mini|hochkant=1.2|Schloss Hoheneck
Stollberg/Erzgeb. ist eine Große Kreisstadt im Erzgebirgskreis in Sachsen (Deutschland). Sie ist Sitz der Verwaltungsgemeinschaft Stollberg/Niederdorf.
Geographie Lage und Kurzbeschreibung Stollberg liegt am Nordrand des Erzgebirges, etwa 20 km südwestlich von Chemnitz und ca. 15 km nordöstlich von Aue im Tal des Gablenzbaches. Nordwestlich von Stollberg liegt das Erzgebirgische Becken mit dem ehemaligen Lugau-Oelsnitzer Steinkohlenrevier. Südöstlich von Stollberg mit den umliegenden Höhen von 400 bis 450 m steigen Höhen bis zum mittleren Erzgebirge auf über 1000 m an. Die Kernstadt (einschließlich Hoheneck) hatte 8.998 Einwohner (Stand 9. Mai 2011). Im Gebiet der Stadt Stollberg befindet sich die Talsperre Stollberg, die durch den Unteren Querenbach aufgestaut wird.
Nachbarorte
Stadtgliederung Neben dem eigentlichen Hauptort gehören folgende Ortsteile (mit dem Jahr der Eingemeindung, Angaben vom 9. Mai 2011) zu Stollberg: Beutha (1999), 582 Einwohner Gablenz (1974), 632 Einwohner Hoheneck (1923), 624 Einwohner Mitteldorf (1952), 799 Einwohner Oberdorf (1974), 327 Einwohner Raum (1999), 271 Einwohner
Geschichte 12. bis 16. Jahrhundert Seit Jahrhunderten bildet Stollberg den Mittelpunkt einer naturräumlich-historischen Kulturlandschaft. Die Ursprünge der erstmals im Jahre 1343 als Stadt (Civitas) genannten Siedlung Stollberg liegen in der Zeit der Erstbesiedlung des Erzgebirges. Die ersten Besitzer der Stal(e)burc (erstmalige urkundliche Erwähnung 1244 wohl Fälschung, sicher 1267 Stal-burch) und der dazu gehörigen Herrschaft Stollberg waren die Erkenbertinger, die sich später als Burggrafen von Starkenberg bezeichneten. Ursprünglich stammten sie aus Mainfranken bei Würzburg und tauchten 1088 in der Umgebung des Bischofs von Naumburg auf. Dieser machte sie in Tegkwitz bei Altenburg sesshaft. Erkenbert IV. von Tegkwitz besiedelte Ende des 12. Jahrhunderts die spätere Herrschaft Stollberg, deren Sitz und Zentrum die mittelalterliche Grenzfeste Stal(e)burc war. Nachdem die Schönburger das Gebiet um 1300 übernommen hatten, verkauften sie es im Jahr 1367 an König Wenzel von Böhmen. Die immer mit der Burg in Verbindung stehende Stadt Stollberg wird als solche (civitas) erstmals 1343/46 urkundlich erwähnt, die erste Nennung erfolgte bereits im Jahr 1296. Das Marktrecht der Stadt ist ebenfalls ab 1343 belegt. Der Name der Stadt wandelte sich von „Stolburg“ (1412) zu „Stolbergk“ (1459).
Die Burg und Stadt Stollberg gingen im Jahr 1459 als böhmisches Lehen an Sachsen über. Im Jahre 1473 gelangten sie an das Geschlecht derer von Schönberg und 1564 an die Wettiner Herrschaft. Aus der Herrschaft Stollberg wurde nun das kurfürstlich-sächsische Amt Stollberg. Die Staleburc/Schloss Stollberg wurde nicht wie vielfach behauptet zu einem Jagdschloss umgebaut; vielmehr entstand nach 1564 neben dem älteren „alten Haus“ ein „neues Haus“ als Amts- und Wohntrakt. 1602 brannten am neuen Haus die oberen Geschosse ab; 1606–1609 erfolgte der Wiederaufbau an gleicher Stelle. Im Dreißigjährigen Krieg erlitt die Anlage schwere Beschädigungen und Plünderungen, eine vollständige Zerstörung ist jedoch nicht belegt. In der Nähe der einstigen Furt durch den Fluss Gablenz kreuzten sich zwei wichtige Handelsstraßen. Der Böhmische Steig führte von Altenburg nach Prag. Die Chemnitzer Straße verlief zwischen der gleichnamigen Stadt und Dresden. So kamen häufig Handels- und Fuhrleute in die Stadt, die man wegen ihrer zweirädrigen Karren, mit denen sie vor allem Salz und Erze transportierten, als „Kärrner“ bezeichnete. An sie erinnert bis heute die Sage vom „Kärrner von Stollberg“.
17. bis 19. Jahrhundert Im 17. Jahrhundert diente das Schloss Stollberg unter anderem als Amtsgefängnis (Amtsfrohnveste) im kleinen Turm. Ein neuer Bergfried wurde dafür nicht errichtet, der mittelalterliche Bergfried wurde spätestens 1761 abgetragen. Der heutige Uhrenturm entstand erst ab 1863/64 im Zuge der ersten Bauphase der Weiberstrafanstalt. Die Bezeichnung „Hoheneck“ ist 1704 erstmals amtlich (Lehensschein) belegt. Durch einen Brand in der Herrengasse wurden im Jahr 1809 die Herrengasse, der Markt mit dem Rathaus, die Knabenschule und die Pfarre zerstört. Im Jahr 1812 erfolgte die Grundsteinlegung für das Rathaus (heutiges Gebäude des Amtsgerichts). 1815 erfolgte der Wiederaufbau des Schlosses Hoheneck, in dem sich bis 1856 das Justizamt und bis 1863 Rentamt befanden. Die Stadt Stollberg wurde im Jahr 1837 Sitz einer eigenständigen Superintendentur. Die Städtische Sparkasse eröffnete im Jahr 1855. Stollberg war bis 1856 Sitz des kursächsischen bzw. königlich-sächsischen Amts StollbergKarlheinz Blaschke, Uwe Ulrich Jäschke: Kursächsischer Ämteratlas. Leipzig 2009, ISBN 978-3-937386-14-0; S. 64 f. und ab 1856 Sitz des Gerichtsamts Stollberg. Im Jahr 1875 kam die Stadt Stollberg zunächst zur Amtshauptmannschaft Chemnitz.
Mitte des 19. Jahrhunderts setzte die Industrialisierung in Stollberg ein. Im Jahr 1855 begann die Errichtung der großen Fabrikgebäude der 1824 gegründeten Strumpffabrik F. E. Woller. Der Bahnhof Stollberg (Sachs) wurde gleichzeitig mit der Bahnstrecke Stollberg–St. Egidien im Jahr 1879 eröffnet. Durch die Eröffnung der Bahnstrecke Zwönitz–Chemnitz Süd (Abschnitt Zwönitz–Stollberg im Jahr 1889, Abschnitt Stollberg–Chemnitz im Jahr 1895) wurde der Stollberger Bahnhof zu einem Eisenbahnknoten. Auf Schloss Hoheneck wurde im Jahr 1864 die Strafanstalt Hoheneck eröffnet. Um die Wende zum 20. Jahrhundert erhielt die Stadt Stollberg zahlreiche neue Gebäude (1867: Bezirksarmenhaus, 1873: Realschule, 1879: Städtische Gasanstalt, 1886: neues Rathaus, 1898: neues Postamt, 1899: Städtischer Schlachthof, 1903: Königliches Lehrerseminar).
1900 bis Mai 1945 mini|Karte mit den bei Kriegsende 1945 unbesetzten Orten, darunter die Stadt Stollberg
Am 1. Juli 1910 wurde aus dem südwestlichen Teil der Amtshauptmannschaft Chemnitz die Amtshauptmannschaft Stollberg gebildet, dessen Verwaltungszentrum die Stadt Stollberg wurde. In diesem Zuge erhielt die Stadt Stollberg ein neues Verwaltungsgebäude. Mit Unterstützung der Gewerkschaft Gottes Segen aus Lugau erfolgte im Jahr 1920 die Gründung der Siedlergenossenschaft „Bergmannsheim“ in Stollberg. In der Folgezeit entstand „Am Eichenbusch“ am Nordwestrand der Stadt die erste Siedlung für Bergarbeiter des Lugau-Oelsnitzer Steinkohlenreviers in Stollberg.
Das Adressbuch verzeichnete im Ort u. a. 1928 ein Staatliches Lehrerseminar, eine Bürgerschule und eine Verbandsberufsschule.
Im Jahr 1923 wurde der Ort Hoheneck nach Stollberg eingemeindet. Der Abschnitt Chemnitz–Stollberg der heutigen Bundesautobahn 72 wurde im Jahr 1939 eröffnet.
Am Ende des Zweiten Weltkrieges haben vier besonnene Antifaschisten die gewaltsame Einnahme der Stadt durch US-Truppen verhindert, indem sie das Hissen von weißen Fahnen organisierten: Heinrich Bley, Walter Röhner, Ernst Dittmann und Heinz Rimbach.Gisela Reller: Es begann im "Bürgergarten", in: Die Stunde Null, Berlin 1966, S. 135Horst Rößler: Wie der Hotelier Walter Röhner vom „Bürgergarten“ am 12. Mai 1945 Stollberger Bürgermeister wurde, abgerufen am 13. Juni 2021. Der stellvertretende Bürgermeister Johannes Friedrich wurde daher von Wehrmachtssoldaten erschossen.LG Wuppertal, 4. November 1954. In: Justiz und NS-Verbrechen. Sammlung deutscher Strafurteile wegen nationalsozialistischer Tötungsverbrechen 1945–1966, Bd. XII, bearbeitet von Adelheid L Rüter-Ehlermann, H. H. Fuchs und C. F. Rüter. Amsterdam : University Press, 1974, Nr. 408, S. 695–742 Die Stadt Stollberg wurde am 8. Mai 1945 kurzzeitig von den Amerikanern besetzt. Als gesichert gilt, dass die Stadt und Teile des Landkreises Stollberg nach der Kapitulation der Wehrmacht am 8. Mai 1945 zum unbesetzten Gebiet im Westerzgebirge gehörten, bevor sie nach 42 Tagen den sowjetischen Besatzern übergeben wurden.
Mai 1945 bis 2. Oktober 1990 Bei der ersten Kreisreform in der DDR wurde die 1939 in Landkreis Stollberg umbenannte Amtshauptmannschaft Stollberg im Jahr 1950 aufgelöst. Dabei kam die Stadt Stollberg an den Landkreis Chemnitz. Durch die zweite Kreisreform in der DDR wurde die Stadt Stollberg Kreisstadt des neu gebildeten Kreises Stollberg im Bezirk Chemnitz (1953 in Bezirk Karl-Marx-Stadt umbenannt). Bereits 1949 wurde in der ehemaligen Bahnerschen Strumpffabrik das Bergarbeiterkrankenhaus eingerichtet. Stollberg erhielt im Jahr 1953 eine Talsperre am Unteren Querenbach. Zwischen 1955 und den 1980er Jahren entstanden die verschiedenen Neubaugebiete der Stadt. Am 1. Januar 1952 wurde die bis dahin eigenständige Gemeinde Mitteldorf eingegliedert. Am 1. Januar 1974 folgten Oberdorf und Gablenz.
Seit 3. Oktober 1990 Ab der deutschen Wiedervereinigung 1990 war Stollberg Kreisstadt des sächsischen Landkreises Stollberg. Bei dessen Auflösung im Jahr 2008 wurde der Stadt Stollberg als Ausgleich zum Verlust des Kreissitzes der Titel Große Kreisstadt verliehen. Die Stadt gehört seitdem zum Erzgebirgskreis. Im Jahr 1993 entstanden das Wohngebiet Zu den Teichen und das Gewerbegebiet Stollberger Tor an der A 72. Die im Jahr 2005 erfolgte Eröffnung der A72-Anschlussstelle „Stollberg West“ und die Umgehungsstraße der B180 tragen zu einer besseren Anbindung des Gewerbegebiets bei. Im Jahr 2002 wurde der Bahnhof Stollberg (Sachs) mit den beiden ihn berührenden Bahnstrecken in das Nahverkehrskonzept Chemnitzer Modell eingebunden.
Nach der Schließung der Justizvollzugsanstalt auf Schloss Hoheneck im Jahr 2001 erfolgte ab 2014 die Sanierung und der Umbau der Gebäude für eine räumlich getrennte Nutzung als Gedenkstätte, Freizeittreff und Begegnungsstätte mit Übernachtungsmöglichkeiten. Als erster Schritt wurde im Jahr 2015 eine Gedenkstätte mit original erhaltenem Zellentrakt im Südflügel eingerichtet, in dem auch Führungen stattfinden. 2017 zog die Interaktive Lern- und Erlebniswelt Phänomenia im Nordflügel des Schlosses Hoheneck ein,Website der Phänomenia Stollberg abgerufen am 13. Juni 2021. wodurch sich die ehemalige Justizvollzugsanstalt allmählich zum Kulturzentrum wandelte.Website des Schlosses Hoheneck Nach dem Umbau des Schlosses wurde 2024 im Westflügel eine Gedenkstätte zur historischen Einordnung des SED-Unrechts und zur Würdigung der Opfer eröffnet. Auch das Theaterpädagogische Zentrum des Erzgebirgskreises „Burattino“Website des Kinder- und Jugendtheaters Burattino hat seinen Sitz im Westflügel des Schlosses. Die Orgel im Kapellensaal des Westflügels wurde ebenfalls saniert. Im Dachgeschoss des Südflügels zog nach der Sanierung das „Abora Science Center“ ein, auf der die ABORA-Schilfboot-Expeditionen über das Mittelmeer und den Nordatlantik in einer interaktiven Ausstellung vorgestellt werden.Webseite des ABORA Science-Centers auf Schloss Hoheneck Im Neubaugebiet an der Albrecht-Dürer-Straße wurde im Jahr 2008 das Bürgerbegegnungszentrum „das dürer“ eröffnet. Im Jahr 2012 wurde im Stadtzentrum der „Bürgergarten“ wiedereröffnet, wodurch die Stadt Stollberg in der Gegenwart über ein vielfältiges kulturelles Angebot verfügt. mini|Panorama: Stollberg in Richtung Oelsnitz und Hohenstein-Ernstthal; am Horizont der Aussichtsturm der Deutschlandschachthalde in Oelsnitz
Einwohnerentwicklung Entwicklung der Einwohnerzahl (ab 1960: 31. Dezember): 1834 – 3.148 1946 – 11.208 1) 1950 – 13.284 2) 1960 – 13.035 1971 – 12.739 1981 – 12.379 1984 – 12.095 1998 – 13.977 1999 – 13.834 2000 – 13.680 2001 – 13.527 2002 – 13.356 2003 – 13.152 2004 – 12.912 2005 – 12.718 2006 – 12.391 2007 – 12.191 2009 – 11.891 2010 – 11.760 2011 – 11.576 2012 – 11.465 2013 – 11.373 2014 – 11.261 2015 – 11.380 2016 – 11.333 2017 – 11.283 2018 – 11.303 2019 – 11.300 2020 - 11.235 2021 - 11.166 2022 - 11.289 2023 - 11.183 2024 - 11.127 Datenquelle ab 1998: Statistisches Landesamt des Freistaates Sachsen 1) 29. Oktober 2) 31. August
Gedenkstätten Ein Ehrenmal im Park des Gymnasiums erinnert seit 1969 an alle Opfer des Faschismus