Als Mazdaznan () wird eine religiöse Lehre bezeichnet, die nach eigenem Verständnis auf einem reformierten Zarathustrismus basiert. Es handelt sich um eine Mischreligion mit zarathustrischen, christlichen und einigen hinduistischen/tantrischen Elementen.

Begründet wurde sie von Otoman Zar-Adusht Ha’nish, auch Otoman Zar Adusht Hanish (), bürgerlich Erich Otto Haenisch, der selbst angab, am 19. Dezember 1844 in Teheran geboren worden zu sein. Tatsächlich wurde er als Sohn des Viktualienhändlers Heinrich Ernst Haenisch und seiner Frau Anna Dorothea geborene Schmidt am 19. Dezember 1856 in Posen geboren und am 28. Dezember 1856 evangelisch getauft.Ev. St. Petrikirche zu Posen, Kirchen-Register der Geborenen und Getauften im Jahre 1800 sechs und fünfzig, S. 253 Nr. 156s. a. bei Nicholas Goodrick-Clarke: The occult roots of Nazism: the Ariosophists of Austria and Germany 1890–1935. Aquarian, Wellingborough 1985, ISBN 0-85030-402-4, S. 234. Er starb am 29. Februar 1936 in Los Angeles. In zeitgenössischen Zeitungsberichten ist wiederholt von einem Sonnenkult die Rede.Hier fehlt wirklich ein Beleg, auch wenn diese Bezeichnung als Sonnenkult mittlerweile auch selbst (wieder) medienwirksam wird, so in der Fernsehserie Die Neue Zeit (2019), Folge 2, Min. 29.

Die Anhänger sind Vegetarier, befolgen eine eigene Ernährungslehre, legen großen Wert auf tägliche Atem- und auf Meditationsübungen, darunter einige tantrische Übungen. Eine organisierte Anhängerschaft existiert in Deutschland und Ungarn; Anhänger gibt es in Frankreich und den USA, dem einstigen Schwerpunkt und Hauptquartier.

Im Lexikon neureligiöser Bewegungen und Weltanschauungen wird die Mazdaznan-Lehre als „Ausdruck der westlichen Rezeption asiatischer Heilsvorstellungen und -praktiken“ beschrieben. Die Lehre variierte die Rassenlehre der damals erfolgreichen neureligiösen indisch-arischen Theosophie von Helena Blavatsky und übernahm Elemente des Yoga in den Atemübungen.Mazdaznan. In: Harald Baer u. a. (Hrsg.): Lexikon neureligiöser Gruppen, Szenen und Weltanschauungen. Herder.

Gründer und Bewegung Der Gründer mini|160px|Otoman Zar-Adusht Ha’nish Über Otoman Zar-Adusht Ha’nish gibt es nur wenige Daten. Der Öffentlichkeit ist er ausschließlich unter diesem Kunstnamen bekannt. Er wurde seit 1890 verwendet, als Ha’nish in Chicago seine reformerische Lebensweise zu verbreiten begann. Dort erhielt er auch angeblich um 1900 den Doktortitel der Medizin (M.D.) und hielt Vorlesungen zu vegetarischer Ernährung und über Darmreinigung.

Laut Aussagen einiger Schüler, die auf Hanishs Angaben beruhen, soll er der Sohn des russischen Botschafters in Teheran und einer deutschstämmigen Mutter adliger Herkunft gewesen sein. Für diese Angaben gibt es keinen Beleg. Auf der deutschsprachigen Website der Bewegung heißt es: „Wann und wo er geboren war, wissen nicht einmal seine nächsten Jünger; denn diese und andere Einzelheiten seines privaten Lebens schienen ihm nie wichtig genug, um darüber zu sprechen.“ Er wurde angeblich aufgrund eines schweren Herzfehlers von seinen Eltern in eine zarathustrische Gemeinde im iranischen Hochland geschickt. Dort soll er dann mittels spezieller Atemtechniken gelernt haben, das Herzleiden zu heilen. Nach eigenen Angaben wurde Hanish dort rund 25 Jahre ausgebildet, bevor er sich zur weltweiten Verbreitung dieses überlieferten Lebensstils entschied. Angeblich war er zunächst von Beruf Schriftsetzer.

Spätestens seit 1890 lebte Hanish in den USA, zuerst in Chicago, ab 1902 in New York und ab 1917 in Los Angeles, wo er die Reorganisierte Mazdaznan Tempel-Vereinigung der Verbündeten Gottes (engl. Reorganized Mazdaznan Temple Association of God) gründete. Seit 1907 wurde die Lehre auch in Europa verbreitet.

Der Kritiker Upton Sinclair behauptet in seinem Werk Profits of Religion in Book Six The Church of the Quacks („Sechstes Buch, Die Kirche der Quacksalber“), dass Otoman Zar-Adusht Ha’nish ein grocer-boy (Sohn eines Lebensmittelhändlers) aus Mendota, Illinois, namens Otto Hanisch war.

Die Bewegung Ha’nish gründete um 1890 das erste Mazdaznan-Zentrum in Chicago (Mazdaznan Peace Centre). 1900 folgte die Gründung der Mazdaznan Temple Association of Associates of God mit Hauptsitz in Chicago. Seit 1998 lautet der offizielle Name The Mazdaznan Temple Association.

In Deutschland wurde die Mazdaznan-Lehre im Auftrag Ha’nishs seit 1907 durch das schweizerischstämmige Ehepaar Frieda und David Ammann verbreitet. Diese hatten einige Jahre eine Obstplantage in Kalifornien betrieben. Unter der Leitung David Ammanns entstanden 1907 etliche Ableger in Leipzig, Dresden, Chemnitz, aber auch in Weimar, Hamburg und anderen großen Städten Deutschlands. Die Organisation erfolgte in Logen, so z. B. in Leipzig die Zarathustra-Gesellschaft und ein Jahr später die Mazdaznan-Tempel-Vereinigung für Deutschland und die deutschsprechenden Länder, die sich ab 1914 Mazdaznan-Bund nannte. Letzterer besaß einen eigenen Verlag und einen Versand für diätetische Lebensmittel, die von Ammanns Schwiegersohn Otto Rauth und seiner Frau geleitet wurden.

Ammann wurde mit Beginn des Ersten Weltkriegs 1914 nach der Publikation des Buches Inner Studies in Leipzig als unerwünschter Ausländer des Landes verwiesen, weil darin tantrische Praktiken beschrieben wurden. Er kehrte zurück in die Schweiz und gründete 1915 in Herrliberg am Zürichsee eine Mazdaznan-Siedlung, die er Aryana nannte. 1923 starb er unter ungeklärten Umständen. Mazdaznan-Anhänger gehen auch heute noch von einer Verschwörung aus. Ha’nish selbst besuchte Europa einmalig im Jahr 1911 und regelmäßig von 1923 bis 1932.

Ein bekannter Anhänger von Mazdaznan im deutschsprachigen Raum war der Schweizer Maler, Designer und Bauhaus-Lehrer Johannes Itten.Vgl. Paul Citroen: Mazdaznan am Bauhaus. In: Eckhard Neumann (Hrsg.): Bauhaus und Bauhäusler. Erinnerungen und Bekenntnisse. Köln 1985, S. 87–95. Peter Schmitt: Johannes Itten und der Aryana–Bund in Herrliberg. In: Christa Lichtenstern u. a. (Hrsg.): Johannes Itten und die Moderne. Beiträge eines wissenschaftlichen Symposiums. Ostfildern-Ruit 2003, S. 139–155. Von Oktober 1919 an war er als Lehrer am Bauhaus in Weimar tätig und warb dort auch Anhänger an. Itten gestaltete z. B. als seinen Beitrag zum ersten Bauhaus-Portfolio ein Zitat von Hanisch: „Gruss und Heil den Herzen welche von dem Licht der Liebe erleuchtet und weder durch Hoffnungen auf einen Himmel noch durch Furcht vor einer Hölle irregeleitet werden“.

Eine führende Gestalt im Schweizer Mazdaznan-Kult war um 1900Uwe Puschner, Walter Schmitz, Justus H. Ulbricht: Handbuch zur „Völkischen Bewegung“ 1871–1918. K.G. Saur, München 1999, S. 235. Karl Heise, der ein Anhänger von Rudolf Steiner,Manfred Spalinger: Karl Heises „Entente-Freimaurerei und Weltkrieg“, Versuch einer Beurteilung. Abgerufen am 7. September 2012. Guido von List und mithin der Völkischen Bewegung war. Gemeinsam mit seinem Bruder Heinrich leitete er die „Aryana“-Kommune bei Zürich.Nicholas Goodrick-Clarke: Die okkulten Wurzeln des Nationalsozialismus. Graz 2. Aufl. 2000, S. 44 und 53f. Goodrick-Clarke bezieht sich auf Ellic Howe: Astrology and the Third Reich. Wellingborough 1984, S. 85 (deutsche Übersetzung: „Uranias Kinder“. Die seltsame Welt der Astrologen und das Dritte Reich. Weinheim 1995, S. 119) sowie James Webb: The Occult Establishment. La Salle, Ill. 1976, S. 32, 74.

Der Ariosoph Detlef Schmude, Reichswehr-Hauptmann und seit 1915 „Bruder“ des Neutempler-Ordens, der 1922–1927 auch die Zeitschrift Ostara edierte, bezeichnete Hanish in einem seiner literarischen Werke als „Komponist der in diesem Buch angeführten Oden an die Gottheit“ und rühmte „Masydayasnan“ als „zoroastrischen Tempelorden, der noch heute in segensreicher Weise für das Heil der arischen Rasse wirkt“.Hier zitiert nach Franz Wegener: Neu-Vineta: Die Rassesiedlungspläne der Ariosophen für die Halbinseln Darß und Zingst. KFVR, Gladbeck 2010, S. 27. (einsehbar bei Google Books), zu Schmude dort passim weitere Ausführungen.

Umgekehrt wurden Nationalsozialismus und „Drittes Reich“ ebenso wie Sterilisationsgesetze und NS-Rassenlehre in Mazdaznan-Schriften begrüßt und darauf hingewiesen, „daß Mazdaznan derlei bereits früher und wesentlich konsequenter gefordert habe“.Bernd Wedemeyer-Kolwe: „Der neue Mensch“: Körperkultur im Kaiserreich und in der Weimarer Republik. Königshausen & Neumann, Würzburg 2004, S. 153–164, hier 163 (einsehbar bei Google Books).

Trotz der ideologischen Nähe zum nationalsozialistischen DenkenVgl. dazu auch Klaus Bellmund, Karel Siniveer: Kulte, Führer, Lichtgestalten. Esoterik als Mittel rechtsradikaler Propaganda. Knaur, München, 1997, S. 227ff. Rolf Peter Sieferle: Indien und die Arier in der Rassentheorie. In: Zeitschrift für Kulturaustausch. Band 37, 1987, S. 444–467. Helmut Zander: Okkultismus und Theosophie im Kaiserreich. In: Uwe Puschner (Hrsg.): Handbuch zur „Völkischen Bewegung“ 1871–1918. K.G. Saur, München., 1996, S. 235. wurde die Bewegung des Mazdaznan-Bundes 1935 in Deutschland vorläufig verboten, 1938 auch der Vertrieb von Mazdaznan-Literatur untersagt und 1941 die Bewegung endgültig verboten.Vgl. Corinna Treitel: A science for the soul: occultism and the genesis of the German modern. Johns Hopkins University Press, Baltimore 2004, S. 221ff, bes. 229f. Bernd Wedemeyer-Kolwe: „Der neue Mensch“: Körperkultur im Kaiserreich und in der Weimarer Republik. Königshausen & Neumann, Würzburg 2004, S. 153–164, hier 164. Ulrich Linse: Mazdaznan – die Rassenreligion vom arischen Friedensreich. In: Stefanie v. Schnurbein, Justus H. Ulbricht (Hrsg.): Völkische Religion und Krisen der Moderne. Entwürfe „arteigener“ Glaubenssysteme seit der Jahrhundertwende. Würzburg 2001, S. 268–291, hier 285. Nach 1945 blieb dieses Verbot in der DDR bestehen, so dass keine Neugründung dort möglich war, während in der Bundesrepublik Deutschland die Arbeit wieder aufgenommen werden durfte. 1959 wurde die Neuzeitliche Diät- und Lebensschule in Bringhausen am Edersee gegründet. Heute soll es in Deutschland einige tausend Mazdaznan-Anhänger geben. Das amerikanische Hauptquartier befand sich 1917 bis 1980 in Los Angeles. Dann wurde es nach Encinitas bei San Diego verlegt.

Lehre Glaubensvorstellungen Mazdaznan (sprich: Masdasnan) ist eine Wortschöpfung aus den altpersischen Worten Ahura Mazdā und Yaznan = „Verehrer des Höchstdenkbaren“ und versteht sich als die Fortsetzung der monotheistischen Religion des Propheten Zarathustra. Eine andere Deutung des Namens geht von der Zendsprache aus. Hier bedeutet ma „gut“, zda „Gedanke“ und znan (Abk. von jasnan) „meisterhaft“; Mazdaznan heißt also „Meister des Gottesgedankens“.

Mazda wird als außerhalb von Raum und Zeit stehender einziger und guter Gott betrachtet. Als sein Prophet gilt Zarathustra und später Mani. Zarathustra wiederum habe aus Steintafeln geschöpft, die von einer im Tibet lebenden Wahrheitssucherin namens Ainyahita mehrere Jahrtausende zuvor aufgezeichnet wurden.

In der materiellen Welt herrscht Jehova, der als Kombination von Gutem (Mazda) und Bösem betrachtet wird. Als Propheten von Jehova betrachtet die Lehre Moses und Mohammed.

Weiter lehrt Mazdaznan, dass Zarathustra drei Erlöser prophezeit habe, die alle von einer Jungfrau geboren werden. Diese seien Krishna, Buddha und Yehoshua (fälschlich Christus genannt) gewesen. Deren Lehren seien später verfälscht worden.

Hanish nannte als Quelle seiner Lehre ebenfalls die Offenbarungen von Ainyahita aus dem Süden Tibets, der angeblichen Stammmutter der Arier. Sowohl Zarathustra als auch Jesus hätten lediglich ihre Lehren modifiziert.

Die Anhänger sprechen nicht von Glauben, sondern von „Lebenskunde“, die dazu dienen soll, durch disziplinierte Lebensweise bis hin zur Askese den Zustand der Vollkommenheit zu erreichen.

Rassenlehre Auf der Internetseite www.Mazdaznan.eu findet man 2016 eine Erklärung zum Thema Diskriminierung, Rassismus und Fremdenfeindlichkeit:

Für wen ist die Mazdaznan Botschaft?