mini|Franziskuskirche mini|Das Rathaus, im Vordergrund die Wolfskulptur auf dem Ritter-Wulf-Platz
Schwarzenbek (Niederdeutsch: Swattenbeek) ist eine Kleinstadt im Kreis Herzogtum Lauenburg in Schleswig-Holstein. Sie ist auch Sitz des Amtes Schwarzenbek-Land.
Durch die Verleihung des Europapreises im Jahr 1961 ist Schwarzenbek auch als Europastadt bekannt. Aufgrund ihrer mittigen Lage im Süden des Kreises wird sie auch Stadt der Mitte genannt.
Geographie Lage Schwarzenbek liegt im Landschaftsbereich des Naturraums Lauenburger Geest (Haupteinheit Nr. 696), einem Teilraum des schleswig-holsteinischen Geestrückens.Vgl. Eintrag in Naturräumliche Haupteinheiten Deutschlands Unmittelbar nordwestlich des Stadtgebietes erstreckt sich mit dem Sachsenwald das größte zusammenhängende Waldgebiet des Bundeslandes. Im Westen grenzt Schwarzenbek an die Gemeinde Brunstorf, im Süden an Kollow und Gülzow, im Osten an Grabau sowie im Norden an Grove.
Stadtteile Alter Forsthof Blinde Koppel Bölkau Mühlenkamp Nord-Ost Rülau Schmiedekamp Uhlenhorst Lupus Park (Gewerbepark) Industriegebiet
Gewässer Schwarze Beke Der Bach hat dem Ort in historischer Zeit den Namen gegeben. Die Schwarze Beke entspringt südöstlich Schwarzenbeks, durchquert den Rülauer Forst, eine Obstplantage und einige Wiesen, bevor sie an der Meiereistraße in Rohren verschwindet, die der Bahntrasse folgend schließlich an der Straßenbrücke Compestraße enden. Von dort fließt die Beke nach Westen aus dem Ort und mündet bei Radekamp in die Schwarze Au.
Schwarze Au Die Schwarze Au entspringt nördlich vom Schwarzenbek. Sie fließt begradigt in den Wiesen zwischen Sachsenwald (Großer Radekamp) und neuer B404 in südliche Richtung. Sie unterquert diese Bundesstraße beim Forsthaus Radekamp. Nachdem die Au 600 m weiter südlich die Bahnstrecke Berlin–Hamburg gekreuzt hat und das Wasser der Schwarzen Beke aufgenommen hat, fließt sie nach Westen durch den Sachsenwald, um in Aumühle in die Bille zu münden. Moorgraben Der Moorgraben entspringt einem Feuchtgebiet bei Grabau. Das Schwarzenbeker Stadtgebiet erreicht er nördlich des Gewerbegebietes und bildet von dort bis nördlich des Bahnhofes einen Grünstreifen. Von dort fließt er in Rohren und tritt erst wieder westlich vom Ritter-Wulf-Platz mit der Schwarzen Beke vereinigt ans Tageslicht. Bölkau Die Bölkau entspringt im westlichen Rülauer Forst südlich der B207, sie fließt nach Norden und mündet nach 1,6 km bei der Kläranlage in die Schwarze Beke Linau Die Linau bildet die südliche Begrenzung des Stadtgebietes im Rülauer Forst. Jordangraben Der Jordangraben entspringt im Waldgebiet, das sich südlich des Forsthofs befindet. Von dort fließt der Jordangraben in nördlicher Richtung am Schwarzenbeker Stadtrand entlang. Ab der Straße Grillengrund wird der Bach in Rohren unterirdisch in nordöstlicher Richtung geleitet. Auf einem Feld in der Nähe der Straße Wiesenweg tritt er wieder zu Tage. Hier läuft der Bach wieder in nördlicher Richtung und mündet beim Tierheim in die Schwarze Beke.
Geschichte Anfänge Schwarzenbek entstand aus einer Herausrodung aus dem Grenzurwald zwischen Sachsen und Slawen. Die erste urkundliche Erwähnung einer Ansiedlung des Ritters Wulf an der Schwarzen Beke, die dem Ort den Namen gab, fand im Jahr 1291 statt. In dieser Zeit wurde die Turmhügelburg erbaut, die später als Marienburg erwähnt wurde und als Schutzburg für die Ansiedlung diente. Die adlige Familie Wulf, die vermutlich die Gründerfamilie von Schwarzenbek war, wird erstmals 1296 mit dem Beinamen to Swartenbeke erwähnt. Sie blieb bis zu ihrem Aussterben im späten 15. Jahrhundert im Besitz des Ortes.
Daraufhin wurde Schwarzenbek Teil des Herrschaftsgebiets des Herzogtums Sachsen-Lauenburg. 1562 wurde unter Herzog Franz I. in unmittelbarer Nähe der alten Schutzburg das Schwarzenbeker Schloss errichtet. Schwarzenbek war zeitweise Residenzort des Herzogtums.
Seit dem 17. Jahrhundert Im frühen 17. Jahrhundert wurde das Amt Schwarzenbek als Verwaltungseinheit aus dem Ort Schwarzenbek sowie 22 umliegenden Orten und dem Sachsenwald gebildet.
Von 1689 bis 1815 gehörte Schwarzenbek mit dem Herzogtum zum Kurfürstentum Hannover und damit zur britischen Krone. Während der Regierungszeit Napoleons I. wurde das Herzogtum abwechselnd von Frankreich und Preußen besetzt, bis aufgrund der Beschlüsse des Wiener Kongresses Schwarzenbek als Teil des Herzogtums 1815 zu Dänemark kam. Sachsen-Lauenburg blieb bis 1864 unter dänischer Oberhoheit.
Nach dem Deutsch-Dänischen Krieg und infolge von Verhandlungen mit Österreich kam das Herzogtum Sachsen-Lauenburg nach einer gemeinsamen österreichisch-preußischen Verwaltung an das Königreich Preußen. 1876 bildete Schwarzenbek eine selbstverwaltende Gemeinde, die auch Sitz des neuen konstituierten Amtes Schwarzenbek wurde. In der Mitte des 19. Jahrhunderts wurde Schwarzenbek ein Knotenpunkt für das neue Verkehrsnetz. 1871 erhielt der deutsche Reichskanzler Otto von Bismarck mit dem Sachsenwald auch Teile Schwarzenbeks als Grundbesitz.
Zeit des Zweiten Weltkrieges Während des Zweiten Weltkrieges existierten auch in Schwarzenbek Zwangsarbeitslager. 48 Kinder von Zwangsarbeiterinnen starben offenbar in Folge der dortigen inhumanen Zustände., S. 3, vom: April 2012; abgerufen am: 29. Mai 2018
Deutschland verlor schrittweise den Zweiten Weltkrieg und es wurde nach und nach besetzt. In den letzten Kriegstagen näherten sich die alliierten Truppen auch immer mehr Schwarzenbek. Am 24. April 1945 erfolgte so auch ein Tieffliegerangriff auf einen Eisenbahnzug in Schwarzenbek, bei dem das britische Flugzeug abgeschossen wurde.Lübecker Nachrichten: Die Luftangriffe auf Geesthacht und Büchen, vom: 11. April 2015; abgerufen am: 27. Mai 2018 Am 30. April und 1. Mai 1945 wurde Schwarzenbek schließlich von den Briten besetzt. Derweil begann die Besetzung der südwestlichen Teile Mecklenburgs durch die Amerikaner. Am darauf folgenden Tag flüchtete die Geschäftsführende Reichsregierung aus dem 60 Kilometer weiter nördlich gelegenen Raum Eutin-Plön weiter in den Sonderbereich Mürwik. Den anschließenden Tag marschierten die britischen Soldaten im benachbarten Hamburg ein. Tags darauf erfolgte die Teilkapitulation der Wehrmacht für Nordwestdeutschland, Dänemark und die Niederlande.Lübecker Nachrichten: Die Luftangriffe auf Geesthacht und Büchen, vom: 11. April 2015; abgerufen am: 27. Mai 2018Lübecker Nachrichten: Letzte Kämpfe im Frühjahr 1945, vom: 14. April 2015; abgerufen am: 29. Mai 2018 Im Zweiten Weltkrieg starben mindestens 112 Schwarzenbeker als Soldaten. Die tatsächliche Zahl ist jedoch vermutlich höher, da die Vermissten nach dem Krieg nicht vollständig erfasst wurden. Dazu kamen noch 27 Zivilopfer des Krieges in Schwarzenbek., S. 1, vom: April 2012; abgerufen am: 29. Mai 2018
Nachkriegszeit bis heute Im Jahr 1950 wurde Schwarzenbek eine amtsfreie Gemeinde. 1953 verlieh die Landesregierung Schleswig-Holstein der Gemeinde Schwarzenbek die Stadtrechte. Viele Menschen zogen in die Stadt, da sie mit Verbindungen nach Hamburg oder Lübeck verkehrsgünstig gelegen war. Die Stadt Schwarzenbek hat sich besonders um den europäischen Gedanken verdient gemacht. 1955 erfolgte hierzu der erste bedeutende Schritt. In diesem Jahr ging die junge Stadt eine städtische Verbrüderung mit drei europäischen Städten ein, und zwar mit Aubenas (Frankreich), Sierre (Schweiz), und Zelzate (Belgien). Dem Bund schlossen sich im Jahre 1960 noch die Städte Cesenatico (Italien) und Delfzijl (Niederlande) an. Nach diesen Städten sind auch die Seitenstraßen des Verbrüderungsrings im Stadtteil Nord-Ost benannt. Im Jahre 1961 verlieh der Europarat Straßburg der Stadt Schwarzenbek als zweiter Stadt in der Bundesrepublik Deutschland für die weit ausstrahlende Förderung der europäischen Einigungsidee und der Völkerverständigung den Europapreis.
Zum 1. Januar 2026 wurde ein Teil des aufgelösten Forstgutsbezirks Sachsenwald nach Schwarzenbek eingemeindet.
Seit 1950 waren nachfolgende Personen Bürgermeister in Schwarzenbek:Wer leitet künftig Schwarzenbeks Rathaus in: Bergedorfer Zeitung vom 25. September 2020 Hans Koch von 1950 bis 1974 Ralph Schnack von 1974 bis 1992 Gerd Krämer von 1992 bis 2002 Frank Ruppert von 2002 bis 2014 Ute Borchers-Seelig 2014 bis 2020 Norbert Lütjens seit 2020
Bevölkerung Einwohnerstatistik Schwarzenbek ist die nach Geesthacht und Mölln drittgrößte Stadt im Kreis Herzogtum Lauenburg. Die meisten Einwohner Schwarzenbeks sind junge Familien und Pendler. + Bevölkerungsentwicklung Jahr Bevölkerung Bemerkungen1867870hochgerechnet auf Stadtgrenzen von 1966187190018851.27018951.56019051.78019152.12019392.30019505.75219617.81219709.322Stadtgrenzen von 1966198711.209Volkszählung 1987199512.000200515.019201114.974Zensus 2011201516.192
Konfessionsstatistik Gemäß dem Zensus 2011 waren 43,1 % der Einwohner evangelisch, 8,3 % römisch-katholisch und 48,7 % waren konfessionslos, gehörten einer anderen Glaubensgemeinschaft an oder machten keine Angabe.Stadt Schwarzenbek Religion, Zensus 2011 Die Zahl der Protestanten und Katholiken ist seitdem gesunken und mit zirka 60 % sind die Personen, die keiner rechtlich-körperschaftlich verfassten Religionsgemeinschaft angehören, eine Mehrheit der Bevölkerung. Gemäß Zensus 2022 waren 30,3 % der Einwohner evangelisch, 7,7 % römisch-katholisch und 62,0 % waren konfessionslos, gehörten einer anderen Glaubensgemeinschaft an oder machten keine Angabe.Religion, Zensus 2022.Schwarzenbek Aktuelle Informationen 2021/2022, abgerufen am 28. November 2023Stadt Schwarzenbek Zahlen und Fakten, abgerufen am 6. Oktober 2019
Politik
Stadtverordnetenversammlung
Die Stadtverordnetenversammlung ist die kommunale Volksvertretung der Stadt Schwarzenbek. Über die Zusammensetzung entscheiden die Bürger alle fünf Jahre. Die letzte Kommunalwahl fand am 14. Mai 2023 statt. Diese führte bei einer Wahlbeteiligung von 40,3 % zu nebenstehender Zusammensetzung der Gemeindevertretung.
Bürgermeisterwahlen Die vorletzte Bürgermeisterwahl fand am 27. September 2020 statt. Neben dem parteiunabhängigen Stadtjugendpfleger Norbert LütjensLübecker Nachrichten vom 14. Februar 2020 trat der Bürgervorsteher Matthias Schirmacher (Bündnis 90/Die Grünen) an.Bündnis 90/Die Grünen Kreisverband Herzogtum Lauenburg/OV Schwarzenbek: Bürgermeisterwahl in Schwarzenbek (17. Mai 2020) Die vorherige Bürgermeisterin Ute Borchers-Seelig kandidierte nicht erneut für das Amt. Lütjens setzte sich in der Wahl mit 74,8 % durch und übernahm das Amt am 1. Dezember 2020.
Bei der letzten Bürgermeisterwahl am 7. Juni 2026 wurde Lütjens ohne Gegenkandidaten mit 86 Prozent der Stimmen im Amt bestätigt.
Wappen Blasonierung: „In Gold ein steigender schwarzer Wolf mit roter Zunge über einem schwarzen Wellenbalken im Schildfuß.“[ Kommunale Wappenrolle Schleswig-Holstein]
Schwarzenbek entstand um 1250 als Rodungssiedlung am Rand des Grenzwaldes zwischen Sachsen und Slawen. Der Wolf als Hauptfigur des Wappens ist ein Hinweis auf die alte Lauenburger Adelsfamilie Wulf. Auf einer Wasserburg am Oberlauf der Schwarzenbek ansässig, gehörte sie vermutlich zu den ersten Kolonisatoren dieses Gebietes. Die Familie wird erstmals 1296 mit dem Beinamen „Swartenbeke“ genannt. Zugleich soll die Figur darauf hinweisen, dass die ersten Siedler, die dem Wolf in dem noch unwirtlichen Gebiet oft begegnet sein mögen, über die diesem Tier zugeschriebenen Eigenschaften wie Ausdauer, Kraft und Wehrhaftigkeit in ihrem Kampf ums Überleben verfügen mussten. Der schwarze Wellenbalken im Wappen bezeichnet als „redende“ Figur den Ortsnamen. Die Lage des Ortes an der „schwarzen Bek“ führte zur Übertragung des Gewässernamens auf die Siedlung. Die Farben des Wappens Gold und Schwarz sind die historischen Farben des Herzogtums Lauenburg.
Das Wappen wurde von dem Brunsbütteler Heraldiker Willy „Horsa“ Lippert gestaltet.
Flagge