Safed (; ) ist eine 934 m hoch gelegene Stadt in Galiläa im Nordbezirk Israels und somit die höchstgelegene Stadt Israels. Sie befindet sich auf einem der höchsten Berge Obergaliläas (). hatte sie Einwohner.

Safed ist eine der vier Heiligen Städte im Judentum, zusammen mit Jerusalem, Hebron und Tiberias. Bedeutung erlangte Safed als ein wichtiger Ort jüdischer Gelehrsamkeit und war lange Zeit ein geistiges Zentrum der Kabbala.

Geschichte Antike und Imperium Romanum Die erste historisch greifbare Erwähnung findet die Stadt um das Jahr 66 n. Chr. Damals ließ Flavius Josephus zur Verteidigung gegen den bevorstehenden Angriff der Römer im Jüdischen Krieg einige galiläische Bergdörfer befestigten und zu Bollwerken ausbauen. Unter diesen Orten wird auch Sepph (griechisch Σεπφ) genannt,Vgl. Flavius Josephus: Jüdischer Krieg II, S. 573 womit möglicherweise Safed gemeint sein könnte. Im Jerusalemer Talmud wird Safed als einer der Berggipfel erwähnt, von denen zur Zeit des Herodianischen Tempels Feuersignale übermittelt wurden.Jerusalemer Talmud, RH 2:1, S. 58a

Islamische Expansion und Kreuzzüge Nach dem Ersten Kreuzzug errichteten die Kreuzfahrer hier im Jahr 1102 eine Burg. Diese wurde von Saladin belagert und ihm am 6. Dezember 1188 gegen freien Abzug der Garnison nach Tyros übergeben. Nach dem Kreuzzug Theobalds von Champagne erneuerten französische Templer 1240 die Burg. Ab Juni 1266 wurde die Burg von den ägyptischen Mamluken belagert. Am 23. Juli ergaben sich die Tempelritter gegen die Zusicherung freien Abzugs zur Küste. Sultan Baibars ließ jedoch die 1500 Mann der Garnison enthaupten. Ein einziger Franke wurde verschont und nach Akkon geschickt, um von der Hinrichtung zu berichten. Die Mamluken machten Safed zur Hauptstadt Obergaliläas.

Als Teil des Osmanischen Reichs Safed kam, wie die gesamte Levante, durch den Osmanisch-Mamlukischen Krieg (1516–1517) ans Osmanische Reich. Sultan Süleyman I. der Prächtige, ermöglichte Juden in Safed eine Blütezeit, in der Isaak Luria und andere Kabbalisten wirkten und die nicht einmal hundert Jahre andauerte. Laut der Forschung des Historikers Amnon Cohen in osmanischen Steuerregistern kann die Bevölkerung von Safed für das Steuerjahr 1525/1526 auf rund 5700 Menschen geschätzt werden. Die Zahl wuchs auf 11.100 um 1555/1556 und auf 12.000 in den Jahren 1567/1568. Im 16. Jahrhundert wurde Safed unter osmanischer Herrschaft zur „jüdischen“ Stadt. Um 1550 lebten hier annähernd 10.000 Juden, von denen viele 1492 vor der Verfolgung durch die sogenannten Katholischen Könige aus Spanien geflohen waren und ihre Kenntnisse in der Textilherstellung mitbrachten.

Viele bedeutende jüdische Gelehrte („Goldene Ära von Safed“), unter ihnen die Rabbiner Josef Karo, Moses Cordovero und Isaak Luria, siedelten sich hier an und festigten den Ruf Safeds als Zentrum der Kabbala. 1563 wurde hier die erste hebräische Druckerei Palästinas gegründet. Im 17. Jahrhundert war Safed eine der Hochburgen der messianischen Bewegung von Schabbtai Zvi (Sabbatianismus). Von hier stammte eine von Schabbtai Zvis Frauen.

Die lokale Textilproduktion ging im 17. Jahrhundert stark zurück, da sie, anders als in Nablus, teurere Wollerzeugnisse exportierte. Die ausländische Konkurrenz, hauptsächlich aus Frankreich, brachte sie in Not. Die Situation begann sich Mitte des 17. Jahrhunderts zu verschlechtern, als die Hohe Pforte schwächer wurde und lokale Führer begannen, sich gegenseitig zu bekämpfen, wobei es ihnen vorrangig darum ging, sich gegenseitig Gebiete zu entreißen, um dadurch in zugewonnenen und womöglich minder ausgeplünderten Bereichen die Steuern einzutreiben, wobei sie davon nur einen Bruchteil an die Hohe Pforte weitergaben. Safed sank herab zu einem unbedeutenden Flecken in der Peripherie des zerrütteten Osmanischen Reiches.ʿAtzmonah Wachsmann Schabtai (), “” (22. September 2020), auf: רואה שחורות במשקפיים ורודים; abgerufen am 24. September 2025.

Safed zur Zeit des Regionalpotentaten Ẓahir al-ʿUmar Diesem Verfall stemmte sich Ẓahir al-ʿUmar al-Zaidani (um 1690–1775) entgegen, eine mutige und charismatische Persönlichkeit aus der erfolgreichen Beduinenfamilie al-Zayadina, damals ansässig in ʿArraba. Aus gegebenem Anlass, zu einem nicht genau überliefertem Zeitpunkt zwischen 1713 und 1718, hatte er das Dorf al-Biʿna () vor Erpressung überhöhter Abgaben an den Wālī des Eyâlets Sidon bewahrt, was seinen guten Ruf begründete. Als Kaufmann erfolgreich konnte er in eine bedeutende damaszenische Familie einheiraten konnte und rückte um 1730 in herausgehobene Stellung als Sprecher eines Stammes von Unruhestiftern. Die Banū Ṣaqr trieben zwischen Safed und Tiberias ihr Unwesen und baten al-ʿUmar al-Zaidani um seine Fürsprache beim Wālī von Sidon der schon militärisch gegen sie vorgehen wollte. Als Dank für die erfolgreiche Vermittlung erwiesen die Banū Ṣaqr ihrem Sprecher Kampfesdienste, womit er im gleichen Jahr – mit Einwilligung des Wālīs – Tiberias im sich selbst überlassenen Südosten des Eyâlets einnahm, indem sie die Drusen vertrieben, die die Gegend verheerten. Der Wālī ernannte ihn zum Steuerpächter () der zugehörigen Nahiyat Tabariyya.Thomas Philipp, Acre: the rise and fall of a Palestinian city, 1730–1831, New York und Chichester: Columbia University Press, 2001, (=History and society of the modern Middle East series; Bd. 6), S. 32. ISBN 0-231-12327-2.

Al-ʿUmar al-Zaidani befestigte sich Tiberias, erbaute das dortige Serail, und nahm 1738 die Festung Gadin () ein mitsamt den Dörfern Abu Sinan, Wabar und Tarschiha, wo der Steuerpächter die Steuerpflichtigen derart schröpfte, dass diese an al-ʿUmar al-Zaidani appellierten, sie von diesem Joch zu befreien. Er holte die Einwilligung des Wālīs ein, dort neuer Steuerpächter statt Hussain bin Chaliqs zu werden und schlug ihn mit Hilfe der Banū Ṣaqr. Den Multazim von Safed, das zwischen Tiberias und Gadin liegt, presste und lockte Ẓahir al-ʿUmar al-Zaidani im gleichen Jahr ihm auch diese Stadt und die Nahiyat Safed zu überlassen, womit er ein durchgehendes Gebiet in Galiläa zusammengebracht hatte. Ẓāhir al-ʿUmar setzte kaufmännisch denkend auf regelmäßige kontinuierliche Steuereingänge, statt auf einmalige Höchstbeträge, die die Steuerpflichtigen ruinierten. Sein Konzept schloss auch ein, Landpächter vor Räubern zu schützen. Bei Eroberung Gadins hatte al-ʿUmar al-Zaidani den maghrebinischen Söldner Aḥmad al-Dankizlī kennengelernt, der sich ihm anschloss und über den er mit den Jahren über 1.000 Maghribiner als Söldner anwarb, mit deren Hilfe er sich der unsicheren, zu Räubereien neigenden Banū Ṣaqr entledigte.Thomas Philipp, Acre: the rise and fall of a Palestinian city, 1730–1831, New York und Chichester: Columbia University Press, 2001, (=History and society of the modern Middle East series; Bd. 6), S. 33. ISBN 0-231-12327-2.

Von Kaufleuten respektiert und bäuerlichen Landpächtern für Rücksicht und Schutz geschätzt, begann Ẓāhir al-ʿUmar mit Verhandlung und militärischem Geschick in Galiläa eine Ordnung aufzubauen, die Schutz vor Raubüberfällen und amtlicher Ausbeutung und Willkür bot, indem er allgemeine Regeln aufstellte und durchsetzte, auf die sich die Einwohner verlassen konnten. Die Ruinenstadt Akkon mit ihrem natürlichen Hafen nahm Ẓāhir al-ʿUmar sich zur Hauptstadt und rekonstruierte ihre Befestigungen.Jill Gill und Norman Wareham, Every Pilgrim’s Guide to the Holy Land, London: SCM-Canterbury Press, 1998, 31998, S. 178. ISBN 1-85311-212-7. In Ẓāhir al-ʿUmars Gebiet vor Raub geschützt konnten bäuerliche Produzenten ihre Produktion steigern und behielten nach Steuer und Pacht mehr von ihrem Ertrag für sich übrig als ihresgleichen in Gebieten anderer Herren. Ẓāhir al-ʿUmar übernahm den Export global gängiger Feldfrüchte auf die Weltmärkte.

Wachsende heimische Produktion und steigende globale Preise brachten den Beteiligten auf allen Ebenen mehr ein, bei gleichzeitigem Schutz vor Willkür und Raub, so dass Ẓāhir al-ʿUmars bislang dünn besiedeltes Herrschaftsgebiet eine Sogwirkung auf Migranten von außerhalb entwickelte. In den Folgejahren erhob sich al-ʿUmar al-Zaidani in seinen Steuerbezirken zum autonomistischen Regionalpotentaten, geflissentlich dem osmanischen Fiskus den geforderten Anteil an den Steuern zahlend und offenen Konflikt mit der wenig präsenten Hohen Pforte meidend, sondern deren Anerkennung suchend. Sein Herrschaftsbereich blieb immer prekär, denn die Hohe Pforte ihrerseits beäugte argwöhnisch jede erfolgreiche lokale Regierungskunst als Gefahr für die Reichseinheit und ermutigte wieder und wieder Wālīs benachbarter Verwaltungsbezirke al-ʿUmar al-Zaidani zu stürzen.

Dieser setzte Brüder, Neffen, Cousins und seine acht Söhne als Mutasallim () in den verschiedenen befestigten Plätzen seines Herrschaftsbereichs ein. Es saßen die Söhne ʿAbbās in Nazareth im dortigen Serail, Aḥmad zunächst in Sepphoris und nach Zugewinn weiter östlicher Gebiete dann in ʿAdschlun und as-Salt, ʿAlī in Safed, der älteste Ṣalībī in Tiberias,Martin Dow, Andrew Petersen, Denys Pringle und Caroline Singer, “Qalʿat Jiddin: a Castle of the Crusader and Ottoman periods in Galilee”, in: Levant, Bd. 26, Nr. 1 (1994), S. 135–166, hier S. 162. ʿUthmān in Schafā ʿAmr und deren Onkel Saʿd al-ʿUmar al-Zaidani in Dair Ḥanna, ältester Bruder ibn Ẓahirs. Zur Sicherung der erlangten Position errichtete ʿAlī ibn Ẓahir al-ʿUmar das Serail zu Safed.Thomas Philipp, Acre: the rise and fall of a Palestinian city, 1730–1831, New York und Chichester: Columbia University Press, 2001, (=History and society of the modern Middle East series; Bd. 6), S. 138. ISBN 0-231-12327-2. Die Einnahme Safeds in Obergaliläa hatte die Einflusszone seines Vaters derjenigen der schiʿitischen Metawali () im nordgaliläischen Dschabal ʿĀmil aufgedrängt, die sich als mögliches Objekt weiterer Ausdehnung Ẓahir al-ʿUmar al-Zaidanis in Stellung brachten. Ẓahir al-ʿUmar fand einen lange Jahre stabilen Interessensausgleich.Nach Scharmützeln um zwei Dörfer, die Ẓahir al-ʿUmar den Metawalis entriss, bestand lange kühle respektvolle Ruhe, bis 25 Jahre später, 1767, beide Seiten ein Beistandsbündnis schlossen. Die Metawalis stellten bei Gefahr von außen Truppen, Ẓahir al-ʿUmar regelte ihre Steuerpflichten gegenüber dem Wālī in Sidon und verteidigte sie gegen die aggressiven Drusen. Vgl. Thomas Philipp, Acre: the rise and fall of a Palestinian city, 1730–1831, New York und Chichester: Columbia University Press, 2001, (=History and society of the modern Middle East series; Bd. 6), S. 37. ISBN 0-231-12327-2.

Im September 1746 erzwang Ẓāhir al-ʿUmar in seinem Herrschaftsbereich als einziger Mittelsmann ein Monopol im Baumwollhandel zwischen einheimischen Verkäufern und europäischen, vor allem französischen Käufern, um als Regionalpotentat eine Monopolrente fiskalisch abzuschöpfen. Ẓāhir al-ʿUmar brachte auch weitere Gebiete unter seine Herrschaft, was einheimische Bauern eingenommener Landstriche meist wohlwollend hinnahmen. Bald gehörten außer Galiläa weitere Landstriche, wie die südlich von Haifa gelegene Scharonebene an der Küste und der nördliche Küstenstreifen bis einschließlich Sidon zu seinem Gebiet. Dass die Handelswege Darb al-Hawarnah und Via Maris nunmehr abschnittsweise al-ʿUmar al-Zaidanis gut organisierten Herrschaftsbereich durchquerten, lief den Interessen der Damaszener und der Nabulusiten zuwider, so dass sie alarmiert waren. Die seit langem verfallenen alten Handelsstraßen ließ Ẓahir al-ʿUmar al-Zaidani bewusst in diesem Zustand, um feindliche Heeresbewegungen und besonders den Transport von Kriegsmaschinen gegen die Serails und Festungen in seinem Gebiet zu erschweren.Thomas Philipp, Acre: the rise and fall of a Palestinian city, 1730–1831, New York und Chichester: Columbia University Press, 2001, (=History and society of the modern Middle East series; Bd. 6), Seite wie gesondert angegeben. ISBN 0-231-12327-2.