mini|Hastbrücke und Schleuse an der Havel mini|Stadtkirche mini|Elisabethmühle
Zehdenick [] ist eine amtsfreie Stadt im Landkreis Oberhavel des Landes Brandenburg. Seit dem 31. Juli 2013 führt die Stadt die Zusatzbezeichnung „Havelstadt“. (PDF)
Geographie Zehdenick liegt etwa 60 Kilometer nördlich von Berlin an der Havel. Die Stadt bildet den nördlichen Ausgangspunkt des Naturraums der Zehdenick-Spandauer Havelniederung. Östlich erstreckt sich die Waldlandschaft Schorfheide. Das Stadtgebiet gehört überwiegend zur historischen Landschaft Uckermark. Die Ortsteile Marienthal und Ribbeck gehören zum Ruppiner Land, Mildenberg und Zabelsdorf zum Land Löwenberg. Zehdenick hat Anteil am Naturschutzgebiet Kleine Schorfheide. Zehdenick belegt mit seiner Gesamtfläche Rang 69 unter den flächengrößten Städten und Gemeinden Deutschlands.
Stadtgliederung Das Stadtgebiet von Zehdenick umfasst laut Hauptsatzung neben der Kernstadt Zehdenick 13 Ortsteile: Ortsteil EinwohnerWebsite der Stadt Zehdenick Eingemeindungsdatum Badingen (mit Neuhof und Osterne) 632 26. Oktober 2003 Bergsdorf 427 31. Dezember 2001 Burgwall 238 26. Oktober 2003 Kappe 136 26. Oktober 2003 Klein-Mutz 438 26. Oktober 2003 Krewelin 281 26. Oktober 2003 Kurtschlag 268 26. Oktober 2003 Marienthal 428 26. Oktober 2003 Mildenberg 707 26. Oktober 2003 Ribbeck 135 31. Dezember 2001 Vogelsang 79 31. Dezember 2001 Wesendorf 249 26. Oktober 2003 Zabelsdorf 242 26. Oktober 2003
Es existieren folgende Wohnplätze: Amt Mildenberg, Ausbau (Ortsteil Ribbeck), Ausbau (Kernstadt Zehdenick), Boddin, Burgwaller Försterei, Deutschboden, Eichholz, Försterei Blockhaus, Großenhof, Hammelstall, Hellberge, Karlshof, Lüthkeshof, Mahnhorst, Mutzer Plan, Neuhof, Osterne, Revierförsterei Wolfsgarten, Rieckesthal, Siedlung II, Wolfsgarten, Ziegelei, Ziegelei Abbau und Ziegelei Ausbau.
Hinzu kommt noch der wüstgefallene Wohnplatz Bergluch.
Geschichte mini|450px|Zehdenick, Kolorierter Kupferstich um 1650 von Merian
Mittelalter An einem Übergang über die Havel entstand auf einer Havelinsel bereits in slawischer Zeit eine Befestigung. Bei archäologischen Untersuchungen in den Jahren 1937/1938 konnte eine slawische Siedlung aus dem 11. bis 12. Jahrhundert mit 14 Hausstellen freigelegt werden. Die nähere Untersuchung eines dieser Häuser ergab, dass es im 12. Jahrhundert in Blockbauweise errichtet worden war und eine Länge von neun Metern bei einer Breite von fünf Metern aufwies. Das Gebäude hatte zwei Räume, einen Lehnfußboden sowie einen steinernen Herd.Günter Mangelsdorf: Haus, Hof und Siedlung während des 12. bis 12. Jahrhunderts in Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern: Zum Stand der archäologischen Forschung. In: Friedrich Beck, Klaus Neitmann (Hrsg.): Brandenburgische Landesgeschichte und Archivwissenschaft. Festschrift für Lieselott Enders zum 70. Geburtstag, 1997, S. 4. Die erste urkundliche Erwähnung als „Cedenic“ stammt aus dem Jahre 1216, als der Brandenburger Bischof Siegfried II. bei seiner Amtsübernahme dem Brandenburger Domkapitel seine Archidiakonatsrechte bestätigte. Zu diesem Zeitpunkt war Zehdenick ein kleines Fischerstädtchen. Das um 1250 gegründete Zisterzienserinnen-Kloster war zeitweise bedeutsam für die Entwicklung der Stadt. Die Gerichtsbarkeit verblieb beim Landesherrn bzw. beim Inhaber der Burg (oder später des Schlosses), der mehrfach wechselte. Bereits 1281 wurde Zehdenick als „civitas“ bezeichnet.
Im 14. Jahrhundert war die Burg und damit auch die Stadt zeitweise im Besitz der Grafen von Lindow-Ruppin (1323). 1366 war Burg und Stadt vom Herzog von Mecklenburg besetzt. Anfang des 15. Jahrhunderts war sie auch von Pommern besetzt. Um 1416 geriet sie in den Pfandbesitz der Familie v. Holzendorf, 1421 war sie im Besitz der Familie v. Berg und 1424 wiederum bei der Familie v. Holzendorf. 1437 gelang dem Kurfürsten von Brandenburg Friedrich I. die Einlösung des Pfandes, nur um die Stadt 1438 nochmals für kurze Zeit an die v. Holzendorf zu verpfänden. 1438 gab sie der Kurfürst den v. Arnim zu Lehen. Zu dieser Zeit waren Burg und Stadt das Zentrum einer kleinen Herrschaft (Herrschaft Zehdenick), zu der auch ein Eisenhammer, eine Mühle und Dienste der Bauern in den Dörfern Klein-Mutz, Hammelspring, Hindenburg, Storkow, Krewelin und Wesendorf gehörten.
Frühe Neuzeit 1524 kam die kleine Herrschaft im Tausch mit der Herrschaft Boitzenburg wieder in den Besitz des Kurfürsten, der die Stadt in ein landesherrliches Amt (Amt Zehdenick) umwandelte. Das Kloster wurde 1541 säkularisiert, kam dann zunächst in den Pfandbesitz des Hofmarschalls Adam von Trott, bevor das Pfand 1551 vom Kurfürsten wieder eingelöst und zum Amt Zehdenick gelegt wurde. Dies führte zu einer starken Vergrößerung des Amtes Zehdenick.
Zur Zeit des Dreißigjährigen Kriegs brannte 1631 Zehdenick fast völlig nieder. In 1638 wurde das Kloster zerstört und die Pest forderte 1000 Todesopfer.
Eine für Brandenburg-Preußen einzigartige Bedeutung hatte der auf Anordnung des Großen Kurfürstens 1664–66 von Hugenotten neu errichtete Hochofen in Zehdenick, der die Tradition des bereits 1438 nachgewiesenen Eisenhüttenwerks wieder aufnahm. Hauptprodukt waren Kanonenkugeln, wodurch die Unabhängigkeit von teuren und unsicheren Importen erreicht wurde. Zur Verarbeitung gelangte ausschließlich der in Lagerstätten der näheren und weiteren Umgebung gewonnene Raseneisenstein.Friedrich Lenz, Otto Unholtz: Geschichte des Bankhauses Schickler. Verlag G. Reimer, Berlin 1912, S. 26, 27, 30 1710 wurden in etwa Kugeln, Bomben, Granaten, Töpfe, Grapen, Kunstfüße, Ofenplatten, Schmiedehämmer, Ambosse, Röhren, und Kirchenglocken gegossen. Mit Unterbrechungen war der Hochofen etwa hundert Jahre bis ins Jahr 1817 in Betrieb. Heute erinnert noch die „Schmelzstraße“ an diesen Standort.
1785 entstanden im Zehdenicker Eisenwerk die Gussteile für die erste in Deutschland produzierte Dampfmaschine. 1801 zerstörte ein Stadtbrand nicht nur große Teile der Stadt, sondern auch die Klostergebäude. 3123 Menschen wurden infolgedessen obdachlos. Nach dem Brand wurde die Stadt auf einem teilweise regulierten Grundriss wieder aufgebaut. Während der napoleonischen Kriege litt die Stadt über einen Zeitraum von sechs Jahren unter umfangreichen Einquartierungen und Plünderungen durch napoleonische Truppen. 1813 wurde die heute noch erhaltene Schleuse Zehdenick erbaut.
1815 wurde die Stadt abermals vergrößert, indem das Amt Badingen aufgelöst und dessen Rechte und Einkünfte zum Amt Zehdenick geschlagen wurden. Zehdenick gehörte seit 1817 zum Landkreis Templin in der preußischen Provinz Brandenburg. Das Amt Zehdenick wurde 1872 aufgelöst.
1822 kam es zur letzten öffentlichen Hinrichtung durch einen Scharfrichter in Zehdenick.
Industrialisierung und Kaiserzeit 1880 wurde der Voßkanal angelegt um die Havel zu begradigen. Beim Bau der Eisenbahnstrecke Löwenberg-Templin wurden 1887 große Tonvorkommen entdeckt, die lange Zeit die Grundlage für zahlreiche Ziegeleien bildeten. Um 1900 wurden Zehdenick und die umliegende Region zu einem der größten Ziegeleireviere Europas. Mit über 100 elektrisch angetriebenen Binnenschiffen, deren Strom teilweise mit Wasserkraft erzeugt wurde, transportierte man um 1900 jährlich bis zu 200 Millionen Ziegel- und Kalksandsteine nach Berlin.hochhaus-schiffsbetrieb.jimdo.com Details zu den elektrisch angetriebenen Schiffen zum Ziegeltransport Zehdenick wurde daher auch zu einem bedeutenden Standort der Binnenschifffahrt, woran heute ein Museumsschiff an der Schleuse erinnert. Aus dieser Zeit stammt das geflügelte Wort: „Berlin ist aus dem Kahn erbaut“. Millionen von Steinen wurden in den Ringöfen der mehr als 30 Ziegeleibetriebe von zeitweise über 5.000 Wanderarbeitern – unter schwersten Arbeitsbedingungen – hergestellt.
Zwischen 1899 und 1900 wurden die Wasserleitung und der Wasserturm erbaut. In 1900 wurde auch die Gasanstalt in Betrieb genommen. Von 1907 bis 1909 wurde außerdem eine neue Schleuse gebaut.
Weimarer Republik In den Jahren 1925 und 1926 kam es zur Elektrifizierung der Stadt. In 1928 überstieg die Stadtbevölkerung zum erstmals die Zehntausendermarke.
Nationalsozialismus Am 28. April 1945 wurden alle Brücken der Stadt durch die Wehrmacht gesprengt. Trotzdem war die Stadt fast unzerstört.
Nachkriegszeit 1946 kam es zum Wiederaufbau der Zugbrücke, und im folgenden Jahr der Kamp-Brücke.mini|Plan von Zehdenick mit Trockendock und Akkufabrik um 1900
Deutsche Demokratische Republik 1952 wurde die Stadt in den Kreis Gransee im DDR-Bezirk Potsdam eingegliedert, der 1990–1993 im Land Brandenburg fortbestand.
In der DDR wurde der VEB Ziegelwerke Zehdenick ein bedeutender Produzent. 1991 wurde die Ziegelproduktion eingestellt. Die heutige „Tonstich-Landschaft“ wurde durch einen Museumspark ergänzt, der die industrielle Vergangenheit der Region präsentiert.
Seit der Wiedervereinigung Im Zuge der Ämterbildung in Brandenburg wurde am 1. Oktober 1992 das Amt Zehdenick und Gemeinden mit Sitz in Zehdenick gebildet. Im gleichen Jahr wurde auch die neue Zugbrücke eingeweiht.
Zum 31. Dezember 2001 wurden die Gemeinden Bergsdorf, Ribbeck und Vogelsang nach Zehdenick eingegliedert. Zum 26. Oktober 2003 wurden die Gemeinden Badingen, Kappe, Klein-Mutz, Kurtschlag, Marienthal, Mildenberg, Wesendorf und Zabelsdorf nach Zehdenick eingegliedert. Das Amt Zehdenick und Gemeinden wurde zum gleichen Zeitpunkt aufgelöst und die Stadt Zehdenick wurde amtsfrei. Die Gemeinde Mildenberg erhob vor dem Verfassungsgericht des Landes Brandenburg kommunale Verfassungsbeschwerde, die teils verworfen, im Übrigen zurückgewiesen wurde.
Die Stadt Zehdenick feierte 2016 ihr 800-jähriges Bestehen.
Bevölkerungsentwicklung Jahr Einwohner 1875 5.801 1890 6.718 1910 9.996 1925 9.765 1933 11.164 1939 12.544 Jahr Einwohner 1946 13.246 1950 13.600 1964 12.344 1971 12.544 1981 11.884 1985 11.706 Jahr Einwohner 1990 11.433 1995 10.904 2000 10.543 2005 14.607 2010 13.830 2015 13.409 Jahr Einwohner 2020 13.307 2021 13.222 2022 13.048 2023 13.027 2024 13.040 2025 12.875 Gebietsstand des jeweiligen Jahres, Einwohnerzahl: Stand 31. Dezember (ab 1991)Historisches Gemeindeverzeichnis des Landes Brandenburg 1875 bis 2005. Landkreis Oberhavel (PDF) S. 14–17Bevölkerung im Land Brandenburg von 1991 bis 2015 nach Kreisfreien Städten, Landkreisen und Gemeinden, Tabelle 7Amt für Statistik Berlin-Brandenburg (Hrsg.): Statistischer Bericht A I 7, A II 3, A III 3. Bevölkerungsentwicklung und Bevölkerungsstand im Land Brandenburg (jeweilige Ausgaben des Monats Dezember), ab 2011 auf Basis des Zensus 2011, ab 2022 auf Basis des Zensus 2022Bevölkerungsfortschreibung auf Basis Zensus 2022
Die Zunahme der Einwohnerzahl 2005 ist auf die Eingliederung mehrerer Gemeinden im Jahr 2003 zurückzuführen.
Religion Im Jahr 2011 waren 20 % der Einwohner evangelisch, 2 % römisch-katholisch.Zensusdatenbank 2011
Die evangelischen Kirchen in Zehdenick gehören zum Kirchenkreis Oberes Havelland der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz: die Stadtkirche Zehdenick und die Dorfkirchen in Badingen, Bergsdorf, Kappe, Klein-Mutz, Krewelin, Kurtschlag, Marienthal, Mildenberg, Ribbeck, Wesendorf und Zabelsdorf.
Für die römisch-katholischen Christen gibt es die Mariä-Himmelfahrt-Kirche in Zehdenick und die Kapelle Heilig Kreuz in Mildenberg. Sie gehören zur Pfarrei Herz Jesu in Templin im Dekanat Eberswalde des Erzbistums Berlin.
Darüber hinaus besteht in Zehdenick eine Evangelisch-Freikirchliche Gemeinde.
Politik Stadtverordnetenversammlung Die Stadtverordnetenversammlung von Zehdenick besteht aus 22 Stadtverordneten und dem hauptamtlichen Bürgermeister. Die Kommunalwahl am 9. Juni 2024 führte bei einer Wahlbeteiligung von 60,4 % zu folgendem Ergebnis:Ergebnis der Kommunalwahl am 9. Juni 2024