mini|Islamische Kalligraphie eines Teils des Korans mit Namen von Mohammed und Ali Die arabische Kalligrafie (auch islamische Kalligrafie, türkisch Hüsn-i Hat) ist ein zentraler Aspekt der islamischen Kunst, der sich aus der arabischen Schrift in engem Zusammenhang mit dem Koran entwickelt hat. Sie ist, bedingt durch das Bilderverbot im Islam, die traditionelle bildende Kunst in der islamischen Welt und wegen der engen Verbindung zum Koran wichtigster Teil der religiösen islamischen Kunst.vgl. Calligraphy in Islamic Art, The Metropolitan Museum of Art; New York 2001 Mit der eckigen Kufi- und der kursiven Naschī-Schrift entwickelten sich schon früh zwei Stilarten.
Die arabische Kalligrafie ist als Immaterielles Kulturerbe der Menschheit anerkannt.
Schriftarten Name Beschreibung Beispiel(e) Kufi (Kūfī) Die Kufi-Schrift wird heute nur noch als Zierschrift verwendet. Die älteste Kufi-Inschrift befindet sich am Felsendom in Jerusalem. ohne|300px Die sechs Schreibstile (al-ʾAqlām as-sitta) Die sechs Schreibstile () bilden einen Kanon von sechs kursiven arabischen Schriftarten, welcher im 10. Jahrhundert von dem Kalligrafen Ibn Muqla, einem Wesir in Bagdad, definiert wurde. Es handelt sich um die folgenden Stile: Naschī (Nasḫ) Die Naschi-Schrift (türkisch Nesih) hat sich im Alltag beim Druck durchgesetzt. ohne|300px Muhaqqaq (Muḥaqqaq) Muḥaqqaq ist eine großformatige, geradlinige Buch- und Monumentalschrift, die bis ins 16. Jh. v. a. unter den ägyptischen Mamluken und den Ilchanen beliebt war. ohne|300px Rejhan (Raiḥān) Kleinere, dünnere und feinere Variante der Muhaqqaq ohne|300px Thuluth (Ṯuluṯ) Die Thuluth (türkisch Sülüs), eine Kanzlei- und Monumentalschrift, war besonders im Osmanischen Reich populär. ohne|300pxohne|300px Tauqi (Tauqīʿ) Großformatige, v. a. in der abbasidischen Verwaltung gebrauchte Kanzleischrift, die der Thuluth ähnelt Reqa (Riqāʿ) Kleinere Variante der Tauqi Taliq (Taʿlīq) Die Kanzleischrift Taliq entstand aus der Tauqi und existiert in einer persischen (siehe Beispiel) und einer osmanischen Version. ohne|300px|Persische Taliq Nastaliq (Nastaʿlīq) Die Buchschrift Nastaliq entstand im 14. Jh. und wurde im 15. Jahrhundert zur bis heute meistgebrauchten Schrift Persiens. ohne|300px Schekaste (Šekaste) Vor allem in Persien gebrauchte kursive Buchschrift ohne|300px Maghribi (Maġribī) Der Maghribi-Duktus, eine Buchschriftart, wurde ab dem 10. Jh. in Nordwestafrika und al-Andalus gebraucht.ohne|300px Diwani (Dīwānī) Die Diwani-Schrift ist die osmanische Kanzleischrift. ohne|300px Diwani dschali (Dīwānī ǧalī) Spätere, dekorative Version der osmanischen Taliq ohne|300px Ruqʿa Die im 18. Jh. entstandene, kursive Gebrauchsschrift Ruqʿa wird heute meist als Handschrift im Maschrek verwendet. ohne|300pxohne|300px Quadratkufi Eine Art der Kufi-Schrift. Die Abbildung zeigt den Text der 112. Sure al-Iḫlāṣ, beginnt links unten mit der Basmala und geht dann im Uhrzeigersinn spiralförmig in die Mitte. ohne|150px|Die Bannai-Schrift
Berühmte Kalligraphen Ibn Muqla, gest. 939 Ibn al-Bawwab (Bawwāb), gest. 1022 Yaqut al-Mustaʿsimi, gest. 1298 Şeyh Hamdullah, 1436–1520 Ahmed Karahisari, 1468–1556 Mir Ali Heravi, gest. 1544 Alireza Abbassi, 16./17. Jahrhundert Mir Emad Ghazvini, gest. 1615 Seyyid Kasim Gubari, gest. 1625 Hâfız Osman, 1642–1698 Mohammad Reza Emami, 17. Jahrhundert
Immaterielles Kulturerbe der Menschheit 2021 wurden die Arabische Kalligrafie (auf Antrag von 15 arabischen Staaten) sowie Hüsn-i Hat (auf Antrag der Türkei) in die UNESCO-Liste des immateriellen Kulturerbes der Menschheit aufgenommen.
Literatur Annemarie Schimmel: Islamic Calligraphy. Leiden 1970. Ernst Kühnel: Islamische Schriftkunst. Berlin 1942. Martin Lings: The Qur'ānic Art of Calligraphy an Illumination. London 1976. Yasin Hamid Safadi: Islamic Calligraphy. London 1978. Ghazi al-Delaimi: Arabische Kalligraphie für Einsteiger. Alphabete, Anleitungen, Anwendungen. Knaur, München 2006, ISBN 3-426-64224-7, ISBN 978-3-426-64224-5. Deniz Erduman (Hrsg.): Geschriebene Welten. Arabische Kalligraphie und Literatur im Wandel der Zeit. (anlässlich der gleichnamigen Ausstellung im Museum für Angewandte Kunst, Frankfurt am Main, 7. Oktober 2004 bis 30. Januar 2005; =A written cosmos). DuMont, Köln 2004, ISBN 3-8321-7508-3, ISBN 3-8321-7507-5. Jürgen Wasim Frembgen (Hrsg.): Die Aura des Alif. Schriftkunst im Islam. Zur Ausstellung Staatliches Museum für Völkerkunde München, 2010/2011. Prestel, München ISBN 978-3-7913-5065-3. (Inhaltsangabe (PDF)) (Bietet moderne Kalligraphien zeitgenössischer Künstler)
Siehe auch Osmanische Kalligrafie Qalam Islamische Buchkunst Tughra
Weblinks
Selections of Arabic, Persian, and Ottoman Calligraphy, Library of Congress (englisch)
Einzelnachweise
Kalligrafie, arabische Kategorie:Arabische Schrift Kategorie:Kalligrafie Kategorie:Bilderverbot Kategorie:Kultur (Arabien) Kategorie:Immaterielles Kulturerbe (Marokko) Kategorie:Immaterielles Kulturerbe (Türkei) Kategorie:Repräsentatives immaterielles Kulturerbe Kategorie:Multinationales immaterielles Kulturerbe