Egeln ist eine Stadt im Salzlandkreis in Sachsen-Anhalt (Deutschland). Sie gehört der Verbandsgemeinde Egelner Mulde an.
Geographie Lage Egeln liegt inmitten des Städtedreiecks Aschersleben, Halberstadt und Magdeburg etwa 20 Kilometer südwestlich von Magdeburg an der Bode.
Ortsteile Zur Stadt Egeln gehört der nördlich der Kernstadt gelegene Ortsteil Egeln-Nord, das ehemalige Bleckendorf.
Geschichte mini|hochkant=1.2|Karte von Egeln (um 1750) Die fruchtbare Bodeniederung um Egeln war schon in der Altsteinzeit von Menschen besiedelt. Auch eine bronzezeitliche Kreisgrabenanlage deutet auf vorgeschichtliche Besiedlung des Gebietes hin. Begründet wurde Egeln womöglich durch den germanischen Stamm der Angeln. Zumindest geht der Name „Egeln“ etymologisch auf das Volk der Angeln zurück. Der Ort wurde erstmals im Jahre 941 als „Osteregulon“ mit einem neuen Kastell durch König Otto I. beurkundet. Dieses Kastell diente dem Schutz der Furt durch den Bodefluss, vor dem die Heerstraßen aus Erfurt, Quedlinburg und Goslar zusammentrafen und, zu einer Straße vereinigt, nach Magdeburg weiterführte.
Im 10./11. Jahrhundert legten die Askanier eine planmäßige Neustadt nordwestlich der Bode mit Markt und Kirche im Schutz einer neuen Burg an. Diese eroberten im Jahre 1250 die Edlen von Hadmersleben. Sie ließen den Ort mit einer starken Mauer befestigen und verliehen ihm Markt-, Zoll- und Stadtrecht. Auf dem Gelände der alten Siedlung Osteregulon gründete der Edelherr Otto von Hadmersleben auf Bitten seiner Frau, Jutta von Blankenburg, 1259 das Kloster Marienstuhl, das bis 1809 als Zisterzienserinnenabtei Bestand hatte.
Das erste Siegel der Stadt gibt es an einer Urkunde aus dem Jahre 1317. Das Stadtwappen von Egeln mit dem Löwen im Schilde über Mauer und geöffnetem Tor wird 1365 festgeschrieben, als sich die Stadt aufs Neue verbriefen ließ, dass man auf dem Markte Geschäfte betreiben könne. Dieser Markt hatte überregionale Bedeutung und wurde erst nach einer strengen Prüfung durch Marktmeister und Ratsleute eröffnet. Neben den üblichen Handelswaren wurden hier insbesondere Hamsterfelle (im Jahr 1815 150.000 Stück) gehandelt. 84 brauberechtigte Vollbürger hatten das Recht, das berühmte Egelei Bier zu brauen, das ebenfalls einen guten Absatz fand. Seit 1680 war Egeln als sogenannte Immediatstadt direkt dem brandenburg-preußischen Herzogtum Magdeburg unterstellt und lag bis 1807 im Holzkreis. Ab 1. Juli 1816 wurde die Stadt dem Kreis Wanzleben im Regierungsbezirk Magdeburg der Provinz Sachsen zugeordnet.
Bis Mitte des 19. Jahrhunderts führte jeglicher Fernverkehr auf den Post- und Heerstraßen direkt durch Egeln und brachte Handel und Handwerk zu reicher Blüte. Mit zunehmender Entwicklung des technisierten Verkehrs erwiesen sich die engen Straßen des kleinen Städtchens jedoch als Verkehrshindernis und der gesamte Fernverkehr wurde an Egeln vorbeigeleitet. Dennoch behielt die Stadt zentrale Funktionen für das nähere Umfeld. So gibt es in Egeln alle Schulformen, ein Ärztehaus, Apotheke, Kinderbetreuung, zwei Banken, ein Bürgerbüro des Landkreises, ein modernes Sportzentrum mit Freibad, Fußballstadion, Beachvolleyballplatz und eine Zweifeldersporthalle sowie drei Supermärkte. Mit Veranstaltungsangeboten insbesondere auf der Wasserburg Egeln und auf dem Marktplatz hat sich die Stadt auch als kulturelles Zentrum etabliert.
Von 1952 bis 1994 lag Egeln im Kreis Staßfurt (1952 bis 1990 im DDR-Bezirk Magdeburg, dann im Land Sachsen-Anhalt). Nach der Kreisreform 1994 gehörte die Stadt zum Landkreis Aschersleben-Staßfurt, seit der Kreisreform 2007 ist sie Teil des Salzlandkreises.
Eingemeindungen
Am 1. Juli 1950 wurde die bis dahin eigenständige Gemeinde Bleckendorf eingegliedert. Sie wurde zum Stadtteil Egeln-Nord.
Bevölkerung Jahr Einwohner 1990 4.776 2005 4.025 2010 3.939 2015 3.394 2020 3.200 Jahr Einwohner 2021 3.176 2022 3.148 2023 3.128 2024 3.108 2025 3.032
Stand: 31. Dezember des jeweiligen Jahres (Angaben des Statistischen Landesamtes Sachsen-Anhalt), ab 2011 auf Basis des Zensus 2011, ab 2022 auf Basis des Zensus 2022
Politik Stadtrat Der Stadtrat von Egeln besteht aus 16 Mitgliedern und dem Bürgermeister. Die Kommunalwahl am 9. Juni 2024 führte bei einer Wahlbeteiligung von 59,9 % zu folgendem Ergebnis:Ergebnis der Kommunalwahl am 9. Juni 2024
Partei / Wählergruppe Stimmenanteil2019Ergebnis der Kommunalwahl am 26. Mai 2019 Sitze2019 Stimmenanteil2024 Sitze2024 Zusammen für Egeln – – 64,5 % 10 Unabhängige Wählergemeinschaft Egeln 46,2 % 7 20,5 % 3 SPD 18,0 % 3 6,7 % 1 CDU 22,3 % 4 5,8 % 1 Bündnis 90/Die Grünen 13,5 % 2 2,5 % 1 Insgesamt 100 % 16 100 % 16
Bürgermeister seit 2005: Reinhard Luckner (Unabhängige Wählergemeinschaft Egeln)
Luckner wurde bei der Bürgermeisterwahl am 10. Juni 2012 mit 64,0 % der gültigen Stimmen wiedergewählt. Am 26. Mai 2019 wurde er mit 56,9 % der gültigen Stimmen in seinem Amt bestätigt. Seine Amtszeit beträgt sieben Jahre.
Wappen Blasonierung: „In Silber eine rote Burg mit gezinnter Mauer und zwei spitzbedachten golden beknauften Türmen, geöffnetem goldenen Tor mit hochgezogenem Fallgatter, zwischen den Türmen schwebend ein Schild, darin in Blau ein aufgerichteter rotbezungter goldener Löwe.“
Die Gemeindefarben sind Rot - Silber (Weiß).
Städtepartnerschaften Partnerstädte sind: Rüthen in Nordrhein-Westfalen Mûrs-Erigné in Frankreich Bzenec in Tschechien
Sehenswürdigkeiten und Kultur miniatur|hochkant|Wasserburg in Egeln mini|Wasserturm (Luftaufnahme 2015)
Neben dem Stadtkern um den Marktplatz findet man das Rathaus von 1897, die Adlerapotheke (um 1700), die 1206 erstmals erwähnte Stadtkirche St. Christophorus mit dem ältesten evangelischen Pfarrhaus Ostdeutschlands (1581) und dahinter die Wasserburg aus dem 13. Jahrhundert mit wesentlichen Umbauten zum Renaissanceschloss im 16. Jahrhundert. In der Burg gibt es ein Museum für Vor- und Früh- sowie Stadtgeschichte, eine Malschule und eine Freilichtbühne. Im Foyer des Museums besteht die Möglichkeit, sich standesamtlich trauen zu lassen.
In Egeln findet alle zwei Jahre das Internationale Chorfestival „Sine musica nulla vita“ statt, das 2001 auf Initiative des Egelner Kammerchores Young Voices und dessen Chorleiter Ralf Schubert aus der Taufe gehoben wurde. Seit Bestehen nahmen fast 20 Chöre aus sechs Ländern daran teil.Homepage des Chorfestivals
Seit 1997 wird im zweijährigen Abstand durch die Egelner Jugendtheatergruppe Young Actors unter der Leitung von Ingo Böhlert ein Bühnenspektakel in der Egelner Wasserburg veranstaltet.Freie Jugendtheatergruppe Young Actors Egeln
Im südlichen Teil der Stadt Egeln befindet sich das Kloster Marienstuhl mit einer der schönsten Barockkirchen Sachsen-Anhalts.
Im Windpark Egeln-Nord steht der Prototyp der Windkraftanlage des Typs Enercon E-112 mit einer Leistung von 4,5 MW. Diese war damit zum Zeitpunkt der Errichtung die größte Windkraftanlage der Welt.
Infrastruktur Verkehr Egeln liegt am Knotenpunkt der Bundesstraßen 81 und 180.
Die Stadt lag an der Bahnstrecke Staßfurt–Blumenberg, auf der seit 2002 kein Personenverkehr mehr stattfindet.
Bildung Das Gymnasium wurde 1925 als Oberrealschule gegründet. Aufgrund des großen Einzugskreises, gehörte lange Jahre auch ein Schüler-Wohnheim zum Gymnasium. Als Anfang der 90er Jahre viele neue Gymnasien entstanden, verringerte sich der Einzugskreis. Dadurch wurde das Wohnheim überflüssig. Aufgrund immer kleiner werdender Schülerzahlen, wurde das Gymnasium 2015 geschlossen. Selbst starke Proteste der Bevölkerung konnten das nicht verhindern.Gymnasium Egeln
Persönlichkeiten Ehrenbürger 2024: Frank Hengstmann (1956–2024), Kabarettist
Söhne und Töchter der Stadt Anton Ludwig von Wagner (1725–1805), Kammerpräsident in Königsberg und Gumbinnen, geboren in Bleckendorf Friedrich Lücke (1791–1855), evangelischer Theologe, Universitätsprofessor und Abt des Klosters Bursfelde bei Hann. Münden Rudolf von Cramer (1818–1902), preußischer Generalmajor, im Kloster Marinestuhl geboren Ernst Pittschau (1859–1916), Schauspieler Minna Faßhauer (1875–1949), Politikerin, erste Frau, die in Deutschland ein Ministeramt bekleidete, in Bleckendorf geboren Willy Habl (1888–1964), Maler und Graphiker Werner Johannes (1906–1989), Verwaltungsbeamter Hans Kortum (1923–1997), Romanist Herbert Graf (1930–2019), Staatswissenschaftler Joachim Sendler (1934–2005), Bildhauer Herwig Paretzke (* 1944), Physiker Ruth Fuchs (1946–2023), Olympiasiegerin im Speerwurf 1972 und 1976
Personen mit Bezug zur Stadt Adalbert Cherek (1940–2024), Schriftsteller, lebte in Egeln Peter Reisch (1943–1962), Opfer an der innerdeutschen Grenze, lebte in Egeln Klaus-Rüdiger Mai (* 1963), Autor, in Egeln aufgewachsen
Quellen
Weblinks
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