Die Europa-Union Deutschland e. V. (EUD), kurz auch Europa-Union, ist die deutsche Sektion der Union Europäischer Föderalisten (UEF).

Die EUD ist der größte pro-europäische Bürgerverein in Deutschland und versteht sich als überparteiliche, überkonfessionelle und unabhängige politische Nichtregierungsorganisation für ein föderales Europa. Gegründet wurde der Verein 1946 in Syke. Gemäß ihrer föderalen Struktur ist die Europa-Union in 16 Landesverbände und rund 300 Kreis- und Ortsverbände gegliedert. Auslandsverbände bestehen in Brüssel, Luxemburg und Dublin. Die Jugendorganisation der Europa-Union heißt Junge Europäische Föderalisten Deutschland (JEF).

Selbstverständnis Die Europa-Union Deutschland ist ein auf ehrenamtlichen Strukturen basierender Bürgerverein für Europa, der sich für eine weitreichende europäische Integration und einen Europäischen Bundesstaat einsetzt. Sie ist auf lokaler, regionaler, nationaler und europäischer Ebene aktiv und vereint Vertreter aller gesellschaftlichen Gruppen. Als Mittler zwischen Bürger und Institutionen der europäischen Politik engagiert sie sich für ein bürgernahes Europa, das von einem gesellschaftlichen Konsens getragen wird.Satzung: „Zweck des Vereins ist die Förderung der internationalen Gesinnung, der Toleranz auf allen Gebieten der Kultur und des Völkerverständigungsgedankens mit dem Ziel der Schaffung der Vereinten Staaten von Europa auf föderativer und demokratisch-rechtsstaatlicher Grundlage. Um diesen Zweck zu erfüllen veranstaltet die EUD Tagungen und Konferenzen sowie Aktionen auf Bundesebene wie auch auf Landesebene, informiert ihre Mitglieder und die Bürger über die Entwicklung der Europäischen Union und wirkt in vielfältiger Weise auf politische Entscheidungsträger ein.“

Der Aufbau föderaler und demokratischer Strukturen innerhalb Europas gehört zur Gründungsidee des Vereins. Viele frühzeitige Forderungen der Europa-Union sind heute Wirklichkeit: die Direktwahl des Europäischen Parlamentes und die Stärkung seiner Kompetenzen in der EU-Gesetzgebung, die Erweiterung der Europäischen Union, die Einführung des Euro und die Abschaffung der Roaming-Gebühren. Immer wieder positionierte sich der Verein zu Sachthemen, insbesondere im Sinne eines Europas der Bürger.Ohne große Relevanz äußert sie sich auch zu Themen wie: Wiederherstellung des ökologischen Gleichgewichts, die Reglementierung der Gentechnologie, die Förderung regenerierbarer Energien, die Bekämpfung organisierter Kriminalität. Der Verein begleitete Reformprozesse der EU in Richtung einer Europäischen Föderation, wie zum Beispiel den gescheiterten Verfassungsvertrag und den heute gültigen Vertrag von Lissabon.

Zur Verbreitung von Informationen für die europäische Integration werden Vorträge, z. B. in Schulen und Vereinen, sowie Kolloquien, Wochenendseminare und Studienreisen zu europäischen Institutionen veranstaltet.

Geschichte

Deutsche Konzepte im Zweiten Weltkrieg Im Rahmen der nationalsozialistischen Beherrschungspläne über Europa gab es einzelne Initiativen für ein föderatives Europa, die in Denkschriften im Auswärtigen Amt konzipiert wurden. Vom 9. September 1943 datiert ein „Entwurf für eine Denkschrift des Auswärtigen Amtes über die Schaffung eines ‚Europäischen Staatenbundes‘“.Das Dokument findet sich in der DDR-Publikation von Hass/Schumann: Anatomie der Aggression, Berlin 1972, Dok. 44, sowie bei Reinhard Opitz: Europastrategien des deutschen Kapitals 1900 - 1945, Köln 1990. Dazu eine Einschätzung von Raimund Bauer, „Anti-Europa“ oder „Gesetzmäßigkeiten des Finanzkapitals“? Zur Darstellung der NS-Europapläne in Quellensammlungen (2012): Zeitgeschichte digital

Text online, S. 38–45: PDF-Datei Die Verfasserschaft ist unklar: So werden Albrecht HaushoferKlaus Kinkel u. a.: Widerstand im Auswärtigen Dienst, 1994. URL:

https://www.gregorschoellgen.de/media/archive1/artikel/Gregor_Schoellgen-Vortrag_Auswaertiges_Amt-Widerstand-im-Auswaertigen-Dienst.pdf und Friedrich-Werner Graf von der Schulenburg genannt. Daneben gab es zahlreiche weitere Konzepte ohne Realisierungschancen.

Anfänge 1946 mini|Hertensteiner Kreuz

Im September 1946 lud die Schweizer „Europa-Union“ die europäischen Föderalisten zu einer Konferenz nach Hertenstein am Vierwaldstättersee ein.Zur Rolle der Europa-Union Schweiz vgl. Es wurden zwölf Thesen verfasst, die als „Hertensteiner Programm“ zur Grundlage der europäischen Arbeit der Nachkriegsjahre und zugleich zum politischen Gründungsdokument der späteren Europa-Union Deutschland wurden. Zur gleichen Zeit hielt Winston Churchill in Zürich ebenfalls ein Plädoyer für ein geeintes Europa. Der Hertensteiner Konferenz folgten noch zwei weitere in Luxemburg und Basel, bis im Dezember 1946 in Paris die „Union Europäischer Föderalisten“ (UEF) gegründet wurde, wobei Italiener, Franzosen und Niederländer besonders stark vertreten waren. Nach einer euroskeptischen britischen Quelle wurde die UEF bis in die 1960er Jahre zum Teil über das American Committee for a United Europe (ACUE) finanziert, welches vom US-Geheimdienst Office of Strategic Services (OSS) gelenkt worden war.Euro-federalists financed by US spy chiefs Daily Telegraph, 19. November 2000

Einladungen zu den UEF-Veranstaltungen waren auch an Deutsche ergangen, diese konnten jedoch nicht teilnehmen, weil sie in der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg von den alliierten Militärregierungen in den Besatzungszonen keine Reisegenehmigung bekamen. Einzige Ausnahme waren im Schweizer Exil lebende Deutsche, wie Heinrich Ritzel, ehemaliger SPD-Abgeordneter im Reichstag. Ritzel war seit 1939 Zentralsekretär der Schweizer „Europa-Union“. In mehreren Orten der westlichen Besatzungszonen – insbesondere der britischen – bildeten sich in dieser Zeit Gruppen, die sich die Einigung Europas zum Ziel gesetzt, jedoch zunächst wenig Kontakt untereinander hatten.

Heinrich Ritzel gelang es, über niederländische und britische Teilnehmer am Hertensteiner Treffen mit Wilhelm Heile, dem Landrat von Syke bei Bremen, Verbindung aufzunehmen. Heile hatte schon in der Weimarer Republik einen „Verband für europäische Cooperation“ gegründet. Zusammen mit dem Fabrikanten Wilhelm Hermes aus Mönchengladbach initiierte Heile am 9. Dezember 1946 einen Zusammenschluss der wichtigsten deutschen Europa-Gruppen. In Anlehnung an die schweizerische „Europa-Union“ hatte Ritzel auch für die deutschen „Europäer“ den Namen „Europa-Union“ vorgeschlagen. Heile wurde erster Vorsitzender und Hermes Geschäftsführer mit einem Sekretariat in Mönchengladbach.

Erste Kundgebungen gab es in Duisburg, Köln, Kiel und Lübeck. In der sowjetischen Besatzungszone wurden alle Aktivitäten der Europa-Union und anderer Europa-Verbände westlicher Prägung verboten. Der erste Kongress der Europa-Union fand im Juni 1947 in Eutin statt, an dem 200 Delegierte von 50 Bezirksgruppen teilnahmen. Im November 1947, nach dem Beitritt weiterer föderalistischer Gruppen in Deutschland, wurde die Europa-Union Mitglied der UEF und damit deren deutsche Sektion.

Unter dem Vorsitz von Winston Churchill wurde am 7. Mai 1948 in Den Haag ein Europa-Kongress einberufen, an dem mehr als 700 Politiker aus den Empfängerländern des Marshallplans teilnahmen. Er wurde von der UEF vorbereitet und vom ACUE finanziert. Wichtigstes Ergebnis war die Gründung des Europarats, und die Gründung der Europäischen Bewegung.

In Wiesbaden wurde 1949 der Deutsche Rat der Europäischen Bewegung, die heutige Europäische Bewegung Deutschland, gegründet, der auch die Europa-Union angehört.

1949–1954 Nach dem Europa-Union Kongress von Eutin fand unter dem Motto „Europäer aller Länder vereinigt Euch!“ im Mai 1949 der 1. Kongress in Hamburg statt. Hier wurde der Publizist Eugen Kogon zum ersten Präsidenten gewählt, Carlo Schmid wurde in Abwesenheit zum ersten Vizepräsidenten gewählt. Dieser diente fortan als Berater der Europa-Union. Unter Kogon vertrat die Europa-Union in den späten 1940er und frühen 1950er Jahren die weltanschaulichen Interessen und Meinungen des deutschen Linkskatholizismus und des französischen integralen Föderalismus. Die Einigung Europas sollte an den Parlamenten vorbei geschehen. Im Laufe der Jahre nahm die Kritik an Kogons Führungsstil und der politischen Ausrichtung der Europa-Union zu. Hinzu kam seine finanzielle Misswirtschaft, mit der er den Verband Anfang der 1950er Jahre an den Rand des Ruins brachte, was die Absetzung Kogons zur Folge hatte.

Am 2. Mai 1954 wurde der CDU-Bundestagsabgeordnete Paul Leverkuehn in einer Kampfabstimmung gegen Franz Josef Strauß auf dem Kongress in Köln zum neuen Präsidenten gewählt. Nach einem schweren Autounfall und Anfeindungen wegen seiner nachrichtendienstlichen Tätigkeit im Zweiten Weltkrieg musste er aber bereits im September 1954 zurücktreten.

1954–1978 mini|Mitglieder der Hochschulgruppe in Germersheim bei Fragestunde im BPA in Bonn 1958 mini|Der Bundeskongress der EUD 1975 Bei den Präsidentschaftswahlen auf dem Kongress in Hannover im Oktober 1954 ging Ernst Friedlaender als Sieger hervor, nachdem der Gegenkandidat Kurt Georg Kiesinger seine Kandidatur zurückgezogen hatte. Nach dem Scheitern der Europäischen Verteidigungsgemeinschaft 1954 und dem massiven Rückgang der Mitgliederzahlen wurde das Ziel einer Massenorganisation zunächst nicht mehr angestrebt. Stattdessen konzentrierte sich der Verband auf die gezielte Beeinflussung der Regierungsbürokratie und der politischen Parteien. Die Westbindung der Bundesrepublik wurde befürwortet und unterstützt. Friedlaender zur Seite stand der Kölner Bankier Friedrich Carl von Oppenheim, der durch seine Kontakte in die Finanzwelt das wirtschaftliche Überleben der Europa-Union sicherstellen konnte.

Als Ernst Friedlaender aus gesundheitlichen Gründen zurücktrat, wurde von Oppenheim Mitte Januar 1958 in Bremen zum Präsidenten gewählt. In dieser Zeit zog das Generalsekretariat von Frankfurt nach Bonn, um engere Verbindungen zu bundespolitischen Akteuren aufzubauen und um die deutsche Außen- und Europapolitik stärker beeinflussen zu können. Gute Beziehungen bestanden zu Bundeskanzler Adenauer und insbesondere zum Auswärtigen Amt, welches die Europa-Union finanziell unterstützte. Die Standpunkte des Verbandes unter Friedlaender und von Oppenheim standen im starken Gegensatz der Ansichten Kogons. Erstens legte man sich eindeutig auf ein atlantisches und nach Westen orientiertes Europa fest, zweitens setze man einen Schwerpunkt auf wirtschaftliche Themen und bekannte sich drittens zur freiheitlich-demokratischen Grundordnung der Bundesrepublik.

Zentrale Forderungen der EUD in den 1960er und 1970er Jahren waren unter anderem die Durchführung von Direktwahlen des Europäischen Parlamentes und eine Europäische Verfassung. Die ersten Direktwahlen des Parlamentes fanden 1979 statt, die Europa-Union begleitete diese mit einer Informationskampagne, um möglichst viele Wähler zu mobilisieren.

1979–1999 Im Dezember 1980 wurde Walter Scheel zum neuen Präsidenten der Europa-Union gewählt. Auf einer Kundgebung 1988 im Kuppelsaal der Stadthalle Hannover forderten rund 5000 Teilnehmer die Vollendung des Binnenmarktes und die Gründung der Europäischen Union. Auf Scheel folgte 1989 Egon Klepsch als neuer Präsident der EUD. Innerhalb eines Jahres nach der deutschen Wiedervereinigung gründeten sich ebenfalls Landesverbände der Europa-Union in den neuen Bundesländern.

Die Europa-Union pflegte in dieser Zeit ein gutes Verhältnis zu Bundeskanzler Helmut Kohl, welcher das Präsidium der EUD 1990 zu einem umfassenden Meinungsaustausch einlud und 1993 in seiner Rede auf dem 39. Kongress in Mannheim die konsequente Fortführung der Europäischen Integration bekräftigte.

Die Europa-Union der DDR (die Schwesterorganisation der Europa-Union Deutschland) wurde zwar zur Volkskammerwahl 1990 zugelassen, trat jedoch nicht an.wahlrecht.de: Amtliches Endergebnis der Wahlen zur 10. Volkskammer am 18. März 1990