Der Römerberg ist der Rathausplatz von Frankfurt am Main und seit dem Hochmittelalter das Zentrum der Altstadt. Der Name rührt her vom Haus zum Römer, kurz Römer genannt, das seit dem 15. Jahrhundert als Rathaus dient. Der Platz war und ist seither Ort bedeutender Ereignisse, von den Frankfurter Messen, über die Kaiserkrönungen der frühen Neuzeit, bis zum Frankfurter Weihnachtsmarkt und zu großen gesellschaftlichen und politischen Kundgebungen.

Der östliche Teil des Römerbergs heißt auch Samstagsberg. Spätestens seit dem Wiederaufbau der historischen Fachwerkhäuser an der Ostseite des Platzes zu Beginn der 1980er Jahre ist der Römerberg ein beliebtes Ziel für Frankfurter und Touristen.

Lage mini|links|Lage und Lageplan des Römerbergs von 1862

Der Römerberg liegt etwa im Zentrum der Frankfurter Altstadt zwischen der sogenannten Dominsel im Osten und dem Karmeliterhügel im Westen. Er erhebt sich an seinem höchsten Punkt, dem Samstagsberg, etwa vier Meter über die zwischen den benachbarten Anhebungen gelegenen Senken, die noch im frühen Mittelalter sumpfig oder von kleinen Wasserläufen durchzogen waren. Am Nordrand des Römerberges entlang der heutigen Braubachstraße verlief ursprünglich ein im Mittelalter verlandeter Mainarm, die sogenannte Braubach. Südlich des Römerberges fließt der früher viel breitere Main, dessen Nordufer im frühen Mittelalter etwa an der heutigen Saalgasse lag. Den Zugang vom Platz zum Main und dem bis in die Neuzeit dort befindlichen Hafengelände bildete bis ins 19. Jahrhundert das direkt an den staufischen Saalhof grenzende Fahrtor, das trotz seines Namens nichts mit der östlich des Doms von der Alten Brücke zur Zeil führenden Fahrgasse zu tun hatte, die zusammen mit der Großen Friedberger und der Alten Gasse die wichtigste Nord-Süd-Achse der Altstadt bildete.

Vom Römerberg nach Norden führt die Neue Kräme als eine der Hauptgeschäftsstraßen zum Liebfrauenberg, dem zweiten großen Platz der mittelalterlichen Altstadt. Durch das Fehlen des nach 1945 nicht wieder aufgebauten Baublocks, in dem sich auch die alte Frankfurter Börse befand, grenzt der Römerberg heute direkt an den auf mehr als das Doppelte vergrößerten Paulsplatz.

Während der Römerberg im Westen von einer fast geschlossenen Blockrandbebauung eingesäumt ist, beherrscht von den fünf Giebeln des Rathauses, unterbrochen nur von der schmalen Limpurger Gasse, mündeten bis zur Zerstörung bei den Luftangriffen auf Frankfurt am Main aus dem mittelalterlichen Altstadtkern gleich mehrere Gassen von Osten her auf den Römerberg. Am nördlichsten der Markt benannte Straßenzug, der hinüber zum Dom führt und im Rahmen des Dom-Römer-Projektes als Straßenzug rekonstruiert wurde. Er wird wegen seiner Rolle im Rahmen der Kaiserkrönungen heute auch gern als Krönungsweg bezeichnet. Südlich der Nikolaikirche mündete die Bendergasse, die heute etwas weiter nördlich zwischen der Schirn Kunsthalle Frankfurt und dem inzwischen über den mittelalterlichen Ausgrabungen der karolingischen Kaiserpfalz errichteten Stadthaus zur Südseite des Doms führt. Eine ganze Reihe winziger Gässchen führte südlich der wieder aufgebauten Ostzeile ins Altstadtgewirr, so das Schwertfegergäßchen oder die schmale Flößergasse, die vom Haus zum Schwarzen Stern zum kleinen Fünffingerplätzchen führte. Den südlichen Rand des Römerberges bildet der aus der Saalgasse in östlicher Richtung und der Alten Mainzer Gasse in westlicher Richtung bestehende Straßenzug.

Gebäude mini|links|hochkant|Alte Nikolaikirche mini|Die Westseite mit dem Römer und den Häusern Frauenstein und Salzhaus sowie dem Gerechtigkeitsbrunnen abends mini|Samstagsberg (Ostzeile), Rekonstruktion aus den 1980er Jahren

Die historische Bebauung des Römerbergs aus teils gotischen, teils barocken Häusern wurde 1944 bei den Luftangriffen auf Frankfurt weitgehend zerstört. Das heutige Platzbild ist das Ergebnis von äußerlich originalgetreuen Rekonstruktionen und Neubauten der 1950er und 1980er Jahre.

Auf der Westseite des Platzes steht das historische Rathaus und Wahrzeichen Frankfurts, der Römer. Das 1322 erstmals erwähnte Haus zum Römer ist das mittlere der drei Häuser mit dem charakteristischen gotischen Staffelgiebel; das südliche heißt Alt-Limpurg (ehemals Haus Laderam im Besitz der Hartrad mit der Francofurtia, der „weiblichen Verkörperung“ der Stadt), das nördliche Haus Löwenstein. Nach Norden hin schließen sich zum Paulsplatz hin die beiden Häuser Frauenstein und Salzhaus an. Die Häuser südlich der Limpurger Gasse sind Neubauten aus den 1950er Jahren anstelle der im Krieg zerstörten Häuser Lichtenstein, Strahlenberg, Drachenfels und Schönstein.

Die Südseite des Platzes dominiert die frühgotische Alte Nikolaikirche. Der ebenfalls an der Südseite am Eingang der Saalgasse gelegene Neubau des Historischen Museums wurde im Oktober 2017 eröffnet.

Die Häuserzeile auf der Ostseite des Platzes, dem Samstagsberg, ist eine 1981 bis 1984 errichtete Rekonstruktion der historischen Vorbilder, zu der man sich nach langer Diskussion entschließen konnte. Die Namen dieser Gebäude sind von Norden nach Süden: Großer und Kleiner Engel, Goldener Greif, Wilder Mann, Kleiner Dachsberg, Großer Laubenberg, Kleiner Laubenberg, Schwarzer Stern. Eine aus den 1950er Jahren stammende Bebauung im schlichten Stil der Wiederaufbau-Zeit war bereits 1969 im Rahmen des U-Bahn-Baus wieder abgerissen worden.

Die ursprünglich an der Nordseite des Römerberges gelegenen Häuser Kranich, Peterweil, Goldenes Rad, Weiße Taube und Englischer Castorhut waren 1904 bis 1906 für den Durchbruch der Braubachstraße abgerissen worden, ebenso wie das östlich davon bereits am Markt gelegene Haus Goldenes Schaf. An Stelle dieser sechs teils gotischen, teils barocken Häuser entstanden vier Neubauten im Stil der Neugotik, Neorenaissance und des Neobarock. Das Eckhaus Römerberg 36 und das danebengelegene Haus Römerberg 34 übernahmen die alten Namen Kranich und Goldenes Rad. Das Haus Römerberg 30 erhielt den neuen Namen Zu den zwölf Himmelszeichen. Die heutigen Häuser entstanden beim Wiederaufbau 1952.

Auf dem Platz steht seit 1543 der Gerechtigkeitsbrunnen.Justitia- oder Gerechtigkeitsbrunnen auf der Webseite www.kunst-im-oeffentlichen-raum-frankfurt.de

Geschichte mini|links|hochkant|Weihnachtsmarkt auf dem Römerberg 1876 mini|links|Der Römerberg auf einem Kupferstich von Caspar Merian, 1658. mini|Römerberg mit Nikolaikirche und Rathaus Römer, Stahlstich um 1840 mini|Der zerstörte Römer 1947

Archäologische Funde zeigen, dass der Samstagsberg bereits in der Karolingerzeit von einer Mauer umgeben war, deren Südrand etwa entlang der Bendergasse und der ehemaligen Goldhutgasse zum Markt verlief. Die Mauer schützte eine kleine Siedlung, die sich vermutlich westlich der Königspfalz Frankfurt bis zu der sumpfigen Niederung am heutigen Westrand des Römerberges hinzog. Im Norden der Siedlung floss damals noch die Braubach, ein Nebenarm des Mains.

Die karolingische Pfalz verlor im 11. Jahrhundert an Bedeutung. Während sie den karolingischen und ottonischen Königen häufig als zeitweise Residenz gedient hatte, sind für die Zeit zwischen 1027 und 1140 nur drei Herrscherbesuche urkundlich bezeugt. Erst 1140 berief der staufische König Konrad III. einen Reichstag nach Frankfurt, dem bis 1152 sechs weitere Besuche folgten. 1147 brach er nach einer Predigt des Bernhard von Clairvaux von hier aus zum Zweiten Kreuzzug ins Heilige Land auf.

In der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts entstand der Saalhof, eine staufische Königsburg, etwa 200 Meter südwestlich der karolingischen Pfalz am Mainufer. Zur Burg gehörte auch eine kleine Kapelle für den Hofstaat und die Burgmannschaft, der Vorgängerbau der Alten Nikolaikirche, weil die Salvatorkirche zu dieser Zeit bereits baufällig geworden war. In dieser Zeit diente der nördlich der Burg gelegene Platz bereits als öffentliche Versammlungsstätte des kaiserlichen Hofstaates und der Reichstage. Auf dem Platz fanden Turniere statt und es wurde unter freiem Himmel Gericht gehalten.

1942 entdeckte man beim Bau eines Löschwasserteiches auf dem Römerberg ein riesiges ringförmiges Fundament mit einer Mauerstärke von 6,20 Metern und einem Durchmesser von 21,75 Meter. Es gehörte zum Bergfried des Saalhofes, der zwar seine geplante Höhe von 45 Meter nie erreichte, aber um 1240 der höchste Turm Deutschlands gewesen sein soll. Heute erinnert ein in die Pflasterung des Römerbergs eingelassener Steinring an den staufischen Wehrturm.

Um das Jahr 1200 entstanden die ersten Häuser an der Ostseite des Platzes, die Häuser an den übrigen Seiten erst einige Jahrzehnte später. Der Platz markierte nun die Grenze zwischen der vorwiegend von Handwerkern bewohnten Oberstadt im Osten und der Unterstadt und hieß zunächst nur Berg oder Auf dem Bergz. B. in der von zitierten Urkunde: „(domus) sita in Monte apud sanctum Nycolaum“ – (Haus) auf dem Berg bei St. Nicolai. Der Name Samstagsberg für den hochgelegenen östlichen Teil des Platzes, ein Hinweis auf den hier stattfindenden Wochenmarkt, ist bereits um 1350 in der Topographie des Baldemar von Petterweil belegt. Das über 150 Jahre entstandene Netz der Straßen und Plätze in der Altstadt blieb nun für über 500 Jahre bis zu den Straßendurchbrüchen am Ende des 19. Jahrhunderts weitgehend unverändert.

Bedeutung mini|Verrichtung der Erzämter anlässlich der Kaiserkrönung Karls VI. am 22. Dezember 1711, Kupferstich mini|Markierungsstein für die Ochsenküche auf dem Frankfurter Römerberg. mini|Eröffnungsgottesdienst des 7. Ev. Kirchentages 1956, Blick vom Dom auf den Römerberg

Seit dem Mittelalter ist der Platz die Bühne wichtiger Veranstaltungen. Bei insgesamt 10 Kaiserkrönungen zwischen 1562 und 1792 fand auf dem Platz ein großes Volksfest statt, während der neue Kaiser im Kaisersaal des Römers beim Krönungsmahl saß. Auf dem Platz war bei diesen Gelegenheiten eine Ochsenküche aufgebaut. Goethe beschreibt in Dichtung und Wahrheit die Krönungsfeier Kaiser Josephs II. (1764), die drittletzte vor Ende des Reichs. Für die Eigentümer der Häuser am Römerberg waren die Kaiserkrönungen den erhaltenen Abrechnungen zufolge äußerst lukrativ. Bei der Krönung Leopolds II. am 9. Oktober 1790 vermietete der Besitzer des Hauses Schwarzer Stern seine zahlreichen Fenster an Schaulustige, wobei er sogar noch einige zusätzliche Luken in das Dach brechen ließ. Insgesamt nahm er damit 2211 Gulden ein. Der Leinwandhändler Scheidler erhielt sogar über 6000 Gulden für die Vermietung der Fenster und der Tribüne vor seinem Haus Schieferstein (heute Goldener Greif).

Wirtschaftlich noch bedeutender als die aufwendigen, aber seltenen Kaiserkrönungen waren die Frankfurter Messen. Neben der seit 1240 bezeugten Herbstmesse von Mitte August bis Anfang September gab es seit 1330 auch eine Frühjahrsmesse in der Fastenzeit. Die Messen dauerten jeweils 14 Tage und zogen Tausende von Kaufleuten aus dem Reich und ganz Europa an, dazu zahllose Fuhrleute und bewaffneten Geleitschutz, denn die Messen standen unter dem Schutz des Kaisers. Während die Frankfurter Bürger ihre Wohnräume an die Gäste vermieteten, dienten ihre Ladengeschäfte und Kellergewölbe als Messehallen. Viele Kaufleute wohnten auch in den nahe am Römerberg gelegenen Messenhöfen, zum Beispiel dem Nürnberger Hof und dem Goldenen Lämmchen. Die Römerhallen dienten als exklusiver Handelsplatz der Gold- und Silberschmiede und der Diamantenhändler. Auf dem Platz selbst entstanden zahlreiche Verkaufsstände, in denen Groß- und Einzelhändler mit ihren Waren handelten.

Neben den Messen gab es ab 1393 noch den Frankfurter Weihnachtsmarkt, damit die Bürger sich mit dem nötigen Bedarf eindecken konnten, bevor die strengste Zeit des Winters begann. Anders als bei den Messen durften auf dem Weihnachtsmarkt keine auswärtigen Kaufleute ihre Waren feilbieten. Nur Frankfurter Bürger konnten einen Stand aufschlagen.