Der Nationalpark Schwarzwald wurde am 1. Januar 2014 gegründet und ist der erste Nationalpark in Baden-Württemberg. Der dortige Landtag stimmte am 28. November 2013 für dessen Errichtung. Website des Ministeriums für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz Baden-Württemberg, abgerufen am 30. November 2013 Der heute 11.267 Hektar (112,67 km²) große Nationalpark liegt am Hauptkamm des Nordschwarzwalds überwiegend zwischen der Schwarzwaldhochstraße und dem Tal der Murg. Der Nationalpark Schwarzwald befindet sich im Areal des Naturparks Schwarzwald Mitte/Nord und wird vollständig von diesem umschlossen. Am 3. Mai 2014 wurde der Nationalpark offiziell eröffnet. Er bestand zunächst aus zwei etwa 3,5 Kilometer voneinander getrennten Einzelbereichen um Ruhestein (7.615 Hektar) und Hoher Ochsenkopf/Plättig (2.447 Hektar).Unter dem Motto „Eine Spur wilder“: Das wilde Herz beginnt zu schlagen (Pressemitteilung) auf baden-wuerttemberg.de Zum 1. Januar 2026 wurde das Nationalparkgebiet per Gesetz erweitert, um die Lücke zwischen den zwei Gebieten zu schließen. Dabei erhöhte sich die Fläche um rund 1.300 Hektar.www.swr.de

Die Einrichtung des Nationalparks im Schwarzwald war politisch umstritten. Sie wurde von den Oppositionsparteien CDU und FDP, Vertretern der holzverarbeitenden Industrie und Teilen der betroffenen Bevölkerung abgelehnt, während SPD und Grüne, die Naturschutzverbände und andere Teile der Einwohnerschaft des Nordschwarzwaldes die Gründung des Nationalparks befürworteten.

Standort und räumliche Ausdehnung

Der nördliche Teilbereich Hoher Ochsenkopf/Plättig umfasst das obere Schwarzenbachtal sowie die Regionen um den hohen Hohen Ochsenkopf im Zentrum, den hohen Mehliskopf im Westen, die hohe Badener Höhe im Norden und den hohen Nägeliskopf im Osten. Beim Zusammenfluss von Schwarzenbach und Raumünzach liegt auf knapp Höhe der tiefste und östlichste Punkt dieses Parkbereichs. Ausgegrenzt sind der Ort Herrenwies sowie kleinere Flächen um Plättig, Sand und das Wanderheim Badener Höhe. Im Nordosten grenzt die Schwarzenbachtalsperre an, im Westen die Bühlerhöhe jenseits der Schwarzwaldhochstraße. Überwiegend gehört der Staatswald hier zum Gebiet der Gemeinde Forbach (Landkreis Rastatt). Die Städte Bühl (Landkreis Rastatt) und Baden-Baden stellten zusätzliche Kommunalwaldflächen im Bereich Plättig bereit.

Der größere Teilbereich Ruhestein reicht bis in etwa beim Dreifürstenstein in der südöstlichen Gipfelregion der Hornisgrinde, des höchsten Berges im Nordschwarzwald. Weitere Gipfel sind der Vogelskopf () und der Schliffkopf () im Westen, der Seekopf () im Nordwesten, das Riesenköpfle () im Zentrum, der Leinkopf () im Norden und der Großhahnberg () im Nordosten. Eingeschlossen sind in diesem südlichen Teil des Nationalparks die Karseen Wildsee, Huzenbacher See und Buhlbachsee sowie das obere Schönmünztal und die Oberläufe der Murg-Quellflüsse Rechtmurg und Rotmurg sowie weiterer Murgzuflüsse. Am Westabhang des Schliffkopfs reicht der Teilbereich bis zu den Allerheiligen-Wasserfällen hinab, wo er bei etwa seinen niedrigsten und westlichsten Punkt erreicht. Ausgegrenzt sind im Ruhesteingebiet der Ruhestein selbst mit zwei Skihängen und den Skisprungschanzen, die Darmstädter Hütte, das Schliffkopf-Hotel, das Rotmurg-Jägerhaus, die Siedlung Volzenhäuser (Schönmünz) und weitere kleine Areale. Die Staatswaldflächen gehören hier überwiegend zur Gemarkung der Gemeinde Baiersbronn (Landkreis Freudenstadt), des Weiteren zu Oppenau, Ottenhöfen und Seebach (Ortenaukreis).Gesetzentwurf der Landesregierung, Drucksache 15/4127 vom 8. Oktober 2013 (PDF; 11 MB). Enthält detailliertes Kartenmaterial., Anlage 1 zu § 2 Absatz 1 NLPG (PDF; 2,56 MB), abgerufen am 8. Dezember 2013

Die Parkfläche betrug bei der Gründung 10.062 Hektar, darunter 2.447 Hektar im Teilbereich Hoher Ochsenkopf/Plättig und 7.615 Hektar um den Ruhestein. Die beiden Teilgebiete waren durch den Forbacher Ortsteil Hundsbach sowie nicht in Staatsbesitz befindliche Waldflächen getrennt, die zum Teil der Murgschifferschaft gehören.vgl. Karte IX, 5 Das Waldeigentum im Nordschwarzwald und in der nördlichen Ortenau im Historischen Atlas von Baden-Württemberg (online) Im Zuge einer Änderung des Nationalparkgesetzes, beschlossen vom Landtag Baden-Württemberg am 12. November 2025 und verkündet im Gesetzblatt vom 2. Dezember 2025, wurde der Nationalpark zum 1. Januar 2026 erweitert und die zuvor getrennten Teilgebiete miteinander verbunden. Dabei vergrößerte sich die Fläche von 10.062 Hektar auf 11.267 Hektar (Erweiterung um 2.639 Hektar bei gleichzeitigen Gebietsabgaben von 1.431 Hektar).

Tiere und Pflanzen mini|Der Nationalpark bietet Lebensraum für Auerhühner Die Bergmischwälder, die einen Großteil der Fläche des Nationalparks ausmachen, setzen sich besonders aus den Baumarten Fichte, Buche und Weißtanne zusammen, sowie aus verschiedenen Farnen, Bärlappen und Moosen.

Die Grinden und Plateaumoore, die etwa 3 % der Parkfläche ausmachen, sind mit Pfeifengras, Rasenbinse und Heidekraut bewachsen. Von diesen Gebieten profitieren besonders seltene Insektenarten wie die Alpine Gebirgsschrecke, der Warzenbeißer und verschiedene Nachtfalterarten, sowie die Kreuzotter, der Zitronenzeisig, der Wiesenpieper und der Wendehals.

Die drei Karseen des Nationalparks bieten Amphibien- und Libellenarten einen geeigneten Lebensraum. Auch auf Fels- und Blockschutthalden, die verstreut im Park vorkommen, leben viele verschiedene Arten, von seltenen Flechten und Insekten, bis hin zu Alpenspitzmäusen und Wanderfalken.Offizielle Website des Nationalparks Schwarzwald: Flora & Fauna, abgerufen am 23. Januar 2018.

Charakteristische im Nationalpark vorkommende Vogelarten sind unter anderem die Spechtarten Schwarzspecht, Buntspecht, Grauspecht und der seltene Dreizehenspecht. Ebenso findet man hier Fichtenkreuzschnäbel und Tannenhäher. Die Eulen sind besonders durch die Arten Waldkauz, Raufußkauz und Sperlingskauz vertreten.

Besonders hervorzuheben ist das vom Aussterben bedrohte Auerhuhn, welches in den lichten Nadelwäldern des Nationalparks ein wichtiges Vorkommensgebiet hat.

Die Säugetiere sind durch die großen Paarhufer Rothirsch, Reh und Wildschwein vertreten. Des Weiteren findet man unter anderem Füchse, Dachse, Feldhasen, Sieben- und Gartenschläfer im Nationalpark.

Bereits seit Ende des 20. Jahrhunderts wurde im heutigen Gebiet des Nationalparks regelmäßig einzelne Luchse nachgewiesen. Dabei handelte es sich jedoch immer um einzelne, männliche Tiere, die auf der Suche nach weiblichen Tieren aus der Schweiz zugewandert waren.

Seit dem Winter 2017/18 gibt es im Nordschwarzwald genetische Nachweise, Ministerium für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft Baden-Württemberg. dass der Wolf über 150 Jahre nach der Ausrottung durch den Menschen dorthin zurückgekehrt ist. Der erste im Gebiet des Nationalparks derart nachgewiesene Wolf, ein als GW852m bezeichneter einzelner, residenter Wolfsrüde, stammt aus einem Rudel in der Lüneburger Heide und ist von dort über knapp 600 km zugewandert. Sein Revier befindet sich jedoch überwiegend östlich des Nationalparks zwischen Murg- und Enztal. Der Nationalpark liegt innerhalb des rund 3.700 Quadratkilometer großen Wolfsgebietes („Förderkulisse Wolfprävention“), das die Landesregierung Baden-Württembergs daraufhin im Mai 2018 zur Unterstützung für Schaf-, Ziegen- und Gehegewildhalter auswies. Ein weiterer Wolfsrüde, der sogenannte Hornisgrinde-Wolf oder GW2672m, wanderte aus Gutenbrunn in Niederösterreich ein, wurde ab 2023 im westlichen Nordschwarzwald nachgewiesen und ab 2024 als sesshaft auch im Bereich des Nationalparks angesehen. Da er sich immer wieder Menschen und Hunden annäherte und Vergrämungs- und Einfangversuche scheiterten, gab ihn das baden-württembergische Umweltministerium im Januar 2026 zum Abschuss frei, was zu politischen und juristischen Auseinandersetzungen führte.

Im Jahr 2019 waren im Nationalpark 2100 Tierarten dokumentiert, davon 1400 Insektenarten und unter ihnen etwa 750 Käferarten. Es wird aber vermutet, dass rund 3000 Insektenarten im Park vorkommen. Außerdem wurden 1050 Pilzarten, fast 600 Farn- und Blütenpflanzen, mehr als 200 verschiedene Flechten und fast 400 Moose nachgewiesen.

Auswirkungen der globalen Erwärmung Die extreme Hitze und die Dürren besonders der Sommer 2018 und 2019 haben sich auch auf die Wälder Baden-Württembergs und auf den Schwarzwald erheblich ausgewirkt. Laut Waldzustandsbericht 2019 sind 43 Prozent der Waldfläche im Bundesland deutlich geschädigt, nur ein Viertel der Bäume ist gesund. Im Nationalpark Schwarzwald sind es hauptsächlich die Fichten, die Stürmen, der Trockenheit und dem sich durch die Wärme massiv ausbreitenden Borkenkäfer vielerorts nicht mehr standhalten. Auch die Weißtanne ist, selbst in Höhenlagen, von Trocken- und Hitzeschäden betroffen. Es wird davon ausgegangen, dass die das Waldbild des Nationalparks prägende Fichte zunehmend durch dürre- und hitzeresistentere Laubbäume ersetzt wird.

Organisation mini|Das Naturschutzzentrum Ruhestein mini|Das Nationalparkzentrum Ruhestein mini|Schild beim Schliffkopf Die Nationalparkverwaltung ist eine Sonderbehörde des Landes Baden-Württemberg. Bis 2016 war sie dem Ministerium für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz (MLR) zugeordnet, nach der Landtagswahl in Baden-Württemberg 2016 wechselte sie ins Ministerium für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft Baden-Württemberg (UM). In der Begründung des Nationalparkgesetzes ist analog zu den Qualitätsstandards und -Kriterien für Nationalparke in Deutschland eine Zuordnung zur Oberen Naturschutzbehörde vorgeschrieben und mit der Landtagswahl wechselte die Zuständigkeit für Naturschutz vom MLR zum UM. Wichtige Entscheidungen werden gemeinsam mit dem Nationalparkrat getroffen, der aus Vertretern des Ministeriums, der angrenzenden Städte und Kreise und des Naturparks Schwarzwald Mitte/Nord besteht. Bei fachlichen Fragen kann außerdem das Fachwissen des Nationalparkbeirats herangezogen werden, in dem Verbände und Interessengruppen aus den Bereichen Naturschutz, Forst, Kirchen, Tourismus u. a. organisiert sind.

Dienstsitz für die Verwaltung des Nationalparks ist das Nationalparkzentrum Ruhestein in Seebach. Weitere Dienstorte sind das frühere Forstamt in Baiersbronn-Klosterreichenbach und das alte Winterdienstgehöft an der Alexanderschanze bei Bad Peterstal-Griesbach.Erste Entscheidungen sind gefallen In: Stuttgarter-Zeitung.de vom 13. Dezember 2013 Gründungsleiter der Nationalparkverwaltung waren der Forstwissenschaftler Thomas Waldenspuhl und der Biologe Wolfgang Schlund. Nachdem Waldenspuhl in Ruhestand gegangen war, übernahm Schlund im Oktober 2023 das Amt. Stellvertretende Leiterin ist die promovierte Biologin Britta Böhr. Am 1. Januar 2014 nahm die Nationalparkverwaltung mit den ersten 40 Mitarbeitern auf 31,5 Planstellen, die aus der Forst- und Naturschutzverwaltung auf den Nationalpark übergingen, die Arbeit auf. Im Jahr 2014 wuchs die Nationalparkverwaltung auf 63 Stellen, 2016 auf rund 90 Stellen an.Zwei Chefs teilen sich die Aufgaben. In: Stuttgarter-Zeitung.de vom 20. Dezember 2013

Der Neubau des Nationalpark-Zentrums mit Ausstellungsräumen auf Baiersbronner Gemarkung am Ruhestein wurde am 16. Oktober 2020 übergeben.

Geschichte Idee Die Idee eines Nationalparks im Nordschwarzwald war bereits Anfang der 1990er-Jahre durch das damalige NABU-Institut für Waldökologie in Bühl und dessen Leiter Volker Späth in die Diskussion gebracht worden.Volker Späth: Nationalparkvorschlag Nordschwarzwald. Bestandsaufnahme und Bewertung der Möglichkeiten naturnaher Waldpflege und ungestörter Waldentwicklung in: Naturschutzbund Deutschland: Beihefte zum Naturschutzforum (3), DBV, Kornwestheim 1992, S. 1–76. Landwirtschaftsminister Gerhard Weiser (CDU) und Umweltminister Erwin Vetter (CDU) sprachen sich für ein Gutachten zu den Möglichkeiten, Chancen und Risiken dazu aus.