mini|hochkant=2.5|Einfache Schnellpresse. Aufriss einer einfachen Maschine mit sogenannter Eisenbahnbewegung. a Treibräder, b Karrenrollen, c Traverse oder Wagenverbindungsstange, d Karrenstange, e aufrechte Stange, f Zugstange, g Zwischenrad, daneben der Nacktzylinder für die Farbenreibung. Der Lauf des Papiers ist durch punktierte Pfeile angegeben.

Als Schnellpresse bezeichnet man im Gegensatz zur Handpresse einen Apparat, der alle Manipulationen des typografischen oder lithografischen Druckes, mit Ausnahme des Einlegens der Druckbogen, selbsttätig ausführt. In der Entwicklung des Buchdrucks lösten dampfgetriebene Schnellpressen ab dem frühen 19. Jahrhundert die handbetriebenen Druckerpressen in der Tradition Johannes Gutenbergs ab.

Geschichte und Entwicklung mini|Koenigs Zylinderdruckmaschine („Doppelmaschine“) mini|Koenigs dampfbetriebene Zylinderdruckmaschine zum Druck der Times (1814)

Als Erfinder der Zylinder-Schnellpresse gilt der Buchdrucker Friedrich Koenig (1774–1833), der seine Tätigkeit 1803 in Suhl (Thüringen) aufnahm und 1811 in London, unter Mithilfe der Buchdrucker Thomas Bensley (1750–1835) und Richard Taylor (1781–1858), aber vor allem des Mechanikers Andreas Friedrich Bauer (1783–1860), die erste einsatzreife Druckmaschine in Betrieb nahm.

Es handelte sich um eine Buchdruckmaschine, die noch die meisten Bestandteile der alten Holzpressen enthielt. Das Einschwärzen der Schrift (Auftragen der Farbe) besorgte die Maschine selbsttätig mit Färbewalzen anstelle der zuvor verwendeten Ballen. Koenig ersetzte den Tiegel als Gegendruckelement durch einen in drei mit dünnem Filz bezogene Felder geteilten Druckzylinder, auf dem das Papier während des Druckvorgangs zunächst mithilfe von Rähmchen, bei späteren Versionen durch Bänder gehalten wurde. Mit ca. 800 Bogen in der Stunde übertraf ihre Leistung die der Handpresse um mehr als das Doppelte.Hans Bolza: Friedrich Koenig und die Erfindung der Druckmaschine. In: Technikgeschichte, 1967 Bd. 34, Nr. 1, S. 79–89 John Walter (der Jüngere), der Besitzer der Times, der sie arbeiten sah, bestellte zwei Maschinen für sein Blatt. Das Patent dieser ersten Zylinderdruckmaschine ist auf den 30. Oktober 1811 datiert. Die Einrichtung für einen zweiten Druckzylinder und ein kombiniertes Walzensystem sind in ihm bereits vorgesehen.

Bereits am 23. Juli 1813 erhielt Koenig ein drittes Patent für neue Verbesserungen, die beim Bau der für die Times bestimmten Maschinen zur Anwendung kamen. Diese Maschinen wurden mit zwei Druckzylindern versehen, so dass die auf dem Karren ruhende Schriftform bei jedem Hin- und Hergang zweimal statt einmal eingeschwärzt und gedruckt wurde, was zu einem Gesamtergebnis von 1100 Abdrucken in der Stunde führte.

Am 29. November 1814 erschien die Times zum ersten Mal auf der Schnellpresse gedruckt, wobei sie dieses Ereignis in einem seitdem zu historischer Bedeutung gelangten Leitartikel feierte. Die erste Zylinderdruckmaschine hatte Bensley erhalten. Sie sowie die beiden Timesmaschinen und alle von Koenig und Bauer bis 1825 gebauten wurden durch Dampfkraft betrieben.

Der Doppelmaschine folgte der Bau der Schön- und Widerdruck- oder Komplettmaschinen, für die Koenig sein letztes Patent in England am 24. Dezember 1814 erhielt. Diese enthielten an jedem Ende ein Färbewerk; auch ging der Karren mit der Form nicht mehr unter beiden Druckzylindern durch, sondern jede druckte eine eigene Form; der Druckbogen wurde mittels Schnüren und eines Leitungstuchs von einem Zylinder auf den anderen übergeführt, so dass er auf beiden Seiten fertig bedruckt die Maschine verließ, daher auch ihr Name: Komplettmaschine. Ihre Leistungsfähigkeit betrug 1000 beidseitig bedruckte Bogen in der Stunde, aufgestellt wurde die erste Maschine 1816 in der Druckerei von Bensley.

Koenigs Erfolge regten auch andere Konstrukteure an. 1813 ließen sich Richard Bacon und Bryan Donkin (1768–1855) in London eine Schnellpresse patentieren, die aber nie zur Ausführung gekommen ist. Bei ihr stand die Schrift nicht auf einer einzigen horizontalen Fläche, sondern auf einem prismatischen, sich drehenden Zylinder, der seine verschiedenen von einem Walzenapparat eingeschwärzten Seiten an einem zweiten, ebenfalls prismatischen Druckzylinder zum Empfang des Druckes vorbeiführte.

Bacon und Donkin wendeten zuerst statt Walzen aus Leder solche aus Sirup und Leim an, um eine gute Färbung zu erzielen; die zusammengeschmolzene Sirup-Leimmasse gossen sie auf Leinwand und befestigten diese auf dem Walzenzylinder. Das Verfahren ist gut 50 Jahre lang für Buchdruckwalzen beibehalten worden, aber sehr bald hat man die Masse direkt um die Walzenkerne gegossen.

Die Einführung des zu druckenden Papiers erfolgt bei Donkins Maschine auf einem Tuch, von dem es ein Greiferlineal abhob. Eine folgenschwerere Konkurrenz sollte Koenig durch Bensley erwachsen, der sich mit Edward Cowper (1790–1852) und Augustus Applegath vereinigte und unter Anwendung unwesentlicher, als Verbesserungen bezeichneter Abänderungen selbst zum Bau Koenigscher Maschinen schritt.

Rutt und Napier, zwei weitere Nachahmer, folgten bald, und Koenig zog es vor, bald gefolgt von Bauer, nach Deutschland zurückzukehren, wo er die Gebäude des ehemaligen Klosters Oberzell bei Würzburg 1818 in eine Maschinenfabrik umwandelte. Die ersten vier Schnellpressen in Deutschland und zugleich die ersten Erzeugnisse der Fabrik zu Oberzell empfingen 1822 die von Deckersche Hofbuchdruckerei und die Druckerei der Spenerschen Zeitung in Berlin.

Funktionsweise Der folgende Abschnitt beschreibt die grundsätzliche Funktionsweise der historischen Schnellpresse. In der Blütezeit der Schnellpressen gab es die generelle Unterscheidung in Flachformmaschinen und Rundformmaschinen sowie bei den Flachformmaschinen wiederum in horizontale und vertikale (Lage der eingespannten Druckform) oder nach dem Funktionsprinzip in Stoppzylinder- (auch Haltzylinder), Eintouren, Zweitouren- oder Schwingzylinderpressen. Die ersten bekannten Formen waren horizontale Flachformmaschinen in Stoppzylinderbauweise. Sonderformen im Flachformmaschinenbau waren Mehrfarbpressen und Mischformen in halbvertikaler Bauweise.

Der Begriff Schnellpresse wurde ursprünglich nur für einen Maschinentypus verwendet, später wurde dann der Buchdruckautomat ergänzend hinzugenommen und letztendlich wieder alle Bauformen unter Schnellpresse zusammengefasst.

Der Mechanismus der Schnellpresse besteht zunächst in einem vierwandigen, innerhalb durch Kreuzstreben verbundenen Gestell, in dessen oberen Teil in der Mitte der Druckzylinder in Lagern liegt, während unter ihm, auf Schienen gleitend, der Karren, d. h. das die zu druckende Schriftform tragende Fundament (eine glatte Eisenplatte in horizontaler Lage), hin- und hergetrieben wird, um durch dasselbe überlagernde Auftragwalzen aus dem Farbapparat die für den Druck erforderliche Färbung zu erhalten. Die Bewegung des Karrens wird als hypocykloidische Geradführung bezeichnet und beruht auf dem Prinzip der Cardanischen Kreise.

Die Einfärbung kann entweder mittels Tischfärbung oder Zylinderfärbung geschehen. Bei ersterer erfolgt die gleichmäßige Verteilung der Farbpartikelchen durch Verreibung auf vor oder hinter dem Fundament angebrachten Farbentischen. Bei letzterer geschieht es nur auf einer Anzahl übereinander gelagerter Walzen, die man je nach ihrer Zahl und Stellung als einfache oder doppelte (übersetzte) Färbung bezeichnet.

Ende des 19. Jahrhunderts hat man auch die Zahl der Auftragwalzen von zwei auf vier erhöht und die ihnen überlagernden Verreiber entsprechend vermehrt, um eine feinere und durchaus gleichmäßigere Färbung zu erzielen.

Die Grundzüge der Schnellpresse haben mit ihrer Ausbreitung und durch die zahlreichen Fabrikanten, die sich ihrem Bau zuwandten, wesentliche Modifikationen erfahren. Eine sehr wichtige Verbesserung war die Ersetzung der Zuführbänder durch am Druckzylinder angebrachte bewegliche Klammern (Greifer), in die das zu bedruckende Papier gelegt wird, um dem häufig auftretenden Faltenbilden entgegenzuwirken, sowie mit der Verwendung von Punkturen (im Zylinder befestigten Stahlstiften) ein vollkommen genaues Aufeinanderpassen der Seiten (Registerhalten) zu ermöglichen.

Man bezeichnete die mit Greiferapparat versehenen Schnellpressen fortan als Greifermaschinen zum Unterschied von den bis dahin gebräuchlichen Schnurenmaschinen, die seitdem ganz außer Gebrauch gekommen sind. Auch der Bewegungsmechanismus des Karrens wurde geändert; er unterscheidet sich noch in Krummzapfen- oder Kurbel-, Eisenbahn- und Kreisbewegung, letztere eine der wesentlichsten von Bauer gemachten Verbesserungen.

Zweifarbdruck Sir William Congreve baute eine Maschine zur Ausführung des nach ihm benannten Congrevedrucks, die zwar keine große Ausbreitung gefunden hat, aber als erste Maschine für zweifarbigen Druck Erwähnung verdient.

Dieser wurde in anderer Weise erreicht durch die von der Fabrik Koenig und Bauer (KoeBau) zuerst vollkommen zweckentsprechend gebaute, von Koenigs erstem Sohn Wilhelm ersonnene Zweifarbenmaschine. Auf ihr wird das Papier zweimal nacheinander, unter doppelter Drehung des Zylinders, von getrennten, sich gegenseitig ergänzenden Formen gedruckt, wobei es nach dem ersten Abdruck unverrückt in seiner Lage festgehalten wird, bis es den zweiten Druck empfangen hat; die Congrevemaschine trennte selbsttätig die beiden zu druckenden Platten, vereinigte sie dann wieder nach erfolgter separater Färbung und gab erst hierauf den Druck ab.

Skandinaviapresse wurde eine von dem Schweden Holm erfundene und um 1840 zuerst in England gebaute Schnellpresse genannt, der ebenso wie bei der ersten Druckmaschine Koenigs das Tiegel-, d. h. Plattendrucksystem zu Grunde lag; der Umstand, dass man damals auf der Schnellpresse mit Zylinderdruck noch nicht den feinen Werk- und namentlich den Illustrationsdruck mit allen Anforderungen entsprechender Vollendung zu erreichen verstand, mag die Veranlassung gewesen sein zu ihrer Konstruktion. Die Skandinaviapresse hat viele Teile der Handpresse; der Tischfärbungsapparat ist selbsttätig, die Bewegung des Karrens erfolgt entweder durch eine exzentrische Scheibe auf einer Krummzapfenwelle oder durch eine sich drehende Trommel mit diagonaler Rinne, in der ein unterhalb des Karrens angebrachter „Fisch“ läuft; der Tiegel geht in solider Führung auf und nieder. Anfänglich nur für eine Form, hat man sie später auch doppelt, mit einer Form nach jeder Seite, jedoch so gebaut, dass sowohl beide Seiten als auch jede einzelne unabhängig von der anderen arbeiten können.

Die einfache Skandinaviapresse liefert 500 bis 700, die doppelte bis 900 Drucke pro Stunde; man bedient sich ihrer noch vielfach in England bei feinen Arbeiten mit oder ohne Illustrationen; in Deutschland, wo man von jeher dem Zylinderdruck größere Sorgfalt zuwandte, hat sie nur eine beschränkte Verbreitung gefunden. Um den sich steigernden Anforderungen des Zeitungsdrucks zu genügen, waren manche Blätter genötigt, ihren Satz zwei- bis viermal anfertigen zu lassen, wodurch ihre Herstellungskosten ganz außerordentlich gestiegen sind.

Man war daher bemüht, die Leistungsfähigkeit der Maschinen zu erhöhen, und schon 1828 hatte, nachdem Koenig zu Oberzell wegen Überbeschäftigung den Auftrag ablehnte, es Applegath in London übernommen, eine vierzylindrige Schnellpresse für den Druck der „Times“, mit einer Leistungsfähigkeit von 4000 Exemplaren in der Stunde, zu bauen; 1846 aber trat Little in London mit einer vervollkommneten vierzylindrigen Druckmaschine in die Öffentlichkeit, die den Druck von stündlich 6000 Exemplaren ermöglichte.

Satz auf einem rotierenden Zylinder