Der Mondscheintarif war eine ermäßigte Gebühr für das Telefonieren zwischen 22 und 6 Uhr. Er wurde 1974 vom Bundespostministerium eingeführt und 1980 wieder abgeschafft. Er verursachte zeitweilig Kapazitätsengpässe.Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung: Wochenbericht. 1989, S. 122 Damit verbunden ist die Erinnerung der Zeitzeugen an abendliches Schlangestehen vor den Telefonzellen.Frankfurter Allgemeine Zeitung, 11. Juni 2008, S. 1 Wegen des Andrangs waren zudem ganze Ortsnetze über längere Zeit nicht zu erreichen. „Sprachlos beim Mondschein“, kommentierte die Frankfurter Rundschau 1979.
Die amtliche Bezeichnung lautete „Nachtgebühr I“ bzw. „Nachtgebühr II“.2. Änderungsverordnung zur Fernmeldeordnung vom 12. Februar 1974 (BGBl. I Nr. 15 vom 19. Februar 1974, S. 185ff), Anlage 10 (S. 274) Betriebswirtschaftlich handelt es sich um ein die Benutzungszeit beeinflussendes Lenkungsmodell.Paul Kirchhof: Nichtsteuerliche Abgaben. In: Josef Isensee: Handbuch des Staatsrechts der Bundesrepublik Deutschland. 3. Auflage, Heidelberg 2007, S. 1127 Die Tarifbezeichnung für Telefonate wurde später wieder aufgegriffen und galt zeitweilig ab 18 Uhr. Unter anderem für die Bezeichnungen Sunshine- und Moonshine-Tarif erhielt Ron Sommer, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Telekom, 1998 die Auszeichnung Sprachpanscher des Jahres. Im übertragenen Sinn werden andere abendliche oder nächtliche Preisnachlässe ebenfalls zum Mondscheintarif gewährt.
Rezeption Der Begriff war poetisch konnotiertLothar Lemnitzer: Von Aldianer bis Zauselquote. Neue deutsche Wörter. Tübingen 2007, S. 75 und gehört zu den wenigen behördlich verwendeten Bezeichnungen, die sofort in die Umgangssprache übernommen wurden.Dietmar Bartz: Wirtschaft von A bis Z. Frankfurt am Main 2002, S. 313 Er stammte von der Hamburger Werbeagentur Lintas, die auch den Slogan Ruf doch mal an entwickelte,Rein deutsch. In: Der Spiegel, 20. Juni 1983, online und ist seit 1980 in den Rechtschreib-Duden aufgenommen. Ildikó von Kürthys Roman Mondscheintarif, in dem die Protagonistin auf den Anruf ihres Geliebten wartet, erschien 1999Ildikó von Kürthy: Mondscheintarif Rowohlt, Reinbek 1999, ISBN 3-499-23479-3. Als Hörbuch, gelesen von Ildikó von Kürthy, Argon Verlag, Berlin, ISBN 978-3-86610-854-7, bei der Verfilmung von 2001 führte Ralf Huettner Regie.
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