirge, sondern im Erzgebirgsbecken liegt.

Geografie Die Stadt liegt im Erzgebirgsbecken ca. 14 km östlich von Zwickau und 20 km südwestlich von Chemnitz. Der Ort liegt am Hegebach, einem Zufluss des Lungwitzbaches und an der Würschnitz, einem Zufluss des Flusses Chemnitz.

Nachbargemeinden Angrenzende Städte und Gemeinden sind die Städte Lugau und Stollberg/Erzgeb., die Gemeinden Hohndorf und Niederwürschnitz im Erzgebirgskreis sowie die Städte Lichtenstein und Hartenstein und die Gemeinden Gersdorf und Mülsen im Landkreis Zwickau.

Stadtgliederung mini|Oelsnitz Luftbild Neuoelsnitz (siehe auch: Bahnhof Neuoelsnitz) Neuwürschnitz (hat rund 2500 Einwohner, eine Fläche von 6,57 km² und besteht aus den Gemarkungen Oberwürschnitz, Neuwiese und Neuwittendorf. Die Ortschaft wurde am 1. Januar 1999 nach Oelsnitz eingemeindet.StBA: Änderungen bei den Gemeinden Deutschlands, siehe 1999) Niederoelsnitz Oberoelsnitz Oelsnitz Waldesruh Die Gliederung in Ober- und Niederoelsnitz besteht heute nur noch im ortsüblichen Sprachgebrauch. Neuoelsnitz, Neuwürschnitz und Waldesruh sind räumlich getrennt vom eigentlichen Stadtkern.

Geschichte mini|links|Rittergut Oelsnitz/Erzgeb. mini|Christuskirche Oelsnitz mini|hochkant|Glückaufturm auf der Abraumhalde des ehemaligen Deutschlandschachtes in Oelsnitz/Erzgebirge mini|Der Hermann-Rudolph-Brunnen – ein Wahrzeichen der Stadt

Ende des 12. Jahrhunderts gründeten vermutlich die Ritter von der Oelsnitz das Dorf Oelsnitz, namentlich wird 1219 Rembertus de Olsnitz genannt. Im Jahr 1297 wird ein Apecz de Olsnitz als Zeuge in einem auf Schloss Lichtenstein ausgestellten Regest der Schönburger genannt. Das Rittergeschlecht führt nach Überlieferung von 1368 im goldenen, damaszierten Schild einen roten Schrägrechtsbalken, belegt mit drei silbernen Kugeln. Der Helm trägt einen goldenen Flug, der mit dem Balken des Schildes bezeichnet ist. Ein als der Pirnaische Mönch bekannter Chronist beschreibt die Ritter von der Oelsnitz als „ein erbar Gesipp vom Dorfe bei der langen Lunckwicz“. Teile des im Volksmund zu Recht so genannten Rittergutes existieren noch.

Lange Zeit wurde davon ausgegangen, dass der Name Oelsnitz, ursprünglich ein sehr alter Flur- oder Gewässername sei. Vermutet wurde, dass er sich – wie etwa bei Oelsa – vom altsorbischen olešnica, „Siedlung bzw. Bach am Erlenwald“, ableitet (olša = „Erle“, vgl. obersorb. wólša).Walter Wenzel: Oberlausitzer Ortsnamenbuch. Domowina-Verlag, Bautzen 2008, S. 126 Neuere Forschungen gehen davon aus, dass die Ableitung über den Geschlechternamen wahrscheinlicher ist. Dem folgend würde ein Rembertus de Olsnitz (urk. 1212/1219), ein Abkömmling der Familie Elsniz/Olsnitz aus der Steiermark, Namensgeber sein.

Als Dorf wird Oelsnitz erstmals in einer Urkunde von 1386 genannt, als Kirchort bereits 1286. Im Jahr 1399 kaufte Veit von Schönburg Güter in Oelsnitz, Mülsen und Dennheritz.Chronik der Gemeinde Dennheritz, abgerufen am 15. April 2018. Im Jahr 1401 verkaufte Heinrich I. von Hartenstein, der Burggraf von Meißen, das Oelsnitzer Kirchlehn an das Zisterzienserkloster Grünhain. Seit der Leipziger Teilung von 1485 unterstand der Ort bis zum Jahre 1547 zwei verschiedenen Landesherren. Der grünhainische Anteil (Kirchlehn) und der wildenfelsische Anteil gehörten zum Kurfürstentum Sachsen der Ernestiner, der sächsisch-höfische mit dem RittergutDas Rittergut Oelsnitz auf www.sachsens-schloesser.de und dem Dorf Lugau dagegen den Albertinern und deren Herzogtum Sachsen. Der Werdegang von Oelsnitz wurde beeinflusst durch Bauernkrieg und Reformation zu Beginn des 16. Jahrhunderts, durch den Dreißigjährigen Krieg 1618–1648 und nicht zuletzt durch die zwei Weltkriege.

Der bedeutendste Abschnitt der Oelsnitzer Geschichte begann mit der Entdeckung der Steinkohle im Lugau-Oelsnitzer Revier durch den Zwickauer Bergfaktor Karl Gottlob Wolf auf dem Gebiet des heutigen Ortsteiles Neuoelsnitz. Chronisten sprachen nach Wolffs Erfolg von einem regelrechten Gründerfieber, 1844 wurden bereits sechs neue Gruben mit zahllosen Schächten betrieben. 1878/79 wurde Oelsnitz mit der Eröffnung des Bahnhofs Oelsnitz (Erzgeb) bzw. der Bahnstrecke Stollberg–St. Egidien an das Eisenbahnnetz angeschlossen. Zuvor existierte in Neuoelsnitz nur ein Kohlenladebahnhof der Chemnitz-Würschnitzer Eisenbahngesellschaft. Von dort wurde ebenfalls 1879 die bestehende Strecke von Wüstenbrand bis zum Bahnhof Höhlteich verlängert. Der Personenverkehr auf dieser Strecke wurde 1990 eingestellt. Zwischen 1913 und 1960 war die Stadt Endpunkt der Überlandstraßenbahn Hohenstein-Ernstthal–Gersdorf–Oelsnitz.

Die Entwicklung des Bergbaues brachte aber nicht nur Nutzen. Ende des 19. Jahrhunderts gingen Sensationsmeldungen durch die Weltpresse: „Das versinkende Oelsnitz“. Die durch den Bergbau verursachten Bergschäden führten zu Bodensenkungen von teilweise mehr als 17 Metern. Zahlreiche Gebäude im Ortskern mussten deshalb abgerissen werden. Nicht zuletzt führte diese Entwicklung auch zu einer Neustrukturierung der Innenstadt.

1913 besuchte König Friedrich August III. die Schächte des Kohlenreviers.

Am 17. April 1924 wurde die Landgemeinde Oelsnitz durch die Sächsische Staatskanzlei zur Stadt erhoben.

Zu Beginn der Zeit des Nationalsozialismus im Frühjahr 1933 misshandelten Angehörige der SA-Standarte 183 auf dem Marktplatz und in den Arrestzellen unter der Sparkasse politische Gegner auf brutale Weise. Nachgewiesen sind insgesamt 74 Häftlinge. Davon sind 42 namentlich erfasst worden.Frühes Konzentrationslager in den Gefängniszellen der Sparkasse in Oelsnitz/Erzgebirge auf gedenkplaetze.info

Die Förderung von Steinkohle wurde 1971 eingestellt und bis 1975 wurden alle Schachtanlagen verfüllt. 1986 wurde in einem Teil des Bergwerkes „Karl Liebknecht“ in Neuoelsnitz das Bergbaumuseum eröffnet.

Im Jahr 2010 richtete Oelsnitz den Tag der Sachsen mit 380.000 Besuchern aus. Dafür wurden im Vorfeld der Marktplatz komplett saniert und im Stadtgebiet größere und kleinere Veranstaltungsgelände und Freiflächen geschaffen.

Am 2. Februar 2011 setzte sich die Stadt Oelsnitz im zweiten Versuch nach 1997 für die Landesgartenschau 2002, Sächsisches Staatsministerium für Umwelt und Landwirtschaft, Pressemeldung vom 2. Oktober 1997. mit ihrer Bewerbung gegen sechs Mitbewerber durch und erhielt den Zuschlag für die Ausrichtung der 7. Sächsischen Landesgartenschau 2015., in: Freie Presse, 1. Dezember 2011.

Das Gartenfestival fand vom 25. April bis zum 11. Oktober 2015 auf dem Gelände des Bahnhofs Oelsnitz (Erzgeb) statt – insgesamt wurden mehr als 415.000 Besucher gezählt. Das 15 Hektar große Gelände, eine ehemalige Bahnbrache, bleibt als vielfältig nutzbarer Freizeitpark erhalten. Mit großzügig angelegten Pflanzungen, Liegewiesen, Eisenbahn- und Wasserspielplatz, Skatepark, Naturlehrpfad, Kneippanlage und Gradierwerk soll es zukünftig als Freizeit- und Erholungsgelände dienen. Das Projekt Bürger- und Familienpark wurde im November 2015 mit einer Anerkennung des Sächsischen Staatspreises für Baukultur ausgezeichnet. Im Mai 2019 erhielt die Stadt die Karl-Foerster-Auszeichnung für die hervorragende Herstellung und Weiterentwicklung der Grünanlagen. Im Entrée des Parks befindet sich auf dem Bahnhofsvorplatz der Brunnen „Schwarzes Gold“, der an die Steinkohleförderung im Revier erinnert und auf die zukünftige Solenutzung verweist.

Ehemalige Ringwallanlage in Oelsnitz/Erzgeb. (Burgstall) Eine im Sächsischen Staatsarchiv Dresden aufbewahrte Darstellung „Oelsnitz um 1500“ zeigt rechts von der Kirche eine Ringwallanlage, die offenbar eine kleine Wasserburg oder Turmhügelburg war. Die Anlage ist auf dem Riß, der als Folge eines Rechtsstreites der Gutsbesitzer mit dem Abt des Klosters Grünhain angefertigt wurde, als „Deß Forbergs Baustad“ betitelt. Heute finden sich von der Anlage oberirdisch keine Reste mehr. Sie wurde offenbar eingeebnet. Es könnte sich um den Stammsitz der Ritter von der Oelsnitz gehandelt haben.Kapitel "Dorf und Rittergut Oelsnitz", in: Autorenkollektiv: "Werte unserer Heimat, Zwischen Mülsengrund, Stollberg und Zwönitztal" (Band 35), Akademie-Verlag Berlin, DDR, 1981, S. 122, Abb. 17.

Zu dem aus der Burg offenbar hervorgegangenen Rittergut Oelsnitz gehörten drei Vorwerke: eines nahe der Kirche, eines im unteren Dorf, eines am Steinhübel.

Wappen und Logo Die Stadt führt ein Stadtwappen und ein Dienstsiegel sowie ein Logo. Das Wappen der Stadt ist senkrecht geteilt, links ein Bergmann in Tracht mit „Gezäh“ (Werkzeug), rechts drei Erlen, die für die slawische Herkunft des Ortsnamens „sprechen“. Die weiß-grünen Sächsischen Landesfarben und die rot-weißen Stadtfarben sind darin enthalten. Das Wappen findet sich auch im Dienstsiegel wieder. Im Jahr 2016 wurde durch Stadtratsbeschluss die Wort-Bild-Marke „Statt Irgendwo Stadt Oelsnitz Erzgebirge“ eingeführt. Das Logo enthält die Elemente Turm (des Bergbaumuseums, Umrisslinie), Gradierwerk (Silhouette), Rekultivierte Halde (grüne Farbe), Sole (blaue Farbe) und Kohle (schwarze Farbe). Es steht für eine lebensfrohe, grüne, bewegte Stadt Oelsnitz mit einer spannenden Historie und zahlreichen Ideen für die Zukunft.

mini|hochkant|„Raum-Zeit-Diagramm“, Oelsnitz/Erzgeb.

Einwohner Entwicklung der Einwohnerzahl (ab 1960 31. Dezember): 1834 – 3.814 1933 – 19.640 1939 – 18.596 1946 – 20.034 1 1950 – 19.632 2 1960 – 18.485 1981 – 13.929 1984 – 13.294 1998 – 13.508 3 1999 – 13.390 2000 – 13.144 2001 – 12.982 2002 – 12.841 2003 – 12.765 2004 – 12.687 2005 – 12.626 2006 – 12.479 2007 – 12.417 2009 – 12.083 2010 – 11.949 4 2012 – 11.339 2013 – 11.266 2014 – 11.175 2015 – 11.117 2016 – 11.141 2017 – 11.014 2018 – 10.957 2019 – 10.951 2020 – 10.983 2022 – 10.837 Datenquelle ab 1998: Statistisches Landesamt des Freistaates Sachsen 1 29. Oktober 2 31. August 3 Gebietsstand 1. Januar 1999 4 30. September

Politik

Stadtrat Der Stadtrat besteht aus 20 Mitgliedern und setzt sich seit der Stadtratswahl am 9. Juni 2024 wie folgt zusammen: +letzte StadtratswahlenListe202420192014Sitzein %Sitzein %Sitzein %Freie Wählervereinigung „Ein Herz für Oelsnitz/Erzgeb.“ e. V. – FW Oelsnitz/Erzgeb. e. V.627,8630,1626,5AfD627,7420,7––CDU523,0626,9942,3SPD415,129,9313,0Linke16,4212,5418,2Wahlbeteiligung68,2 %57,9 %44,3 %

Bürgermeister Der erste Wahlgang der Bürgermeisterwahl fand am 12. Juni 2022 statt. Im zweiten Wahlgang, am 3. Juli 2022, wurde Thomas Lein (SPD) mit 46,3 % der gültigen Stimmen zum Bürgermeister gewählt. Er setzte sich damit u. a. gegen den vorherigen Bürgermeister und ehemaligen Geschäftsführer der 7. Sächsischen Landesgartenschau Bernd Birkigt durch. +letzte BürgermeisterwahlenWahlBürgermeisterVorschlagWahlergebnis (in %)2022Thomas LeinSPD46,32015Bernd BirkigtCDU66,62008Hans-Ludwig Richter81,6200180,91994F.D.P.60,6

Städtepartnerschaften (Frankreich, seit 1961) (Tschechien, seit 1968) (Deutschland, seit 2000) (Tschechien, seit 2004)

Wirtschaft und Infrastruktur Wirtschaft Oelsnitz/Erzgeb. liegt im Ballungsraum Chemnitz-Zwickau, einem der drei industriellen Ballungsräumen in Sachsen. Die Kernbranchen der Region, zu denen die Automobil- und Zulieferindustrie, die Metallverarbeitung und die Mikrosystemtechnik zählen, sind auch in Oelsnitz mit wichtigen Unternehmen vertreten.