Als Baureihe 403 wird eine zum ICE 3 gehörende ICE-Hochgeschwindigkeitsvariante der Deutschen Bahn bezeichnet. Im Gegensatz zu den Schwesterbaureihen 406, 407 und 408 ist sie nur einsystemfähig und verkehrt daher nur in Deutschland sowie zum benachbarten Bahnhof Basel SBB. Die 50 je 200 m langen Triebzüge werden aus acht Wagen gebildet und seit Juli 2000 im Reisezugbetrieb eingesetzt. Bei einer zugelassenen Fahrzeug-Höchstgeschwindigkeit von 330 km/h erreichen die Elektrotriebzüge im regulären Betrieb planmäßig bis zu 300 km/h auf der Schnellfahrstrecke Köln–Rhein/Main, der Schnellfahrstrecke Nürnberg–Ingolstadt sowie den Schnellfahrstrecken Erfurt–Halle/Leipzig und Nürnberg–Erfurt.
Obwohl auch nicht motorisierte Mittelwagen enthalten sind, tragen alle acht Wagen des Triebzugs die Baureihenbezeichnung 403 (als 403.0 bis .3 und 403.5 bis .8 bezeichnet). Die Züge übernahmen die Bezeichnung Baureihe 403 von den inzwischen außer Dienst gestellten Elektro-Triebwagen 403 der ehemaligen Deutschen Bundesbahn.
Varianten
Die Baureihe 403 wurde als Teil des Konzepts des ICE 3 bestellt, der seit 1994 in Auftrag gegeben wurde. Sie umfasst zwei Bauserien, welche sich technisch und von der Innenraumgestaltung her geringfügig unterscheiden. Die erste Bauserie, bestehend aus 37 Triebzügen, wurde zwischen 2000 und 2001 ausgeliefert. Eine zweite Bauserie, bestehend aus 13 Triebzügen, wurde als Ergänzung der Flotte von 2005 bis 2006 ausgeliefert.
Erste Bauserie
Die erste Serie von 37 Triebzügen für den Binnenverkehr ist seit dem Jahr 2000 als ICE 3 bei der Deutschen Bahn im planmäßigen Einsatz. Die Züge verfügten bei Auslieferung über 141 Sitzplätze in drei Wagen der 1. Klasse sowie 250 Sitzplätze in vier Wagen der 2. Klasse.Heinz Kurz: ICE 3 und ICE T – Neue Triebwagengeneration für die Deutsche Bahn. In: Eisenbahntechnische Rundschau. 48, Nr. 9, 1999, S. 549–559. Durch den 2002 erfolgten Umbau wurde die Zahl der Sitzplätze in der 2. Klasse gesteigert, die Zahl der Plätze in der 1. Klasse reduziert.
Zweite Bauserie
Mitte Januar 2001 wurde eine Absichtserklärung über die Beschaffung 13 weiterer ICE-3-Züge unterzeichnet. Als Teil eines Zwei-Milliarden-DM-Programms zur Modernisierung der Fernverkehrsflotte war die Beschaffung von 13 Zügen für den BinnenverkehrTorsten Berndt: Geschwisterliebe. In: E.R.-Verlagsgesellschaft (Hrsg.), Freiburg: ZÜGE. Nr. 5, 2001, ohne ISSN, S. 12–17. im Umfang von rund 500 Millionen DM vorgesehen. Zwei Jahre zuvor hatte die DB noch angekündigt, 50 zusätzliche ICE 3 beschaffen zu wollen. Die Züge sollten ab 2004 auf der Neubaustrecke Köln–Rhein/Main zum Einsatz kommen.Meldung Investitionsoffensive für den Fernverkehr. In: Eisenbahn-Revue International, Heft 3/2001, , S. 98. Ein Hersteller für die neuen Züge stand Anfang 2001 noch nicht fest.Fahrplanperspektiven. In: Eisenbahn-Revue International, Heft 4/2001, , S. 186 f. Die Bestellung folgte 2002.
Im Herbst 2005 weigerte sich die DB AG, die bereits vom Eisenbahn-Bundesamt zugelassenen Triebzüge der zweiten Bauserie abzunehmen. Eine Liste von 30 Mängeln sei vom Hersteller nicht befriedigend abgearbeitet worden. Die DB AG drohte damit, die anstehende Umrüstung von fünf ICE 3M für den Frankreich-Verkehr nicht zu beauftragen, sollten die Mängel nicht behoben werden.Meldung Streit um ICE-Abnahme: Einigung nur beim ICE-T. In: Eisenbahn-Revue International, Heft 11/2005, S. 502. Die Züge, die als Triebzüge 351 bis 363 geführt werden, wurden schließlich zwischen November 2005 und Anfang 2006 ausgeliefert.
Die Züge gleichen äußerlich den seit 2000 im Einsatz befindlichen Zügen. Im Detail wurden einige Änderungen vorgenommen, beispielsweise:
Effektivere Fahrsteuerung, die ein stärkeres Beschleunigen ermöglicht Die dreieckigen Aufbauten der Klimaanlage an den Wagenenden wurden durch flachere und windschlüpfigere ersetzt. Der prägnanteste Unterschied im Inneren besteht im 2.-Klasse-Wagen zwischen dem 1.-Klasse-Bereich und dem BordBistro: Bei der ersten Bauserie handelt es sich hierbei um einen 1.-Klasse-Wagen mit Abteilen und Leselampen, der aber über Sitze der 2. Wagenklasse verfügt, während bei der zweiten Bauserie ein regulärer 2.-Klasse-Wagen ohne Abteile zum Einsatz kommt. Insgesamt führt das zu einer um sechs Plätze gesteigerten Sitzplatzkapazität in der 2. Klasse der zweiten Bauserie, während die Sitzplatzanzahl in der 1. Klasse unverändert ist. Die Sitzplatznummern an den Plätzen sind in der zweiten Bauserie in deutlich größeren Lettern geschrieben.
Technik Mit voll funktionsfähigen Bremsen verfügen die Triebzüge über 189 Bremshundertstel (Bremsstellung R+WB) bzw. 154 Bremshundertstel (Bremsstellung R). Auf Schnellfahrstrecken ohne Feste Fahrbahn ist die Höchstgeschwindigkeit auf 250 km/h beschränkt, obwohl diese teilweise für bis zu 280 km/h ausgelegt sind, da die Wirbelstrombremse auf diesen Strecken nicht als Betriebsbremse zum Einsatz kommen darf, um übermäßigen Verschleiß von Bremsbelägen zu vermeiden.
Die 50 Triebzüge sollten ursprünglich bis 2015 mit ETCS ausgerüstet werden. Der Auftrag, der auch die ETCS-Ausrüstung von 70 ICE T umfasst, beläuft sich auf 60 Millionen Euro.
Beim Redesign wird aus dem BordBistro wieder ein vollwertiges Bordrestaurant.. Railway Gazette International (Onlineausgabe), 22. Dezember 2010. Die Ausrüstung ist im Vertrag über die ETCS-Ausstattung der ICE T als Option verankert. Es liefen Verhandlungen zur Einlösung dieser Option und nun werden die ICE-3-Triebzüge im Rahmen des Redesigns mit ETCS ausgerüstet. Der Umbau aller Triebzüge wird nunmehr bis 2024 dauern.
Seit Januar 2017 ist der Triebzug 323 „Schaffhausen“ als Probetriebzug mit ETCS ausgerüstet. Er wurde ab Juli 2017 für ETCS-Testfahrten auf der Schnellfahrstrecke Erfurt–Leipzig/Halle eingesetzt. Bis Dezember 2017 wurden 11 Triebzüge umgebaut, um sie auf den ICE-Linien 15 und 29 einzusetzen. Seit dem Fahrplanwechsel und der Eröffnung der Neubaustrecke Ebensfeld–Erfurt im Dezember 2017 verkehren diese Züge mit ETCS über die Strecke.
Übersicht und Zustand der Triebzüge
TriebzugnummerNamensgebungSeit Ende Oktober 2002 werden ICE-Züge mit Namen von Städten versehen, welche gerne eine Patenschaft übernehmen möchten. IndienststellungHeinz Kurz: InterCityExpress. Die Entwicklung des Hochgeschwindigkeitsverkehrs in Deutschland. EK-Verlag, Freiburg 2009, ISBN 978-3-88255-228-7Redesign(Aktueller Status) Umbauten oder Umrüstungen Unfälle oder besondere Vorkommnisse Allgemeine Bemerkungen Tz 301Freiburg im Breisgau(seit 29. Januar 2003) 28. Juli 200022. November 2022(aktiv) Ausstattung mit WLAN-HotSpots (railnet)Ausstattung mit ETCS Tz 302Hansestadt Lübeck(seit 20. Februar 2004) 25. Mai 200024. Januar 2017(aktiv) Ausstattung mit WLAN-HotSpots (railnet)Ausstattung mit ETCS Am 24. Oktober 2002 trennten sich die beiden Hälften (hintere Hälfte bestehend aus Triebzug 302) eines mit etwa 200 Fahrgästen besetzten ICE-3-Vollzuges in Göttingen bei einer Geschwindigkeit von rund 50 km/h infolge einer gelösten Kupplung. Infolgedessen wurde vorübergehend ein Doppeltraktionsverbot für ICE 3 angeordnet.Meldung ICE-3-Doppelzug auf der Fahrt getrennt. In: Eisenbahn-Revue International, Heft 12/2002, , S. 539. Am 25. September 2022 gab es am ICE 622 in Bochum einen Schwelbrand. Der Triebzug war wenige Tage später wieder in Betrieb. Tz 303Dortmund(seit 28. November 2002) 25. Mai 20006. September 2018(aktiv) Ausstattung mit WLAN-HotSpots (railnet)Ausstattung mit ETCS Tz 304München(seit 10. Januar 2003) 24. Oktober 20008. Juni 2020(aktiv) Ausstattung mit WLAN-HotSpots (railnet)Ausstattung mit ETCSmini|120x120px|Der Tz 304 mit Zierstreifen in RegenbogenfarbenTrägt seit dem 9. Juli 2021 anstatt des üblichen roten Zierstreifens einen Zierstreifen in Regenbogenfarben, welcher anlässlich des 10-jährigen Bestehens des LGBTIQ-Mitarbeitendennetzwerks und als Symbol für die Werte der DB angebracht wurde. Der Zugverband wurde im Dezember 2021 in AW Krefeld-Oppum getrennt. Die beiden 1.-Klasse-Wagen 403 022 und 403 104 wurden als Ersatz für die beschädigten Wagen 403 010 und 403 110 in den Zugverband des Triebzuges 310 eingereiht. Der Triebzug wurde mit den 1.-Klasse-Wagen 403 026 sowie 403 110 aufgefüllt und ist wieder mit Regenbogenstreifen unterwegs. Tz 305Baden-Baden(seit 5. November 2003) 27. Mai 200026. August 2022 (aktiv) Ausstattung mit WLAN-HotSpots (railnet)Ausstattung mit ETCS Tz 306Nördlingen(seit 28. Juni 2021) 25. Mai 200023. September 2019(aktiv) Ausstattung mit WLAN-HotSpots (railnet)Ausstattung mit ETCS Am Abend des 24. Dezembers 2018 kollidierte ICE-3-Triebzug 306 am ICE-Werk München bei etwa 25 km/h mit ICE-T-Triebzug 1177. Der Endwagen 403 006 wurde beschädigt. In Verbindung mit dem Ausfall des Triebzugs 326 wurde am 14. Januar 2019 ein Ersatzkonzept eingeführt, um ICE-3-Leistungen durch ICE-4-Leistungen zu ersetzen. Am Abend des 13. November 2022 kam es zu einem Schwelbrand am Zug. Der Zug war ursprünglich als ICE 526 nach Dortmund unterwegs. Der zweite unbeschädigte Zugteil konnte seine Fahrt als ICE 1000 fortsetzen. Tz 307Oberhausen(seit 2. September 2004) 27. Mai 200028. Juli 2023(aktiv) Ausstattung mit WLAN-HotSpots (railnet)Ausstattung mit ETCS Tz 308Murnau am Staffelsee(seit 27. Juni 2015) 9. Juni 200018. März 2022(aktiv) Ausstattung mit WLAN-HotSpots (railnet)Ausstattung mit ETCS Dieser Triebzug wurde anlässlich des Staatsbesuches von Wladimir Putin am 21. Dezember 2004 als Deutschland-Russland-Express beschriftet und für eine Sonderfahrt von Hamburg nach Schleswig eingesetzt.Drehscheibe 181 Februar 2005 Tz 309Aalen(seit 21. Juni 2008) 25. Mai 200012. Dezember 2019(aktiv) Ausstattung mit WLAN-HotSpots (railnet)Ausstattung mit ETCS Tz 310Wolfsburg(seit 23. Januar 2003) 27. Mai 20004. April 2017(aktiv) Ausstattung mit WLAN-HotSpots (railnet)Ausstattung mit ETCSWagen 403 022-7 für Wagen 403 010-2Wagen 403 104-3 für Wagen 403 110-0 Am 9. Juli 2008 entgleiste dieser Triebzug, der als ICE 518 von München nach Dortmund unterwegs war, kurz nach 16 Uhr unmittelbar bei der Ausfahrt aus dem Kölner Hauptbahnhof vor der Hohenzollernbrücke. Als Ursache gilt eine gebrochene Radsatzwelle.Thomas Wüpper: Knapp an einer Katastrophe vorbei. In: Kölner Stadtanzeiger, 9. November 2008. Der Zug wurde durch eine Notbremsung zum Stillstand gebracht, nachdem der Radsatz über die Schwellen rollte. Verletzt wurde bei dem Unfall niemand, die Fahrgäste konnten über Türen am Ende der beiden Zugteile auf den Bahnsteig zurückkehren.Spiegel online: ICE entgleist auf Hohenzollernbrücke Nach Angaben von Fahrgästen waren bereits vor Köln in einem Wagen auffällige Geräusche zu hören; nach Abfahrt in Köln sei einer der beiden Triebzüge zwischen zwei Wagen auseinandergerissen. Aufgrund von Gefahr im Verzug ordnete das Eisenbahn-Bundesamt am 10. Juli 2008 per Bescheid an, alle ICE-3-Züge nach Beendigung der Fahrt an diesem Tag außer Betrieb zu nehmen, bei denen die Ultraschall-Prüfung der Radsatzwellen mehr als 60.000 Kilometer zurücklag.Nach einer Flankenfahrt / einem Rangierunfall am 9. November 2021 in München für Reparaturarbeiten außer Betrieb gesetzt. Die beiden beschädigten Wagen 403 010 und 403 110 wurden im Dezember 2021 im Ausbesserungswerk Krefeld durch 403 022 und 403 104 aus Triebzug 304 ersetzt. Endwagen 403 022 ist deshalb fälschlicherweise mit dem Taufnamen „München“ versehen. Endwagen 403 510 trägt weiterhin den korrekten Taufnamen „Wolfsburg“. Tz 311Wiesbaden(seit 15. Dezember 2002) 20. Juli 200022. April 2022(aktiv) Ausstattung mit WLAN-HotSpots (railnet)Ausstattung mit ETCS Wurde Ende 2005 mit einer Beklebung für den damals neu eingeführten Telekom-Hotspot im ICE, einem Bestandteil des von der Deutschen Bahn und T-Mobile umgesetzten Projektes Railnet, versehen.https://rp-online.de/digitales/neuheiten/bahn-und-telekom-testen-wlan-in-ice-zuegen_aid-16988311