Dieser Artikel behandelt die Geschichte der Stadt Neustadt am Kulm sowie die Geschichte der Besiedlung des Rauhen Kulms vor der Stadtgründung.

Geschichte Vor- und frühmittelalterliche Siedlungsgeschichte Der Rauhe Kulm, der vulkanischen Ursprungs ist, war bereits für Menschen in der Jungsteinzeit (Neolithikum) ein Anziehungspunkt, was Untersuchungen von Adalbert Neischl aus den Jahren 1908–1910 belegen.Adalbert Neischl und Hugo Obermaier: Die vor- und frühgeschichtlichen Befestigungen am Rauhen Kulm bei Neustadt a. Kulm (Oberpfalz); Nürnberg 1912. Bei neueren Ausgrabungen wurden drei jungsteinzeitliche Pfeilspitzen, bestehend aus Feuerstein, entdeckt.Oberpfalznetz.de vom 31. August 2007: „Rauher Kulm: ergiebiges Feld für Archäologen“ abgerufen am 19. September 2011. Diese und weitere Funde aus verschiedenen Epochen im Gebiet der Flednitz deuten darauf hin, dass der Rauhe Kulm, möglicherweise aus religiösen Gründen, immer wieder Ort jungsteinzeitlicher Treffen war. Durchgehend besiedelt wurde das Gebiet um den Rauhen Kulm vermutlich ab der Bronzezeit, sicher aber seit der eisenzeitlichen Hallstattzeit (800–450 v. Chr.). abgerufen am 23. September 2011. Ende der 1960er Jahre wurde im Schuttkegel ein nicht verwendetes Bronzebeil aus der späten Bronzezeit entdeckt, das vermutlich als Opfergabe niedergelegt wurde und die Bedeutung des Ortes in der damaligen Zeit untermauert.Aufsatz von Hans Losert in Rückspiegel: Archäologie des Alltags in Mittelalter und früher Neuzeit. Begleitheft zur Ausstellung des Lehrstuhls für Archäologie des Mittelalters und der Neuzeit an der Otto-Friedrich-Universität Bamberg vom 29. April – 5. November 2006. S. 60–61. Abgerufen am 23. September 2011. Im Laufe der Jahrhunderte lebten Kelten, Narisker, Hermunduren, Thüringer und Slawen am Fuße des Rauhen Kulms. Die heute bekannten und bestehenden Siedlungen entstanden um die Jahrtausendwende.

Kulm bezeichnet in den slawischen Sprachen allgemein einen Hügel beziehungsweise einen Berg.Hans Losert: „Archäologische Untersuchungen am Rauhen Kulm in der Flednitz“ 1. Teil; 2007 abgerufen am 22. September 2011. Der Rauhe Kulm stellt den natürlichen Mittelpunkt der Flednitz dar, der slawischen beziehungsweise naabwendischen Siedlungskammer im Einzugsgebiet des Flusses Heidenaab.Hans Losert: „Archäologische Untersuchungen am Rauhen Kulm in der Flednitz“ 2. Teil; 2007 abgerufen am 23. September 2011. Der Rauhe Kulm, im Volksmund auch Großer Kulm genannt, hat zwei Brüder in unmittelbarer Nähe: westlich den Kleinen beziehungsweise Schlechten Kulm und östlich den Kühhübel. Im 8. und 9. Jahrhundert n. Chr. existierten am Rauhen Kulm laut Adalbert Neischl vermutlich karolingerzeitliche Befestigungen, auf die Funde von Keramiken und Eisenobjekte sowie Überreste von Befestigungsanlagen unterhalb der mittelalterlichen Ringwälle hindeuten. Bei Ausgrabungen unter Leitung von Hans Losert von der Universität Bamberg wurden im Sommer 2007 unter anderem ein silberner Schläfenring sowie Keramik und im Sommer 2011 unter anderem ein Fingerring aus Bronze aus dieser Zeit gefunden sowie eine keltische Drehscheibenware entdeckt. abgerufen am 23. September 2011. Im Sommer 2015 wurden aufschlussreiche Scherben und kleine historische Schätze wie Speerspitzen der Slawen und Ungarn gefunden.Oberpfalzecho.de vom 28. August 2015: „Von Burgen und Scherben“, abgerufen am 28. August 2015

Hoch- und Spätmittelalter mini|hochkant=1.1|Kaiser Otto I.: Sieg über Berengar II. (Illustration einer Handschrift der Weltchronik Ottos von Freising, um 1200 (Mailand, Biblioteca Ambrosiana, Ms. f. 129sup)) mini|Festung Rauher Kulm auf der Göppermannsbühl-Karte von 1531 Über die Entstehung der hochmittelalterlichen Burg gibt es keine gesicherten Quellen. Aus der Stiftungsurkunde des Benediktinerklosters Michelfeld bei Auerbach aus dem Jahr 1119 geht zwar hervor, dass der Leutenberger Bucco de Culmen einen Ansitz auf einem der beiden Kulme hatte. Er wäre damit der erste wissenschaftlich belegte Burgherr der Festung auf dem Kulm gewesen. Es ist jedoch unklar, ob der Rauhe oder der benachbarte Kleine Kulm, ebenfalls vulkanischen Ursprungs, gemeint ist. Denkbar aber unwahrscheinlich ist, dass es sich um ein Gebäude in der Ortschaft Kulmain gehandelt hat. Neben der Festung auf dem Rauhen Kulm existierte eine zweite auf dem Kleinen Kulm (siehe Burgstall Schlechtenkulm). Bei Grabungen wurden Scherben, Pfeilspitzen, Kreuze und Münzen aus dieser Zeit ans Tageslicht befördert. abgerufen am 23. September 2011. Der Bau der Burg war laut Losert Teil der Strategie König Ottos I. des Großen, der die heraufziehende Gefahr durch die Ungarn eindämmen wollte. Beim Bau der Burg um das Jahr 950 kamen Sandstein, Fachwerk und Ziegel zum Einsatz. Neben der militärischen Nutzung wurde die Burg auch von Frauen und Kindern bewohnt, was verschiedene Funde, unter anderem mehrere Spinnwirtel, ein Webschwertchen und ein großes Eisenmesser beweisen. Wollespinnen war eine typische Frauenarbeit.Oberpfalznetz.de vom 30. August 2010: „Archäologen erobern die Burg“ (3 Seiten) abgerufen am 25. September 2010.Oberpfalznetz.de vom 23. August 2010: „Wenn Scherben für Freude sorgen“ (3 Seiten) abgerufen am 20. September 2010. Der Rauhe Kulm und die nähere Umgebung waren damals im Gegensatz zu heute nicht bewaldet, da dies die Sicht auf mögliche herannahende Angreifer versperrt hätte und dadurch eine große Schwachstelle gewesen wäre.

mini|hochkant|Karl IV., Wandbild um 1360/70 mini|

Im Jahr 1281 verpfändeten Landgraf Friedrich von Leuchtenberg und sein Sohn das Castrum Culme zusammen mit dem Berg und den umliegenden Dörfern Filchendorf, Mockersdorf, Scheckenhof, Speichersdorf und Wirbenz an Burggraf Friedrich III. von Nürnberg. Der Wert des Pfandes belief sich auf 400 Mark Silber.Anton Friedrich Büsching 1761: Neue Erdbeschreibung: Welcher den schwäbischen, bayerischen, fränkischen und obersächsischen Kreis enthält, Band 3, Ausgabe 2, S. 1725. Abgerufen am 18. Oktober 2011. Am 13. Januar 1370 gestattete Kaiser Karl IV. in Prag dem Nürnberger Burggrafen Friedrich V. eine mit Mauern, Erkern und Türmen befestigte Stadt zwischen den beiden Kulmen zu errichten.Regesta Imperii: Abteilung VIII: Karl IV. 1346–1378; Band VIII Karl IV. : Regesten 1346–1378, hg. Huber. 1877; Herrscher: Karl IV, S. 398. Abgerufen am 4. März 2012. Der ursprüngliche Name der neuen Stadt war Newenstat zwischen den Kulmen. Auf Bitten des Kurfürsten Friedrich von Brandenburg verlieh König Sigismund von Luxemburg der neuen Stadt am 4. Februar 1427 das Halsgericht.Regesta Imperii: Abteilung XI: Die Urkunden Kaiser Sigmunds. 1410/11-1437; Band XI, 2 Regesten Sigmund 1425–1437, hg. Altmann. 1897; Herrscher Sigmund, S. 55. Abgerufen am 4. März 2012. Das Neustädter Stadtwappen illustriert die geographische Lage zwischen den beiden Bergen.

Burggraf Johann III. von Nürnberg ließ 1413 an der südlichen Stadtmauer den Karmel zur Heiligen Dreifaltigkeit bestehend aus Kirche und Kloster für einen Konvent der Beschuhten Karmeliten bauen. Papst Johannes XXII. erteilte 1413 die Erlaubnis zur Klostergründung, die noch im selben Jahr mit einer Erstausstattung an Besitzungen vollzogen wurde. Im Jahr 1414 wurde die Klosterkirche errichtet. Der 1416 zugeteilte Terminierbezirk, das Gebiet, in dem ein Konvent Almosen erbetteln durfte, wurde von den Bezirken der Karmelitenklöster in Bamberg und Nürnberg abgegrenzt.Adalbert Deckert: „Niederlassungen der Beschuhten Karmeliten im Bistum Regensburg“; in: Klöster und Orden im Bistum Regensburg, Regensburg 1978 (Beiträge zur Geschichte des Bistums Regensburg 12), S. 332–333.Klöster in Bayern: Der Karmel zur Hl. Dreifaltigkeit in Neustadt am Kulm abgerufen am 21. September 2011. Bei einem Einfall hussitischer Verbände im Jahr 1430 ging Neustadt am Kulm in Rauch und Flammen auf, während die beiden Burgen dem Ansturm standhielten.

Im Jahr 1462 wurde Neustadt während des Fürstenkriegs erneut in Brand gesetzt, diesmal allerdings von seinen eigenen Bürgern, die anschließend in der Burg auf dem Kleinen Kulm Zuflucht suchten. Hintergrund war, dass bayerische beziehungsweise böhmische Söldner in markgräfliches Gebiet eingefallen waren, nachdem Markgraf Albrecht Achilles von Brandenburg vom damals herrschenden Kaiser des Heiligen Römischen Reiches Friedrich III. die Vollstreckung der Reichsacht über Herzog Ludwig IX. den Reichen von Bayern-Landshut und den Kurfürsten Friedrich I. von der Pfalz übertragen worden war.H. Kunstmann: „Veröffentlichungen der Gesellschaft für Fränkische Geschichte: Darstellungen aus der fränkischen Geschichte“; 1965 Die Burgen auf den beiden Kulmen hielten auch diesem feindlichen Ansturm stand.

Um das Gebiet des Fürstentums Bayreuth bei Angriffen schützen zu können, wurde ab 1498 ein großes Alarmierungssystem aufgebaut. Beschrieben wurde es in der von Markgraf Friedrich erlassenen Wartordnung von 1498. Das ausgefeilte Beobachtungs- und Signalisierungssystem bestand aus zahlreichen Warttürmen. Solche Signalposten gab es unter anderem auf dem Katharinenberg bei Wunsiedel der Burg Thierstein bei Thierstein dem Weißenstein bei Stammbach der Plassenburg bei Kulmbach dem Wartberg bei Hof dem Rauhen Kulm bei Neustadt dem Schneeberg, das sogenannte „Backöfele“

Diese Türme waren phasenweise ständig mit Wachen besetzt. Bei heraufziehender Gefahr wurde ein Feuer entzündet. So konnte der Alarm ohne Verzögerung dem nächsten Posten angezeigt werden.

Nach der Reformation mini|Belagerung der markgräflichen Veste auf dem Rauhen Kulm durch Truppen der Reichsstadt Nürnberg im Jahre 1554, links (westlich) Neustadt am Kulm und die Burg auf dem Kleinen Kulm mini|hochkant=2.1|Territorium des Fürstentums Bayreuth (1791): das obergebirgische Fürstentum selbst ist wieder gegliedert in Ober- und Unterland Im Zuge der Reformation wurde Neustadt am Kulm im Jahr 1527 nach dem Grundsatz cuius regio, eius religio, Georg dem Frommen, Markgraf von Brandenburg-Ansbach und Verwalter des Fürstentums Kulmbach, folgend, protestantisch. Das Karmelitenkloster wurde aufgelöst, im Jahr 1531 brannte es ab. Das ehemalige Konventgebäude und die Kirche wurden 1633 erneut von Bränden heimgesucht. Anfang des 18. Jahrhunderts wurde die ehemalige Klosterkirche unter Beibehaltung spätgotischer Teile als evangelisch-lutherische Pfarrkirche vergrößert, die noch besteht.