Der Ford Focus ist eine Pkw-Modellreihe des Automobilherstellers Ford in der Kompaktklasse. Seine Markteinführung fand in Europa im Herbst 1998 statt, in Nord- und Südamerika im Frühjahr 2000 und in Australien im September 2002.

In den meisten Ländern war der Focus der Nachfolger des Escort, in Asien und Australien ersetzte er den Laser.

In den Jahren 2012 bis 2014 erreichte der Focus mit jeweils mehr als einer Million verkauften Exemplaren erneut den ersten Rang in den weltweiten Verkaufsstatistiken.

Im November 2025 wurde das letzte Modell der Baureihe im Werk Saarlouis hergestellt. Sinkende Nachfrage nach Kompaktwagen und Lieferengpässe werden als Gründe für die Einstellung benannt. Eines der Hauptprobleme war das SYNC4-Infotainmentsystem, das in der kriegsgebeutelten Ukraine hergestellt wurde und daher zu massiven Verzögerungen führte. Pläne eines Nachfolgermodells gibt es keine. Generell ist die Strategie von Ford, zumindest in Europa immer mehr auf Elektrofahrzeuge zu setzen.

Focus ’99 (1998–2004)

Der Ford Focus wurde von Ford of Europe entwickelt und kam im Oktober 1998 in Europa auf den Markt. Ab Frühjahr 2000 wurde er auch in Nordamerika angeboten; auch dort verkaufte er sich gut. mini|links|Innenraum Das Fahrzeug war als drei- und fünftüriges Schrägheckmodell (Typ DBW bzw. DAW) konzipiert und zur Markteinführung mit drei verschiedenen Ottomotoren erhältlich. Im Februar 1999 kamen die viertürige Stufenheckvariante (Typ DFW), die für Europa in Almussafes bei Valencia (Spanien) gefertigt wurde, sowie die Kombivariante Turnier (Typ DNW) auf den deutschen Markt.

Der Focus unterschied sich von den Konkurrenzmodellen unter anderem durch das New-Edge-Design, das Ford zuerst im Herbst 1996 mit dem Ka eingeführt hatte. Zudem besaß der Focus eine aufwendige Einzelradaufhängung der Hinterräder.

Die Serienausstattung der Fahrzeuge in Deutschland umfasste vier Airbags, ABS sowie elektrische Fensterheber (vorne) und bei den stärkeren Motoren eine Antriebsschlupfregelung. Die Aufpreisliste umfasste noch weitere Details wie Klimaanlage, Bordcomputer, Tempomat, Sitzheizung und später ESP.

Ab Februar 1999 gab es den Focus auch mit einem TDDi-Dieselmotor mit 1,8 Liter Hubraum, der 66 kW leistete. Ab August 1999 gab es auch einen weiteren 1,8-Liter-Diesel mit 55 kW.

Modellpflege mini|links|Ford Focus Fünftürer (2001–2004) Sterne im Euro-NCAP-CrashtestDer Focus I (1998–2004) im Euro-NCAP-Crashtest 105px

In den Jahren 2000 und 2001 war der Focus das weltweit meistverkaufte Auto. Im Oktober 2001 erhielt er im Rahmen einer Modellpflege neue Scheinwerfer mit integrierten Blinkleuchten und separatem Fern- und Abblendlicht, geänderte Stoßfänger sowie einige modifizierte Details im Innenraum (wie etwa der Mitteltunnel) und bei der Elektrik (wie insbesondere der Einbau eines Central-Control-Moduls ähnlich anderer Ford-Modelle). Das Kombimodell Turnier war nur noch mit einer Dachreling erhältlich.

Zwei neue Motoren wurden eingeführt, zum Beispiel ein ab Januar 2002 eingebauter und 127 kW (173 PS) starker 2,0-Liter-Ottomotor im Topmodell ST 170 (ST für Sports Technology). Dieses Modell hatte ein Sechsgang-Getriebe, dunkel abgesetzte Scheinwerfer, eine größere Bremsanlage und ein Sportfahrwerk. Weiterhin hatte es spezielle Sportsitze, auf Wunsch auch von Recaro. Mit dem Facelift war Bi-Xenonlicht verfügbar, ebenso eine Klimaautomatik. Ab November 2002 wurde der Focus auch als Erdgasfahrzeug mit unterflur montierten Tanks angeboten.

Im Oktober 2002 wurde der Focus RS vorgestellt, dessen Zweiliter-Turbomotor 158 kW (215 PS) leistete. Er war mit zahlreichen Rennsportkomponenten ausgestattet, unter anderem 18-Zoll-OZ-Felgen, Brembo-Bremsen, Quaife-Sperrdifferenzial, Sparco-Halbschalensitzen, einem Getrag-Sportgetriebe und einer AP-Racing-Kupplung sowie mit der Optik des Focus WRC Rallyecars. Die Produktion des Focus RS war weltweit auf 4501 Exemplare beschränkt und nur in der Farbe Imperial Blau (auch Ford Racing Blue genannt) erhältlich. Außerdem war die jeweilige Seriennummer in der Mittelkonsole eingeprägt. Im November 2003 wurde die Fertigung des Focus RS beendet.

Angeboten wurde der Focus in vier Ausstattungsvarianten: in einer Sparversion ohne Bezeichnung (umgangssprachlich Basis-Focus, unter anderem ohne Zentralverriegelung und ohne elektrische Fensterheber), in der Grundausstattung Ambiente, in der Sportversion Trend und in der Luxus-Ausführung Ghia. Darüber hinaus gab es verschiedene Sondermodelle wie Viva, Viva X, Futura, Finesse, Sport TDCi und die Luxusversionen Ghia X und Ghia Exclusiv.

In der saarländischen Pilot-plant in Saarlouis wurde im Juni 2005 der 10-millionste Wagen der Kompaktklasse produziert (Focus und Vorgängermodell Escort).

Technische Daten 1.4 1.6 1.8 2.0 2.0 ST 170 2.0 RS 1.8 TDDi 1.8 TDCi Bauzeitraum 08/1998–08/200401/2002–08/200410/2002–11/200308/1999–08/200402/1999–08/200408/2002–08/200401/2001–08/2004 Motorkenndaten MotorkennungFXDA, FXDC, FXDB, FXDDFYDA, FYDC, FYDB, FYDD, FYDHEYDC, EYDB, EYDD, EYDE, EYDG, EYDI, EYDJ, EYDLEDDC, EDDB, EDDD, EDDFALDAHMDABHDA, BHDBC9DC, C9DA, C9DBFFDAF9DA, F9DB Motortyp Zetec-S Zetec-E R4-Dieselmotor Anzahl Ventile pro Zylinder 4 2 Ventilsteuerung DOHC, Zahnriemen OHC, Zahnriemen Gemischaufbereitung Saugrohreinspritzung Direkteinspritzung Common-Rail-Einspritzung Motoraufladung – Turbolader, Ladeluftkühler Kühlung Wasserkühlung Bohrung × Hub76,0 mm × 76,5 mm79,0 mm × 81,4 mm80,6 mm × 88,0 mm 84,8 mm × 88,0 mm 82,5 mm × 82,0 mm Hubraum1388 cm³1596 cm³1796 cm³ 1988 cm³ 1753 cm³ Verdichtungsverhältnis 11,0:1 10,0:110,2:18,0:1 19,4:1 18,5:1 max. Leistungbei min−155 kW (75 PS)/500074 kW (100 PS)/600085 kW (115 PS)/550096 kW (130 PS)/5500127 kW (173 PS)/7000158 kW (215 PS)/550055 kW (75 PS)/400066 kW (90 PS)/400074 kW (100 PS)/385085 kW (115 PS)/3800 max. Drehmoment bei min−1123 Nm/3500145 Nm/4000160 Nm/4400178 Nm/4500196 Nm/5500310 Nm/3500175 Nm/1800200 Nm/2000240 Nm/1750250 Nm/1850 Kraftübertragung Antrieb Vorderradantrieb Getriebe, serienmäßig 5-Gang-Schaltgetriebe6-Gang-Schaltgetriebe 5-Gang-Schaltgetriebe Getriebe, optional –4-Stufen-Automatik­getriebe –4-Stufen-Automatik­getriebe – Messwerte Höchstgeschwindigkeit171 km/h173–185 km/h198 km/h197–201 km/h216 km/h232 km/h167 km/h180 km/h186 km/h196 km/h Beschleunigung, 0–100 km/h15,1–15,5 s10,3–12,1 s10,2–10,6 s9,2–9,6 s8,2 s6,7 s14,7 s12,4–12,9 s11,6–11,7 s10,6–10,7 s Kraftstoffverbrauch auf 100 km (kombiniert)6,6 l S6,8–7,8 l S7,5–7,6 l S8,5–9,4 l S9,1 l SP10,1 l SP5,1 l D 5,4 l D Leergewicht1149 kg1152 kg (1186 kg)1200 kg1221 kg1221 kg1280 kg1283 kg1258 kg1279 kg1279 kg Das Leergewicht bezieht sich auf den Dreitürer. Die Verfügbarkeit der Motoren war von Modell, Ausstattung und Markt abhängig.

Modellübersicht

Focus ’05 (2004–2010)

Im November 2004 wurde die zweite Modellgeneration des Focus eingeführt. Sie basierte auf der Bodengruppe des schon seit Mitte Mai 2003 produzierten Kompaktvans Focus C-MAX. Das Stufenheck und die Kombiversion Turnier folgten im Februar 2005.

mini|links|Ford Focus Fünftürer (2001–2004)

Optisch unterschied sich die zweite Modellgeneration vom Vorgänger insbesondere durch den sichtbaren Größenunterschied sowie die deutlich flacher stehende Heckscheibe.

Der Focus FFV (FFV = Flexible Fuel Vehicle) nutzte Ethanol als Kraftstoff. Dazu wurde das Kraftstoffsystem leicht modifiziert. Benzin und Ethanol konnten in beliebigem Mischverhältnis in denselben Tank gefüllt werden.

Ausstattungsvarianten Anfangs waren folgende Ausstattungen erhältlich: Ambiente (Grundmodell), Trend, Sport, Ghia und Titanium. Zusätzlich gab es die Editionsmodelle Fun, Style und Connection.

Ab Juli 2006 wurden zwei neue Editionsmodelle angeboten: Den Focus Fun X und den Focus Sport TDCi. Im Gegenzug wurde die Ausstattungsvariante Sport eingestellt. Im Frühjahr 2007 ersetzte das Editionsmodell Style den Fun X. Ab 2008 gab es die Editionsmodelle Black/Silver Magic, Sport und Rallye, ab 2009 waren die Modelle Sport und Black/Silver/White Magic auch mit Dieselmotorisierung (1.6 TDCi) erhältlich.

Sicherheitsausstattung Der Focus hatte neben dem üblichen ABS und Gurtstraffern serienmäßig einen Elektronischen Bremsassistenten (EBA), ein ESP mit ASR und zusammen 6 Airbags (Fahrer-/Beifahrer, zwei Seitenairbags und Kopf-Schulterairbags vorn und hinten). Er erhielt beim Euro-NCAP-Crashtest fünf von fünf möglichen Sternen.

Sterne im Euro-NCAP-CrashtestDer Ford Focus (2004–2010) im Euro-NCAP-Crashtest 100px

Modellpflege Im November 2007Phil McNamara: Ford funks up the Focus. In: Car, 11. September 2007 (englisch). wurde die Focus-Baureihe im Rahmen einer Modellpflege optisch überarbeitet. Die Markteinführung mit dem Ford Kinetic Design vom Designchef Martin Smith, fand am 23. Februar 2008 statt.

Ab 2008 gab es ab dem neuen Facelift die Editionsmodelle Black/Silver Magic, Sport und Rallye, ab 2009 waren die Modelle Sport und Black/Silver/White Magic auch mit Dieselmotorisierung (1.6 TDCi) erhältlich.

Ab diesem Zeitpunkt war ein Powershift genanntes Doppelkupplungsgetriebe erhältlich (nur für die Dieselmotoren mit 2,0 Liter Hubraum) und in Verbindung mit Xenonlicht auch LED-Rückleuchten lieferbar. Beide Rückleuchtenvarianten sind in heller Farbe gehalten. Im Innenraum gab es ein neues Kombiinstrument mit dem aus dem Ford S-MAX bekannten, moderneren Bordcomputer.

Im März 2010 wurde die Stufenheckversion wegen zuletzt geringer Nachfrage aus dem Programm genommen. Im November 2010 endete schließlich die Produktion der gesamten zweiten Focus-Reihe.

Sondereditionsmodelle Focus S (Focus Sport) Als begrenztes Sondereditionsmodell brachte Ford im Zuge der Modellpflege mit dem Kinetic Design den Wagen als Focus Sport Modell (Focus S) im Juli 2008 erneut auf den Markt.

Den Focus Sport gab es als 3- und 5-Türer mit quer eingebautem 5-Gang-Schaltgetriebe nur als 1,6-l-Duratec mit 74 kW (100 PS) oder 85 kW (115 PS).

Die Ausstattung des Sportpaketes enthielt ab Werk ein Kayaba-Sportfahrwerk (Aufhängungspaket Handling), eine Fahrzeug-Tieferlegung von 20 mm, Allrad-Scheibenbremsen, Sportsitze mit Lendenwirbelstütze, beheizbare Außenspiegel, 17"-Leichtmetallräder im 8-Speichen-Y-Design, einen elektronischen Bremsassistent, ein schlüsselloses Start-System, einen eintragungsfreien Dach-Heckspoiler, Lederlenkrad und einen Tempomat.

Focus Zetec-S In Verbindung mit der Ausstattungsvariante und dem Fahrwerk vom Focus Sport wurde dieser als Vollausstattung mit zusätzlich angebotenen Stylepaket als Focus Zetec-S vertrieben.

Das Style-Paket beinhaltete einen zusätzlichen Spoiler-Bausatz auf dem vorderen Stoßfänger, einen hinteren Heckschürzen-Bausatz, einen Seitenschweller-Bausatz und ein überarbeitetes Design des unteren Kühlergrills.

Das darauf aufbauende Sport-Paket beinhaltete 18"-Leichtmetallräder und Sichtschutzglas. Das WRC-Paket enthielt Abziehbilder der Rallye-Weltmeisterschaft und WRC-Abnutzungsplatten.

Das zuerst in Großbritannien eingeführte Modell gab es diesmal unabhängig von der gewünschten Auswahl der Motorisierungen mit Hubräumen von 1,4 bis 2,0 Liter und auch als Dieselmotorisierung (1.6 TDCi) mit Dieselpartikelfilter (DPF), die alle auch mit Fords 6-Gang-PowerShift-Automatikgetriebe (Doppelkupplungsgetriebe) ausgestattet werden konnten.

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