Der Fußballclub Roter Stern Belgrad (), kurz Roter Stern (Црвена звезда/Crvena zvezda , auch nur Zvezda), ist die Fußballabteilung des 1945 gegründeten serbischen Sportvereins Roter Stern Belgrad, aus dem Belgrader Stadtteil Dedinje im zentralen Stadtbezirk Savski Venac. Der Club spielt seit 1946 stets in der höchsten Spielklasse und ist mit 35 Meisterschafts- und 27 Pokalsiegen serbischer und jugoslawischer Rekordmeister sowie Rekordpokalsieger. Er belegt in der ewigen Tabelle der jugoslawischen Liga den 1. PlatzRec.Sport.Soccer Statistics Foundation: Yugoslavia – All-Time Table 1946/47–1991/92 (englisch) und errang auch Erfolge in Europa, darunter der Gewinn des Europapokals der Landesmeister 1991.

Im sozialistischen Jugoslawien (1945–1992) spielte die Mannschaft eine überragende Rolle mit 20 Meistertiteln und 12 Pokalerfolgen. Der Zerfall des Landes ab 1992 und seine Folgen führten unter anderem zum Ausverkauf der Mannschaft.Jean-Pierre Hombach: Real Madrid. 2012, ISBN 978-1-4710-7651-0, S. 251.

Mit Partizan Belgrad verbindet Roter Stern eine besondere Rivalität. Dieses Aufeinandertreffen ist in Serbien als „Ewiges Derby“ bekannt. Seine Heimspiele bestreitet der Club im 60.000 Zuschauer fassenden Stadion Rajko Mitić.

Geschichte 1945–1958: Die Gründungsjahre SK Jugoslavijas Erbe Anfang 1945 wurde der 1913 im Königreich Serbien (1878–1918) gegründete und anfangs noch als SK Velika Srbija bezeichnete Belgrader Verein SK Jugoslavija – 1919 fand mit der Gründung des Königreich der Serben, Kroaten und Slowenen (1918–1929) die Namensänderung vom proserbischen ins projugoslawische SK Jugoslavija statt – von den neuen kommunistischen Behörden Marschall Titos aufgelöst und enteignet. Der Verein gehörte zuvor zu den populärsten Clubs des Landes. Der kurz darauf entstandene Roter Stern sah sich in der Nachfolge des Vereins und erhielt dessen Eigentum, einschließlich des Stadions und des Trainingsgeländes, sowie einen Großteil seiner Spieler, darunter Roter Sterns Gründungsmitglied Predrag Đajić und Roter Sterns Top-10-Rekordspieler Ljubomir Lovrić.mojacrvenazvezda.net: Istorija FK Crvena zvezda o kojoj se (ne)priča (serbisch)

Die Clubfarben und sogar das Vereinslogo leitete man vom SK Jugoslavija ab. Das ehemalige Stadion des SK Jugoslavija befand sich genau an der Stelle, wo sich heute das 1963 erbaute Stadion Rajko Mitić befindet. Somit wurde Roter Stern praktisch aus dem SK Jugoslavija heraus gebildet. Allerdings betrachtete sich Roter Stern Belgrad nie selbst offiziell als Nachfolger, während andere, darunter zahlreiche Fans, dies behaupten und ein neues Gründungsdatum in Betracht ziehen. Bis heute wird diese Vorgeschichte kontrovers diskutiert. Dem neuen Verein schlossen sich auch Spieler des Belgrader SK an, einem weiteren sehr populären Verein des Landes und Stadtrivale von SK Jugoslavija, dem ebenfalls von Titos Behörden die Existenzberechtigung entzogen wurde. So wechselte Roter Sterns Legende Rajko Mitić zum neuen Club.

Die Phase der Entstehung mini|Das denkmalgeschützte Gebäude des Stari DIF 2012, in dem am 4. März 1945 die Gründungsversammlung von Roter Stern Belgrad gehalten wurde. Während der Zweite Weltkrieg noch im Gange war, begann nach der Belgrader Operation und der damit verbundenen Befreiung der Stadt im Oktober 1944 vom Faschismus die Reorganisation des sportlichen Lebens. Bereits im Februar 1945 beschlossen Jugendliche des Vereinigten Bundes der antifaschistischen Jugend Serbiens (USAOS) einen Sportverein zu gründen. Am 4. März versammelten sich mehrere Mitglieder im Staatsinstitut für Körperkultur Stari DIF und gründeten den Sportverein Roter Stern Belgrad.sd-crvenazvezda.net: ПРИЧА О СД (serbisch-kyrillisch)

Die Initiative zur Gründung kam vom späteren Vizepräsidenten Zoran Žujović und Slobodan Ćosić sowie vom Sekretär Ljubiša Sekulić und Dušan Bogdanović. Unter den Gründern befanden sich auch Nebojša Popović, Svetozar Gligorić und der spätere Trainer Milovan Cirić sowie als einziges weibliches Mitglied Mira Petrović.Glas javnosti: Als Vereinsräumlichkeit wurde ein Zimmer der USAOS in der Kralja Milutina 2 in Vračar ausgesucht. Erster Vereinspräsident wurde Đorđe Paljić, während Predrag Đajić als Ökonom und Bogdanović als Finanzmanager bestimmt wurden. Kosta Tomašević unterstützt durch Sekretär Branko Stanković erhielt die Führung der Fußballabteilung, die erste und von Anfang an wichtigste Sektion des Vereins.

Über die Namensgebung für den Verein wurde lange diskutiert und es gibt mehrere Versionen dazu. Einigkeit herrscht darüber, dass Žujović und Ćosić einstimmig einen Namen wählten. Nach zahlreichen Vorschlägen, unter anderem Mladost, Udarnik, Torpedo, Dinamo und Lokomotiva, sagte Ćosić: „Unser Verein sollte Stern heißen!“, woraufhin Žujović spontan hinzufügte: „Ausgezeichnet, wenn Stern, dann soll es Roter Stern sein“.

Roter Stern absolvierte noch am Tag seiner Gründung seine erste Partie gegen das erste Bataillon der zweiten Belgrader Brigade des Korps zur Volksverteidigung Jugoslawiens (KNOJ) und gewann dieses mit 3:0. Das Spiel wurde auf dem Spielfeld Studenta vor 3.000 Zuschauern ausgetragen. Erster Torschütze der Vereinsgeschichte war Kosta Tomašević. Bereits am 7. März veröffentlichte die Politika einen Aufruf an die Bevölkerung zur Einschreibung in den neugegründeten Verein aus diesem schließlich zahlreiche Clubs hervorgingen, die bis heute noch in den jeweiligen Sportarten in Serbien bestimmend sind. Im Gründungsjahr spielte Roter Stern insgesamt 36 Spiele, gewann davon 30, und die erste und einzige Niederlage ereignete sich in Timișoara gegen die rumänische Nationalmannschaft.crvenazvezdafk.com: Schon bald wurde Roter Stern ein Symbol Jugoslawiens und Serbiens, eine sportliche Institution, die bis heute sehr populär ist.

Aufstieg in Jugoslawien und Europa hochkant|mini|Roter-Stern-Legende Dragoslav Šekularac 1946 konnte Roter Stern mit dem Gewinn der serbischen Meisterschaft bereits seinen ersten Titel gewinnen und stieg somit in die 1. jugoslawische Liga auf. Dies war der Anfang von 45 äußerst erfolgreichen Jahren, in denen Roter Stern der dominierende Verein in Jugoslawien wurde und bis zur Weltspitze aufstieg. Der Debütant setzte sich von Beginn an an der Tabellenspitze fest und schloss die einzelnen Spielzeiten in den ersten zwölf Jahren nur dreimal schlechter als auf Rang 3 ab. 1947, 1948 und 1949 wurde man Vizemeister. 1948 errangen die Rot-Weißen unter Svetozar Glišović nach einem 3:0-Endspielsieg über Partizan Belgrad erstmals die Landespokaltrophäe. 1949 und 1950 folgten die zweite und dritte Trophäe und somit der erste Pokalhattrick.

In den 1950er-Jahren folgte die erste große Siegeswelle des Vereins. Spieler in dieser Zeit waren u. a. die Stürmer Rajko Mitić und Bora Kostić, die Abwehrspieler Vladica Popović und Vladimir Durković, der Torwart Vladimir Beara und der offensive Mittelfeldspieler Dragoslav Šekularac. Nach drei gescheiterten Anläufen zum Gewinn der Meisterschaft hatte man 1951 mehr Erfolg, als Roter Stern zum ersten Mal die Meisterschaft gewann. Der Trainerwechsel von Aleksandar Tomašević zu Ljubiša Broćić 1951 erwies sich somit im Nachhinein als gute Entscheidung. 1953, 1956 und 1957 gewann Roter Stern drei weitere Meistertitel. Im Europapokal der Landesmeister 1956/57 schied man erst im Halbfinale, denkbar knapp nach einer 0:1-Heimniederlage und einem 0:0 auswärts, gegen den AC Florenz aus. Nach der ersten Titelverteidigung in der Vereinsgeschichte zog es Trainer Milovan Ćirić zu Lazio Rom, und so verpflichtete man mit Milorad Pavić einen Trainer, der als Erster eine Ära bei Roter Stern prägen sollte.

Im folgenden Europapokal der Landesmeister 1957/58 traf man im Viertelfinale auf Manchester United. Nach einer 1:2-Auswärtsniederlage endete das Rückspiel im Partizan-Stadion nach einem 0:3-Rückstand noch mit 3:3. Dies war das letzte Spiel von Manchesters legendärer Mannschaft, den sogenannten Busby Babes. Auf dem Rückflug verunglückte das Flugzeug in München während eines Schneesturms. Von den 44 Passagieren der Airspeed Ambassador kamen 23 ums Leben, darunter acht Spieler der Red Devils; zwei weitere mussten aufgrund von Verletzungen ihre Karriere beenden. Im selben Jahr gewann Roter Stern mit dem Mitropacup schließlich seinen ersten europäischen Titel mit einem Sieg über Spartak Trnava. Zusätzlich gewann man seinen vierten Pokal. Mit Pavić, der sich als ausgewiesener Taktiker und Anhänger des direkten Kurzpassspiels entpuppte, blieb der Verein weiter auf der Erfolgsspur und so gelang Roter Stern 1959 erstmals das Double. In der Saison 1959/1960 scheiterte man bereits in der ersten Runde des Pokals an Partizan, jedoch konnte man die Meisterschaft erfolgreich verteidigen.

1960–1966: Krise und ein neues Stadion mini|links|Das 1963 erbaute Stadion Rajko Mitić, trug bis Ende 2014 den Namen „Stadion Roter Stern“, heute auch bekannt als Marakana von Belgrad. In den 1950er Jahren war es Roter Stern als erstem Verein gelungen, die jugoslawische Fußball-Szene zu dominieren. Doch zu Beginn des nächsten Jahrzehnts verschob sich die Herrschaft vorerst auf die andere Seite des Hügels Topčider, dort wo sich Partizan befand, mit Abstand Roter Sterns größter Rivale, der zwischen 1961 und 1963 die Konkurrenz mit dem ersten Meisterschafts-Hattrick in der Geschichte der Liga schockierte.

Während dieser Periode waren einige Platzierungen die schlechtesten in der Vereinsgeschichte von Roter Stern, einschließlich eines siebten Platzes 1963. Der Verein war sogar vier Mal nicht unter den ersten drei in der Tabelle, was vorher und nachher in insgesamt 54 Spielzeiten nie wieder vorkam. 1962/63 erzielte der Verein nur 21 Tore, das waren beispielsweise die Hälfte der Tore, die Vojvodina Novi Sad erzielte, obwohl sie fünf Plätze hinter Roter Stern in der Tabelle platziert waren. Trotzdem schenkte man Pavić das Vertrauen.

Neben der Meisterschaft blieb man auch im heimischen Pokal erfolglos, dagegen zeigte man international ein völlig anderes Gesicht. Im Messestädte-Pokal 1961/62 erreichte man das Halbfinale und schied dort gegen den FC Barcelona aus. Knapp acht Monate später standen sich Belgrad und Barcelona 1962 erneut gegenüber, diesmal unterlagen die Katalanen. Ein folgender 2:0-Heimsieg über den AS Rom war anschließend nicht genug, um erneut in das Halbfinale einzuziehen.

Neben den internationalen Erfolgen arbeitete die Vereinsführung weiterhin an der Entwicklung des Clubs und begann bereits Ende 1959, ein neues Stadion zu bauen. In den folgenden vier Jahren trug Roter Stern seine Heimspiele im Stadion von Partizan und im Omladinski stadion des OFK Belgrad aus, was als Hauptgrund für die schlechten Ergebnisse während dieser Jahre betrachtet wird. Das neue Stadion wurde schließlich 1963 eröffnet, und im Laufe der Zeit erhielt das Stadion Roter Stern den Spitznamen Marakana.

Das Heimstadion sollte sich bereits in seiner ersten Saison als Festung erweisen, und so gewann man auf Anhieb das zweite Double. Insgesamt konnte der Verein unter der Leitung von Pavić drei Meisterschaften und drei Pokale gewinnen sowie den Mitropapokalsieg und den Einzug ins Europapokal-Halbfinale verbuchen. Schließlich wechselte Pavić nach sieben Jahren bei Belgrad nach Belgien zu Standard Lüttich. Ersetzt wurde er durch Ivan Toplak, der jedoch die folgenden zwei Jahre erfolglos blieb.

1966–1975: Die Ära Miljan Miljanić mini|hochkant|Starcoach Miljan Miljanić (1971)