Das Amt „Schönheit der Arbeit“ war eine Organisation der von Robert Ley geführten Deutschen Arbeitsfront (DAF) und damit eine Gliederung der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei (NSDAP). Das Amt wurde am 27. November 1933 gegründet, am folgenden Tag wurde es in die NS-Gemeinschaft Kraft durch Freude einbezogen.
Sein Sitz befand sich in der Kaiserallee 25lt. Handbuch... 1938, S. 262: Reichsamt „Schönheit der Arbeit“, Berlin S 42, Curthdamm 2. (Kreuzberg; heute Segitzdamm). (heute Bundesallee) in Berlin; Leiter war Albert Speer, Julius Schulte-FrohlindeNach dem Taschenbuch 1938, S. 261 war Speers ständiger Vertreter in diesem Amt Dipl.-Ing. Herbert Steinwarz. sein Stellvertreter.
Aufgaben Zu den Aufgaben gehörten die Verschönerung von Arbeitsstätten, die Verbesserung von Arbeitsbedingungen, Ergonomie sowie Arbeitssicherheit. Die zunächst winzige Organisation trat dabei in Konkurrenz zu den Gewerbeaufsichtsämtern: Einerseits wurden Betriebsbesichtigungen häufig gemeinschaftlich durchgeführt, andererseits betätigte sich das Amt als ständiger Kritiker und Antreiber der Gewerbeaufsicht, die für die bestehenden Missstände verantwortlich gemacht wurde.Matthias Frese: Betriebspolitik im „Dritten Reich“, S. 336. Es ist richtig darauf hingewiesen worden, dass die propagierten Verbesserungsvorschläge nur vordergründig eine schönere Arbeitswelt ins Auge fassten; tatsächlich dienten sie der Steigerung der Produktivität, der erhöhten Ausbeutung von Arbeitskraft und Produktionsmitteln, der Vorgaukelung einer NS-Volksgemeinschaft von Führung und Belegschaft sowie der Einsparung von Metallen, welche der Rüstungsindustrie vorbehalten bleiben sollten.Ausführlich dazu aus einer kapitalismuskritischen Perspektive: Chup Friemert, Das Amt Schönheit der Arbeit. Das Argument Heft 3/4, 1972, S. 258–275.
Aktivitäten mini|Das Gemeinschaftshaus von Linden & Funke in Iserlohn wurde nach Plänen des ASdA errichtet und 1936 eröffnet. mini|Kantinengeschirr wurde mit einer Bodenmarke als mustergültig im Sinne des ASdA ausgewiesen, hier eine Suppentasse von Bauscher für die Deurag-Nerag. mini|Firmen, die das Gütezeichen für vorbildliche Betriebseinrichtungen vorweisen konnten, durften auf lukrative staatliche Aufträge hoffen.
Das Amt publizierte diverse Broschüren mit detaillierten Musterplänen, zum Beispiel für die Einrichtung von Waschräumen und Toiletten. Auf Veranlassung des Amtes wurden Kantinen, Aufenthaltsräume, Werksbibliotheken, Sport- und Sanitäranlagen eingerichtet sowie Kameradschaftsabende und Werkssportfeste organisiert. Die Kosten dieser Maßnahmen beliefen sich bis 1939 auf rund 200 Millionen Reichsmark, die von den Unternehmen getragen werden mussten. Bei Umsetzung amtlicher Vorgaben besonders eifrige Betriebe erhielten den Ehrentitel „Nationalsozialistischer Musterbetrieb“.
Die Aktionen des Amtes „Schönheit der Arbeit“ standen unter jährlich wechselnden Mottos: 1934 „Entrümpelung der Betriebe“, 1935 „Kampf dem Betriebslärm“, 1936 „Gutes Licht, gute Arbeit“, 1937 „Saubere Menschen im sauberen Betrieb“, 1938 „Gesunde Luft im Arbeitsraum“ und 1939 „Warmes Essen im Betrieb“.
Da die nationalsozialistische Propaganda durch Einführung „schlicht“ gestalteter Alltagsgegenstände eine quasi „überzeitliche Ewigkeitsgültigkeit“ anstrebte, beauftragte das Amt den bereits in ähnlicher Richtung wirkenden Heinrich Löffelhardt ab 1935 mit der Entwicklung des Kantinengeschirrs „Modell I“. Für die Umsetzung in Mutter- und Arbeitsformen war die Porzellanfabrik Gebrüder Bauscher in Weiden zuständig, wobei unter deren Ägide bis 1941 noch drei weitere, auch den Bedarf an feinerem Porzellan deckende, Geschirrentwürfe entstanden. Für die Herstellung dieser Modelle waren zunächst nur 10, später lediglich 5 Betriebe zugelassen. Hierbei kamen regelmäßig Häftlinge und Zwangsarbeiter zum Einsatz. Verbreitung fanden diese Kantinengeschirre hauptsächlich bei Wehrmacht und Waffen-SS.
Mit Kriegsbeginn drängte das Motiv der Produktivitätssteigerung andere Bemühungen vollends in den Hintergrund: Eine bessere Ausleuchtung von Arbeitsplätzen diente der Reduzierung von Ausschuss, verbesserte Hygiene verringerte den Krankenstand. Nahmen die Mitarbeiter ihre Mahlzeiten im Betrieb ein, konnte der Verbrauch besser gesteuert werden, vor allem der von unerwünschten Importprodukten. Nebenbei konnten die Gespräche der Mitarbeiter zentral belauscht werden, womit eine Solidarisierung innerhalb von Kleingruppen am Arbeitsplatz eingedämmt werden konnte. Betriebssport diente immer auch der Wehrertüchtigung.
Nationalsozialistische Musterbetriebe
Seit 1937 wurde im Rahmen des am 29. August 1936 von der Deutschen Arbeitsfront (DAF) ins Leben gerufenen Leistungskampfs der deutschen Betriebe die Auszeichnung „nationalsozialistischer Musterbetrieb“ verliehen. Den Beschäftigten wurde mit diesem Leistungskampf die Verwirklichung sozialer Gerechtigkeit suggeriert, wobei gleichzeitig für die DAF geworben wurde. Durchgeführt wurde der Wettkampf vom „Amt für soziale Selbstverantwortung“ der DAF. Die Ehrungen durch Adolf Hitler oder Robert Ley fanden jährlich am 1. Mai, dem „Tag der nationalen Arbeit“, statt. Die ausgezeichneten Firmen erhielten mit der Überreichung der Urkunde „das Recht, die Flagge der Deutschen Arbeitsfront mit goldenem Rad und goldenen Fransen zu führen“. Diese ein Jahr lang geführte Flagge wurde üblicherweise kurz als „Goldene Fahne“ der DAF bezeichnet. (Mit Faksimile der Urkunde.) Zwar nahmen die Beschäftigten die damit verbundenen sozialen Verbesserungen gern an; allerdings war die Teilnahme an den Leistungskämpfen oft mit verstärkter Zeitnot bei der Arbeit sowie mit erhöhtem Druck seitens Unternehmensleitung und DAF verbunden. Insgesamt führten 297 Betriebe die „Goldene Fahne“.
+ Folgenden Betrieben wurde der Titel verliehen:Die Nationalsozialistischen Musterbetriebe 1937–1939, Bd. 1, 2 und 3 Biallas, Hans Verlag: Raumbild-Verlag Otto Schoenstein, Diessen/Ammersee, 1938/39, Germany, 1938 Name des Betriebes Ort Jahr AEG – Allgemeine Elektrizitätsgesellschaft Fabrik für Elektroheizungen Nürnberg 1938Adolf Ahlers TextilwerkHerford1939 AGO Flugzeugwerke Oschersleben - Alfred Kühne - 1937 Astrawerke Chemnitz - Automobilwerke Ludwigsfelde Ludwigsfelde - A. Weyermann Söhne, Samt- und Seidenweberei Dülken/Rheinland 1938 Barmenia Leipzig - Bayerische Gemeindebank München München 1937 Becker & Bernhard, Weberei Langenfeld 1937 Berliner-Kindl-Schultheiss-Brauerei Berlin 1937 Berzelius Metallhütten GmbH Duisburg-Wanheim 1938 Buchdruckerei Leopold Kell A.G. – Weißenfeller Tageblatt Weißenfels 1938 Bochumer Anzeiger Bochum 1939 Bochumer Verein Bochum 1937 Gebr. Böhler & Co. Aktiengesellschaft Düsseldorf 1941 Brabag Braunkohle-Benzin A.G. Böhlen, Magdeburg, Schwarzheide, Zeitz 1939 Braunkohlenbergwerk und Brikettfabrik Liblar GmbH Liblar, Bezirk Köln 1938 Breisgau Milchzentrale GmbH Freiburg 1939 Continental AG Hannover 1942 Curt Schönert Malerei-Werkstätten Senftenberg/Niederlausitz 1938 Clemens Müller Nähmaschinenwerke Dresden - Daimler Benz AG Stuttgart 1941 Daimler Benz Motoren GmbH Genshagen 1937 Deutsche Edelstahlwerke Aktiengesellschaft Krefeld 1938 Deutsche Milchwerke Zwingenberg an der Bergstraße 1937 Deutsche Kabelwerke AG Ketschendorf Spree 1938 Dr. August Oetker KG Bielefeld 1937 Die Bast A.G. Hefefabrik Nürnberg-Buch 1938 Domäne Schweighof Bad Rodach / Coburg 1937 Draht- u. Metallwarenfabrik Rudolf Lang Brandenburg/Havel 1937 Dürkopp Adler - 1941 Dyckerhoff Portland-Zement-Werke Mainz-Amöneburg 1938 EBAWE - 1938 Elektromechanische Werkstatt Wieland, Goncerzewicz & Boldt Berlin 1938 Escher Wyss AG Ravensburg - Fassondreherei Schraubenfabrik Velbert Velbert 1937 Fieseler-Flugzeugbau GmbH Kassel-Bettenhausen 1938 Fissan-Werke - - Fleischerei Karl Wilke Quedlinburg 1937 Forschungsinstitut für Kraftfahrwesen Stuttgart 1937, 1939, 1940 Friedrich Emil Krauß Schwarzenberg/Erzgeb. 1937 Fritz Leitz Maschinen- und Apparatebau GmbH Oberkochen - Gerhard H. Wempe, Uhren- und Goldwaren Hamburg 1937 Fleischerei Herbert Gräbner Berlin-Lichterfelde 1937 Gerhard-Fieseler-Werke Kassel 1938 Glashütte Hermannsthal Murow in Oberschlesien 1937 Hefefabrik Bast AG Nürnberg-Buch 1938 + 1942 Heinrich Franck Söhne GmbH, Werk Halle/Saale – Kaffee-Zu- und Ersatz-Fabrik Halle / Saale 1938 Hermsdorf Schomburg Isolatoren Ges. (HESCHO) Kahla 1937 Herrenwäsche Seidensticker Bielefeld 1937 Henkel Düsseldorf 1940 Helios-Wirkmaschinenzubehör GmbH Hohenstein-Ernstthal 1937 Hoesch Schacht Kaiserstuhl II Dortmund 1937 B. Hoogen & Co. Zwirnerei und Nähfadenfabrik Dülken/Rheinland 1937 Hubaleck & Cie Bimsbaustoffwerk Koblenz-Weißenthurm 1938 Joh. A. Benckiser Ludwigshafen 1933 Johann Weiß Brasiltabakfabrik Landshut 1937 Karlsruher Versicherungen Karlsruhe - Kohlengroßhandlung und Transporte Rudolf von der Linde Alsdorf 1938 Krauß-Werke Schwarzenberg im Erzgebirge 1937 Konditorei und Kaffeehaus Engemann Cottbus 1938 Kugelfischer Schweinfurt 1941 Kühne + Nagel - - Kunstmühlen-Werke Franz Lucke Leipzig-Stahmeln - Land-Feuersozietät Prov. Sachsen Magdeburg 1937 Leipziger Wollkämmerei Leipzig 1937 Paul Liepe & Co, Auto-Reparaturwerkstatt Magdeburg 1937 Maschinenfabrik H. A. Waldrich KG Siegen - Maggi-Gesellschaft m.b.H Berlin 1938 Mauxion Saalfeld a. d. Saale - Max Woelm Spangenberg - Melitta Minden (Westf.) 1941 Meller Möbelfabrik Melle 1939 Messerschmitt GmbH Nürnberg 1941 Perthes Verlag Gotha - Gut Pennerhorn Kreis Schlarpe in Pommern 1937 Polte Armaturen-Maschinen- und Metallwaren-Fabrik O.H.G. Magdeburg 1938 Portland-Zementwerke Heidelberg AG Werk Mainz-Weisenau 1937 Postamt Berchtesgaden Berchtesgaden 1937 Postamt Sommerfeld Niederlausitz 1938 Preussag - - Provinzial-Feuerversicherungsanstalt der Rheinprovinz Düsseldorf 1938 Quantmeyer & Eicke, Textileinzelhandelsunternemen Berlin 1938 Reederei Braunkohle GmbH & Co, Schiffsart und Umschlag Köln und Wesseling 1937 Reichsbank Berlin 1942 RWE – Rheinisch-Westfälische Elektrizitätswerke A.G. Betriebsverwaltung Wesel Wesel 1938 Rittergut Peseckendorf, Landwirtschaftlicher Betrieb Friedrich Schaeper Peseckendorf bei Hadmersleben 1938 Schaerer-Werke GmbH, Werkzeugmaschinenfabrik Karlsruhe 1938 Schäffer & Budenberg Buckau 1937 Schiesser Radolfzell 1940 Schmidt Söhne, Kakao- und Schokoladenfabrik Bodetz-Olchersleben 1937 Schülke & Mayr Norderstedt 1941 Landwirtschaftlicher Betrieb Schwerdtfeger Hinsdorf bei Dessau 1937 Sperrholzwerk Ebersberg Obb., Furniere – Inh. Kurt Rhode Ebersberg in Oberbayern 1937 Spinnerei und Weberei Kottern Kempten-Kottern 1937/38 Spinnhütte Celle Celle 1937 Spiralbohrer-Werke R. Stock & Co. Berlin-Marienheide 1937 Sprengstoff und pyrotechnische Fabriken, vorm. Lechfeld & Depyfag GmbH Sprengstoffwerk Neumarkt Neumarkt (Opf.) 1938 Steinwerke Meys & Co Luckenbach/Oberwesterwald 1938 Staatliches Fernheiz,- Elektrizitäts- und Wasserwerk Kassel 1937 Stahlwerke Bochum Bochum 1941 Steinkohlegrube St. Ingbert St. Ingbert - Gebrüder Stollwerck A.G. Köln 1937 Suhl Werke für Waffen, Fahrzeuge und Werkzeugmaschinen Weimar Meuselwitz 1938 Tabakfabrik Linz Linz 1938 Technische Berufliche Schule 1 Bochum Bochum - Thüring. Zellwolle AG Schwarza 1937 Uhrenwerke Ruhla Ruhla - Vereinigte Glanzstoff-Fabriken Obernburg 1937/1938 Vereinigte Glanzstoff-Fabriken Sydowsaue 1941 Waschgerätewerk Schwarzenberg Schwarzenberg 1937 Walter Helkenberg, Fassondreherei und Schraubenfabrik Velbert 1938 Weberei Becker & Bernhard Langenfeld Rhld 1937 Werkzeugmaschinenfabrik Glauchau – Wotan- und Zimmermann Werke AG Glauchau 1937 Willi Woratz -Därme Im- und Export Hamburg 1938 Wittenauer Werkzeugmaschinenfabrik Herbert Lindner Wittenau - Winklers Verlag Darmstadt - F.M. Weber Papier- und Pappen-Fabrik Wehlitz 1937 Zementwerk Weisenau Mainz-Weisenau 1937 Zentrum für Psychiatrie Reichenau Reichenau 1937 Zschimmer & Schwarz Greiz-Dölau 1941
Veröffentlichungen des Amtes Schönheit der Arbeit (Auswahl) Monographien