Harrislee (dänisch Harreslev) ist eine amtsfreie Gemeinde südöstlich der deutsch-dänischen Grenze im Kreis Schleswig-Flensburg.

Geographie Geographische Lage Das Gemeindegebiet von Harrislee erstreckt sich am westlichen Ufer der Flensburger Förde der Ostsee im Naturraum der Schleswiger Vorgeest bis ein Stück hinein in die Förde.zum Grenzverlauf im Fördebereich vgl. Die überwiegend den Grenzverlauf zu Dänemark markierende Krusau () beginnt mit dem Abfluss aus dem im Gemeindegebiet gelegenen Niehussee. Sie mündet am nördlichen Siedlungsrand des Ortsteils Wassersleben in das Fördebecken. Im westlichen Gebiet verläuft die Bahnstrecke Fredericia–Flensburg.

Vom Gemeindegebiet aus sind an zwei Grenzübergängen Fahrten ins angrenzende Dänemark möglich. Diese führen nach Padborg () und Bov-Kruså (). Mehrere kleinere Grenzübergänge, darunter Schusterkate beim Ortsteil Wassersleben, sind nur für Fußgänger und Radfahrer geöffnet.

Aufgrund langfristiger Siedlungsentwicklung sind die Ortsteile Harrislee-Dorf, Slukefter und Harrisleefeld zu einem Siedlungskern zusammengewachsen.Harrislee. Zahlen, Daten, Fakten, abgerufen am: 7. März 2018 Dieser wird heute aufgrund seiner Lage zu den angrenzenden Flensburger Stadtteilen Nordstadt und Westliche Höhe häufig als Flensburger Vorort wahrgenommen.

Gemeindegliederung Neben dem Hauptort gleichen Namens, liegen gemäß dem Wohnplatzverzeichnis Schleswig-Holstein von 1987 das Dorf Niehuus, sowie die Siedlungen Kupfermühle und Wassersleben im Gemeindegebiet.

In anderen Publikationen wird darüber hinaus weiter differenziert:

Der Ort Harrislee besteht aus Harrislee-DorfVgl. Flensburger Tageblatt: Wo Harrislee noch Dorf ist, 10. September 2011; abgerufen am: 27. Januar 2019 und Harrisleefeld (Harreslevmark) sowie dem Ortsteil Slukefter sowie Musbek (Musbæk) und Berghof (Bjerggård).Anders Bjerrum: Sydslesvigs stednavne, Bd. 4, Kopenhagen 1979–1984. S. 185 In neuerer Zeit entstand neben dem Harrisleer Zentrum im Westen das Ortsgebiet Erdbeerfeld.Stadtplan von Flensburg vom Graphischen Institut Eckmann, 3. ergänzte Auflage, 2011. Zum Ort hinzuzurechnen ist zudem Harrisleehof (Harreslevgaard), eine kleine abseits gelegene Siedlung direkt an der Gemeindegrenze zu Flensburg, auf dessen Seite ebenfalls eine Bebauung vorhanden ist und mit Harrisleehof die kleine Siedlung bildet. Klueshof (KlusgaardGeneralstaben: Den dansk-tydske Krig i Aarene, 1848–1850, Kjøbenhavn 1848, S. 453), eigentlich ein kleiner Teil von Klues; abgerufen am 10. Juni 2014, das heute ein Stadtbezirk von Flensburg ist. Klueshof liegt nahe dem Ortsteil Slukefter und ist über diesen Ortsteil eng mit Flensburg verwachsen. Kupfermühle (Kobbermølle) liegt direkt nördlich von Wassersleben. Wassersleben (Sosti),Harrislee, Daten und Fakten; abgerufen am: 6. April 2021 entstand als ein Villen-Vorort Flensburgs. Niehuus (Nyhus), im Nordosten der Gemeinde Harrislee, inmitten des Krusauer Tunneltals Karlsberg (CarlsbjergM. Mørk Hansen: Kirkelig Statistik over Slesvig Stift: Med historiske og topografiske bemærkninger. Band 2, Kjøbenhavn 1864, S. 165), ein kleiner Ort im Norden der Gemeinde Simondys, ein Randbereich der Streusiedlung, gehört zu Harrislee, der Rest der Siedlung gehört zu einem Großteil zu Handewitt und ein kleiner Teil zum dänischen Gebiet Bau. die Zollsiedlung, die an der deutsch-dänischen Grenze entstanden ist, abgerufen am: 6. März 2018Friesenanzeiger: Harrislee. Ein attraktiver Siedlungsort seit mindestens 3000 Jahren, vom Februar 2014, S. 63; abgerufen am: 7. März 2018

Nachbargemeinden Angrenzende Gemeindegebiete von Harrislee sind:

Auf Flensburger Stadtgebiet direkt angrenzend befinden sich die Stadtteile Friesischer Berg, Westliche Höhe und Nordstadt. Angrenzende Orte auf Seite der dänischen Aabenraa Kommune sind Kirchspielsgemeinde Bau (Bov Sogn) mit dem Ort Kruså, sowie Padborg.

Geschichte Anfänge Das Gemeindegebiet von Harrislee ist seit grauer Vorzeit besiedelt, was unter anderem durch die Existenz von drei Großsteingräbern (zwei Hünenbetten und ein erweiterter Dolmen) belegt ist. Im Jahre 1345 wurde die Burg Niehuus errichtet, die Flensburg nach Norden hin schützen sollte (vgl. Flensburger Stadtbefestigung). Nach dem Bau der Duburg, die sich oberhalb der Stadt befand, wurde die Burg Niehuus jedoch schon im Jahre 1431 zerstört und aufgegeben. Mit der Burg Niehuus war aber auch das kleine Dorf Niehuus entstanden, das im Gegensatz zur Burg heute noch existiert und im Jahre 1371; abgerufen am 10. Juni 2014 erstmals erwähnt wurde. Das Dorf Harrislee, nach dem die Gemeinde benannt ist, wurde zuvor schon im Domkapitel zu Schleswig im Jahr 1352 als „Haringslof“ (Personenname Hari und dänisch lev, in der Bedeutung ‚Erbeigentum des Hari‘) zum ersten Mal erwähnt.; abgerufen am 10. Juni 2014 Es folgten Klues, erstmals erwähnt 1399, Kupfermühle, erstmals erwähnt 1652, sowie Wassersleben, erstmals erwähnt im Jahre 1872.; abgerufen am 10. Juni 2014

Ziegeleistandort Ein alter, bedeutender Wirtschaftszweig im Flensburger Raum waren einstmals Ziegeleien, von denen es zeitweise sechs im Bereich des heutigen Gemeindegebietes gab, an der Flensburger Förde waren es in der Blütezeit insgesamt mehr als 70.http://www.marschundfoerde.de/artikel/ziegeleien.html Marsch und Förde, Ziegeleien Eine dieser Ziegeleien befand sich bei Wassersleben, eine andere bei Karlsberg. Weitere Ziegeleien bestanden rund um Harrisleefeld. Um 1900 wuchs das Arbeiterviertel Harrisleefeld baulich mit der stark industrialisierten Flensburger Nordstadt zusammen. Im Harrisleer Gebiet verschwand als letztes im Jahr 1970 die „Ziegelei am Ochsenweg“ bei Harrisleehof.

Ursprüngliche Zugehörigkeiten Das Harrisleer Gebiet gehörte ursprünglich zur Wiesharde im Amt Flensburg. Einzelne Stellen unterstanden jedoch dem Eigentum und der Jurisdiktion der Flensburger Großkirchen St. Marien und St. Nikolai (bis 1853) sowie dem Schleswiger Domkapitel (bis 1658 bzw. 1777, als das Domkapitelsamt aufgelöst wurde).

Nachdem das Herzogtum Schleswig 1864 an den preußischen Staat gefallen war, wurde Harrislee, das zum Kirchspiel Handewitt gehörte, eine eigenständige Landgemeinde. Sie war umgeben von den Gemeinden Niehuus (Vgl. Amtsbezirk Bau), Fröslee, Ellund und Handewitt und der Stadt Flensburg. Nach der Volksabstimmung in Schleswig im Jahr 1920, kamen Fröslee, Bau und Padborg zu Dänemark und die heutige deutsch-dänische Grenze wurde eingerichtet. In Folge entstand an der Grenze bei Harrislee die Zollsiedlung., abgerufen am: 6. März 2018Friesenanzeiger: , vom Februar 2014, S. 63. Harrislee sollte nach der anschließenden Zwangsfusion in den 1930er Jahren zur Grenzgemeinde werden.Flensburger Tageblatt: 150 Jahre Stadtgeschichte aus Zeitungsperspektive. Kiel/Hamburg 2016, S. 109. In der Zeit nach der Grenzziehung, im Jahr 1928, erhielt Harrislee mit der Versöhnungskirche eine eigene Kirche.

Schaffung der Gemeinde Harrislee durch Zwangsfusion 1938 in der NS-Zeit erfolgte auf Befehl des Oberpräsidenten der Provinz Schleswig-Holsteins die Eingemeindung der Ortschaft Kupfermühle und der Ortschaft Niehuus zu der auch Wassersleben und ein Teil von Klues gehörte. Die in einem Schreiben vom 28. Februar 1938 befohlene Maßnahme führte zur Abschaffung der ehrenamtlichen Bürgermeister der drei betroffenen Orte zum 1. Oktober 1938. Die ehrenamtlichen Bürgermeister und Bürger vor Ort wurden zur Eingemeindung nicht befragt. Die im Rahmen der Gleichschaltung vollzogene Zusammenlegung der Ortschaften Harrislee mit 2000 Einwohnern, Kupfermühle mit 500 Menschen sowie Niehuus mit 380 Menschen führte zu einer Gemeindegröße, die zur Schaffung eines hauptamtlichen Bürgermeisterpostens reichte, der anschließend an ein NSDAP-Parteimitglied vergeben wurde. Der SA-Standartenführer Peter Ingwersen wurde zum Bürgermeister ernannt und führte das Amt bis zur Kapitulation aus.Flensburger Tageblatt: 150 Jahre Stadtgeschichte aus Zeitungsperspektive. Kiel/Hamburg 2016, S. 108 f. Die Zusammenlegung der drei einzelnen Gemeinden in den 1930er Jahren wurde erst im Laufe der Zeit akzeptiert.Flensburger Tageblatt: 150 Jahre Stadtgeschichte aus Zeitungsperspektive. Kiel/Hamburg 2016, S. 109

Zeit des Zweiten Weltkrieges mini|Infotafel zum Café Waldheim in Harrislee

Nach Beginn des Zweiten Weltkrieges begannen im Jahr 1940 vereinzelte Luftangriffe in Schleswig-Holstein. In Folge wurden ausgebombte Bürger aus den Städten des Landes, insbesondere Frauen und Kinder, auch in die Gemeinde Harrislee evakuiert.Thomas Pantléon, Gemeinde Harrislee (Hrsg.): Chronik – 650 Jahre Harrislee – 1352–2002. Horst Dieter Adler 2002, S. 444 Die Luftangriffe auf Flensburg betrafen Harrislee offenbar kaum. In der Nacht vom 1. zum 2. Oktober 1942 stürzte lediglich eine Handley Page Halifax W7710 bei Niehuus ab.Rafinfo. Volume 3 1942 Amendments and Additions, abgerufen am: 8. März 2018

Grenzverschiebungen zwischen Flensburg und Harrislee nach dem Zweiten Weltkrieg mini|Berliner Meilenstein mit Berliner Bär bei der Zentralschule.

Nach dem Zweiten Weltkrieg nahm Harrislee vor allem durch den Grenzhandel einen erheblichen Aufschwung. Nahe dem Ochsenweg entstanden ausgedehnte Industriegebiete, in denen sich besonders dänische Firmen niedergelassen haben, um von hier aus ihre Deutschland-Geschäfte zu koordinieren. Seit den 1960er Jahren nahm auch die Wohnbevölkerung stetig zu, nicht zuletzt durch Zuzügler aus dem Zentrum Flensburg des Ballungsgebietes, so dass die über 10.000 Einwohner starke Gemeinde heute weitgehend den Charakter einer Flensburger Vorstadt hat. Trotz wiederholten Vorschlags durch die Stadt Flensburg beharrt die Gemeinde Harrislee seit den 1970er Jahren auf ihrer bekräftigten Eigenständigkeit.

Im Jahre 1971 trat Flensburg die Bucht von Wassersleben an Harrislee ab, womit die Gemeinde Möglichkeiten zur Gestaltung des heutigen aufgespülten Strandes erhielt.Flensburger Tageblatt: 150 Jahre Stadtgeschichte aus Zeitungsperspektive. Kiel/Hamburg 2016, S. 158 f. Zuletzt wurde 1972 die Grenze zwischen Flensburg und Harrislee auf den Verlauf der Westtangente angepasst, so dass die Straße heute überwiegend die Gemeindegrenze nachzeichnet.Beiheft zum Flensburg-Atlas, Flensburg 1986, Seite 35 Seitdem befinden sich mehrere der alten Flensburger Grenzsteine auf Harrisleer Gebiet.Flensburger Stadtgeschichte e. V. (Hg.): Geschichte erfahren. Eine Entdeckungstour entlang Flensburgs alten Grenzsteinen, vom 1. Dezember 2012 Am 24. März 1974 wurde Harrislee mit sämtlichen anderen Gemeinden des aufgelösten Kreises Flensburg-Land Teil des neu gebildeten Kreises Schleswig-Flensburg. Seit ungefähr 2015 ist die Stadt Flensburg so stark nachverdichtet, dass dort kein neuer Wohnraum mehr geschaffen werden kann. Das Wachstum der Stadt und des Umlandes wird dadurch gehemmt und das Thema Eingemeindung spielt folglich wieder eine Rolle.

Religion mini|Die deutsche evangelische Kirche mini|Die dänische Kirche

In Harrislee gibt es die evangelisch-lutherische Versöhnungskirche, eine Gemeinde der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Norddeutschland. Das Kirchengebäude ist das einzige Kulturdenkmal des Ortes Harrislee. die Kapelle Niehuus, eine Friedhofskapelle bei Niehuus, die zu den Kulturdenkmalen der Gemeinde gehört. die dänische evangelisch-lutherische Harreslev danske kirke, eine Gemeinde der Dänischen Kirche in Südschleswig/Dansk Kirke i Sydslesvig die römisch-katholische Kirche St. Anna, offenbar benannt nach der ehemaligen Wallfahrtskirche in Klues, gehörend zur Pfarrgemeinde St. Marien Schmerzhafte Mutter mit Sitz in Flensburg, abgerufen am 7. September 2010 sowie einen Königreichssaal der Zeugen Jehovas am Rand von Harrislee nach Flensburg hin

Politik Gemeindevertretung Die letzten Wahlen zur Gemeindevertretung führten zu folgenden Ergebnissen: