mini|Rudolf Hans Bartsch (1925) Rudolf Hans Bartsch (* 11. Februar 1873 in Graz, Steiermark; † 7. Februar 1952 ebenda) war ein österreichischer Offizier und Schriftsteller.
Leben und Werk mini|Rudolf Hans Bartsch als k. u. k. Hauptmann 1914 mini|Grab von Bartsch am Grazer Schloßberg (Grabspruch von Josef Friedrich Perkonig) Bartsch schrieb seit 1908 Romane und Novellen, die nach Aussagen heutiger Kritiker das alte Österreich oft sentimental verklären. Nach Gero von Wilpert ein überaus fruchtbarer, unkritischer Erzähler aus dem alten Österreich mit gefühlsselig-liebenswürdigen Romanen und Novellen, herzigen und bittersüßen Liebesgeschichten von spielerischer Leichtlebigkeit...s. Lexikon der Weltliteratur, Hrsg. Gero von Wilpert. Unter Mitarb. zahlr. Fachgelehrter, DTV, München 2004, ISBN 3-423-59050-5. Bereits für seine ersten Werke wurde er sehr positiv rezensiert, für „Zwölf aus der Steiermark“ wurde er von dem einflussreichen Kritiker Hermann Bahr als die neue Stimme Österreichs gelobt: „Da steht vergnügt das neue Österreich da, um das wir mit zornigen Fäusten gerungen haben.“Hermann Bahr: Woran ich Freude fand. Eine Umfrage über wertvolle neue Bücher. Nord und Süd, 32 (1908) #127/381 (Dezember), 529-530, hier: 530. Für Willi Handl war Die Haindlkinder (1909) „unzweifelhaft der bemerkenswerteste Wiener Roman der letzten Zeit.“Willi Handl: Neue Wiener Romane. In: Neue Revue und Morgen, 1909 #16, 582-584. Sein Schubert-Roman Schwammerl, eines der erfolgreichsten Bücher vor dem Zweiten Weltkrieg, diente 1916 als Vorlage zu dem Singspiel Das Dreimäderlhaus des Komponisten Heinrich Berté, das auch verfilmt wurde.
Von Bartsch stammt u. a. das mythologisch geprägte Gedicht Herbstchor an Pan, das vom Schaffen des Flurgotts Pan und den Jahreszeiten als Symbole für den Kreislauf des Lebens und die Vergänglichkeit auf Erden im Sinne der wechselnden Jahreszeiten erzählt. Das Werk erlangte größere Bekanntheit, als es im Januar 1911 von Joseph Marx, zur damaligen Zeit der meistgespielte Liedkomponist Österreichs, als einsätzige Kantate für gemischten Chor, Knabenstimmen, Orgel und großes Orchester vertont wurde. Es handelt sich hierbei kurioserweise um das erste für Orchester geschriebene Werk von Joseph Marx. Der Herbstchor an Pan wurde im Juni 2008 vom BBC Symphony Orchestra & Chorus unter Jiří Bělohlávek zusammen mit den übrigen Chorwerken von Joseph Marx für das britische Label Chandos ersteingespielt.
Weitgehend unbekannt ist seine Tätigkeit im k. u. k. Kriegsarchiv, dem er als Oberleutnant in den Jahren 1895 bis 1911 zugeteilt war. 1916 erhielt Bartsch als Hauptmann der Reserve beim Kriegsarchiv das Ritterkreuz mit Kriegsdekoration des Franz-Joseph-Ordens.
1915 brachte der Militärdienst den Schriftsteller nach Baden bei Wien, ab 1916 Sitz des Armeeoberkommandos Österreich-Ungarns. Bartsch fand schnell Gefallen an Stadt, Umgebung und Gesellschaftsleben, kaufte mit seiner Ehefrau Berta eine Villa (Biondekgasse 25), in der er ab 1917 in privatem Kreis Lese- wie Musikabende veranstaltete, Programme die er öffentlich zugunsten von Wohltätigkeit wiederholen ließ. Nach Ende des Krieges wohnte und arbeitete Bartsch in Wien,Wohnung: Wien-Josefstadt, Hamerlingplatz 7; Atelier: Wien-Landstraße, Invalidenstraße 3 plante jedoch um 1925, sein (vermietetes) Badener Domizil wieder zum Lebensmittelpunkt zu machen. 1933, dem Jahr seines 60. Geburtstages, war die Liegenschaft nach wie vor im alleinigen Eigentum des Ehepaares.
In der Zeit des Nationalsozialismus war Bartsch ein vom Regime wenig geschätzter Autor, da sein literarisches Werk als träumerisch-melancholisch und „weichlich“ angesehen wurde und dem nationalsozialistischen Menschenbild nicht entsprach. Während der NS-Zeit veröffentlichte Bartsch nur noch ein einziges neues Buch, seine früher erhebliche Popularität erlosch zusehends.Gerhard Fuchs: Profiteure, Verfolgte, Verbotene. Dichter und Dichtung von 1938 bis 1945. In: Stefan Karner (Hrsg.): Graz in der NS-Zeit 1938-1945. Ludwig-Boltzmann Institut für Kriegsfolgenforschung, Graz 1998, ISBN 3-901661-04-2, S. 71-96, hier S. 77.
Nach seinem Tod wurde Rudolf Hans Bartsch eingeäschert, seine Urne auf dem Grazer Schloßberg in den Mauern der ehemaligen Stallbastei eingemauert.
In seiner Heimatstadt Graz, in dessen Stadtbezirk Sankt Peter er 1952 starb,Wohnadresse in Sankt Peter: Rosengasse 21; in den 1920er-Jahren: Graz-Geidorf, Zinzendorfgasse 6 sowie in Leibnitz und Mureck wurden Straßen nach ihm benannt.
Auszeichnungen und Ehrungen
Ehrenbürger der Stadt Graz, 1932 Peter-Rosegger-Preis, 1951 In Graz St. Peter wurde die Rudolf-Hans-Bartsch Straße nach ihm benannt.
Werke (Auswahl)
Romane
Zwölf aus der Steiermark, 1908. (Digitalisat, Neuauflage 2023, ISBN 978-3-7437-4715-9) Elisabeth Kött, 1909. (Digitalisat) Schwammerl. Schubert-Roman, 1912. (Digitalisat) Das deutsche Leid. Ein Landschafts-Roman, 1912. (Digitalisat) Die Geschichte von der Hannerl und ihren Liebhabern, 1913 Der letzte Student, Ullstein, Berlin 1913. (Digitalisat) ER. Ein Buch der Andacht, 1915. (Digitalisat) Der Flieger, 1915. (Digitalisat) Frau Utta und der Jäger, 1915. (Digitalisat) Das Deutsche Volk in schwerer Zeit, 1916 (Ullstein Kriegsbücher) Lukas Rabesam, 1917 Der junge Dichter. Roman, 1918. (Digitalisat) Heidentum. Die Geschichte eines Vereinsamten, 1919. (Digitalisat) Ewiges Arkadien!, 1920. (Digitalisat) Seine Jüdin oder Jakob Böhmes Schusterkugel, 1921. (Digitalisat) Ein Landstreicher, 1921. (Digitalisat) Die Haindlkinder Das Tierchen. Die Geschichte einer kleinen Grisette, 1922 Die Faschingsoper. (Così fan tutte). Mit 6 photo-lithographischen montierten Vollbildern in 10-farbigem Offsetdruck von Franz von Bayros, 1922 Die Salige Der Satansgedanke (wohl 1923). (Neuauflage 2023, ISBN 978-3-7437-4577-3) Venus und das Mädchengrab. Liebesgeschichte eines Sonderlings, 1926 Die Verliebten und ihre Stadt, 1927 Die Apotheke zur blauen Gans. Roman aus seltsamem Grenzland, 1928 Wild und frei. Thema mit Variationen, 1928 Der große alte Kater. Eine Schopenhauer-Geschichte, 1929 Die Verführerin. Eine Wiener Geschichte, 1930 Der große und der kleine Klaus, 1931 Das Lächeln der Marie Antoinette, 1932 Ein Deutscher. Zsgestellt aus Fragmenten der Erinnergen des Christoph Magnus von Raithenau, 1933 Der große Traum der kleinen Wienerin. Eine heitere Staatsaktion, 1936 Brüder im Sturm, 1940 Wenn Majestäten lieben, 1949
Erzählungen, Novellen
Vom sterbenden Rokoko, 1909. (Digitalisat, Neuauflage 2023, ISBN 978-3-7437-4626-8) Bittersüße Liebesgeschichten, 1910. (Digitalisat) Unerfüllte Geschichten. (Digitalisat) Frauen. 3 Novellen, 1918 Musik. 3 Novellen, 1923 Novellen, 1924 Histörchen, 1925 Besonntes Philisterium, 1934
Theaterstücke
Ohne Gott. Die Tragödie einer Mutter, 1915. (Digitalisat) Fernes Schiff. 3 Akte (6 Bilder) aus dem Leben des großen Kolonisators John Smith, 1934
Essays
Wien das grüne, Brüder Rosenbaum, Wien 1911. Todesrekord und Musterwirtschaft. Die Argonnen-Schwaben. In: Kriegsheft des Bundes für Heimatschutz in Württemberg und Hohenzollern (1916), S. 68–72. Das Glück des deutschen Menschen, 1927
Literatur Hans Dolf: Rudolf Hans Bartsch. Bruder des großen Pan. Eine Studie über den Dichter mit einer Auswahl aus seinen Werken. Leykam, Graz 1964. Theodor Lessing: Rudolf Hans Bartsch. Ein letztes deutsches Naturdenkmal. Staackmann, Leipzig 1927. Sophie Rahaberger: Das religiöse Problem bei Rudolf Hans Bartsch. Univ. Diss., Graz 1959.
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Anmerkungen
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