Tautenhain ist eine Gemeinde im Osten des Saale-Holzland-Kreises im Freistaat Thüringen. Erfüllende Gemeinde ist Bad Klosterlausnitz. Sie zählt zu den Holzlandgemeinden, welche dem Kreis einen Teil seines Namens gaben.

Geografie Nachbargemeinden Angrenzende Gemeinden sind Bad Klosterlausnitz, die Stadt Eisenberg, Silbitz und Weißenborn im Saale-Holzland-Kreis sowie die Stadt Bad Köstritz (OT Reichardtsdorf) und Kraftsdorf im Landkreis Greiz.

Geschichte Am 13. Januar 1284 wurde der Ort urkundlich erstmals erwähnt.Wolfgang Kahl: Ersterwähnung Thüringer Städte und Dörfer. Ein Handbuch. 5., verbesserte und wesentlich erweiterte Auflage. Rockstuhl, Bad Langensalza 2010, ISBN 978-3-86777-202-0, S. 282. Oberhalb des Himmelsgrundes 2 km östlich vom Ort auf dem Burgstädel befand sich eine Burg. Es war wohl ein hochmittelalterlicher Herrensitz.Michael Köhler: Thüringer Burgen und befestigte vor- und frühgeschichtliche Wohnplätze. Jenzig-Verlag Köhler, Jena 2001, ISBN 3-910141-43-9, S. 77.

Tautenhain gehörte zum wettinischen Kreisamt Eisenberg, welches aufgrund mehrerer Teilungen im Lauf seines Bestehens unter der Hoheit verschiedener Ernestinischer Herzogtümer stand. 1826 kam der Ort mit dem Südteil des Kreisamts Eisenberg und der Stadt Eisenberg vom Herzogtum Sachsen-Gotha-Altenburg zum Herzogtum Sachsen-Altenburg. Ab 1920 gehörte er zum Freistaat Thüringen.

Auf dem Weg zur Schlacht bei Jena und Auerstedt zogen 1806 – von Köstritz kommend – Truppen Napoleons durch das Dorf, die eine defekte Kanone zurückgelassen haben. Nach dieser ist der Gasthof „Zur Kanone“ benannt.

Tautenhain war bis 1974 Luftkurort.Touristen-Thüringen-Saaletal. Internet, 2011. Die Stationierung von Raketentruppen der NVA im nahegelegenen Wald auf 135 ha war Anlass, dem Ort den Besuch von Urlaubern zu entziehen. Die Einheiten der 3. Raketenbrigade waren vom Mai 1975 bis 1990 hier stationiert.

Im Ort war ab etwa 1960 das Bezirksinstitut für Landwirtschaft und später eine Folgeeinrichtung mit Experten, Technikern und Laboranten tätig. So wurde 1962 nach der Hochschulreform die landwirtschaftliche Bibliothek nach Auflösung der Landwirtschaftlichen Fakultät Jena nach Tautenhain verlegt. Am 31. Dezember 1991 wurde die Tautenhainer Einrichtung abgewickelt und die Bibliothek an die LUFA Jena mit Sitz in Zwätzen rückverlagert.Heike Brückner: Geschichte und Bestand der Agrarwissenschaftlichen Bibliothek Jena. In: Thüringer Landesanstalt für Landwirtschaft. Geschichtsheft. 8 = Thüringer Landesanstalt für Landwirtschaft. Schriftenreihe. Heft 13, 2002, , S. 98–108.Karl Egerer: Zur Geschichte der Landwirtschaft Ostthüringens von 1945 bis 1989. In: Thüringer Landesanstalt für Landwirtschaft. Geschichtsheft. 3 = Thüringer Landesanstalt für Landwirtschaft. Schriftenreihe. Heft 5, 1996, S. 61–107.

Einwohnerentwicklung Entwicklung der Einwohnerzahl (31. Dezember): 1994 - 1769 1995 - 1769 1996 - 1746 1997 - 1672 1998 - 1584 1999 - 1492 2000 - 1430 2001 - 1393 2002 - 1367 2003 - 1319 2004 - 1279 2005 - 1249 2006 - 1211 2007 - 1169 2008 - 1154 2009 - 1124 2010 - 1096 2011 - 1059 2012 - 1021 2013 - 1011 2014 - 994 2015 - 975 2016 - 941 2017 - 949 2018 - 946 2019 - 922 2020 - 928 2021 - 924 2022 - 936 2023 - 935 2024 - 910 Datenquelle: Thüringer Landesamt für Statistik

Kultur und Sehenswürdigkeiten mini|Dorfkirche Die Johanniskirche wurde 1743 errichtet.

Das jährliche Maibaumsetzen ist lokale Tradition, ebenso das Kinder-Maibaumsetzen.

Der Musikverein Tautenhain e. V. mit 16 aktiven Musikern widmet sich der Blasmusik.

Denkmal Tautenhainer Kanone und Kanonenfest mini|Hotel und Gasthof Zur Kanone (2005) In Tautenhain ist als Denkmal eine originale Kanone (auf Lafette mit Rädern) der napoleonischen Truppen von 1806 zu besichtigent. Jedes Jahr findet im Ort Ende September das Kanonenfest statt, bei dem die Besucher nachgestellte napoleonische und preußische Truppen in Aktion erleben können.Radwander- und Wanderkarte: Gera, Bad Köstritz, Bad Klosterlausnitz, Eisenberg, Hermsdorf und Umgebung. 1:35000, Verlag Dr. Barthel, Borsdorf bei Leipzig, 5. Auflage, o. J., ISBN 978-3-89591-100-2, Textteil mit Abbildung der Tautenhainer Kanone (Denkmal) Beim jährlichen Kanonenfest feuern die nachgestellten Truppen ihre mitgebrachten Kanonen ab.Werner Gutjahr: „Mit Faustina durch das Holzland und an die Saale. Sagenhafte Wanderungen“, EchinoMedia Verlag, Bürgel 2006, ISBN 3-937107-09-6, Kapitel „Auf zur ‚Kanone‘“ S. 130–137; hier S. 134–136 mit Abbildung der Tautenhainer Kanone

Die Tautenhainer Kanone soll wegen einer Beschädigung damals hier zurückgelassen worden sein. Sie steht heute auf einem gemauerten Steinpodest im Biergarten vor dem Gasthaus. Die Offiziere der napoleonischen Truppen waren 1806 wohl im Gasthof (damals ein kleines Bauerngut mit eigenem Brunnen) einquartiert oder machten hier Biwak. Die Truppe zog dann von hier zur Schlacht von Auerstedt, die Kanone blieb stehen. Das Podest mit der Kanone ist mit gusseisernen Pfosten und angehängten Metallketten umfasst. Den Wirtsleuten dieses Gasthauses haftete seit damals ein Namenszusatz an: Schon um 1830 ist als Gastwirt ein „Kanonen-Karl“ belegt. Diese Gepflogenheit wird bis heute so beibehalten.

Verkehr Tautenhain liegt an der L 1075. Die Bahnstrecke Crossen an der Elster–Porstendorf, an welcher der Bahnhof Eisenberg (Thür) lag, ist inzwischen stillgelegt. Nächstgelegener Bahnhof ist der Bahnhof Hermsdorf-Klosterlausnitz an der Bahnstrecke Weimar–Gera.

Weblinks

www.bad-klosterlausnitz.de

Einzelnachweise

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