Milda ist eine Gemeinde im Südwesten des Saale-Holzland-Kreises und ein Teil der Verwaltungsgemeinschaft Südliches Saaletal. Zur Gemeinde Milda gehören Milda, Zimmritz, Dürrengleina, Kleinkröbitz und Großkröbitz, Rodias und Plinz.
Geographie Milda ist der zweitwestlichste Ort im Saale-Holzland-Kreis. Bis zur Kreisstadt Eisenberg sind es allein 30 Kilometer Luftlinie. Die Gemarkung liegt auf einer leicht kupierten Hochebene auf Muschelkalk. Die Ackerstandorte sind meist grundwasserfern. Im Gemeindegebiet liegt die Wüstung Zettelwitz.
Geschichte mini|Kirchhof von oben Der Ortsname ist wahrscheinlich darauf zurückzuführen, dass das Dorf zwar auf der Hochfläche, aber in einer Mulde im Quellgebiet der Leutra liegt. Damit wäre er germanischen Ursprungs.
Der romantische Leutragraben zieht sich vom Ort bis zur ehemaligen Autobahn A4 (Abschnitt Jena-Göschwitz – Schorba). Ab hier verlief die Autobahn bis Maua parallel zur Leutra. Seit Inbetriebnahme des Jagdbergtunnels wird dieser Abschnitt derzeit wieder renaturiert. In Maua mündet die Leutra in die Saale.
Urkundliche Erwähnungen fand der Ort unter den Namen Immelden (um 1070), Muldau oder Muldauw (um 1200), Mylda (1534), Mülda (1750), Milda (1761).
Der Ort war möglicherweise sorbisch bzw. slawisch besiedelt, darauf deuten in der Umgebung der Ortsname Schorba und zahlreiche auf –itz endende Siedlungsnamen sowie ein 1932 entdecktes slawisches Grab.
Der Ort war ein Rundling mit nur einem Eingang zwischen Kirche und Pfarrhaus. Milda gehörte als Exklave zur Oberherrschaft Kranichfeld, die wechselnde Eigentümer hatte (zu Gotha ab 1663, zu Meiningen ab 1826) und war so ganz von Weimarer bzw. Altenburger Gebiet umgeben.
Ein Ausbruch der Pest forderte 1564 99 Tote, dies entsprach etwa der Hälfte der Einwohner. Im Dreißigjährigen Krieg kam es am 6. Mai 1639 zu einer Auseinandersetzung der Bauern mit den Schweden, daher rührt der Flurname „Mordgraben“ südlich des Ortes. Am 10. September 1793 vernichtete ein Brand fast das gesamte Dorf.
Im April 1945 wurde der Ort von der US Army befreit, die Anfang Juli 1945 von der Roten Armee abgelöst wurde. Ab 1952 wurde die Landwirtschaft in dem bisherigen Bauerndorf zwangsweise kollektiviert.
Einwohnerentwicklung 1693 hatte Milda 232 Einwohner, darunter einige Träger des seltenen Namens Kornarius, Nachkommen des Gelehrten Janus Cornarius, der 1558 im nahen Jena starb. Jahr 1728 1843 1895 1910 1936 Einwohner 218 231 289 303 282
Die Einwohnerentwicklung von Milda ist in der folgenden Tabelle dargestellt:Thüringer Landesamt für Statistik: Gemeinde Milda, abgerufen am 1. Mai 2026 Jahr Einwohner 31.12.1994 726 31.12.1995 759 31.12.1996 784 31.12.1997 806 31.12.1998 840 31.12.1999 856 31.12.2000 836 31.12.2001 820 31.12.2002 828 31.12.2003 830 Jahr Einwohner 31.12.2004 813 31.12.2005 828 31.12.2006 828 31.12.2007 822 31.12.2008 812 31.12.2009 805 31.12.2010 810 31.12.2011 779 31.12.2012 770 31.12.2013 773 Jahr Einwohner 31.12.2014 716 31.12.2015 748 31.12.2016 727 31.12.2017 728 31.12.2018 739 31.12.2019 742 31.12.2020 726 31.12.2021 722 31.12.2022 726 31.12.2023 722 Jahr Einwohner 31.12.2024 728 31.12.2025 749
Politik Gemeinderat Der Gemeinderat besteht aus acht Mitgliedern. Seit der Kommunalwahl am 26. Mai 2019 verteilen sich die Sitze wie folgt (in Klammern der jeweilige Stimmenanteil): CDU: 5 Sitze (50,7 %) Feuerwehrverein Milda: 2 Sitze (31,8 %) Wählergemeinschaft Bauernverband: 1 Sitz (17,4 %)
Bürgermeister Aus den Wahlen der vergangenen Jahre gingen als gewählte Bürgermeister hervor: 12. Juni 1994: Silvia Voigt (CDU) mit 82,3 % 13. Juni 1999: Roland Dick (CDU) mit 40,0 % 27. Juni 2004: Albert Helmut Weiler (CDU) mit 47,6 % 6. Juni 2010: Albert Helmut Weiler (CDU) mit 99,5 % 5. Juni 2016: Albert Helmut Weiler (CDU) mit 98,1 % 12. Juni 2022: Albert Helmut Weiler (CDU) mit 87,0 % 8. März 2026: Isabell Klein (parteilos, unterstützt von CDU und Feuerwehrverein Milda) mit 92,1 %
Wappen Wappenbeschreibung: „Gespalten von Gold und Grün; vorn ein grüner Laubbaum, hinten ein goldener Kranich.“
Sehenswürdigkeiten mini|Dorfkirche St. Jakob (2021) () mini|hochkant|Merten-Mauerstein Ältestes Haus ist das Pfarrhaus () von 1555, das als einziges (neben fünf Scheunen) den Brand vom 1793 überstand, es befand sich jedoch in einem recht schlechten Zustand. In den Jahren 2016 und 2017 wurde das Pfarrhaus saniert, die Räume werden nun teilweise vom örtlichen Kindergarten genutzt. Die dem Hl. Jakob geweihte St. Jakobus-Kirche wurde nach dem Brand 1793 an der Stelle des Vorgängerbaues unter Erhaltung von dessen Mauern ab 1794 errichtet, die Weihe war am 1. Advent 1796. Die Kirche war als Wehrkirche angelegt, der Kirchhof von starken Mauern mit vier Ecktürmen umgeben. Der südöstliche Turmstumpf und ein großer Teil der 0,90 m dicken und bis drei Meter hohen Mauer mit gepaarten Schießscharten, die ein Schießen über Kreuz ermöglichten, ist erhalten. Die Kirchhofsbefestigung schloss an ein altes Dorftor an. Das Geläut umfasste ursprünglich drei Glocken der Gebr. Ulrich aus Apolda (1796). Die zwei größeren Glocken mussten im Ersten Weltkrieg abgegeben werden. In den 1920er Jahren wurden zwei neue Glocken angeschafft, die im Zweiten Weltkrieg abermals abgegeben werden mussten. Erst 2017 wurden nach einer Spendenaktion die fehlenden zwei Glocken nach dem historischen Vorbild ersetzt (Guss am 7. Juli 2017 von der Glockengießerei Bachert in Karlsruhe). Als Besonderheiten am äußeren Bau sind ein vermauerter Stein mit der Inschrift „T Hans Merten 1572“ direkt neben dem Haupteingang und dicht unter dem nördlichen Dach ein Stein mit zwei Köpfen und Handwerker-Insignien zu erkennen. Ob diese Steine vom Vorgängerbau oder aus einer anderen Quelle stammen, lässt sich nicht mehr schlüssig klären. Bis 1869 war die Kirche ziegelgedeckt, dann – einschließlich des Turmobergeschosses – mit Schiefer. Im Jahre 2003 wurde die Turmkugel erneuert, 2007–2011 erfolgte eine Sanierung der Dachbalken. Von der Ausstattung sind zweigeschossige Emporen und eine auf Höhe der ersten Empore befindliche – 1870 hinzugefügte – Kanzel erwähnenswert. Die Orgel von Adam Eifert aus Stadtilm (um 1885) mit 13 Registern, zwei Manualen und Pedal ersetzte eine ältere, die der Stiefsohn von Johann Stephan Schmaltz, Ludwig Wilhelm Hähner aus Arnstadt erbaut hatte. Unsicher ist, ob Eifert vielleicht die Hähner-Orgel nur umgebaut hat. Auf beiden Seiten des Kircheingangs sind Gedenktafeln mit den Namen der in beiden Weltkriegen gefallenen und vermissten Soldaten eingelassen. Dorfplatz mit stattlichen Eichen und Linden Großer Teich östlich des bewehrten Kirchhofs, der mit zu dessen Schutz beitrug. Der ehemalige Teich, der nahe an der heutigen Straße lag, wurde zwischenzeitlich zugeschüttet. Mittlerweile ist im Rahmen einer Ausgleichsmaßnahme zum Ausbau der benachbarten Bundesautobahn ein neuer Teich hergestellt worden, welcher einige Meter weiter nördlich und damit weiter entfernt von der Straße liegt. Auf der Fläche des ehemaligen Teiches befindet sich heute ein Kinderspielplatz, welcher 2019 erneuert wurde.
Verkehr Milda liegt wenige Kilometer entfernt von der nördlich verlaufenden Bundesautobahn 4 (Anschlussstelle 52, Bucha). Mit dieser verbunden ist Milda durch die Landesstraße 2309, die 2007 grundlegend neu ausgebaut wurde. Von Milda nach Osten führt diese Straße zur B 88 in Richtung Kahla und Jena, nach Westen in Richtung Blankenhain. Nach Süden verläuft eine geschotterte Forststraße von Milda zum 3,7 km entfernten Beckerskirchhof und weiter über 3,3 km als öffentliche Straße nach Reinstädt.
Weblinks
www.vg-suedliches-saaletal.de
Einzelnachweise
Kategorie:Ort im Saale-Holzland-Kreis
Kategorie:Rundling Kategorie:Ersterwähnung 1070