Die Grafschaft Sponheim war ein reichsunmittelbares Territorium des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation in der Nahe-Hunsrück-Gegend im heutigen Land Rheinland-Pfalz. Sie entwickelte sich im frühen 12. Jahrhundert (Hochmittelalter) und bestand bis zu dem von der Französischen Revolution ausgelösten Ersten Koalitionskrieg.
Geschichte Gesicherte Anfänge mini|links|Burg Sponheim, Stammsitz des Hauses Sponheim miniatur|hochkant=0.7|links|Wappen der Sponheimer Grafen mini|Burg Dill aus dem Erbe der Mechtild von Mörsberg 1045 tritt als erster Spanheimer (frühere Schreibweise: Spanheim, Spanheym) Siegfried I. auf. Dieser war Markgraf der Ungarnmark und Gaugraf im Pustertal, jedoch noch kein Graf von Sponheim. Nach welcher Burg Spanheim er bezeichnet wurde, ist unklar. Siegfried wird als ein Urahn der Spanheimer in Kärnten und Bayern angesehen. Seine direkten Vorfahren sind aus Mangel an Quellen nicht mehr feststellbar.Friedrich Hausmann: Siegfried, Markgraf der "Ungarnmark" und die Anfänge der Spanheimer in Kärnten und um Rheinland, S. 165 Es lassen sich aber seine verwandtschaftlichen Beziehungen mit den Zeisolf-Wolframen, den Grafen im Königssondergau und dem verbleibenden Zweig der Spanheimer im Rheinland nachweisen.Friedrich Hausmann: Siegfried, Markgraf der "Ungarnmark" und die Anfänge der Spanheimer in Kärnten und um Rheinland, S. 166
Der rheinische Zweig der Spanheimer wird mit Stephan I. greifbar, welcher ebenfalls um die Mitte des 11. Jahrhunderts urkundlich erwähnt wurde.Friedrich Hausmann: Siegfried, Markgraf der "Ungarnmark" und die Anfänge der Spanheimer in Kärnten und um Rheinland, S. 166 f. Eine Grafschaft Sponheim gab es damals noch nicht. Das Verwandtschaftsverhältnis zwischen Siegfried I. und Stephan I. gilt als offen, es ist besitzrechtlich zwar belegt, jedoch ist der Grad ungewiss.Friedrich Hausmann: Siegfried, Markgraf der "Ungarnmark" und die Anfänge der Spanheimer in Kärnten und um Rheinland, S. 167 Um 1124 heiratete Meginhard von Sponheim, vielleicht ein Enkel Stephans, Mechtild von Mörsberg. Mechtild war die Erbtochter von Adalbert von Mörsberg, der große Teile des Besitzes der Grafen von Nellenburg geerbt hatte.Adalbert von Mörsberg (bei Winterthur) war wohl ein Nellenburger, das heißt, er gehörte agnatisch dem Geschlecht der Grafen von Nellenburg. Siehe dazu Vor allem die Besitzungen auf dem Hunsrück, so die Burg Dill, fielen an die Sponheimer, die auf diese Weise ihren Besitzstand erheblich erweiterten. Meginhard nannte sich auch erstmals Graf von Sponheim, so dass man ab dieser Zeit von einer Grafschaft Sponheim sprechen kann.Grafen von Sponheim bei genealogie-mittelalter.de
Die Sponheimer bauten im 12. Jahrhundert die Burg Sponheim als Stammsitz aus."Ruine Sponheim" bei burgenwelt.de Auch stifteten sie in dieser Zeit das Kloster Sponheim, nachdem schon im 11. Jahrhundert am gleichen Ort eine Kirche errichtet worden war.
Schon früh unterhielten die Sponheimer eine Residenz in Kreuznach. Meginhard von Sponheim stellte dort 1127 im Kreis seiner Vasallen und Ministerialen eine Urkunde für das Allerheiligenkloster in Schaffhausen aus.Urkunden vom 21. September 1127; Carl Borromaeus Aloys Fickler (Bearb.): Quellen und Forschungen zur Geschichte Schwabens und der Ost-Schweiz. Schneider, Mannheim 1859, Nr. XXIV und XXV, S. 48–50 (Google-Books). In einer – wahrscheinlich gefälschten,Vgl. Karl Hermann May: Beiträge zur Geschichte der Herren zu Lipporn und Grafen von Lauenburg. In: Nassauische Annalen 60 (1943/48), S. 1–65, bes. S. 42f. aber historische Reminiszenzen enthaltenden – Urkunde, die auf 1125 datiert ist,Text der Urkunde bei Johannes Trithemius: Chronicon … monasterii Spanheimensis (1506). In: Marquard Freher (Hrsg.): Johannis Trithemij Spanheimensis primo … Abbatis … secvndae partis Chronica insignia dvo, Bd. II. Wechel bei Claudius Marnius, Frankfurt am Main 1601, S. 237–435, hier S. 240 zum Jahr 1105 (Google-Books). bestimmte Meginhard, dass der älteste seiner Söhne und nach ihm immer der jeweils älteste des Stammes als Graf von Sponheim und Herr von und zu Kreuznach (Dominus de bzw. in Creutzenacht) Vogt des Klosters Sponheim sein sollte.Vgl. Winfried Dotzauer: Geschichte des Nahe-Hunsrück-Raumes von den Anfängen bis zur Französischen Revolution. Franz Steiner Verlag, Stuttgart 2001, bes. S. 155 (Google-Books; eingeschränkte Vorschau). Die Schenkung Meginhards von Gut Illnau an das Allerheiligenkloster wurde auf einem königlichen Hoftag zu Worms (1.–13. Februar 1140) von Graf Godefridus (von Sponheim) bestätigt.Vgl. Urkunden des Staufer-Königs Konrad III. von 1145 und König Friedrichs I. Barbarossa vom 28. April 1154; Carl Borromaeus Aloys Fickler (Bearb.): Quellen und Forschungen zur Geschichte Schwabens und der Ost-Schweiz. Schneider, Mannheim 1859, Nr. XXVI und XXVIII, S. 50–53 und S. 55–58, bes. S. 51, 52 (Anm. 8) und 55.
Mit Sicherheit traten in der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts zwei, wahrscheinlich sogar drei Grafen mit Namen Gottfried auf. Wahrscheinlich handelte es sich um Sohn und Enkel (und evtl. Urenkel) von Meginhard von Sponheim. Ein Albert von Sponheim (vielleicht der Bruder Gottfrieds III.) war ein enger Vertrauter Kaiser Heinrichs VI. Auch bei der anschließenden Doppelwahl des deutschen Königs standen die Sponheimer auf der Seite der Staufer. Albert nahm 1201 am Vierten Kreuzzug teil. Sein Bruder Gottfried III. kehrte 1218 vom Fünften Kreuzzug nicht zurück.Winfried Dotzauer: Geschichte des Nahe-Hunsrück-Raumes von den Anfängen bis zur Französischen Revolution, Franz Steiner Verlag, Stuttgart 2001, S. 255
Teilung (I) – Vordere und Hintere Grafschaften Graf Gottfried III. († 1218)"Gottfried III. und seine Nachfahren" bei gelealogy.eu (englisch) erwarb durch seine Gattin Adelheid von Sayn Anrecht auf einen Teil des Erbes des Grafen Heinrich III. von Sayn, das 1247 zum Großteil an seine Söhne fiel. Die Brüder Johann I., Heinrich und Simon I. teilten vor 1237 das gesamte Erbe: Johann I., der älteste Sohn, erhielt die Hintere Grafschaft Sponheim mit Gütern im Mosel- und Nahegebiet (Wappen: Schachbrett Rot-Silber) mit Sitz auf der Starkenburg bei Enkirch.www.genealogie-mittelalter.de Weiterhin erbte er 1247 die Grafschaft Sayn. Dessen Söhne teilten 1265: Gottfried übernahm die Grafschaft Sayn und wurde zum Stammvater des zweiten Grafenhauses Sayn, Heinrich übernahm die Hintere Grafschaft Sponheim. Heinrich erbte die Herrschaften Blankenburg und Löwenburg. Er heiratete die Erbtochter von Heinsberg und begründete als Herr von Heinsberg eine neue Linie. Simon I., der jüngste Bruder, bildete aus seinem Erbgut die Vordere Grafschaft Sponheim an der Nahe (Wappen: Schachbrett Blau-Gold) mit Sitz auf der Kauzenburg oberhalb von Bad Kreuznach. Dessen Söhne teilten 1277: Johann übernahm die Vordere Grafschaft Sponheim Heinrich begründete die Linie Sponheim-Bolanden Eberhard begründete die Linie Sponheim-Neef. Die Burgen Sponheim und Dill blieben gemeinsamer Besitz und wurden in der Folge als Witwensitze oder Residenzen von Juniorlinien genutzt. Die Stammburg Sponheim verlor damit ihre frühere Bedeutung.
Die Unterscheidung zwischen „Vorderer“ bzw. „Hinterer“ Grafschaft leitet sich von den Himmelsrichtungen Ost (= Hinter) und West (= Vorder) ab: Die Starkenburg als Zentrum der Hinteren Grafschaft liegt mehr im Osten, die Kauzenburg als Zentrum der Vorderen Grafschaft befindet sich mehr im Westen.
13.–15. Jahrhundert 1277 erhielt Heinrich von Sponheim, der Gründer der Linie Sponheim-Dannenfels, einen Teil der Burg Böckelheim. Entgegen den Absprachen mit seinem Bruder Johann I., regierender Graf der Vorderen Grafschaft, verkaufte Heinrich seinen Anteil an Erzbischof Werner von Mainz. Der Versuch Johanns, die Burg zurückzugewinnen, führte zu einer überregional bedeutenden Fehde, an der der gesamte Adel der Region beteiligt war. Höhepunkt der Auseinandersetzung war eine offene Feldschlacht bei Sprendlingen und endete mit dem Sieg des Mainzer Erzbischofs (→ Sage von Michel Mort). An der Fehde nahm auch die Starkenburger Linie teil. Das führte zu großen Verheerungen in der Grafschaft, bis endlich König Rudolph 1281 den Streit schlichtete. Zur gleichen Zeit entstanden einige Zwistigkeiten zwischen Johann und seinen Vettern in der Hinteren Grafschaft wegen der Sponheimer Länderverteilung; der Vertrag von 1226 legte sie bei.Upmann: Beiträge zur Geschichte des Fürstenthums Birkenfeld. Jahresbericht der Gesellschaft für nützliche Forschungen zu Trier über die Jahre 1861 und 1862. Herausgegeben von dem Secretair Schneemann. Trier 1864 (komplett bei Google Books), S. 40
mini|Wappen der Sponheimer gezeigt auf Kaiser Heinrichs Romfahrt (oben rechts und oberes Bild links)www.thomasgransow.de
In der Schlacht bei Göllheim im Jahre 1298 standen die Grafen von Sponheim auf Seiten von Adolph von Nassau. Graf Johann II. von Sponheim-Starkenburg († 1324) und sein Bruder Heinrich waren Teilnehmer am Romzug König Heinrichs VII. und sind, identifizierbar an ihren Wappen, mehrfach im Bilderzyklus von König Heinrichs Romfahrt abgebildet.
links|100px|Münze der Grafschaft Die zwei sponheimischen Linien Starkenburg und Kreuznach waren in der Folgezeit nicht immer miteinander verbunden bezüglich ihrer politischen Ausrichtung. Sponheim-Kreuznach unterstützte Friedrich den Schönen von Habsburg in dem Streit um die deutsche Königsherrschaft und stand somit im Widerspruch zu Sponheim-Starkenburg, die an Ludwig IV. den Bayern angeschlossen war. Der anschließende Sieg von Ludwig dem Bayern bedeutete für Sponheim-Starkenburg einen relativen Machtgewinn. In dieser Zeit war die Vordere Grafschaft in eine nördliche und südliche Hälfte geteilt. Teilungslinie war der Soonwald. In Kastellaun residierte Simon II., in Kreuznach Johann II., der ohne legitime Söhne starb. Mit dem Regierungsantritt von Simons Sohn Walram endete die Teilung. Walram regierte die vereinigte Vordere Grafschaft bis 1380 und führte viele Fehden. Walrams Sohn Simon III. brachte der Vorderen Grafschaft durch seine Heirat mit Maria von Vianden die Grafschaft Vianden ein.
Teilung (II) – Baden, Pfalz-Simmern-Zweibrücken-Birkenfeld, Kurpfalz
mini|Grafschaft Sponheim nach Nicolas Sanson, 1692 (links)
Nach dem Aussterben der Vorderen Linie 1417 fiel ein Fünftel der Vorderen Grafschaft an die Kurpfalz, vier Fünftel kamen an Johann V. von Sponheim-Starkenburg mit Sitz auf der Grevenburg über Trarbach. Vordere und Hintere Grafschaft waren damit nach fast 200 Jahren wieder in einer Hand vereinigt – allerdings nur für rund 20 Jahre. Rund zwanzig Jahre regierte Johann V. einen „riesigen Flickenteppich“ von der Nahe über Hunsrück, Mittelmosel und Eifel bis zur Untermosel.
mini|links|hochkant|Christoph I. von Baden (1475–1515). Markgrafentafel.
Mit dem Tod Johanns V. 1437, der 1422 ein weiteres (zweites) Fünftel der Vorderen Grafschaft an die Kurpfalz verpfändet hatte, kam die Grafschaft Sponheim (nämlich die Hintere Grafschaft und die verbliebenen drei Fünftel der Vorderen Grafschaft) an dessen Erben, die Markgrafen von Baden und die Grafen von Veldenz.Die Markgrafen von Baden und die Grafen von Veldenz waren Nachkommen des Grafen Johann III. von Sponheim. Nach dem Beinheimer Entscheid aus dem Jahr 1425 blieb die Grafschaft real ungeteilt und wurde als Kondominium gemeinsam verwaltet. 1444 wurde Veldenz von Pfalz-Simmern beerbt, das 1504 das verpfändete zweite Fünftel von der Kurpfalz zurückerwarb und die Hälfte davon an Baden weitergab.
Als Pfalz-Simmern 1559 die Kurwürde erlangte und gleichzeitig die Kurpfälzer Anteile an der Vorderen Grafschaft erbte, trat es in einem Erbausgleich gemäß den Bestimmungen des Heidelberger Sukzessionsvertrags von 1553 die Hälfte der Hinteren Grafschaft an Pfalz-Zweibrücken ab, so dass nun die Vordere Grafschaft zu drei Fünfteln der Kurpfalz und zu zwei Fünfteln Baden und die Hintere Grafschaft zu gleichen Teilen Baden und Pfalz-Zweibrücken (bzw. dessen Nebenlinie Pfalz-Birkenfeld) gehörte.