mini|Unteres Stadttor mit Stadtmauer (Häuserfassaden), davor Zwingermauer mini|Kupferstich von Gmünd von Andreas Trost nach Johann Weichard von Valvasor Die auf das 13. Jahrhundert zurückgehende mittelalterliche Stadtbefestigung in Gmünd in Kärnten ist noch weitgehend erhalten. Um die gesamte Stadtmauer zog sich ein Zwinger.

Topographie Gmünd liegt unmittelbar nordöstlich des Zusammenflusses der Flüsse Lieser und Malta. Die weitgehend erhaltene Stadtbefestigung bildet ein Mauergeviert in Südwest-Nordost-Richtung ungefähr in Form eines Parallelogramms. Im Norden steht auf einem steil ansteigenden Hügel die Burg Gmünd. Zentraler Ort der Stadt ist der nach Nordosten leicht ansteigende Hauptplatz, der sich vom Unteren Tor (auch Stadtturm genannt) im Südwesten bis zum Oberen Tor im Nordosten ausdehnt. Parallel zum Hauptplatz befindet sich sowohl im Nordwesten als auch im Südosten eine Hintere Gasse. In der Südostecke steht das ab 1607 errichtete Neue Schloss, in die Südostmauer sind die Pankratiuskirche und das Pankratiustor eingebunden. An der Südwestecke der Stadt steht der so genannte Amthof. Pfarrhof und Pfarrkirche befinden sich am Neuen Markt (heute Kirchplatz) in der Nordwestecke. Von dort führt die Kirchgasse ansteigend nach Nordosten in Richtung Maltator.

Geschichte mini|300px|Schematische Darstellung der Stadtbefestigung von Gmünd in Kärnten mit Alter der Wehrbauten Der Entstehungszeitpunkt von Gmünd und damit seiner Wehrbauten ist nicht genau bekannt. Die wenigen Anhaltspunkte weisen auf die planmäßige Anlage einer Festung durch das Erzbistum Salzburg hin. Bereits vorher könnten schon Teile einer Siedlung bestanden haben. Das älteste, „vor 1250“ datierte Mauerwerk der Stadt befindet sich in der seit 1792 nach einem Brand profanierten und als Lager verwendeten Pankratiuskirche. Die erste urkundliche Erwähnung der heutigen Stadt erfolgte 1252, als innerhalb weniger Tage während Friedensverhandlungen Philipp von Spanheims, Elekt zum Erzbischof von Salzburg, mit Meinhard III. von Görz und Albert III. von Tirol in Gmünd einige Urkunden ausgestellt wurden. 1273 wurde Gmünd als Markt (foro nostro) bezeichnet und erstmals eine Stadtmauer (murum civitatis) erwähnt.

Laut bauhistorischer Untersuchung stammen die Südmauer (eigentlich Südostmauer) der Stadt, Teile der Westmauer (eigentlich Südwestmauer) und der Ostmauer (eigentlich Nordostmauer) aus den Jahren 1240–1270. Da die Pankratiuskirche älter ist, wird vermutet, dass vor dem Mauerbau Holzpalisaden die Siedlung sicherten. Selbst im Jahr 1273 und später dürfte die steinerne Mauer noch nicht vollständig fertiggestellt gewesen sein, worauf auch ein Brief aus dem Jahr 1292 hinweist, in dem berichtet wird, dass die Bürger für die Verbesserung der Mauer Geld sammelten. In der Nähe des Oberen Tores ist durch eine horizontale Baufuge in der Mauer nachweisbar, wo diese später erhöht wurde. Hier wird vermutet, dass die fehlenden Teile mit Holz ergänzt wurden, bis die Mauer komplett fertiggestellt war. Auch die heutige Ausdehnung hatte das Mauergeviert noch nicht. Im 13. Jahrhundert bestand die nördliche (eigentlich nordwestliche) Stadtmauer zwischen heutiger Kirchgasse und nördlicher Hinterer Gasse, wo sie als Teil von Gebäuden nachweisbar ist. Daher war die heutige Alte Burg damals nicht Teil der Stadtbefestigung bzw. existierte noch nicht, wie die bauhistorische Untersuchung gezeigt hat. Die Burg des 13. Jahrhunderts ist der sogenannte Amthof in der Südwestecke der Stadt, dessen Mauerwerk großteils aus den Jahren 1240–1270 stammt.

Im Jahre 1346 wurde Gmünd zur Stadt erhoben und wuchs kräftig. Bereits 1339 wurde die Stadtpfarrkirche geweiht. Damals wurde auch die Stadtmauer nach Nordwesten hin erweitert und die neue Kirche in die Stadtbefestigung einbezogen. Das Mauerwerk dieses Mauerteils wird auf 1320–1360 datiert. In dieser Zeit wurde auch im Norden auf einem steil ansteigenden Hügel eine neue Burg mit Bergfried und Wohnturm als Teil der Stadtbefestigung errichtet, die heute als Alte Burg bezeichnet wird. Im 15. Jahrhundert kam es zu einer Auseinandersetzung zwischen dem Salzburger Erzbischof Bernhard von Rohr und Kaiser Friedrich III., bei der 1480 ungarische Truppen Gmünd besetzten. 1487 fiel Gmünd an den Kaiser, bei der vorhergehenden Belagerung wurde die Burg schwer beschädigt. 1502 konnte der Salzburger Erzbischof Leonhard von Keutschach die Stadt wieder zurückkaufen und ließ die nach der Belagerung und einem Stadtbrand von 1504 stark in Mitleidenschaft gezogene Burg wiederherstellen und ausbauen.

Das Mauerwerk der Burgerweiterung wird auf 1500–1520 datiert. Im Zeitraum von 1470 bis 1500 wurde der gesamten Stadtmauer mit Ausnahme des Burghanges ein Zwinger vorgelagert, dessen Reste noch an der Süd- und Westmauer vorhanden sind. Es ist nicht feststellbar, ob die Anlage des Zwingers in die Zeit der Besetzung durch die Ungarn, in die Zeit Gmünds in kaiserlichem Besitz oder in die Zeit unter Leonhard von Keutschach fällt. 1555 kaufte Kaiser Ferdinand I. Gmünd von Salzburg zurück und verpfändete es an Christoph Pflügl von Goldenstein. Dieser erweiterte die Burg um ihren Westtrakt. Damals wurde auch das Untere Tor ausgebaut. 1607–1615 erfolgte unter Graf Rudolf von Raitenau durch Baumeister Daniel Deutta der Bau des Stadtschlosses, auch Neues Schloss genannt.

Bauten

Pankratiuskirche mini|Langhaus der Pankratiuskirche mit rechts anstehender Stadtmauer Bei Errichtung der Stadtmauer im 13. Jahrhundert bestand die Pankratiuskirche bereits. Sie befindet sich an der Südostmauer und enthält das älteste datierte Mauerwerk der Stadt, welches „vor 1250“ errichtet wurde. Eine Sage zur Entstehung der Stadt Gmünd berichtet, dass ein im damals bestehenden See verunglückter Grafensohn Pongratz nach Ablassen des Sees dort gefunden wurde, und an dieser Stelle eine Kirche erbaut wurde. Die Stadtmauer schließt sich an das Langhaus im Osten an. Gleichzeitig mit der Errichtung der Stadtmauer wurde der bestehende romanische Bau erhöht. Die Kirche besaß einen Turm im Westen, welcher heute allerdings nur noch bis auf die Höhe des Kirchenbaus erhalten ist. 1452 erfolgte ein Umbau, bei dem das Langhaus erhöht und mit einem dreijochigen Kreuzrippengewölbe eingewölbt wurde. Der romanische Chor wurde rund 1500–1510 durch einen Polygonchor ersetzt. Zur gleichen Zeit wurde nördlich des Chores eine quadratische Sakristei errichtet. 1513 wurde die Kirche neu geweiht. Sie wurde also nach der Weihe der heutigen Stadtpfarrkirche 1339 noch in der Gotik ausgebaut, aber schließlich 1792 durch einen Brand zerstört und nicht wieder als Kirche instand gesetzt, sondern von da an als Lager und Remise verwendet. Zu dieser Zeit wurde auch der Westturm abgetragen.

Pankratiustor mini|Vorspringendes Pankratiustor mit Zwingermauer links, Langhaus der Pankratiuskirche rechts Das Pankratiustor liegt an der Südostmauer zwischen Pankratiuskirche und Antonius-Spital. Es springt gegenüber der Stadtmauer weit vor und schließt zu beiden Seiten an die Zwingermauern an. Der östlich anschließende Zwinger ist breiter, so dass das Tor auch über den westlich anschließenden Zwinger hinausragt. Durch die mauertechnische Verbindung des westlichen Zwingers mit dem Tor müssen beide Anlagen zeitgleich errichtet worden sein. Der spätgotische Bau wurde also rund 1470–1500 errichtet. Das zweigeschoßige Tor hat eine Durchfahrt mit Stichkappentonne und rundbogigem Einfahrtsportal. Nahe der Stadtmauer befanden sich zwei Öffnungen in der Tordurchfahrt, die in den Zwinger führten. Während die Öffnung in den östlichen Zwinger vermauert wurde, hat die westliche noch heute ihre ursprüngliche Funktion. Die Jahreszahl 1488 war oberhalb der äußeren Tordurchfahrt angebracht. An der Außenseite des Tores ist ein Habsburgerwappen zu sehen.

Amthof mini|Südtrakt des Amthofs, Innenhofansicht Dabei handelt es sich um ein dreiflügeliges, von einer Hofmauer umschlossenes, annähernd quadratisches Gebäude in der Südwestecke der Stadtbefestigung. Es wurde als Getreidekasten für das Zehentgetreide genutzt. Die 1292 erstmals urkundlich erwähnte Burg in Gmünd wurde bisher auf die heutige Alte Burg bezogen, dort wurde jedoch keine Bausubstanz aus dem 13. Jahrhundert gefunden. Laut Bauuntersuchung handelt es sich beim Amthof mit datiertem Mauerwerk um rund 1240–1270 um die Burg des 13. Jahrhunderts und damit um den Sitz des Stadtherrn zu dieser Zeit. Auch die representative Anlage durch Vorschieben über die Befestigungsmauer wird hervorgehoben. Ursprünglich bestand der Bau aus dem zweigeschoßigen Westtrakt. In der Ecke der Befestigungsmauer befand sich eine rechteckige turmartige Erhöhung. Um die Burg war eine Ringmauer gezogen, die heute nicht mehr vollständig ist. Auch ein Burggraben wird aufgrund von Stützpfeilern am Nordtrakt vermutet. An die Ringmauer wurde rund 1280–1320 der Nordtrakt und möglicherweise auch der Südtrakt angebaut. Vom ursprünglichen Rundbogenportal ist heute nur noch ein Teil des Bogens erhalten, welcher an das Portal der Alten Burg erinnert. Im 17. und 18. Jahrhundert gab es mehrere Umbauten, wobei die Räume im Erdgeschoß eine Stichkappentonnenwölbung erhielten.

Unteres Tor mini|Stadtturm (Unteres Tor) Das heute als Stadtturm bezeichnete Untere Tor ist ein querrechteckiger viergeschoßiger Torturm mit einer rundbogigen, tonnengewölbten Durchfahrt. Nördlich der Durchfahrt befindet sich ein Fußgängerdurchgang und darüber vier Geschoße, wobei das letzte Geschoß ein Mezzaningeschoß mit Schlüssellochscharten bildet. Ein geschweifter Giebel schließt den Turm ab. Die heutige Form geht auf das beginnende 16. Jahrhundert zurück. Der geschwungene Giebel und der Dachreiter mit Zwiebelhelm wurden Ende des 18. Jahrhunderts, nach 1790, hinzugefügt. Im Kern ist der Turm jedoch wesentlich älter, hier stammen die ältesten Teile von rund 1280–1320. Die Errichtung des Torturms könnte also mit der Fertigstellung der spätromanischen Stadtbefestigung um 1300 zusammenfallen. Beim Bau des Zwingers im 15. Jahrhundert erhielt das Untere Tor ein Zwingerportal. 1563 wurde der Turm ausgebaut. Auf diese Zeit könnten die tonnengewölbte Durchfahrt und auch der Fußgängerdurchgang zurückgehen. Die Turmkugel schmückt eine Wetterfahne in der Form des heiligen Florian. Bei der Restaurierung 1987 wurde das frühbarocke äußere Erscheinungsbild wiederhergestellt. An der westlichen Außenmauer sind die Wappensteine von August und Christoph Reinbold aus weißem Marmor von 1555 und der Wappenstein des Johannes Weitmoser von 1521 eingelassen, welche ursprünglich an der Stadtpfarrkirche standen. Die Räume werden für jährlich wechselnde Kunstausstellungen genutzt.

Maltator mini|Maltator, ursprünglicher Torbau und Erweiterung (rechts)