Marcus Valerius Messalla Corvinus (* 64 v. Chr.; † 8 n. Chr.) war ein römischer General, Autor, Literatur- und Kunstmäzen.

mini|Aquila auf einem Monument aus der Villa des Generals Marcus Valerius Messalla Corvinus, entstanden in der Regierungszeit des Kaisers Augustus Marcus Valerius Messalla Corvinus war vermutlich ein Sohn von Marcus Valerius Messalla Niger, dem Konsul von 61 v. Chr.Syme, The Augustan aristocracy, S. 230. Er wurde zeitweise zusammen mit Horaz und dem jüngeren Cicero in Athen erzogen.

Ende 43 v. Chr. wurde er geächtet,Siehe Prosopographia Imperii Romani (PIR²) (2015) V 143. jedoch gelang es ihm, ins Feldlager von Brutus und Cassius zu entkommen.Appian civ. 4,159; 5,471. Nach der Schlacht bei Philippi (42 v. Chr.) ging er zunächst zu Marcus Antonius über,Appian civ. 4,160; 5,471. später dann zu Octavian, dem späteren Kaiser Augustus. Auf Sizilien kämpfte er 36 v. Chr. gegen Sextus PompeiusAppian civ. 5,423. und wurde danach Augur.Cassius Dio 49,16,1. 33/32 v. Chr. stellte er sich auf die Seite OctaviansAppian civ. 4,161; vgl. Syme, The Augustan aristocracy, S. 207. und verfasste Pamphlete gegen seinen ehemaligen Freund Antonius. Nachdem er anstelle von Marcus Antonius zum Konsul (consul ordinarius) bis zum 1. Mai 31 v. Chr. ernannt worden war,Inscr. It. XIII 1, S. 254 (Venusinische Fasten); vgl. Prosopographia Imperii Romani (PIR²) (2015) V 143. kommandierte er gegen diesen eine Flottenabteilung in der Schlacht bei Actium.Appian civ. 4,161. Als nächste Karrierestufe wurde er Befehlshaber im Osten und später Statthalter von Gallien, als der er eine Revolte der Aquitanier unterdrückte, wofür er am 25. September 27 v. Chr. einen Triumph feiern durfte.Fasti Capitolini p. 110 (ed. Attilio Degrassi); siehe auch Appian civ. 4,161.

Messalla soll stolz darauf gewesen sein, bis 42 v. Chr. auf der Seite der Republikaner gekämpft zu haben. Dies brachte ihm freilich auch einigen Respekt bei republikanisch gesinnten Standesgenossen ein; es hinderte ihn jedoch nicht, im Jahre 2 v. Chr. für Augustus den Titel pater patriae zu beantragen. Ronald Syme charakterisierte ihn denn auch als aristokratischen Opportunisten, der sich ganz nach dem neuen Regime richtete, anders als etwa Gaius Asinius Pollio. Messalla trat zwar (wohl 26 v. Chr.) bereits nach sechs Tagen Amtszeit als praefectus urbi (Stadtpräfekt) zurück, angeblich, weil es seiner Ansicht von Rechtsstaatlichkeit widersprach.Hieronymus Chronik p. 164 (ed. Rudolf Helm): Messala Corvinus primus praefectus urbi factus sexto die magistratu se abdicavit incivilem potestatem esse contestans. Möglich ist aber auch, dass Messalla damals keine Möglichkeit sah, seine Position politisch für sich zu nutzen und das Amt daher übereilt aufgab.Siehe dazu Syme, The Augustan aristocracy, S. 211f. Sicherlich profitierte Messalla jedenfalls insgesamt von den neuen politischen Verhältnissen.

Messalla ließ die Via Latina zwischen Tusculum und Alba wiederherstellenTibull 1,7,57–62. und veranlasste zahlreiche kunstvolle und aufwendige Neubauten.

Sein Einfluss auf die Literatur, die er nach Art des Gaius Maecenas förderte, war beträchtlich, und die Gruppe von Schriftstellern, die er um sich versammelte, darunter Tibull, Lygdamus und seine Nichte, die Dichterin Sulpicia die Ältere, wurde Messalla-Kreis genannt. Mit Horaz und Tibullus war er eng befreundet, Ovid drückt ihm seine Dankbarkeit aus als erstem, der seine Arbeit bemerkt und gefördert habe. Die zwei Lobschriften eines unbekannten Autors (eine davon wurde zwischen den Gedichten Tibullus’ als IV. 1 gedruckt, die andere ist im Catalepton enthalten, einer Sammlung kleiner Gedichte, die Vergil zugeschrieben wird) kennzeichnen die Hochachtung, die ihm entgegengebracht wurde.

Messalla selbst war der Autor verschiedener Werke, die alle verloren sind. Darunter waren Erinnerungen aus dem Bürgerkrieg nach dem Tod Caesars, die von SuetonSueton Augustus 74. und PlutarchPlutarch Brutus 40,1; 4; 42,5; 45,1. benutzt wurden, ferner bukolische Gedichte in Griechisch, Übersetzungen griechischer Reden, satirische und erotische Verse sowie Essays über grammatische Details.Siehe Als Redner folgte er mehr Cicero als der attisierenden Schule, jedoch war sein Stil affektiert und künstlich. Dennoch betrachteten ihn spätere Kritiker als über Cicero stehend, Tiberius nahm ihn hierin zum Vorbild.Sueton Tiberius 70,1. Die unter Messallas Namen 1532 zum ersten Male im Druck erschienene kleine Schrift De progenie Augusti Caesaris ist ein Produkt des 15. Jahrhunderts.

Literatur Prosopographia Imperii Romani (PIR²) (2015) V 143. Walter Schmitthenner: Augustus’ spanischer Feldzug und der Kampf um den Prinzipat. In: Historia. Zeitschrift für Alte Geschichte. Band 11, 1962, S. 29–85 (Seite 81–85: Exkurs über Messallas Laufbahn zwischen 31 und 25 v. Chr.) Ronald Syme: Tacitus. 2 Bde. Oxford 1958, S. 852 (siehe im Register Valerius Messalla Corvinus). Ronald Syme: The Augustan aristocracy. Oxford 1986, S. 200–226.

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Anmerkungen

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