Alt Schwinz, 1916 noch Schwinz, ist ein Ortsteil der Gemeinde Dobbertin im Landkreis Ludwigslust-Parchim in Mecklenburg-Vorpommern. Das Dorf liegt nördlich des Goldberger Sees im Naturpark Nossentiner/Schwinzer Heide am alten Landweg zwischen den Klöstern Dobbertin und Malchow.

mini|Schwinzer Heide (2011) Geographie Das Heidedorf Alt Schwinz befindet sich nördlich des Goldberger Sees, dem früheren Groten See in der Schwinzer Heide und gab diesem großen Waldgebiet seinen Namen. Die Ortsbebauung liegt auf einer Geländehöhe von etwa 50 bis 55 m. ü. NHN, zum Goldberger See fällt sie auf 46,5 m. ü. NHN ab.

Die Große Wiese zwischen Alt und Neu Schwinz war einst ein Flachwasserbereich und entstand erst durch die Absenkung des Goldberger Sees. Die Stelle, wo sich der Weg nach Neu Schwinz und Jellen gabelt, heißt Schafbrücke, da dort früher die Schafe über die Brücke getrieben wurden. Anfang 1700 hatte das Klosteramt in Jellen eine kleine Schäferei angelegt.

Etwas westlich des Ortes beginnt die Feldmark der Stadt Goldberg. Heute liegt Alt Schwinz zwischen zwei militärischen Sperrgebieten im Naturpark. Durch den Ort führt eine Kreisstraße. Sie durchquert die Heide und verbindet die Bundesstraße 192 bei Dobbertin mit der Landesstraße 37 in Bossow.

Geschichte Der Name ist überregional durch die Schwinzer Heide bekannt. Doch Schwinz war bis ins 19. Jahrhundert nicht so abgelegen und bedeutungslos wie heute. Mehrere alte Post- und Handelswege führten durch die Heide und damit durch Schwinz, so auch eine Verbindung zwischen den Klöstern Dobbertin und Malchow. Reisende mieden so die Sümpfe an den südlichen Seen, nutzten aber die Ausspanne am Grünen Jäger.

Der Name Swenze könnte für das slawische stark bzw. heilig stehen oder als Ort des Svent gedeutet werden. 1316 wird Swenze erstmals anlässlich einer Landesteilung zwischen Johann und Henning der fürstlichen Linie Werle-Güstrow genannt, woraus man schließen darf, dass es damals von einiger Bedeutung war.MUB VI. (1870) Nr. 3860.

Von 1455 bis 1460 hatte das Kloster Dobbertin die Feldmarken von Jellen, Schwinz und Lankavel angekauft. Schwinz lag wie Jellen im südöstlichen Sandergebiet auf kargem Boden und war 1460 schon wüst. Am 29. September 1460 hatte der Klosterpropst Nicolaus Beringer mit der Priorin Ermegard Oldenborges und dem Dobbertiner Konvent das „wuste Acker Dorff Swintze, belegen in der vogtey zu goldberch“ von den Brüdern Joachim, Henning und Hermann Hagenow aus Kressin für 300 Lübische Mark gekauft.LHAS 1.5-4/3 Urkunden Kloster Dobbertin, Regesten 166. Nach Zeugenaussagen in den Prozessakten zur Schwinzer Heide im Kaiserlichen KammergerichtLHAS 3.3-3/1 Landeskloster Dobbertin Nr. 4342 um die endgültige Grenzziehung des Dannenwald zwischen den Rittern von Grabow aus Woosten und dem Kloster Dobbertin reichten 1570 die Jellener und die Schwinzer Flur bis an den Groten See.Franz Engel: Das Mecklenburgische Dorf. S. 17. Die genaue Lage der Wüstungsstelle Schwinz konnte noch nicht ermittelt werden. Es wird vermutet, dass sich vor Jahrhunderten auf dieser Wüstung auch ein heidnisches Heiligtum befand. Es könnte zwischen dem Lütt See und der Großen Schwinzer Wiese an der Alten Malchower Landstraße mit dem Flurnamen Bi de Kirch gelegen haben. Die Kreuzung wird Am Stein genannt und den dort noch vorhandenen monolithischen Wegweiser hatte einst das Klosteramt setzen lassen.

Der früher weitaus größere östliche Verlandungsbereich des Goldberger Sees trägt den Namen Rurbrok. Im dortigen Rohrbruch wurde einst Rohr für die Dachdeckung gewonnen.

Dorf mini|Ehemaliger Forst- und Waldarbeiterkaten (2011)

Am Landweg zum Grünen Jäger nördlich der Scheeper Wiese stand 1747 schon ein Teerschweler-Haus mit einem doppelwandig gemauerten Ofen zur Erzeugung von Holzteer und Holzkohle. Am 5. Dezember 1754 wurde durch die Provisoren Johann Dietrich von der Osten und Joachim Friedrich Matthias von Grabow gemeinsam mit dem Klosterhauptmann Jobst Hinrich von Bülow der Kontrakt mit dem Teerschweler Johann Friedrich Kuntzler in Schwinz auf weitere vier Jahre verlängert.LHAS 3.2-3/1 Landeskloster/Klosteramt Dobbertin. Nr. 4344. Das Teerscheler-Haus wurde im Inventarium vom 10. Mai 1747, aufgenommen vom Notar Johann Joachim Schröder in Gegenwart des Küchenmeisters Engelck Paschen Friesen, des Holzvogt Jobst Haasen und des Theer-Schwelers Kuntzler, beschrieben. Das Wohn-Haus von 4 Gebind. Die Sohlen von von Tannen Holtz und wurmstechigt, im Westen schon ganz angemulschet. Das Dach überall von Rohr. Die Diele von Lehm und höckerigt. Der Ober Boden von geklöbten Bohlen. Auf der Diele 2 Cammer mit Thüren, der Fußboden von Lehm, der Ofen von Mauer Stein 2 Cammer Thüren von Tannen Holtz, 4 Tafel Fenster 4 Scheiben sind geknickt 2 aber fehlen. Die Schäune von 3 Gebind, das Holtz überall Tannen, das Dach von Stroh, mittelmäßig, aber schlecht.LHAS 3.2-3/1 Landeskloster/Klosteramt Dobbertin. Nr. 3250 Inventarien von Häusern 1699 bis 1755.

Die Scheeper Wisch war ein verbliebener Hudewaldrest, in dem einst Vieh weidete und eine kleine Schäferei stand.

Um 1750 entstand am Rande des größten Waldgebietes an einer für damaligen Zeiten verkehrsgünstigen Stelle der Forsthof Schwinz.Horst Alsleben: Schlechte Zeiten für Holzdiebe. SVZ, Mecklenburg-Magazin, 6. August 2021. Der erste Katen für Waldarbeiter wurden vor 1790 nördlich des Forsthofes gebaut.LHAS 3.2-4 Ritterschaftliche Brandversicherun. Nr. 560. 1796 wohnten Johann Fründt, Johann Schultz und David Leverentz im Ort. Die trockenen abgesenkten Flächen vor dem heutigen Ufer des Goldberger Sees wurden vor 70 Jahren noch als Weideflächen und Wiesen genutzt. 1798 klagte der Güstrower Kaufmann Rosenow vor dem Klosteramtsgericht in Dobbertin gegen den Holzwärter Kohlscharen aus Schwinz. Über den Ausgang der Klage war nichts zu erfahren.LHAS 3.2-3/1 Landeskloster/Klosteramt Dobbertin. Nr. 372 Klosteramtsgericht.

1818 wohnten in Schwinz 25 Personen, darunter der Revierförster, zwei Jäger und fünf Tagelöhnerfamilien.

Vor 1821 standen gegenüber dem Forsthof ein Katen mit vier Wohnungen und der neue Stall. Etwas weiter östlich beidseitig des Landweges nach Waren befinden sich noch zwei Katen mit je zwei Wohnungen.LHAS 3.2-4 Ritterschaftliche Brandversicherung. Nr. 560. 1831 wurde ein einhischiger Kathen mit einer Wohnung errichtet.LHAS 3.2-3/1 Landeskloster/Klosteramt Dobbertin. Nr. 1262 Haupt-Register des KlosterAmts Dobbertin 1831–1832. 1839 kam noch ein vierhischiger Kathen hinzu.LHAS 5.11-2 Landtagsprotokoll. 13. November 1839, Nr. 18. Nach dem Zimmerbesichtigungs-Protokoll von 1858 waren der Katen von Dieckmann mit Rohr zu neu decken, bei Westphal das Dach vorne auszubessern, bei Jacobs zwei Fenster zu erneuern, bei Biermann und dem Tagelöhner Ehlert die Feuerherde zu erneuern und bei Bollmann eine neue Haustür anzufertigen.LHAS 3.2-3/1 Landeskloster/Klosteramt Dobbertin. Nr. 532.

Seit 1854 gab es in Schwinz einen Schulraum. Auf Anweisung des Klosterhauptmanns Otto Julius Freiherr von Maltzan sollten 1858 durch die Anstellung eines Schullehrers auch die Kinder der aus Ruest gekommenen Einwohner Gelegenheit zum Schulbesuch erhalten, „ohne zu weit über die Felder nach Kirch Kogel gehen zu müssen“.LHAS 5.11-2 Landtagsprotokoll. 17. November 1858, Nr. 15.

Am 1. Dezember 1876 wurden in Schwinz 80 Einwohner gezählt. Die 1886 vollendete zehn Kilometer lange Chaussee von Schwinz bis zur Eisenbahn bis zur Weiche nach Bossow war Weihnachten 1887 in Gebrauch genommen.LHAS 3.2-3/1 Landeskloster/Klosteramt Dobbertin. Nr. 432 R, 513.LHAS 5.11-2 Landtagsprotokoll. 23. November 1886, Nr. 12, 16. November 1887, Nr. 10, 11. Die Kosten betrugen 87248,22 Mark und für die technische Beaufsichtigung war ein Chausseewärter zuständig.LHAS 5.12-4/2 Ministerium für Landwirtschaft, Domänen und Forsten, Abt. Forsten. Nr. 513.

Zur Landfluchtbekämpfung wollte der Dobbertiner Forstmeister Beese an der sogenannten Schafbrücke eine neue Schule errichten lassen. An der Wegekreuzung hätten die 20 Schulkinder der vier Orte die gleiche Wegstrecke von nur einem Kilometer gehen müssen. Der Vorschlag wurde sieben Monate später durch das Ministerium abgelehnt.

Eingemeindung Mit Beschluss des Mecklenburgisch-Schwerinschen Landesverwaltungsrates vom 20. Januar 1923 wurden nach § 4 der Landesgemeindeordnung vom 20. Mai 1920 die Landgemeinden Dobbertin und Jellen-Kleesten-Schwinz zu einer Landgemeinde zusammengeschlossen, mit der Maßgabe, dass in den kirchlichen Verhältnissen der Gemeinde nichts geändert wird.LHAS 5.12-3/1 Mecklenburg-Schwerinsches Ministerium des Innern. Nr. 6788/1–4 Landgemeinde Schwinz.

Forsthof mini|Forsthaus (2011) mini|Inschrift des Klosteramtes Dobbertin mit der Jahreszahl 1872 in einem Stein im Giebel des Forsthauses (2011) mini|Dachstein der Hellberg-Ziegelei Dreyer, Klosteramt Dobbertin (2011)

1760 wurde durch das Dobbertiner Klosteramt der Forsthof Schwinz am Eingang zum größten Waldgebiet der ehemaligen Klosterforst, der Schwinzer Heide, an einer für damalige Zeiten verkehrsmäßig günstigen Stelle eingerichtet. Hier kreuzten sich die Warener und Malchower Landstraße in Richtung Osten und nach Norden zweigten Landwege nach Jellen und Kleesten ab. Die Alte Poststraße führte nach Krakow und Güstrow.

Im Protokoll des Klosteramtsgerichts Dobbertin vom 20. Mai 1769 hatte der Förster Jobst Hinrich Haase unter Eid angegeben, dass beim Lüschower See in den Kleester Tannen ungehindert Tannen gefällt und heimlich nach Goldberg gebracht wurden. Er sei der Spur gefolgt und habe die gestohlenen Tannen auf Eickelbergs Hofstelle in Goldberg gefunden. Etliche Jahre vorher hatte sich Eickelberg bereits unterstanden, eine Tanne heimlich abzuhauen. Als erste Maßnahme ließ das Klosteramt durch den Landreiter das Pferd von Eickelbergs Hof abholen.LHAS 3.2-3/1 Landeskloster/Klosteramt Dobbertin. Nr. 437. 1798 erfolgte eine Anzeige wegen Eingriff in die klösterliche Jagd und wegen Holzdiebstahls Sammiter Einwohner durch den Amtsjäger Colschhorn, der im Dienste des Schwinzer Försters Gundlach stand.LHAS 3.2-3/1 Landeskloster/Klosteramt Dobbertin. Nr. 3542.

Der Forsthof liegt am Eingang zum größten Waldgebiet der ehemaligen Klosterforst, der Schwinzer Heide. 1805 wurde dann das Neue Forsten-Haus errichtet.LHAS 5.11-2 Landtagsprotokolle. 1805.

1840 standen neben dem Forsthaus noch eine Scheune mit Stall und ein Viehhaus.LHAS 3.2-4 Ritterschaftliche Brandversicherung, 560. Nach dem Zimmerbesichtigungs-Protokoll von 1858 war das alte Forsthaus in- und außenwandig zu reparieren.

1872 wurde auf dem Forstgehöft das heutige Forsthaus und ein weiteres Gebäude als Wagenschauer sowie der Pferde- und Hühnerstall erbaut. Die alte Scheune wurde wegen Baufälligkeit abgebrochen.LHAS 5.11-2 Landtagsprotokoll 1872, 39. Das Forsthaus als ziegelsichtiger Bau mit fünf Achsen, steht auf einem im Kloster Dobbertin schon mehrfach ausgeführten behauenen Feldsteinsockel. Das Drempelgeschoss ist mit einem flachen Satteldach versehen. Der zweiflügelige Eingang erfolgt über eine leicht geschwungene Freitreppe. Ein Wildfutterschuppen für die Schwinzer Forst kam 1889 hinzu.

Förster des Dobbertiner Forstamtes: Vor 1764 Jobst Ludwig Haase 1764 Friedrich Zander 1769 Sohn Jobst Hinrich Haase, seit 1755 Amtsjäger in Schwinz 1755 Amtsjäger und ab 1769 Förster Jobst Hinrich Haase noch 1788, 1798 Förster Gundlach, Amtsjäger Colschhorn 1813–1827 Neckel 1833–1862 Jacobs 1863–1867 Wendland 1868–1896 Georg Kaphengst, nach 37 Jahren in klösterlichen Diensten, davon 30 in Schwinz, erhielt 1890 ein Dienstpferd.LHAS 5.11-2 Landtagsprotokoll. 19. November 1890, Nr. 29. 1897–1911 Friedrich Zebuhr aus Darze 1907 Revierjäger Heiden von Schwarz nach Schwinz, Revierjäger Fischer von Schwinz nach Lähnwitz 1911–1916 Karl Sauer, ab 1. Juli 1911 als Amtsjäger aus Dobbertin gekommen, Stationsjäger war Linshöft 1923 Stationsjäger Ulrich Mau hochkant=0.5|mini|Schriever